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    Die 25 besten Serien 2019
    Von Markus Trutt, Nina Becker, Julius Vietzen, Björn Becher — 29.12.2019 um 17:30
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    Das Jahresende steht bevor. Höchste Zeit also, auch im Serienbereich zu rekapitulieren, was für uns in der FILMSTARTS-Redaktion bei der überwältigenden Serienflut von „Chernobyl“ über „The Boys“ bis „Watchmen“ zu den Highlights gezählt hat.

    HBO / Netflix / Amazon

    Ein weiteres Jahr ist rum. Und auch 2019 hat uns wieder eine riesige Flut an komplett neuen oder mit neuen Staffeln zurückgekehrten Serien beschert, durch die wir noch einmal gewatet sind, um die in unseren Augen besten der besten herauszufischen. Bei der schieren Masse kein leichtes Unterfangen.

    Da ist man schon fast froh, wenn Serien-Spektakel wie „Game Of Thrones“ trotz bombastischer Inszenierung in der großen Finalseason inhaltlich nicht mehr genügend abliefern, um sich für die Top-25 zu qualifizieren. Oder aber wenn einige starke Serien noch nicht in Deutschland gestartet sind (wie „The Mandalorian“ und „What We Do In The Shadows“) oder noch nicht komplett veröffentlicht wurden (wie die zweigeteilten neuen Staffeln von „BoJack Horseman“ und „Rick And Morty“). Denn offizielle deutsche Premieren bei Free-TV-, Pay-TV- oder Streaming-Anbietern im Jahr 2019 sowie abgeschlossene Staffeln, die wir als Ganzes bewerten wollen, waren die Voraussetzungen für eine Aufnahme in die die nachfolgende Liste.

    Aber auch so muss man irgendwann den Schlussstrich ziehen und somit einige weitere Hochkaräter schweren Herzens außen vor lassen. Teilt uns also gerne mit, welche Titel es auf eure persönlichen Listen geschafft haben und welche ihr hier vermisst...

    "Killing Eve" - Staffeln 1 & 2

    BBC America

    Deutscher Start: 22. Februar & 26. Juli (Starzplay)

    Alle, die glauben, sie wüssten bei Filmen und Serien stets, wie der Hase läuft, sollten sich von „Killing Eve” eines Besseren belehren lassen. Der britische Serien-Hit schlägt unerwartete Haken am laufenden Band. Nie kann man sich sicher sein, wohin die Reise nun genau geht. „Killing Eve” ist spannender Spionage-Thriller, rührendes Charakterdrama und skurrile Comedy in einem – und in all diesen Bereichen grandios.

    Daraus ergibt sich ein ganz eigener tonaler Mix, der nur schwer zu beschreiben ist, aber bestens funktioniert. Im Zentrum des Ganzen: Die explosive und komplexe Beziehung zwischen zwei grundverschiedenen und doch gar nicht so unterschiedlichen Frauen, die uns eine der faszinierendsten Serien-Figuren der vergangenen Jahre beschert hat: Jede Szene mit Villanelle ist ein kleines Highlight für sich – nicht zuletzt dank der famosen Jodie Comer, die mit dem spielenden Wechsel zwischen kindlicher Freude und skrupelloser Brutalität nicht nur für die meisten (gern auch mal im Halse stecken bleibenden) Lacher sorgt, sondern aus der Auftragskillerin auch eine absolut einzigartige Figur macht.

     

    "After Life" - Staffel 1

    Netflix

    Deutscher Start: 8. März (Netflix)

    After Life“ ist keine abgrundtief fiese Haudrauf-Comedy-Serie, wie es die Prämisse (nach dem Tod seiner Frau beschließt ein verbitterter Mann, allen seine Meinung zu geigen) und der Name Ricky Gervais zunächst vielleicht vermuten lassen. Das könnte so mancher als Kritik auslegen, trifft in diesem Fall aber genau den richtigen Ton. Gervais, der neben seiner Hauptrolle, alle Folgen auch selbst geschrieben und inszeniert hat, nimmt sich erstaunlich zurück, ohne aber seinen berühmten ruppigen Charme gänzlich ad acta zu legen.

