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    Die Oscars sind nur für Amerikaner: "Brutal ehrlicher" Wahlzettel sorgt für Aufregung
    Von Björn Becher — 05.02.2020 um 16:20
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    Es ist eine feste Tradition. Jedes Jahr vor der Oscarverleihung veröffentlicht der Hollywood Reporter die „brutal ehrlichen“ Kommentare diverse Oscar-Wähler – in diesem Jahr hat einer besondere Sprengkraft.

    Sony Pictures / 2019 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved. TM & © DC Comics / Niko Tavernise / Netflix / Academy Of Motion Picture Arts And Sciences

    Seit heute steht fest, wer die Oscars 2020 gewinnt. Alle knapp 8.500 Wähler mussten ihre Stimmzettel abgeben, der Computer hat sie auch direkt ausgewertet und genau zwei Mitarbeiter der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers kennen schon die Ergebnisse – und müssen sie nun noch ein paar Tage für sich behalten.

    Der Hollywood Reporter hat eine feste Tradition zum Ende der Oscar-Wahlen. In dem Branchenblatt erscheinen dann mehrere „brutal ehrliche Oscar-Stimmzettel“ diverser Academy-Mitglieder. Und natürlich sucht man sich beim Hollywood Reporter dann immer Personen mit provokanten, für Aufsehen sorgenden Aussagen raus – doch dieses Jahr trifft das ganz besonders zu.

    Nationalismus bei den Oscars?

    Die Aussagen stammen von einer Schauspielerin, die natürlich sonst anonym bleibt, da die Wahlen eigentlich auch geheim bleiben sollen – und ihre Kernaussage steht fundamental gegen die aktuellen Bestrebungen der Oscars.

    Die anonyme Person ist nämlich der Meinung: Die Oscars sind ein amerikanischer Filmpreis und es sollen nur amerikanische Filmschaffende gewinnen.

    Auch wenn es historisch natürlich korrekt ist, dass die Oscars ein amerikanischer Filmpreis sind, entwickeln sie schon lange in eine Gegenrichtung. Es geht mittlerweile um Filme, die in Nordamerika in den Kinos gelaufen sind, aber von Personen aus aller Welt gemacht wurden und sogar aus aller Welt stammen können.

    Die Academy versucht sogar ganz bewusst, genau diese Internationalität zu verstärken: Seit Jahren werden mehr und mehr Mitglieder aus aller Welt eingeladen (also längst nicht mehr nur amerikanische oder in Amerika arbeitende Filmschaffende). Mit „Parasite“ könnte in diesem Jahr sogar das allererste Mal eine nicht-englischsprachige Produktion den Oscar für den besten Film gewinnen.

    Selbst Sam Mendes hat bei ihr keine Chance

    So stimmte die anonyme Wählerin in der Kategorie „Beste Regie“ für Quentin Tarantino. „Ich will, dass ein amerikanischer Regisseur gewinnt. Die Oscars sind eine amerikanische Sache, britische Dinge gewinnen die BAFTAS“, erklärte sie so, warum der Brite Sam Mendes für „1917“ bei ihr keine Chance hat, obwohl sie dessen Regie mag.

    Eigentlich konnte sie sich in der Kategorie sogar nur zwischen „Joker“-Regisseur Todd Phillips und Tarantino entscheiden, denn der dritte Amerikaner Martin Scorsese hat mit „The Irishman“ einen Film abgeliefert, der sie gar nicht begeistern konnte: „Niemand will es sagen, aber der ist einfach nicht gut.“

    Mit ihrer Stimme für Tarantino dürfte die Wählerin aber nicht die Mehrheit der Academy vertreten - und am Ende wahrscheinlich sogar enttäuscht werden, weil wohl gerade kein Amerikaner das Rennen macht. Denn die Favoriten in dieser Kategorie, zwischen denen es sich entscheiden dürfte, sind ausgerechnet die einzigen beiden Nicht-Amerikaner: Der bereits angesprochene Brite Sam Mendes und der Südkoreaner Bong Joon-ho.

    Mehrere Enthaltungen

    Die kompletten Erklärungen des Wahlzettels mit weiteren brutal-ehrlichen Aussagen gibt es übrigens beim Hollywood Reporter. Dort erzählt die anonyme Wählerin auch, dass sie sich in verschiedenen Kategorien enthalten hat: in zwei Kurzfilm-Kategorien, weil sie keine Zeit hatte, die Filme zu schauen, bei den besten Songs, weil sie keinen einzigen mochte sowie in den Kategorien für die beste Tonmischung und den besten Tonschnitt.

    Denn wie so viele Oscar-Wähler kennt sie hier den Unterschied nicht (eine leicht heruntergebrochene Erklärung gibt es übrigens in Folge 5 unseres Podcasts Leinwandliebe). Viele Wähler stimmen deswegen einfach in beiden Kategorien für denselben Film, sie enthielt sich stattdessen.

