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    "1917": Warum mich der Kriegsfilm leider total kaltgelassen hat
    Von Tobias Mayer — 24.01.2020 um 19:00
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    Zehn Oscarnominierungen und die Begeisterung bei meinen FILMSTARTS-Kollegen belegen: Sam Mendes‘ Kriegsfilm „1917“ bewegt. Mir aber war das brutale Geschehen weitestgehend egal. Denn die viel gelobte Kamera ist für mich ein Problem.

    2019 Universal Pictures and Storyteller Distribution Co., LLC. All Rights Reserved.

    +++ Meinung +++

    Als ich im Kino bei „1917“ irgendwann vor allem darüber nachgedacht habe, welcher britische Schauspiel-Star den nächsten Gastauftritt absolvieren wird (Treffer bei Benedict Cumberbatch, Irrtum bei Judi Dench), da wusste ich: Sam Mendes‘ hochgelobter Kriegsfilm packt mich nicht. Das finde ich schade, weil die Stärke von „1917“ ja vor allem in der Immersion liegt – sofern sie für die Zuschauer eben funktioniert.

    Doch das Stilmittel der durchgehenden, von kaum sichtbaren Schnitten unterbrochenen Kamerafahrt, das viele Anhänger des Films voll ins Geschehen gezogen hat, löste bei mir den gegenteiligen Effekt aus:

    Die im Grunde hochemotionale Geschichte zweier junger britischer Soldaten, die unter Zeitdruck ein Massaker an ihren Kameraden verhindern wollen, wirkt auf mich künstlich. 

    „1917“ wirkt wie ein Videospiel, bei dem ich nicht mitspielen darf. Dabei ist es noch nicht mal so sehr die Videospielästhetik an sich, die mich auf Distanz hält. Zwar erinnert die eng an den Protagonisten klebende Kamera oft an Abenteuer-Spiele wie jüngst „Star Wars: Jedi Fallen Order“ (und es gibt eine Jump-’n’-Run-Szene, als ein Soldat über eine kaputte Brücke hüpft), aber mein Hauptproblem besteht in der Struktur von „1917“.

    Der Erste Weltkrieg als Videospiel-Level

    Da die Kamera ständig bei unseren Protagonisten ist, anstatt mir z. B. auch mal das (gerade vielleicht viel interessantere) Geschehen an der Front zu zeigen, und da Leerlauf hierbei nicht zugelassen wird, wirkt die Kriegserfahrung, als ginge es um Level in einem Videospiel. So muss das Soldaten-Duo nach dem Missionsbriefing eine abenteuerliche Station nach der anderen überstehen:

    Da müssen Häuser mit Fallen überlebt werden, ein abstürzendes Flugzeug brettert auf unsere Helden zu und es gilt, einen reißenden Strom zu überleben.

    All das ist spektakulär in Szene gesetzt, mit beeindruckender technischer Versiertheit, fühlte sich für mich aber gerade nicht echt an – da ich die meiste Zeit lang primär die Videospiel-artige Struktur des Films gesehen habe und deswegen nicht eintauchen konnte. Wirklich gereizt hat mich da schließlich nur noch der trocken-schwarze, britische Humor, der in „1917“ immer mal wieder zu Geltung kommt.

    Vielleicht aber ist die Wirkung von „1917“ eine andere, wenn man selbst keine Videospiele zockt. Wenn ihr wissen wollt, warum der Kriegsfilm meinen Kollegen Björn Becher so gepackt hat, dass er darüber im Kino sogar seine Cola vergessen hat, lest seine 4,5-Sterne-Kritik:

    Die FILMSTARTS-Kritik zu „1917“

    Und wenn ihr hören wollt, wie „1917“ bei Björn und anderen Kollegen angekommen ist, dann könnte unser FILMSTARTS-Podcast Leinwandliebe etwas für euch sein. Dort gibt es dann auch von Björn die bereits angesprochene Anekdote mit der vergessenen Cola. Ihr findet Leinwandliebe in der Podcast-App eurer Wahl. Hier die bekanntesten Anbieter:

    Leinwandliebe auf Spotify
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    Leinwandliebe bei Apple
    Leinwandliebe zum Runterladen