    „After Life“ ist somit keine Comedy mit gelegentlichen tragischen Zwischentönen, sondern vielmehr ein rührendes, menschliches und mit britischem Kleinstadt-Flair garniertes Drama über Verlust, bei dem Gervais sehr versiert und stets passend seinen charakteristischen Humor wohldosiert einstreut.

     

    "Catastrophe" - Staffel 4

    Mark Johnson / Avalon Television Limited

    Deutscher Start: 15. März (Amazon Prime Video)

    Nach wie vor scheint „Catastrophe“ in Deutschland eine Art Geheimtipp zu sein – obwohl es bereits vier Staffeln gibt! Gut für alle, die noch ganz am Anfang der britischen Comedy-Serie stehen, denn es gibt aktuell eigentlich kein Format über Beziehungen, das mit dem zynischen, aber niemals verletzenden Witz, mit den außergewöhnlichen Dialogen und der authentischen und fesselnden Handlung mithalten kann. Man möchte mit Sharon Morris (Sharon Horgan) und Rob Norris (Rob Delaney) wirklich gern befreundet sein – meistens jedenfalls...

    Doch nicht nur die beiden Hauptdarsteller, die übrigens auch jede einzelne der Folgen geschrieben haben, sind einfach hinreißend. Der gesamte Cast ist eine Wucht und man lernt wirklich jede Figur lieben (oder hassen). Vor allem Carrie Fishers letzter Auftritt als Robs Mutter Mia hat unser Herz höher schlagen lassen.

     

    "Chernobyl" - Miniserie

    Sky UK Ltd / HBO

    Deutscher Start: 14. Mai (Sky)

    Die Reaktorexplosion im Kernkraftwerk von Tschernobyl 1986 war eine menschengemachte Katastrophe, die ihre Schrecken bis heute nicht verloren hat. Doch nicht nur der Unfall an sich, der so viel Leid und Tod verursacht hat, ist unvergessen. Auch der Umgang mit dem Unglück in der Politik und Presse der damaligen Sowjetunion hat nichts von seiner furchteinflößenden Brisanz verloren – und es ist unglaublich spannend nachzuvollziehen, wie alles ablief.

    Chernobyl“ ist so perfekt geschrieben und in Szene gesetzt, dass man sich beim Zusehen regelrecht verletzt und schwach fühlt. Craig Mazin hat ein Meisterwerk geschaffen, das unter die Haut geht und dem man sich nicht entziehen kann. Die Bilder sind einfach atemberaubend. Eine der absoluten Must-See-Serien von 2019!

     

    "Miracle Workers" - Staffel 1

    TBS

    Deutscher Start: 14. Mai (TNT Comedy)

    Es braucht nicht immer eine episch lange Erzählung, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Das bewies in diesem Jahr auch das kleine, aber umso feinere „Miracle Workers“. Die gerade mal sieben gut 20-minütigen Folgen der etwas anderen Arbeitsplatz-Comedy sind vollgepackt mit toll getimter Situationskomik und smartem Humor, der bisweilen tiefschwarz ausfällt, aber selbst dann immer deutlich macht, wie viel Herz in der liebenswerten Geschichte steckt. Klarer Szenendieb im auch sonst so spielfreudigen Ensemble: Steve Buscemi als abgehalfterter Gott, der eines Tages keine Lust mehr auf die Menschheit hat und somit prompt das Ende der Welt beschließt.

    Aufgrund der vielen originellen Ideen und augenzwinkernden Details (z.B. zum „wahren“ Zustandekommen der alltäglichsten Vorkommnisse auf der Erde), mit denen der Himmel hier gespickt ist, wären wir in einer zweiten Staffel gerne noch tiefer in diese Welt abgetaucht. Stattdessen wurde „Miracle Workers“ aber zur Anthologie-Serie umgemodelt, die in Season 2 mit einer neuen Geschichte in einem Mittelalter-Setting aufwartet – das aber mit demselben erstklassigen Cast.

     

    "Fleabag" - Staffel 2

    BBC

    Deutscher Start: 17. Mai (Amazon Prime Video)

    Um unsere Liebe für „Fleabag“ und Phoebe Waller-Bridge auszudrücken, muss eventuell eine ganz neue Sprache erfunden werden. Wie sie guckt, wie sie geht, wie sie flirtet, wie sie lacht und wie sie leidet – Fleabag hat unser Herz eigentlich schon mit der ersten Staffel gewonnen. Dass es noch besser geht, haben wir fast nicht für möglich gehalten und doch ist es passiert – auch dank der tatkräftigen Unterstützung eines gewissen verführerischen Priesters (Andrew Scott).

