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    Ist "Star Wars 9" ein Mittelfinger an "Star Wars 8" und Rian Johnson?
    Von Tobias Tißen, Tobias Mayer — 26.12.2019 um 09:00
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    Mit „Episode 9: Der Aufstieg Skywalkers“ inszeniert J.J. Abrams die Fortsetzung zum kontrovers aufgenommenen „Star Wars 8“. Wirft Abrams die Ideen seines Vorgängers in den Müllschlucker? Zwei Redakteure sehen das unterschiedlich.

    The Walt Disney Company

    +++ Meinung von Tobias Tißen: „Star Wars 9“ ist ein dicker Mittelfinger +++

    Es folgen Spoiler zu „Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers

    Für mich setzt Rian Johnson in „Star Wars 8: Die letzten Jedi“ einen perfekten Schlusspunkt. Nach der großen Endschlacht und Lukes Opfer sehen wir Kinder, die eben diese Ereignisse mit Puppen nachspielen – die Skywalker-Legende hat sich also durch die Galaxis verbreitet. Anschließend geht eines der Kinder hinaus, ein Junge, und zeigt in einem kleinen, einfach zu übersehenden Moment, dass er die Macht besitzt, indem er einen an der Wand lehnenden Besen ohne diesen zu berühren zu sich zieht.

    Seinen Film auf dieser Note zu schließen, war nicht nur mutig von Johnson, da jeder „Star Wars“-Film zuvor mit den jeweiligen Helden bzw. Antagonisten und nicht mit einer kleinen Nebenfigur endete, sondern auch ein großes Versprechen für die Zukunft. Was passiert mit diesem machtintensiven Kind, dessen Held Luke Skywalker ist? Wird Rey ihn trainieren? Gibt es noch mehr von ihnen und sehen wir in „Star Wars 9“ wieder mehrere Jedi? Vielleicht dann sogar unter dem Namen „Skywalker“ statt „Jedi“, wie es eine beliebte Theorie mal nahelegte?

    Das Ende zählte sicherlich zu den meistdiskutierten Szenen aus „Die letzten Jedi“, wenn es darum ging, was uns in J.J. Abrams‘ Trilogie-Abschluss erwarten könnte.

    Abrams ignoriert "Star Wars 8"-Ende

    Tja und was hat J.J. Abrams nun mit Johnsons großartigem Ende gemacht? Nichts. Er hat es ignoriert, er hat diesen tollen „Star Wars“-Moment komplett sinnlos werden lassen. Und das ist bei weitem nicht das einzige Mal, wo Abrams versucht, „Star Wars 8“ vergessen zu machen, indem er Story-Entscheidungen Johnsons ignoriert oder sogar direkt adressiert und dabei eindeutig für schwachsinnig erklärt.

    Natürlich knüpft Abrams teilweise auch an den direkten Vorgänger an, im Grunde ist „Der Aufstieg Skywalkers“ aber ein dicker, 200 Millionen Dollar teurer Mittelfinger in Richtung Rian Johnson.

    Und der kommt sehr wahrscheinlich nicht (nur) vom Regisseur selbst, sondern zum größten Teil von Geldgeber Disney, der die vielen von Teil 8 enttäuschten Fans unter allen Umständen wieder auf seine Seite ziehen will.

    Ihr mögt Rose nicht? Alles klar: Dann weg mit ihr!

    Und sogar den toxischsten der „Star Wars“-Fans will man sich anbiedern – oder J.J. Abrams ist tatsächlich komplett egal, was Rian Johnson in „Die letzten Jedi“ gemacht hat. Was auch immer: Wie in „Star Wars 9“ mit der Widerstandskämpferin Rose Tico (Kelly Marie Tran) umgegangen wird, ist nicht weniger als eine Frechheit.

    Nach „Episode 8“ war sie sicherlich die am meisten kritisierte Figur – und meist ging die Kritik nicht darüber hinaus, dass sie eine Frau und/oder Asiatin ist. Die Anfeindungen im Internet gingen sogar so weit, dass sich Kelly Marie Tran aus den sozialen Netzwerken verabschiedete.

    The Walt Disney Company
    Rose und Finn in "Star Wars 8: Die letzten Jedi"

    In „Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalker“ wird sie daher nun zur kompletten Randfigur degradiert. In Teil 8 gesteht sie Finn (John Boyega) ihre Liebe, sie rettet ihn unter Einsatz ihres Lebens, küsst ihn. In Teil 9 legt Finn ihr einmal die Hand auf die Schulter, das war es an zwischenmenschlicher Nähe zwischen den beiden.

    Ein paar Sätze darf sie noch sagen, aber auch nicht mehr als die neu eingeführte Figur Beaumont Kin. „Wer?“, fragt ihr euch? Richtig, man erinnert sich nicht mal mehr an den Typen – Beaumont ist der von Dominic Monaghan („Lost“, „Herr der Ringe“) gespielte Widerstandskämpfer.

