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    Kritik zu "Star Trek: Picard": So gut ist die Comeback-Serie mit Patrick Stewart
    Von Markus Trutt — 24.01.2020 um 16:25
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    Endlich ist es auch in Deutschland so weit: Die „Star Trek“-Ikone Jean-Luc Picard kehrt auf Amazon Prime Video zurück. In unserer Kritik zu den ersten drei Folgen erfahrt ihr, ob „Picard“ an vergangene Glanzzeiten anknüpfen kann.

    Amazon

    „Ich möchte [...] glauben, dass die Zeit unser Gefährte ist, der uns auf unserer Reise begleitet und uns daran erinnert, jeden Moment zu genießen, denn er wird nicht wiederkommen“, hat der legendäre Enterprise-Captain Jean-Luc Picard (Patrick Stewart) einst in seinem ersten „Star Trek“-Kinofilm „Treffen der Generationen“ philosophiert.

    Und doch kehrt Darsteller Patrick Stewart rund 17 Jahre nach seinem letzten Auftritt als Picard (im unsäglichen „Star Trek: Nemesis“) nun in die Paraderolle zurück, für die er zuvor schon in ganzen sieben Staffeln von „Star Trek: The Next Generation“ (bzw. „Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert“, wie die Serie im deutschen Fernsehen hieß) nicht nur von Trekkies gefeiert wurde.

    Anders als andere Revivals ruht sich „Star Trek: Picard“ nun aber tatsächlich nicht darauf aus, Vergangenes aufleben zu lassen. Hier wird nicht einfach nur das „Next Generation“-Erfolgsrezept aufgewärmt. Stattdessen bekommen wir in „Picard“ eine konsequente Fortführung des Mythos „Star Trek“ – mit einem gewohnt herausragenden Patrick Stewart.

    So knüpft "Picard" an "Next Generation" an

    „Star Trek: Picard“ spielt 20 Jahre nach „Nemesis“. Jean-Luc Picard ist nach einem tragischen Zwischenfall und eines anschließenden Grundsatzdisputs mit seinen Vorgesetzten mittlerweile aus der Sternenflotte ausgetreten und hat sich auf sein beschauliches Weingut in Frankreich zurückgezogen.

    Sein ruhiges Leben dort nimmt jedoch ein jähes Ende, als eines Tages plötzlich die junge Dahj (Isa Briones) auf seiner Matte steht. Sie eröffnet ihm, dass sie einem Anschlag auf ihr Leben mithilfe der überraschend in ihr schlummernden Kräften entrinnen konnte und schließlich durch rätselhafte Visionen zu ihm geführt wurde. Picard versucht, der Sache auf den Grund zu gehen, und muss bald feststellen, dass das Ganze etwas mit seinem früheren Freund und Enterprise-Kollegen, dem Androiden Data (Brent Spiner), zu tun haben scheint, der sich einst für ihn und seine Crew geopfert hat...

    Endlich eine richtige "Star Trek"-Fortsetzung

    Nachdem man sich mit dem „Star Trek“-Kino-Reboot der vergangenen Jahre und der Prequel-Serie „Star Trek: Discovery“ zuletzt davor scheute, die „Star Trek“-Geschichte wirklich weiterzuerzählen, ist es allein schon erfreulich, dass wir mit „Picard“ nun endlich eine waschechte Fortsetzung vorgelegt bekommen.

    Die Macher um die „Discovery“-Autoren Alex Kurtzman und Kirsten Beyer sowie Oscargewinner Akiva Goldsman („A Beautiful Mind“) und Pulitzer-Preisträger Michael Chabon haben in der Tat viel Arbeit in die Weiterentwicklung des „Star Trek“-Kosmos gesteckt und auch bedacht, welchen Platz jemand wie Picard dabei einnimmt.

    Veränderte "Star Trek"-Welt

    Die Welt des 24. Jahrhunderts hat sich in „Picard“ weitergedreht. Und auch der Titelheld selbst ist auf gewisse Weise ein anderer. Oder besser gesagt: Picard ist eigentlich noch derselbe besonnene Mann mit denselben Idealen und Prinzipien – nur weitaus desillusionierter, da seine Wertvorstellungen und die der Sternenflotte über die Jahre offenbar zunehmend auseinander gegangen sind.

    Seine diplomatische und empathische Art findet bei seinen eigenen Leuten keinen Anklang mehr. In bester „Next Generation“-Manier wirft auch „Picard“ hier spannende moralische Fragen auf (wenn auch bislang noch nicht so vielschichtig wie die besten Folgen der Vorgängerserie).

    Trae Patton / CBS
    Picard (Patrick Stewart) stößt in der Sternenflotte zunehmend auf Ablehnung.