    Die zweite Staffel von „Fleabag“ hat uns unglaublich glücklich gemacht und das Ende der allerletzten Folge (nein, es wird keine weitere Staffel geben) könnte vielleicht das perfekteste aller Enden sein, die jemals in einer Serie stattgefunden haben – und zwar in vielerlei Hinsicht. Unsere Wege haben sich vielleicht für immer getrennt, vergessen werden wir die schlaue Londonerin und ihre einmalige Art, die vierte Wand zu durchbrechen, allerdings niemals...

     

    "When They See Us" - Miniserie

    Netflix

    Deutscher Start: 31. Mai (Netflix)

    When They See Us“ scheint im großen Serien-Dschungel 2019 ein bisschen verloren gegangen zu sein – leider! Denn eigentlich gehören die vier Folgen, die übrigens auf wahren Begebenheiten beruhen, zum Bewegendsten, was dieses Film- und Serienjahr hervorgebracht hat.

    Als 1989 im New Yorker Central Park eine Joggerin überfallen und vergewaltigt wird, werden fünf latein- und afroamerikanische Jugendliche sofort zu Verdächtigen – obwohl alle Beweise für ihre Unschuld sprechen. Es beginnt eine Geschichte, die sich über 25 Jahre erstreckt, in Gerichtssälen, hinter Gittern und in zerstörten Familien spielt – und die die Zuschauer keine Sekunde lang loslässt. So viele Tränen wie bei Ava DuVernays („Selma“) Serie sind bei uns lange nicht geflossen.

     

    "Big Little Lies" - Staffel 2

    HBO

    Deutscher Start: 10. Juni (Sky)

    Nach der grandiosen ersten Staffel von „Big Little Lies“ war schwer vorstellbar, dass es noch eine weitere Staffel geben könnte, die so hervorragend funktioniert. Denn die Handlung war eigentlich auf ziemlich perfekte Art und Weise abgeschlossen. Dass die Freundinnen um Madeline Mackenzie (Reese Witherspoon) allerdings noch mehr düstere Geheimnisse haben, bei denen sich gut hinschauen lohnen könnte, ist jetzt allerdings ganz sicher.

    Gepackt hat uns vor allem die Geschichte von Celeste Wright (Nicole Kidman), die nach dem Tod von Perry endlich ein neues Leben beginnen könnte. Dann wird sie allerdings von ihrer Schwiegermutter Mary Louise (Meryl Streep) besucht – oder sollten wir besser sagen „heimgesucht“? Was Kidman und Streep in „Big Little Lies“ an Schauspiel auf die Mattscheibe gebracht haben, hat uns jedenfalls völlig aus den Socken gehauen und wenn es nach uns geht, kann ein Mary-Louise-Prequel nicht schnell genug kommen!

     

    "Dark" - Staffel 2

    Netflix

    Deutscher Start: 21. Juni (Netflix)

    Gerade in der Genre-Stoffen selten aufgeschlossenen deutschen Serien- und Filmlandschaft hat uns 2017 überrascht und begeistert, wie selbstsicher Regisseur Baran bo Odar und Autorin Jantje Friese mit „Dark“ in ihren komplexen Mystery-Plot abgetaucht sind. Und mit der erneut hollywoodreif und unglaublich atmosphärisch inszenierten zweiten Staffel gehen sie diesen Weg nun konsequent weiter – und wie! Das verworrene Zeitreise-Puzzle wird hier noch ein ganzes Stück größer, zwischen den verschiedenen Zeitebenen und Figuren werden noch mehr spannende Verbindungen hergestellt.

    Die FILMSTARTS-Kritik zur 2. Staffel "Dark"

    Besonders schön dabei: Trotz aller Hirnverknotung kristalliert sich heraus, dass hinter allem ein von Anfang an durchdachtes Gesamtkonzept steht und nicht willkürlich mit Mysterien um der Mysterien Willen jongliert wird (ja, das „Lost“-Trauma sitzt auch bei uns noch tief). Bleibt nur zu hoffen, dass sich das mit der finalen dritten Staffel endgültig bewahrheitet.

