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    "The Mandalorian" hat mehr "Star Wars"-Feeling als "Star Wars 9" und der Rest der neuen Trilogie!
    Von Martin Ramm — 05.01.2020 um 09:00
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    Mit „The Mandalorian“ auf Disney+ und „Episode 9: Der Aufstieg Skywalkers“ in den Kinos werden erstmals zwei große „Star Wars“-Geschichten parallel gezeigt. Und in diesem Miteinander wird besonders evident, an was es den neuen Filmen fehlt.

    Lucasfilm / Disney

    +++ Meinung +++

    Ihr findet, die Überschrift ist zu hochgegriffen? Tatsächlich ist „The Mandalorian“ nicht bloß besser als die neue, sondern auch noch als die Prequel-Trilogie (zugegeben, das ist vermutlich kein allzu großer Affront.) Denn die neue „Star Wars“-Serie hat eine Leichtigkeit, die den meisten der neueren Filme abgeht.

    "Star Wars 9": Dramatisch, tragisch, wichtig

    Hatte „Star Wars Episode 7: Das Erwachen der Macht“ dank seinen Charakterexpositionen wenigstens noch eine Handvoll besonnener Momente, strotzen „Episode 8“ und „Episode 9“ nur so vor aufgeplusterter Dringlichkeit. Jede Szene steht im Zeichen von potenziell alles umwälzenden Mega-Ereignissen. In so gut wie jedem Konflikt geht es um nicht weniger als alles – das Schicksal des Universums, den Bestand der Republik, eben den Sieg von Böse über Gut oder umgekehrt.

    Aber das ist für mich nicht die Essenz von „Star Wars“. Ich mag das Märchenhafte und die unter all dem Macht-und-Schicksal-Kleister durchschimmernde Unbeschwertheit, welche die alten Filme auszeichnet.

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    "Star Wars 9": Hier ist alles sehr, sehr wichtig

    Die Tugenden der ersten Trilogie

    Nicht nur Verschnaufpausen wie Lukes Aufenthalt im Yoda-Hostel auf Dagobah verhindern, dass die Filme der Ur-Trilogie zu einem Bedeutungsdauerfeuer verkamen, auch turbulentere Episoden wie der Aufenthalt in der Wolkenstadt auf Bespin oder im frostige Rebellenstützpunkt auf Hoth sind gespickt mit Momenten der Entschleunigung.

    Und dazu gab’s immer wieder kleinere Abenteuer. Explorationen und Konfrontationen mit Alien-Monstern oder dritten Parteien, mit deren Alltag die Helden der ersten drei „Star Wars“-Teile interferieren.

    Damals war „Star Wars“ eher eine lose verknüpfte Reihe charmanter Einzelereignisse in einer zauberhaften Welt. Heute ist „Star Wars“ ein großer Klumpen in sich verbissener Riesenkonflikte und manchmal etwas Politik-Geschwätz. Lücken für nennenswerte Dynamiken im Tempo bleiben da kaum. Und Lücken für weitere Elemente wie kleinere Zusatz-Abenteuer, die zwar nicht die große Geschichte, dafür aber die Figuren und da Universum näher beleuchten, erst recht nicht. 

    Die Filme nehmen sich viel zu ernst. Und dabei geht viel Spaß flöten.

    "The Mandalorian": Klein, bescheiden, unaufgeregt

    Ganz anders „The Mandalorian“. Hier schien man sich mit Nachdruck auf die leisen Töne zu besinnen, die „Star Wars“ damals so schön zum Klingen brachten. Und das ist ein anachronistischer Schachzug, der es in sich hat: In einer Zeit, in der auch Serien immer komplexer und beschwert von sich durch sämtliche Episoden ziehendem Bedeutungszement sind, kommt diese Disney-Serie und pfeift, keck wie Baby Yoda selbst, auf diese neue Messlatte.

    Stattdessen gibt es nicht nur kleinere Subplots, die von Folge zu Folge wechseln, sondern trotz einer kurzen Episodenlaufzeit von teils nur 30 Minuten immer wieder die Zeit, Figuren, Geschichte und damit auch Zuschauer durchatmen und das Geschehene wirken zu lassen.

    Hier ist nicht jede Handlung kriegsentscheidend, sondern es gibt auch Platz für kleinere Problemchen.

     

    "Star Wars" ist kein Actionthriller

    Das ist toll und befreiend! Das „Star Wars“-Universum ist doch so vielschichtig und interessant, weshalb ich einfach nur Dinge darin erleben möchte, statt unentwegt und hektisch von Entscheidungsschlacht zu Entscheidungsschlacht zu hetzen. Dass „Star Wars: Episode 9“ hier zumindest kleine Babyschritte in die richtige Richtung wagte, ist bereits an anderer Stelle nachzulesen, aber „The Mandalorian“ bedient diese meine Sehnsucht sowohl mit mehr Kompetenz als auch mit mehr Herz.

    Denn auch Herz ist etwas, das die neuen Filme – für mich! – bestenfalls auf der Behauptungsebene besitzen. Die Plastizität der Figuren und Sympathien für sie kamen im konstanten Alles-Was-Passiert-Ist-Maximal-Wichtig-Gewitter, in dem ein elementares Ereignis das nächste jagt, kaum zur Geltung. Das ist die Formel eines Actionthrillers, nicht aber eines Sci-Fi-Märchens.

    „The Mandalorian“ hingegen lässt seinen Figuren die Ruhe und den Raum, den sie brauchen, um zur Entfaltung zu kommen. So sind eine kniehohe Puppe und ein schweigsamer Kerl, dessen Gesicht man kaum zu sehen bekommt, die viel interessanteren Charaktere im Vergleich zu den Protagonisten in den gewaltig lauten „Star Wars“-Filmen der jüngsten zwei Trilogien.

    Und deswegen ist „The Mandalorian“ vielleicht das Beste, was „Star Wars“ und seinen Fans passieren konnte, seit Disney das Ruder übernommen hat.

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    "Star Wars 9": Warum "Star Wars 7" und "Star Wars 8" besser sind

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