    An einer Stelle stellt Picard selbst konsterniert fest, dass die bedingungslos für Zusammenhalt und Völkerverständigung eingetretene Sternenflotte inzwischen von Angst und Intoleranz geprägt ist. Kurtzman und Co. schwingen zum Glück nicht allzu stark den Holzhammer, trotzdem fällt es nicht schwer, in „Picard“ – ganz „Star Trek“-typisch – Bezüge zu unserer heutigen Gesellschaft zu sehen.

    Selbst in ach so aufgeklärten Ecken schüren Führungspersönlichkeiten bisweilen unnötig Hass und Fremdenfeindlichkeit, sodass man nicht nur in der zukünftigen Welt von „Star Trek: Picard“ manchmal den Eindruck bekommen könnte, dass ein durch und durch vernunftbegabter Mann wie der Ex-Sternenflotten-Admiral zu einer aussterbenden Gattung gehört.

    Kein plumper Fanservice

    Obwohl „Picard“ uns in die Zukunft der „Star Trek“-Zukunft entführt, bleibt eine gewisse Rückbesinnung auf die Vergangenheit natürlich trotzdem nicht aus. Das liegt bei der Wahl der Hauptfigur einfach in der Natur der Sache. Picard hat sein Päckchen zu tragen und bringt jahrzehntelange Erfahrung mit sich.

    Aber zumindest in den ersten drei Folgen von „Star Trek: Picard“ werden Verweise und Anspielungen auf die bisherige „Next Generation“-Geschichte stets so geschickt eingebaut, dass sie niemals zu bloßem Namedropping verkommen, sondern entweder direkt in der Story verwurzelt sind oder zumindest den Gemütszustand des vom Leben gezeichneten Picard illustrieren.

    Die Auftaktszene der Serie bringt uns – in einem Traum Picards – beispielsweise sowohl die geliebte Enterprise D als auch Data zurück, gleichzeitig wird hier aber auch schon in wenigen Momenten ein wesentliches Story-Element angedeutet und ein eindringliches Gefühl für diesen älteren Picard vermittelt. Letzteres ist aber vor allem auch Patrick Stewart zu verdanken.

    Picard überstrahlt alle(s)

    Allein wegen Stewart lohnt sich bei „Star Trek: Picard“ das Einschalten. Der britische Vollblut-Mime lebt die Rolle einfach – und das auch nach all den Jahren noch spielend. Was der 79-Jährige schon in einzelne Blicke zu legen vermag, bekommen andere nicht mal durch größte Mimik- und Gestik-Verrenkungen hin. Dabei scheint er sichtlich Freude daran zu haben, die Integrität seiner Figur zu wahren und sie trotzdem auch in Nuancen weiterzuentwickeln.

    Matt Kennedy / CBS
    Die rätselhafte Dahj (Isa Briones) bittet Picard (Patrick Stewart) verzweifelt um Hilfe.

    Im Gegenzug bleibt die Riege der vielen neuen Nebenfiguren aber erst einmal auf der Strecke. Die müssen aus dem Stand heraus gegen den alles überragenden Jean-Luc Picard bestehen und das klappt zumindest zu Beginn noch nicht wirklich. In ihr Schicksal ist man zunächst nur investiert, weil auch Picard damit verknüpft ist. Ob sie im Laufe der Serie mehr eigenes Profil jenseits gängiger Sci-Fi-Klischees gewinnen und sich halbwegs aus dem Schatten der „Star Trek“-Legende herausbewegen können, bleibt abzuwarten.

    Dabei wird sich in den ersten Folgen sogar viel Zeit gelassen, sodass die nötige Bühne dafür eigentlich schon gegeben wäre. „Star Trek: Picard“ legt ein recht gemächliches Tempo vor, das die Macher (bisher) auch nicht durch Action-Overkill künstlich in die Höhe treiben wollen – im Gegensatz zu manch anderem neueren „Star Trek“-Titel. Gerade in Bezug auf die neuen Figuren wird die gestreckte Erzählzeit aber nicht immer effektiv genutzt. Es dauert, bis das Ganze Fahrt aufnimmt. Tatsächlich startet das eigentliche Abenteuer in „Picard“ im Grunde erst am Ende der von uns gesichteten drei Folgen.

    Fazit

    Auch wenn die Figuren in „Star Trek: Picard“ nicht immer respektvoll mit der titelgebenden Ikone umspringen, die Macher der Serie tun das definitiv. Mit viel Bedacht und der tatkräftigen Unterstützung des brillanten Patrick Stewart bescheren sie der TV-Ikone ein gebührendes Comeback – wogegen der Rest der Serie bislang aber ein Stück weit abfällt.