     

    "Stranger Things" - Staffel 3

    Netflix

    Deutscher Start: 4. Juli (Netflix)

    Die lange Wartezeit auf die dritte Staffel „Stranger Things“ hat sich definitiv gelohnt. Zwar kommt auch der jüngste Abstecher nach Hawkins nicht ganz an die grandiose Auftaktseason heran, doch fällt er wieder runder aus als die etwas holprige zweite Runde. Die bewährte Mischung aus unbeschwerter Coming-Of-Age-Komödie und fiesem Monster-Horror wurde hier nochmal perfektioniert – vorausgesetzt, man hat sich an dem ungenierten Vollbad in 80er-Jahre-Nostalgie (inklusive des stereotypen Russen-Feindbildes) noch nicht satt gesehen.

    Die FILMSTARTS-Kritik zur 3. Staffel "Stranger Things"

    Am Ende wird man in jedem Fall mit einem absolut spektakulären Finale belohnt, das uns nicht nur eine der magischsten Serien-Szenen des Jahres geliefert hat („Neverending Stoooory“), sondern auch die bislang emotionalsten Momente der Serie bot. Das Warten auf die vierte (und vielleicht letzte?) Staffel des Mystery-Hits wird so nicht gerade einfacher.

     

    "The Boys" - Staffel 1

    Amazon

    Deutscher Start: 26. Juli (Amazon Prime Video)

    „Anti-Avengers“, „Superhelden-Geschnetzel“, „Dagegen ist Deadpool harmlos“: Mit solchen und ähnlichen Umschreibungen haben wir im zurückliegenden Jahr 2019 versucht, „The Boys“ auf einen einfach verständlichen Nenner herunterzubrechen, doch so richtig trifft es ehrlicherweise keine dieser Beschreibungen.

    Denn was die Superhelden-Serie von Eric Kripke auszeichnet, ist vielmehr wie mühelos hier verschiedene Aspekte ineinandergreifen. „The Boys“ ist natürlich eine brutal-überdrehte (und schön erfrischende) Satire, doch funktioniert auch als Superhelden-Serie mit einigen wirklich herausragenden Actionszenen (etwa Homelanders Angriff auf den Unterschlupf der Terroristen) oder sogar stellenweise als ernstes Drama über Themen wie Familie, Drogenmissbrauch oder Leistungsdruck.

    Die FILMSTARTS-Kritik zu "The Boys"

    Das ist zwar ebenso ein Unterschied zu den (sehr guten) Comics von Garth Ennis und Darick Robertson wie die Entscheidung, Homelander und die Seven nicht zu reinen Karikaturen zu machen, doch wir finden es richtig, dass sich Kripke und die anderen Serienmacher hier von der Vorlage abgesetzt haben. Denn was in dem einem Medium funktioniert, funktioniert nicht unbedingt in dem anderen.

     

    "Mindhunter" - Staffel 2

    Netflix

    Deutscher Start: 16. August (Netflix)

    Schon in der ersten Staffel von „Mindhunter“ fieberten wir in jeder Folge mit, in der die beiden FBI-Agenten Bill Tench (Holt McCallany) und Holden Ford (Jonathan Groff) zusammen mit der Psychologin Dr. Wendy Carr (Anna Torv) Serienkiller interviewten, um herauszufinden, wie diese denken, fühlen und letztlich auch handeln. Die Dialoge sind lang und manchmal erschreckend emotionslos – aber absolut niemals langweilig. Die zweite Staffel war keineswegs schwächer, ganz im Gegenteil!

    Langsam bekommt das Trio Routine in Sachen Psychokiller, genug haben sie aber noch lange nicht. Die Arbeit der Ermittler schleicht sich klammheimlich in ihren Alltag und zerstört Beziehungen, Weltbilder und jegliches Vertrauen in die Menschheit. Als Zuschauer wird man davon in den Bann gezogen und ist letztlich dann doch froh, dass man nur vor einem Fernseher sitzt. „Mindhunter“ gehört unbestritten zu den besten Thriller-Formaten, die man dieser Tage finden kann.