    Ein neues, potentielles Love-Interest für Finn wird eingeführt: die Ex-Sturmtrupplerin Jannah (Naomi Ackie). Sie gehört zwar noch zu den besten neuen Figuren, ein Mittelfinger in Richtung Rose Tico und Rian Johnson ist ihre Existenz aber trotzdem.

    Rian Johnson, du Blasphemiker!

    Und dann wäre da natürlich der Moment, in dem J.J. Abrams am deutlichsten zu machen scheint, was er von manchen Entscheidungen seines Nachfolgers und Vorgängers Rian Johnson hält. Wenn Rey (Daisy Ridley) für gefühlte zwei Minuten ins Exil nach Ahch-To geht, ihr Lichtschwert zerstören will und Machtgeist-Luke (Mark Hamill) dies verhindert, kommentiert er das mit Worten à la: „So geht man nicht mit einer Jedi-Waffe um!“

    Auch wenn Luke seine Abkehr von den Jedi bereits in „Episode 8“ wieder rückgängig machte, fühlt sich dieser Satz doch wie ein weiterer, diesmal richtig dicker Mittelfinger für Johnson an. J.J. Abrams und sein Autorenpartner Chris Terrio („Batman v Superman“) hätten Luke auch sagen lassen können: „EY! Rian ‚Ruin‘ Johnson war ein Blasphemiker. Wir hingegen wollen die ‚Star Wars‘-Fans nicht wieder verärgern.“ Von der Aussage her hätte es sich für mich exakt so angehört wir das, was Luke tatsächlich sagt.

    "Die letzten Jedi": Für Disney ein gescheitertes Experiment

    Ich könnte noch ein bisschen so weiter machen und etwa noch mehr darauf eingehen, dass Abrams und Terrio Rey unbedingt wieder einen in der „Star Wars“-Saga verankerten Stammbaum verpassen mussten, obwohl es doch schön gewesen wäre, wenn die Heldin der Trilogie mal kein Sprössling einer der wenigen großen Familien in dieser gigantischen Galaxis wäre – so wie es nach Rian Johnsons Film aussah.

    Aber ich glaube, mein Punkt ist klar geworden:

    Aus Angst vor erneutem Internet-Hass und weil man mit aller Macht die verlorenen Fans zurückgewinnen wollte, hat J.J. Abrams „Die letzten Jedi“ teils ignoriert, teils dessen Story-Entscheidungen revidiert.

    Das war sein Job. Genauso wie es vermutlich sein Job war, möglichst viele nostalgische Momente zu erzeugen – hat bei seinem „Erwachen der Macht“ ja auch schon funktioniert. Das dazwischen – „Star Wars 8“– war ein gescheitertes Experiment. So etwas wird es bei Disney nicht mehr geben.

    Auf der nächsten Seite lest ihr, warum Tobias Mayer „Star Wars 9“ nicht für einen Mittelfinger hält.