    Nach dem etwas schleppenden Anfang in den ersten drei Folgen, hoffen wir, dass die Serie mit dem eigentlichen Abenteuer im Rest der Staffel ihr ganzes vorhandenes Potential voll entfalten (und sich so in unserer Wertung vielleicht noch einen halben Stern dazu verdienen) kann. Dass „Picard“ dem Sternenflotten-Veteranen einen wesentlich angemesseneren Abschied bescheren wird als einst „Nemesis“, steht für uns aber schon jetzt fest.

    Die zehn Folgen der ersten Staffel von „Star Trek: Picard“ laufen in Deutschland ab dem heutigen 24. Januar 2020 immer wöchentlich bei Amazon Prime Video. Eine zweite Staffel ist bereits bestätigt.

     

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    Kommentare
    • Francesco Mapare
      Wo bleibt denn Sci-Fi? - Zu fremden Welten die nie zuvor ein Mensch gesehen hat..? Anscheinend hat man sich von diesem Motto längst verabschiedet. Stattdessen Romulaner und ein bisschen Borg, die man bereits zum 27.mal ausgeluscht, durchgekaut und wieder ausgespuckt hat. Was ist mit Wurmlöchern, Zeitsprüngen, neuen/fremden Spezies, unbekannten Galaxien etc.? - Ich finde die neue Picard serie vollkommen einfallslos und uninteressant. Hab sie mir nur angeschaut um die alten Charaktere Picard etc. nochmals zu sehen.
    • lily
      Beste SciFi seit langem ist deutlich übertrieben. Die Serie hatte einen mittelmäßigen Auftakt und muss sich noch deutlich steigern bis zur Wertung gut. Aber wie unten angemerkt gönne ich dir den Spaß mit ihr.
    • lily
      Wie gesagt beziehe ich explizit meine Kritik auf alle Nostalgika Darstellungen. Der Spaß an der Serie sei dir gegönnt.
    • Portland193
      und hier liegt dein Fehler. Ein Ford war ein Action Held . Den Kannst du nicht mit einem Charakter Darsteller wie Stewart vergleichen . Und ich hoffe die Staffel bleibt der Pilotfolge treu und versucht nicht Stewart in so eine Action Rolle reinzustulpen.
    • Portland193
      Und genau darum geht es ja auch in der Serie - Stewart ist genau wie Picard gealtert . In der Serie geht es um einen alternden Sterneflottenoffizier der seine Vergangenheit bewältigen muss und nochmal nach vorne Blicken möchte . Genial - eines Picards und eines Stewarts würdig . Nicht so ein null acht 15 Action Sci Fi Dreck . Schon alleine Deshalb ist die Serie jetzt schon der Beste Sci Fi seit langem . Picard ist kein Action Held mehr und das verkörpert Stewart ideal. Ich freue mich auf jede einzelne Folge und hoffe die Macher bleibender Pilotfolge treu.
    • Don Rumata
      Für mich war Picard ja in jüngeren Jahren die ikonischste Figur der ganzen Film- und Serienwelt, geradezu ein Idol, gerade auch mit den Werten, die er vertritt. Von daher bin ich sehr angetan, das ihm diese Werte immer noch zu eigen sind, und natürlich bin ich begeistert, Patrick Stewart wieder als Picard zu sehen. Seine Interview-Szene fand ich filmisch und inhaltlich großartig. Als Darsteller wischt Stewart ohnehin mit so ziemlich allen anderen Star-Trek-Schauspielern der Geschichte den Boden auf (alte britische Shakespeare-Schule).Die Pilotepisode vermeidet viele Fehler von Discovery, ist ruhiger erzählt, weicht nicht drastisch vom Kanon ab, ich sah auch kaum Lensflare-Effekte. Es gibt ein Mysterium, das mein Interesse weckt und der Tod des Mädchens war eine überraschende Wendung. Die Actionszenen mit Dahjs wurden recht gut choreografiert und gefielen mir. Ich mag aber auch Battle Angel AlitaDas die Föderation nicht mehr so perfekt ist, passt natürlich zu heutigen Zeit (war sie aber in TNG auch nicht immer). Star Trek hat sich immer mit gesellschaftlichen Themen befasst. Ob jetzt wirklich die ganze Sternenflotte den alten Werten abgeschworen hat müssen wir noch sehen. Letztlich hat die politischen Führung das Sagen.Die erste Staffel von Discovery wurde von Bryan Fuller geprägt, der offenbar wenig Wert auf den Kanon legte und eine Vorliebe für finstere, brutale Szenarien zu haben scheint.Für die zweite Staffel war vor allem Kurtzman verantwortlich. Der versuchte einiges zu korrigieren. Doch der hat nur mit Procedurals Erfahrung und bekam die Rahmenhandlung nicht in den Griff.Hier bei Picard hat Chabon das Sagen und der müsste als versierter Autor ein plausibles Serial schreiben können. Von daher bin ich weiterhin guter Hoffnung.Das bisher gesehene ist in meinen Augen ungleich besser als Discovery. Ich vergebe 4,5 Sterne (bin aber auch wohlmeinender Ur-Trekkie). DISCO lag in Staffel ein in meinen Augen bei 1,5 Sternen, in Staffel 2 bei 3 Sternen.