     

    "Undone" - Staffel 1

    Amazon

    Deutscher Start: 13. September (Amazon Prime Video)

    Undone“ ist zweifellos eine der außergewöhnlichsten Serien aus diesem Jahr und lief allein schon deswegen völlig zu Unrecht etwas unter dem Radar. Das tragikomische Psycho-Drama über die junge Alma („Alita“-Star Rosa Salazar) und ihre Suche nach der Wahrheit über den Tod ihres Vaters (Bob Odenkirk) durch Zeiten und Realitäten hinweg besticht besonders durch seinen atemberaubenden Rotoskopie-Stil.

    Doch die kunstvolle Animation verkommt nie zum Selbstzweck, sondern ermöglicht erst das surreale Abtauchen in Almas neue Wahrnehmungswelt und wird so meisterlich mit einer fesselnden Geschichte verwoben. „Undone“ ist ein Paradebeispiel dafür, wie virtuos Handlung und Visualität Hand in Hand gehen können. Die Serie entwickelt auf diese Weise einen ungeheuren Sog, dem man sich über die Dauer der Staffel und sogar darüber hinaus nur schwer entziehen kann.

     

    "Unbelievable" - Miniserie

    Beth Dubber / Netflix

    Deutscher Start: 13. September (Netflix)

    In der Netflix-Miniserie „Unbelievable“ wird der wahre Fall rund um die Entdeckung eines Serien-Vergewaltigers erzählt. Die Macher bleiben dabei hautnah an der echten Geschichte, doch eine große Qualität der herausragenden Serie ist es, dass dies völlig egal ist, weil die Erzählung so fesselt. Das ist auch den drei sensationellen Hauptdarstellern zu verdanken. Vor allem Kaitlyn Dever, die man durch ihre Rollen in „Justified“ und „Short Term 12“ sowieso schon seit Jahren als eine der besten Nachwuchsdarstellerinnen überhaupt auf dem Zettel haben muss, beeindruckt als Opfer, dem niemand glaubt.

    Wie sie mit Blicken ins Leere und hängenden Schultern fast gleichmütig all die Demütigungen und Ungerechtigkeiten erleidet, ist so unglaublich aufwühlend, dass man die Figur am liebsten packen und durchschütteln müsste, um sie dazu zu bringen, jetzt endlich für sich zu kämpfen. Aber auch die parallel zu ihrem Schicksal erzählte Geschichte zweier Ermittlerinnen, die nach und nach verschiedene Einzelverbrechen zu einer Serie verknüpfen, bleibt immerzu spannend.

     

    "The Affair" - Staffel 5

    Paul Sarkis / Showtime

    Deutscher Start: 22. September (Amazon Prime Video)

    In der fünften Staffel von „The Affair“ wird sehr deutlich, was die größte Stärke der Serie ist: Zeit! Die Showtime-Produktion lässt sich mit allem unglaublich viel Zeit. Dialoge, Monologe, Blicke, Handlungsstränge, Rätsel und Beziehungen – selten geht etwas schnell oder wird unüberlegt zu Ende erzählt. Dinge können aus unterschiedlichen Richtungen betrachtet werden und sind selten schwarz oder weiß. Tatsächlich fühlt sich die Serie darum selbst in der fünften Staffel noch einzigartig an.

    In dieser letzten Season wird #metoo zum Thema und hin und wieder fürchtet man sich beim Schauen, dass die gesamte Handlung nun zur Plattitüde verkommt. Die Macher schaffen es allerdings immer wieder, die Kurve zu kriegen und überraschen mit einem unerwarteten Ausgang vieler Szenen. Eine echte Gefühlsachterbahn, die aufwühlt, aber letztlich auch großen Spaß macht.

     

    "Skylines" - Staffel 1

    Christian Lüdeke / Lux Photographie / Netflix

    Deutscher Start: 27. September (Netflix)

    Dass es keine zweite Staffel von der deutschen Netflix-Serie „Skylines“ geben wird, ist für uns eine der größten Enttäuschungen des Jahres. Die Serie über das Hip-Hop-Business in Frankfurt am Main ist wahnsinnig spannend, sieht gut aus und kann auf jeden Fall mit internationalen Produktionen mithalten. „Bad Banks“ trifft auf „4 Blocks“ – und interessante Einblicke in die Musikproduktion, die man nicht alle Tage sieht, gibt’s noch dazu. Wir hätten gern mehr davon gesehen!