    Die Oscars werden übrigens in der Nacht von Sonntag, den 9. Februar, auf Montag, den 10. Februar, verliehen. Auf unserem Twitter-Kanal begleiten wir die Oscarverleihung live – mit Tipps, Einschätzungen und Infos rund um den bedeutendsten Filmpreis der Welt.

    "Joker" rockt die Oscars 2020: Alle Nominierungen in der Übersicht

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    Kommentare
    • Bruce Wayne
      Stimmt. Ist ein sehr guter Film.
    • Bruce Wayne
      YIKES
    • Jan Reuter
      Fehlt nur noch, dass bei den LOLAs in erster Linie deutsche Produktionen ausgezeichnet werden. ;-) Ich frage mich sowieso schon seit einiger Zeit, warum die LOLAs nicht auch einfach wie die Oscars ALLE Filme zulassen, die im letzten Kalenderjahr ins deutsche Kino kamen. Und dann gewinnt eben auch bei den LOLAs 1917 den Hauptpreis, wenn es keinen deutschen Film gab, der besser war.
    • Knarfe1000
      Make America great again...
    • sprees
      Wenn man mal die typische emotionale Aufladung von den Fakten trennt, dann hat sie Recht und es würde die Kategorie bester fremdsprachiger Film auch ansonsten zu einer lächerlichen Kategorie verkommen lassen. Umso bedeutender ist es dann eben auch wenn es eben ausländische Produktionen in den Lostopf der Big Five schaffen. Ist neben Parasite in der Kategorie Bester Film soweit ich mich noch erinnern kann, nur Das Leben ist schön aus Italien und Tiger & Dragon aus China gelungen und da waren es noch 5 Slots beim besten Film. Kann aber natürlich verstehen, dass britische und amerikanische Filme hier etwas schwieriger zu trennen sind weil sie ja sprachlich keine fremdsprachigen Streifen darstellen. Sie werden ja auch nicht als solche behandelt. Das aber eine amerikanische Produktion bei den Oscars Heimvorteil hat, dürfte jetzt keine große Überraschung sein und ist jetzt mit der Überschrift hier Nationalismus bei den Oscars viel zu polemisch formuliert.Für mich eine berechtigte Herangehensweise der Wählerin.Es müsste halt einen Supranationalen Filmpreis geben. Den UN-Oscar sozusagen :) Dann wäre es etwas anderes, aber so ist eben das System einfach so und für mich ist hier nichts skandalöses zu finden und einfach nur emotionale Aufladung einer faktisch gesehen erwartbaren Aussage. Wir würden auch bei unserem deutschen Filmpreis für unsere Produktionen stimmen wenn es eng werden würde
    • Michael Scheuhuber
      Also mit einer Aussage hat sie immerhin recht. The Irishman ist kein guter Film.
    • Don Rumata
      Die Academy behandelt schon seit Ewigkeiten alle englischsprachigen Filme als einheimisch und vergab auch schon an Filme von David Lean etc. ebenso Filmpreise wie an US-amerikanische.Die Frau hat wohl einen Trump verschluckt.
    • Ilse Müller
      Wenn der Name der Schauspielerin rauskommt wäre ihre Karriere auf jedenfall zuende ;)
    • Volkan Aydın
      Es braucht mehr solche Ehrlichkeit. Oscar ist Amerikanisch, wer Qualität will schaut ZDF
    • FilmFan
      Ha ha. Die gefällt mir. Oscar wird geschaut. Nicht weil ich wissen will welcher Langweiler gewinnt, aber der rote Teppich und die Show sind halt das beste was die Filmwelt zu bieten hat.
    • FilmFan
      Er ist aber der bedeutendste Preis der Welt.
    • Sentenza93
      Schlechte Publicity ist die beste Publicity. Das würden die ausschlachten bis zum Ende. 😀
    • isom
      Hoffentlich erleben wir bei einer eventuellen Aufdeckung ihrer Identität kein böse Überraschung ;)
    • Ilse Müller
      Ich glaube kaum, dass der Hollywood Reporter so einen Kommentar veröffentlichen würde.
    • Sentenza93
      Hat sie auch nicht. Fragte mich nur eben, was dann passiert wäre.
    • Ilse Müller
      Das hat sie aber nicht gesagt und ich würde es auch nicht so interpretieren. Jedenfalls sagt sie sicher etwas, was viele auch so machen (würden) aber nicht trauen zu sagen (sie ja auch nur anonym).
    • mwj
      Diesen Subtext lese ich in den Äußerungen mit.
    • mwj
      Natürlich ist der Oscar ein amerikanischer Filmpreis, von Amerikanerin für Amerikaner, zumindest überwiegend. Der Oscar ist kein Weltfilmpreis, sondern beschränkt sich überwiegend auf US-Filme.
    • greekfreak
      MAAGA (Make Academy Awards Great Again)
    • Sentenza93
      Was wohl passiert wäre, wenn sie gesagt hätte nur für Weiße...
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