    Webedia / Sebastian Gerdshikow
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    Kommentare
    • Knarfe1000
      Ich liebe Star Wars 8 - Damit ist doch alles gesagt.
    • Ortrun
      Leider wahr.
    • Santi
      Schau sein Bild an. Die Höhe des IQs kann man ihm nunmal ansehen. Entsprechend würde ich da auch nichts erwarten.
    • chunkymonkey
      Als Redakteur sollte man eigentlich wissen, was eine News ist und was nicht. Aber ich helfe gerne. Das hier war keine News.
    • DARTH_WERDER
      Häh?! Der Vergleich hinkt gewaltig. Das sage ich als Videospieler seit den 80er...
    • Dan Za
      Das dachte ich auch. ^^
    • niteowl
      ich frag ich wie lange der film noch als one-take angepriesen wird. one-takes haben keine 20 sekunden black screen mittendrin... ¯\_(ツ)_/¯
    • MaxPowers
      Ich liebe Star Wars 8 mehr braucht man nicht zu sagen 🤣🤣🤣🤣
    • Larry Lapinsky
      Gab ja schon ziemlich viele Spielfilme über WW I (und II) in den letzten Jahren, so dass ich sicher auch nicht dafür ins Kino gehe, sondern auf die BD warte.
    • FilmFan
      Also dann lieber Wonder Woman ;)
    • Flo
      [...] wirkt die Kriegserfahrung, als ginge es um Level in einem Videospiel. So muss das Soldaten-Duo nach dem Missionsbriefing eine abenteuerliche Station nach der anderen überstehen [...]- das ist doch in sehr vielen Filmen heutzutage so, dass immer ein Level nach dem anderen von den Protagonisten abgearbeitet werden muss (s.h.z.B. Fluch der Karibik, Star Wars)
    • greekfreak
      Unter uns Klosterschülerinen,hat das Studio nicht genug Werbung geschaltet wie Mr.Mouse es tut,kommen keine Gazillion Der Film ist super weil...-Meinungs Artikel.😉 Wenn man dem Film was vorhalten kann,ist es die unrealistische Prämisse.Dem britischen Oberkommando wären lumpige 1600 Männer wurscht gewesen. Die haben damals Menschenleben auf den Schlachtfeldern Frankreichs verheizt als ob kein Morgen mehr gäbe.
    • ObiWann
      Kann ich nachvollziehen so wie du es schreibst ,mir ging es aber anders . Mich hat der Film irgendwie komplett in den Sessel gedrückt und völlig mitgerissen das ganze hat für mich ne emotionalität entwickelt das ich zu 100% in dem Geschehen drin war ,insbesondere die Kameraführung hat mich dabei umgehauen und irgendwie eine körperliche Nähe geschaffen die ich im Kino äußerst selten habe ,das hatte etwas von super realistisch .Ich der Szene woTommen stirbt ,war das für mich einfach extrem intensiv ,mir war richtig schlecht und ich war total fassungslos,der Film geht irgendwie als Erfahrung durch die man im Kino auch zum Teil körperlich wahrnimmt. Dieser Level Character ist mir auch nicht aufgefallen ,insgesamt war ich von dem Film völlig geflasht ,aber gerade Kriegsfilme sind Denk ich doch sehr Geschmackssache.
    • WhiteNightFalcon
      Damit wären wir dann schon Vier.
    • WhiteNightFalcon
      Deine Argumentation ergibt im Vergleich zum Newstext allerdings Sinn. 👍🏼Denn das man zumindest zu einer Figur einen emotionalen Bezug braucht, das ist eine universal gültige Aussage, auch für Kriegsfilme. Deshalb mag ich zb Platoon oder den koreanischen Brotherhood sehr. Aber generell stehen in meiner Liste von Lieblingsfilmen nur Filme drin, die irgendeine emotionale Saite in mir zum klingen bringen. Und auf Gefährten bezogen: Wenn du Tiere generell magst, kommt man bei dramatischen oder traurigen Filmen mit Tieren automatisch in diesen Mitfühlmodus. Ging mir letztes Jahr zb so, als ich mal Der letzte Wolf von Jean Jaques Annaud nachgeholt habe. Auch bei Jurassic World 2 hatte ich automatisch nen Kloß im Hals, als die den Brachi da auf dem Landesteg der Fähre zurückgelassen haben.
    • Jimmy v
      Aber Episode 8 ist doch sau geil. ;)
    • F. Bates
      Toll auf den Punkt gebracht. Ging mir auch so.
    • Ortrun
      Ich muss sagen, dass es mir bei dem Film leider ähnlich ging. Objektiv kann ich erkennen, dass der Film von hoher Qualität ist, was z.B. die schauspielerischen Leistungen betrifft, den Cast, die exakte Ausstattung, die Musik, auch die Thematik usw.Aber subjektiv/emotional konnte ich den Figuren nicht nahekommen (und ich spiele keine Videospiele, habe das mit den Leveln daher so nicht wahrgenommen). Am ehesten hat das noch am Anfang für mich funktioniert, während die zwei ihren Befehl erhielten und dann durch den Schützengraben und das mondlandschaftsartige Niemandsland gelaufen sind. Danach kam es mir irgendwie abstrakt/klinisch/analytisch vor, irgendwie distanziert. Mein größter emotionaler Impact am Ende war: Robb Stark ist der große Bruder von Tommen Baratheon?!Und es liegt nicht am Thema Erster Weltkrieg; bei Gefährten habe ich heulend im Kino gesessen (und dabei stehe ich nicht mal besonders auf Pferde).
    • Shamara Yoshikawa
      Vorallem der Vergleich von nem Videospiel mit dem Film, Jump and Run einlage... wtf?@Deliah C. Darhk haste mir auch ein Bier?
    • Michael M.
      Da ich Star Wars 8 für den schlechtesten Star Wars Film aller Zeiten halte, ist der Filmgeschmack wohl nicht mit meinem kompatibel, auch was 1917 angeht.Dieser Film ist ungeachtet seiner Etappen-Struktur ein meisterlicher Film, was Haupt- und Nebendarsteller, Kamera, aber vor allem die monumentale Filmmusik angeht. Aber natürlich sind Geschmäcker verschieden und das ist auch gut so.
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