    Auch wenn wir nicht herausfinden werden, ob Jinn (Edin Hasanović) noch große Karriere macht und ob die Chefs des Hip-Hop-Labels Skyline Records kriminellen Machenschaften auf die Dauer entsagen können, lohnt sich das Ansehen der Serie allemal. Für uns gehört sie definitiv zu den wertvollsten Entdeckungen des Jahres.

     

    "Doom Patrol" - Staffel 1

    DC Universe

    Deutscher Start: 7. Oktober (Amazon Prime Video)

    Uns hat bereits der skurril-amüsante Gastauftritt der Doom Patrol in der vierten Folge der ersten Staffel „Titans“ ziemlich gut gefallen, doch wie großartig die zusammengewürfelte Chaos-Truppe in ihrer eigenen Serie „Doom Patrol“ werden würde, hätten wir damals ganz ehrlich nicht für möglich gehalten (auch deshalb haben wir der Doom Patrol in unserer Liste nun knapp den Vorzug gegenüber den ebenfalls starken Titans gegeben).

    Showrunner Jeremy Carver und seinem Team gelingt es bei „Doom Patrol“ stets, die Balance zwischen skurrilem Humor und ernsthaft berührenden Momenten zu wahren. Die Macher nehmen sich genügend Zeit, die sechs Hauptfiguren zu zeichnen und zu entwickeln, und konnten gleichzeitig offenbar völlig ohne kreative Einschränkungen freidrehen – egal, ob der Beard Hunter (Tommy Hunter) dank eines verspeisten Barthaares selbst den mächtigsten Helden besiegt, die Truppe im Laufe ihrer Abenteuer eine lebende, genderqueere Straße besucht oder am Schluss eine riesige Ratte und eine gigantische Schabe rummachen.

    Wenn wir überhaupt etwas zu meckern haben, dann dass der vom fantastischen Alan Tudyk mit großer Freude verkörperte Meta-Bösewicht Mr. Nobody zu wenige Auftritte hat. Aber das kann sich ja in der zweiten Staffel ändern...

     

    "Fett und Fett" - Staffel 2

    Johannes Brugger / ZDF

    Deutscher Start: 14. Oktober (ZDF)

    Wer die Comedy-Serie „Fett und Fett“ noch nicht gesehen hat, sollte das wirklich nachholen. Wir können uns nicht daran erinnern, wann wir zuletzt so eine lustige, melancholische und ehrliche Serie aus Deutschland gesehen haben. Hier stimmt wirklich einfach alles: der Cast, die kleinen Alltagsstorys und die teilweise sehr verrückten, surrealen Details, die sich die Macher haben einfallen lassen. Wir wollen mehr vom Millenial Jaksch (Jakob Schreier) sehen, der sein Leben einfach nicht auf die Reihe kriegt.

    Tipp: Tatsächlich wird von vielen Zuschauern übersehen, dass es von „Fett und Fett“ bereits zwei Staffeln gibt! Schon 2016 veröffentlichte Regisseurin Chiara Grabmayr fünf Folgen – allerdings noch ohne die Unterstützung vom ZDF und ein bisschen einfacher gestrickt als die Fortsetzung. Beide Staffeln findet ihr auch in der ZDF-Mediathek.

    "The Kominsky Method" - Staffel 2

    Netflix

    Deutscher Start: 25. Oktober (Netflix)

    Wer bei all den „Chernobyls“, „Mindhunters“ und „Unbelievables“ in Sachen Schwere mal ein paar Gänge runterschalten will, sich aber trotzdem nach mehr Substanz als bei der nächsten 0815-Sitcom sehnt, wird bei „The Kominsky Method“ bestens bedient. Auch in Staffel 2 verlässt sich die Netflix-Serie voll und ganz auf ihre größte Stärke, für die allein sich das Einschalten lohnt: das Zusammenspiel der beiden Hollywood-Veteranen Michael Douglas und Alan Arkin. Die zu jedem Zeitpunkt greifbare Bromance eines abgehalfterten Schauspielers und seines gealterten Agenten lebt von der perfekten Chemie der oscarprämierten Schauspielgrößen.