    • lily
      Mag sein, läßt sich dann nicht ändern.
    • Shamara Yoshikawa
      Muss sagen, ist ne gute Idee, versuche ich auch mal, danke für die Tipps :)Ob ich es einhalten kann... keine Ahnung :D
    • S-Markt
      dann hast du bei space cowboys einen spaßigen film verpaßt!
    • S-Markt
      discovery schauspielerische schwächen vorzuwerfen ist lächerlich. man kann sich darüber aufregen, daß die story und das setting sich zu weit vom star trek universum entfernt hat, man kann sich über burnhams weinerliche grundhaltung echauvieren, aber doug johns, anthony rapp, mary wiseman, michelle yeoh, jason isaacs, anson mount, mary chieffo, wilson cruz, ethan peck und james frain haben allesamt abgeliefert, wenn es um schauspielerische leistung ging und haben dazu beigetragen discovery immerhin so erfolgreich zu machen, daß die serie das franchise jenseits vom alten tng-mief am leben erhalten hat und serien wie picard überhaupt erst ermöglicht hat.btw. the orville schauspielerisch auf einer ebene mit the expanse zu nennen, ist ein weiteres indiz dafür, daß man deine meinungsäusserung nicht all zu ernst nehmen kann.
    • lily
      Zum Mitschreiben: Picard hatte einen mittelmäßigen Einstand aber auch nicht mehr und auch nicht weniger.
    • Hulk1605
      Zum Mitschreiben: Picard hatte einen guten und herausrragenden Einstand. Damit hebt sich diese Serie von allen laufenden Serien ab.
    • lily
      Sich auf einem anderen Niveau als STD zu bewegen ist leider in keinster Weisse ein Problem, das macht nur Picard leider noch nicht zu einer wirklich guten Serie sondern leider nur zu einer mittelmäßigen.
    • Hulk1605
      PICARD ist auf ganz anderem Niveau wie STD. Picard ist schauspielerisch hochwertig, gute, stimmige Story. Gute nicht überladene Effekte und gut Action.Von all dem ist STD, als Gefühls-Girly-Soap weit entfernt..Verglichem mi Orville oder The Expanse ist Picard gerade voren, wereg Sir Patrick!!
    • lily
      Wenn es schon reicht besser zu sein als STD um 5 Sterne abzugreifen befindet sich das Serienniveau leider auf Sturzflug.
    • lily
      Ja dann habe ich ja alles richtig formuliert.
    • lily
      Ich muss eben, im Gegensatz zu vielen anderen, frühere Helden nicht erneut in ihren alten Rollen sehen. Das trifft aktuell sowohl auf Ford, Hamill und Stewart zu. Wer das anders sieht, bitteschön. Entsprechende Rollen für ältere Personen sind, wenn auch rarer, vorhanden. Daher bitte kein Actionkino für mich mit Leuten die Einlass auf einer Ü70 Party bekämen.
    • WhiteNightFalcon
      Den Punkt mit dem Alter versteh ich nicht ganz. Der Mann ist Ende 70. NATÜRLICH merkt man ihm sein Alter an.
    • Harald Mistermeyer
      Habe gerade die erste Folge gesehen. Story 5 Sterne. Umsetzung 5 Stern. Allerdings sehe ich den Part von Patrick Stewar - der an anderer Stelle sehr gelobt wird - etwas kritisch. Klar ist es eine gute Leistung und Stewart ist der einzige Picard, den ich mir vorstellen kann. Aber teilweise finde ich, dass es ein wenig zuviel Pathos ist. Jeder Satz und jeder Blick scheint mit Tiefgründigkeit, dem Schmerz des Vergangenen und der Weisheit des Alters gesättigt. Irgendwie kommt es übertrieben rüber. Am besten fand ich noch die Interview-Szene, da war es ein bisserl weniger. Aber insgesamt Jammern auf sehr, sehr hohem Niveau! Ich werde definitiv weiter schauen :-)
    • Rockatansky
      Bei manchen Serien lohnt sich das warten 😉...Einige Serien (Watchmen z.B.) sollten meiner Meinung nach sogar ehr nicht gebinged werden um das Gesehene auch mal ein bisschen wirken zu lassen. Ist ja heute schon fast eine vergessene Kunst...
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