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    Kommentare
    • Gravur51
      Und du musst auch mal wieder vom meth runterkommen lieber James ^^
    • Gravur51
      Komm mal vom meth runter ^^
    • Arthur-Daniel
      Jo, und der Aufhänger dafür, war der Angriff auf Ben, welcher aus einem Impuls der Furcht erfolgte. Demnach eine Handlung seiner dunklen Seite, die er nicht immer kontrollieren kann Durch die Forschungen über die PT Ereignisse fühlte er sich dann endgültig bestätigt. Aber es war nicht der Ausgangspunkt seiner Kehrtwende.
    • Bond, James Bond
      Er war nie auf der dunklen Seite, auch nicht mental. Dass er kurz wütend war, heißt nicht, dass er auf der dunklen Seite war. Das hat sich der Imperator gewünscht.Und zu Kylo/Ben: gerade WEIL Luke geschafft hat seinen Vater zu bekehren, war er geschockt und dann desillusioniert, dass Ben die dunkle Macht in sich trägt. War alles davor umsonst? Über solche Sachen braucht doch ernsthaft kein Mensch mit gesunden Menschenverstand lang zweifeln? Das es solche Wandlungen und Entscheidungen gibt, völlig normal. Als wenn alle Menschen immer gleich handeln würden. Ist doch Mumpitz...oder nicht?
    • Bond, James Bond
      Ach komm...ist doch albern. Ich mag dich, aber genau diese Engstirnigkeit vieler ermüdet mich.
    • Bond, James Bond
      Hast du die in bester BD Quali? Eher nicht. Ich schrieb oben paar mal: dämliche Ideen, machen die Filme aber nicht per DE schlecht.Und DANK Disney habe ich sogar die Hoffnung, dass die Originalfassungen in HD kommen. Unter Luca$ garantiert nicht.
    • Bond, James Bond
      Siehe ein Kommentar oben: habe ich auch nie behauptet. Ihr müsst auch nachdenken, bevor ihr mir unberechtigterweise etwas vorwirft. Oder zumindest nachfragen.
    • Bond, James Bond
      Hier auch: hä? Wo habe ich die drei Filme von 1977-1983 angeprangert. Selbst Lucas Verschlimmbesserungen, die eine dämliche Idee waren, können diese Filme nicht schlecht machen.
    • Bond, James Bond
      Hä? Erfolg haben außer Solo alle! Und Clone Wars war eh geplant. Bücher, Spiele etc. gab es lange Zeit vor den Prequels. Also bitte.
    • Bond, James Bond
      Wenn du sagst, dass John Wick 2 und 3 Schrott sind, nehme ich dir alles ab.
    • Bond, James Bond
      Oh Mann....die letzten Filme, die gedreht wurden...natürlich. Was sollte man sonst verstehen?
    • Bond, James Bond
      Macht es Sinn, dass Indy in Jäger des verlorenen Schatzes seine Panzerfaust niederlegte? Zu diesem Zeitpunkt opfert er nicht nur Marion, sondern auch sich selbst. Was danach passiert, konnte er noch nicht erahnen.Ist ja meine Lieblingsdiskussion in solch Art von Filmen, was Sinn macht und was nicht....nicht.
    • Bond, James Bond
      Ein Kack sind die PTS!!! Danke Disney.Es muss endlich aufgehört werden George Lucash und seine dummen Ideen plötzlich zu huldigen.Filmtechnisch sind die Sequels sogar eine Offenbarung gegenüber den PTS Rotz. Aber wer auf so Schrott wie noch Clone Wars steht und eh der Konsolengeneration angehört...pfiff.
    • Bond, James Bond
      Ooooh...soll ich für die in die Hände klatschen? Komm, mach dir noch nen Bierchen auf und zocke weiter.
    • Evilsmily
      Sehr richtig nur weil Methapern und Analogein in eine Scene gesetzt werden heißt nicht das es gut ist. wenn diese Metaphern nicht mit der Realität und Charktern entwiklung übereinstimmen . Luke konnte nicht wissen das die Rebellen entkommen. weil die E.O. mal wieder nicht feuert und sie nicht weiter trackt.anstatt zu kämpfen und klyo festzunehmen trollt er klyo.und hält eine Rede das er nicht der letzte jedi ist ich meine er kennt rey nur einen tag bringt ihr nichts übers jedi dasein bei und sagt ihr noch das die jedi ein relikt aus der vergangenheit sind und yodo zerstörte die letzen artefakte der jedi nur um eine witz zu machen - warum also ist er sicher das rey ihm nach folgt?? woher weiß der skalve überhaupt das luke da stand ? gleiches gilt für die Sklavenbefreiung rose gibt dem sklaven ein ring anstatt ihn zu befreien weil der ring hoffnung sybolisiertist es jetzt ok eine Sklave zu sein weil er jetzt einen ring besitzt omg ??das einzig gute an TLJ ist das Episode 1 Die dunkle bedohung nicht mehr der schlechteste star wars ist und ich dachte das wäre unmöglich-D
    • OutVisArt
      Echt so drastisch neu der Dialog? Wurde das in der BlueRay Fassung nochmal geändert? Hatte die szene gar nicht so krass anders in erinnerung. Aber gut teilweise vllt anders aber dennoch den ausgang der geschichte bzw das schicksal der figuren wird dennoch nicht verändert. Man kann also die special edition gut ignorieren wenn man das möchte.
    • Saints ofchaos Deluxe
      So noch ein Kommentar von mir weils so schön ist. Ich habe endlich Jedi Knight auf win 10 zum laufen bekommen. Verdammt, dieses Game ist besseres Star Wars als alles was danach kam....also nach Episode 6!
    • as140
      Soviel ich weiß war zumindest ein grober Plan für die neue Trilogie von Abrams vorhandenDann scheinst du mehr zu wissen als Abrams selbst. Der deutete nämlich das Gegenteil an.
    • Dennis Beck
      Wie in „Star Wars 9“ mit der Widerstandskämpferin Rose Tico umgegangen wird, ist nicht weniger als eine Frechheit.Niedlich! Eine der wenigen Punkte, wo ich Abrams und seiner Episode IX auf die Schulter klopfen muss. Die Nervensäge kann froh sein, dass General Hux schlimmer und der Jar Jar Binks der Sequel-Trilogie ist. Ja, TROS ist ein Mittelfinger an den ruinierten Mittelteil. Und das mit Recht! Die gesamte ST hat die Saga entwürdigt. Und an alle, die denken, die PT war der größte Rotz: Dramaturgisch war sie angenehm rund. Denn auch hierfür hatte Lucas eine klare Vision. Diese hat Disney und Kennedy fatalerweise gefehlt.
    • as140
      den mit SW8 hat Johnson ja viele richtig gemacht.zum Beispiel?
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