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    Die Filmwelt in der Zeit von "Babylon Berlin": Vom Stummfilm zum Tonfilm
    Von Markus Trutt — 17.01.2020 um 15:15
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    Die Sky-Serie „Babylon Berlin“ entführt uns in die Goldenen 20er-Jahre, als sich nicht nur die Gesellschaft, sondern auch die Filmindustrie im Umbruch befand. Und genau hier hinein wird Gereon Rath mit seinem neuen Fall in Staffel 3 gestoßen.

    2019 Frédéric Batier / X Filme Creative Pool/ARD Degeto / WDR / Sky / Beta Film

    Schon die ersten beiden Staffeln des Sky Originals „Babylon Berlin“ zeichneten ein eindringliches Porträt einer Metropole, in der sich nahezu alle Aspekte des Lebens Ende der 1920er-Jahre in einem radikalen Wandel befanden. Wachsende Armut und Arbeitslosigkeit standen hier in starkem Kontrast zu Exzess und Luxus des Nachtlebens und der nach wie vor überbordenden kreativen Energie der Stadt.

    Die kommende dritte Staffel der Serie setzt nun im September 1929 und damit kurz vor dem verheerenden Börsencrash ein, der zur Weltwirtschaftskrise führt. Genau in dieser aufgeheizten Stimmung zwischen Spekulationswahn und politischem Umbruch werden Kommissar Gereon Rath (Volker Bruch) und Kommissarsanwärterin Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) in den Babelsberger Filmstudios mit dem rätselhaften Todesfall des Leinwandstars Betty Winter konfrontiert, hinter dem sie bald Mord vermuten.

    Damit kommen die beiden mit einer Welt in Kontakt, die zu jener Zeit genau wie der Rest der Gesellschaft von revolutionären Veränderungen geprägt war...

    Das Ende einer Filmära

    Vom Anbeginn des Films im ausgehenden 19. Jahrhundert bis in die 1920er-Jahre war der Stummfilm das Maß aller Dinge. Wirklich stumm waren Filme genau genommen zwar nie – schließlich wurde ihre Vorführung in der Regel musikalisch begleitet – Dialoge und Töne innerhalb eines Films waren jedoch nicht zu hören (und wurden daher allenfalls mit zwischengeschobenen Texttafeln vermittelt).

    Auch mit der Bestrebung, die stagnierenden Zuschauerzahlen für Filmvorführungen weiter anzukurbeln, brachte der technische Fortschritt dem noch jungen Medium bald aber eine entscheidende Neuerung: den Ton. Hierfür wurde vielerorts zunächst über das umständliche Nadeltonverfahren eine separat auf Schallplatten festgehaltene Tonspur mit einer Filmvorführung gekoppelt und passend zu den Bildern abgespielt. Auf diese Weise entstand in den USA mit „Der Jazzsänger“ 1927 auch der Film, der gemeinhin als erster abendfüllender Tonfilm mit größerem Sprechanteil gilt – und damit endgültig das Ende der Stummfilmära einläutete.

    Der Siegeszug des Tonfilms

    Die Durchsetzung des Tonfilms war schließlich auch dem unkomplizierteren Lichttonverfahren zu verdanken, für das auch die in Berlin tätigen deutschen Ingenieure Hans Vogt, Joseph Massolle und Joseph Benedict Engl als Pioniere gelten. Bei diesem Verfahren wird die Tonspur gemeinsam mit den zugehörigen Bildern direkt auf dem Filmsteifen festgehalten, was nicht nur das Abspielen erheblich vereinfachte, sondern auch für eine reibungslose Synchronität von Bild und Ton sorgte.

    In Deutschland sorgten die Vorstöße von Vogt und Co. dafür, dass schon 1922 in Berlin der erste deutsche Ton-Kurzfilm der Öffentlichkeit präsentiert werden konnte. Der erste abendfüllende deutsche Tonfilm folgte dann aber erst sieben Jahre später mit der Uraufführung von „Das Land ohne Frauen“ im September 1929 (also genau in jenem Monat, in dem nun auch die dritte „Babylon Berlin“-Staffel spielt).

    Universum Film GmbH
    Einer der ersten großen Tonfilme aus Deutschland: Fritz Langs „M - Eine Stadt sucht einen Mörder“ (1931)

    Obwohl es noch etwas dauerte, bis der Tonfilm das künstlerische Niveau der Stummfilme erreichte (auch weil die Aufnahme des Tons anfangs noch recht kompliziert war), entwickelte er sich dank der vielfältigen Möglichkeiten (die etwa in Fritz Langs wegweisendem „M - Eine Stadt sucht einen Mörder“ von 1931 schon früh besonders versiert eingesetzt wurden) rasend schnell zum neuen Standard. Bereits im April 1930 (und damit nicht mal ein Jahr nach dem ersten abendfüllenden Tonfilm aus Deutschland) vermeldete etwa auch die Industrie- und Handelskammer zu Berlin, dass sich der Tonfilm inzwischen restlos durchgesetzt hat.

    Der Tonfilm beendet Karrieren

    Für einige Schauspieler und Filmschaffende brachte der rasante Wandel aber auch große Probleme mit sich. Beim Versuch, sich an die neuen Gegebenheiten und die neue Sprache des Kinos anzupassen, blieb so mancher auf der Strecke. Gerade auch internationale Schauspieler, die schlechtes oder gar kein Englisch sprachen, aber dank der wegfallenden Sprachbarriere in der Stummfilmära trotzdem auch in den USA Erfolge feiern, hatten nun beim Tonfilm arg zu kämpfen (darunter etwa auch der deutsche Oscarpreisträger Emil Jannings).

    Doch auch innerhalb Deutschlands standen besonders Darsteller, die kaum Sprecherfahrung hatten, plötzlich vor großen Herausforderungen. Hinzu kam, dass sich mit dem Aufkommen neuer filmischer Möglichkeiten generell auch die Vorlieben beim Publikum änderten, wodurch die eine oder andere Karriere ebenfalls langsam ihrem Ende entgegensteuerte.

    So herrschte auch in der Filmindustrie beim Übergang der Jahrzehnte ein Klima der Unsicherheiten, was sich somit nahtlos in das gesellschaftliche Gesamtbild einfügt, das wir in „Babylon Berlin“ zu sehen bekommen – zumal Berlin mit den Babelsberger Filmstudios vor den Toren der Stadt als DAS Zentrum der deutschen Filmproduktion galt.

    Dann läuft die 3. Staffel "Babylon Berlin"

    Die zwölf Folgen der dritten „Babylon Berlin“-Staffel laufen ab dem 24. Januar 2020 immer freitags um 20.15 Uhr im Doppelpack auf Sky 1. Außerdem können die Episoden parallel dazu über Sky Go, On Demand und Sky Ticket gestreamt werden. Darüber hinaus gibt es jede Woche eine Preview der beiden folgenden Episoden. Somit können ab dem 21. Februar 2020 dann auch alle Folgen am Stück geschaut werden.

     

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