    In ihren mal spaßigen, mal bewegenden Kabbeleien halten sich naheliegende Beobachtungen und tiefergehende Weisheiten über das Älterwerden die Waage. Und das wird alles so einfühlsam präsentiert, dass wir noch immer kaum glauben können, dass „The Big Bang Theory“- und „Two And A Half Men“-Schöpfer Chuck Lorre hinter all dem steckt.

     

    "Watchmen" - Staffel 1

    HBO

    Deutscher Start: 4. November (Sky)

    Eine Adaption von „Watchmen“, die alle zufrieden stellt, kann es allein deswegen wohl nie geben, weil die Graphic Novel von Alan Moore und Dave Gibbons viel zu ikonisch ist. So finden die einen etwa Zack Snyders hyper-stylishe und brutale Adaption scheußlich, die anderen großartig – und auch die Reaktion auf Damon LindelofsWatchmen“-Serie war äußerst kontrovers.

    In der FILMSTARTS-Redaktion sind wir uns hingegen einig, dass „Watchmen“ zu den besten Serien des Jahres gehört, wenn nicht sogar die beste Serie des Jahres ist. Lindelof ist mit „Watchmen“ ein absolut faszinierendes Erlebnis gelungen, das uns immer wieder mit überraschenden Wendungen verblüfft, uns mit mutiger und einfallsreicher Inszenierung begeistert und uns ohne große Cliffhanger einfach nur durch das scheinbar nie endende Mysterium der gezeigten Ereignisse von Folge zu Folge gezogen hat.

    Ob es überhaupt möglich ist, an die Bedeutung und den Status von Moores und Gibbons‘ „Watchmen“ anzuknüpfen, ist fraglich. Lindelof dürfte mit seiner Fortsetzung in Serienform, die die Vorlage ehrt, aber zugleich etwas ganz Eigenes schafft, dem aber auf jeden Fall sehr nahe kommen.

     

    "4 Blocks" - Staffel 3

    2019 Turner Broadcasting System Europe Limited – a WarnerMedia Company / W & B Television GmbH & Co.

    Deutscher Start: 7. November (TNT Serie)

    Schon die ersten beiden „4 Blocks“-Staffeln landeten 2017 und 2018 auf unseren Serien-Bestenlisten. Und der große Abschluss der Gangster-Serie setzt diese Reihe 2019 nun fort. In der dritten und letzten Staffel erzählen die Macher ihre abgründige Geschichte über den Hamady-Clan und die Berliner Unterwelt authentisch und emotional zu Ende – und machen dabei keine Gefangenen. Die Auswirkungen von dem, was über zwei Seasons aufgebaut wurde, prasseln nun mit aller Härte auf Toni (Kida Khodr Ramadan) und Co. ein.

    Das ist bisweilen arg bedrückend, aber packend bis zum unvermeidlichen und runden Finale. Während andere Serien gerne über ihren Zenit hinaus unnötig in die Länge gezogen werden, wird bei „4 Blocks“ somit ein starker Schlusspunkt genau zur richtigen Zeit gesetzt.

     

    "The Crown" - Staffel 3

    Netflix

    Deutscher Start: 17. November (Netflix)

    Viel Kritik musste sich die Netflix-Serie „The Crown“ eigentlich noch nie gefallen lassen – und mittlerweile sind wir immerhin bei Staffel 3 angekommen. In den neuen Folgen wird Königin Elisabeth II. nicht mehr wie bisher von Claire Foy gespielt, sondern von der Oscargewinnerin Olivia Colman. Der einfache Grund: Die Handlung der Serie ist in den späten 60ern angekommen und Foy ist zu jung für die Darstellung der Queen in ihren 40ern. Und tatsächlich stören sich genau an diesem Besetzungswechsel einige Zuschauer.

    Wir sind allerdings der Meinung, dass das sehr reduzierte und unterkühlte Spiel von Colman einfach perfekt zum Lauf der Dinge – und eben zum Leben der britischen Monarchin – passt. Es ist einfach unglaublich, wie gut die Macher von „The Crown“ die Veränderung in Gesellschaft, Politik und Alltag im Laufe der Jahrzehnte einfangen. Und dass dies alles auf einen einzigen Blick in Colmans Gesicht deutlich wird: meisterhaft!

     

    "The Marvelous Mrs. Maisel" - Staffel 3

    Amazon

    Deutscher Start: 6. Dezember (Amazon Prime Video)

    Was „Gilmore Girls“-Macherin Amy Sherman-Palladino und ihr Mann Daniel Palladino an temporeichen und vor cleverem Humor strotzenden Dialogsalven in „The Marvelous Mrs. Maisel“ abfeuern, würde locker für drei Serien reichen. Daran hat sich auch in der dritten Staffel der Ausnahme-Comedy-Serie nichts geändert – ganz im Gegenteil: durch noch mehr Schauplatz-Wechsel bleibt alles frisch und wirkt noch eine Nummer größer.

    Für die bereits angekündigte vierte Season müssen die Palladinos zwar aufpassen, dass sie sich nicht in zu vielen Subplots verlieren und die ernsteren Themen der 1950er und 60er Jahre nicht allzu stiefmütterlich behandeln, bis hierhin erfreuen wir uns aber immer noch bestens an der beschwingten Melange aus liebenswert-schrulligen und energiegeladen gespielten Figuren, messerscharfen Wortwechseln und der in schwelgerischen Bildern zelebrierten Ausstattung.

     

    "The Expanse" - Staffel 4

    Amazon

    Deutscher Start: 13. Dezember (Amazon Prime Video)

    Im Mai 2018 stand „The Expanse“ kurz davor, abgesetzt zu werden, weil sich weitere Staffeln für den ausstrahlenden US-Sender SyFy nicht lohnten. Dann sprang jedoch Amazon in die Bresche und rettete „The Expanse“ vor dem Ende – unter anderem weil Amazon-Chef Jeff Bezos selbst ein großer Fan ist. Und spätestens mit der vierten, von Amazon produzierten Staffel können wir uns Bezos nur anschließen: „The Expanse“ ist wirklich eine der besten Serien des Jahres.

    Denn ohne das erdrückende Korsett des amerikanischen Kabelfernsehens (strikte Vorgaben bei Folgenlänge, Inhalten, etc.) kann die epische Space Opera in Staffel 4 zum ersten Mal ihr volles Potenzial entfalten – von der stark inszenierten Landung auf Ilus über den immer weiter eskalierenden, durch allerlei Naturkatastrophen befeuerten Konflikt auf dem Planeten bis hin zum finalen Cliffhanger, der eine wirklich schockierende fünfte Staffel verspricht.

    Wir drücken die Daumen, dass „The Expanse“ auf Amazon das Publikum findet, das die Serie verdient, und dass die Serienmacher die Chance bekommen, die hochspannende Geschichte der Rocinante und ihrer Crew zu Ende zu erzählen.

     

    "The Witcher" - Staffel 1

    Netflix

    Deutscher Start: 20. Dezember (Netflix)

    Was kommt nach „Game Of Thrones”? Zahlreiche potentielle Kandidaten, um die seit Mai 2019 klaffende Lücke zu füllen, befinden sich aktuell in der Mache, doch einer war wieder schneller als alle anderen: Netflix. Mit „The Witcher“ könnte der Streaming-Pionier tatsächlich die erwachsene Fantasy-Serie geschaffen haben, zu der sich in den nächsten Jahren eine ähnliche große Anhängerschaft findet (und dank der Bücher von Andrzej Sapkowski und den Videospielen sogar bereits gefunden hat).

    Die FILMSTARTS-Kritik zu "The Witcher"

    Die Voraussetzungen dafür sind gegeben: Showrunnerin Lauren Schmidt Hissrich stößt den Zuschauer bei „The Witcher“ ohne Vorwarnung und ausschweifende Erklärungen in eine grimmige, von Krieg, Elend und Vorurteilen heimgesuchte Welt. „The Witcher“ bietet beeindruckende Bilder, blutige, stark inszenierte Action und drei großartige Hauptdarsteller mit Henry CavillAnya Chalotra und Freya Allan – wobei sich aber auch die anderen Darsteller keineswegs verstecken brauchen. Wir freuen uns jedenfalls schon jetzt auf die weiteren Abenteuer von Geralt, Ciri und Yennefer.

     

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