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    "Nightlife": Diese (gar nicht so lustige) Geschichte steckt hinter dem "Bachelor"-Bashing!
    Von Christoph Petersen — 15.02.2020 um 15:00
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    Aktuell läuft die Komödie „Nightlife“ mit Elyas M’Barek und Palina Rojinski in den Kinos. Darin gibt es auch eine bissige Abrechnung von Regisseur Simon Verhoeven mit dem pseudoromantischen Trash-Format „Der Bachelor“ – und zwar aus gutem Grund.

    Warner Bros.

    In „Nightlife“ gibt es eine dreiköpfige Schlager-Kombo namens „Die Bachelors“, deren Mitglieder sich im Laufe des Films immer wieder als grenzdebile Macho-Idioten entpuppen. Die zwei Background-Sänger des Möchtegern-Mallorca-Trios werden dabei von Regisseur Simon Verhoeven („Willkommen bei den Hartmanns“) und seinem besten Kumpel Frederic Unterschemmann verkörpert – und das kommt nicht so ungefähr. Hinter der Abrechnung mit dem RTL-Trash-Format steht nämlich eine persönliche Erfahrung, die der Filmemacher selbst gar nicht so lustig findet (wir dafür aber schon).

    FILMSTARTS: Wie viele Folgen der letzten Staffel „Der Bachelor“ hast du dir denn persönlich reingezogen?

    Simon Verhoeven: Tatsächlich gar keine. Kann ich dir guten Gewissens sagen. Es ist keine Hommage an den „Bachelor“, weil ich das irgendwie geil finde. Es ist eine kleine, privat motivierte, augenzwinkernde Abrechnung wegen eines Erlebnisses, das ich vor ein paar Jahren hatte – wobei es gar nicht nur ein einzelnes Erlebnis war, es war vielmehr gleich ein ganzes erlebnisreiches Jahr: Zunächst wurde mein bester Freund Freddy immer wieder mit dem Bachelor verwechselt – das war damals ein blonder Bachelor, Paul heißt der. Wir haben ihn dann immer verarscht, weil andauernd 13-jährige Mädchen hinter ihm hergerufen haben.

    Das ging so weiter, bis mich eines Tages ein Freund angerufen hat und meinte, ich solle unbedingt RTL einschalten, weil mir der neue Bachelor echt ähnlichsieht. Und von da an war es dann so: Wenn ich mit meinem besten Kumpel unterwegs war, da kannst du dir vorstellen, dass da alle Leute gedacht haben: „Ey, das sind die Bachelors. Die hängen jetzt anscheinend zusammen ab.“

    Die ausführliche FILMSTARTS-Kritik zu "Nightlife"

    Das ging ein ganzes Jahr lang so – und das hört sich jetzt vielleicht lustig an, aber das ist überhaupt nicht lustig, das ist echt nervtötend. Man freut sich ja als Regisseur, wenn einen mal jemand darauf anspricht, dass man doch „Männerherzen“ oder „Willkommen bei den Hartmanns“ gemacht hat – Filme, die ihnen womöglich etwas bedeuten, die vielleicht auch mal ein Selfie mit einem machen wollen. Aber das schlug dann völlig um – denn die Bachelor-Fans haben einen auch oft angeschrien oder sind hinter einem hergegangen.

    Aber lange Rede kurzer Sinn: „Nightlife“ ist deshalb für mich in dieser Hinsicht auch eine Art Psychotherapie, wo ich das auf humoristische Weise verarbeitet habe. Ich meine, das ist ja auch ein riesiger Zufall: Dass mein bester Kumpel erst mit dem einen und ich ein Jahr später dann mit dem anderen Bachelor verwechselt werde – das ist wie ein negativer Lottogewinn.

    Webedia GmbH
    FILMSTARTS-Chefkritiker Christoph Petersen mit „Nightlife“-Regisseur Simon Verhoeven beim Interview.

    FILMSTARTS: Aber man hatte trotzdem das Gefühl, dass du Spaß daran hast, dich auch mal selbst zum Affen zu machen…

    Simon Verhoeven: Wenn ich was gut kann, dann ein bisschen doofer spielen. Ein bisschen wie Ben Stiller in „Zoolander“ – so Typen, die vielleicht denken, sie seien cool, aber in Wahrheit das genaue Gegenteil sind.

    Unser ausführliches Interview mit Simon Verhoeven

    „Nightlife“ läuft seit dem 13. Februar 2020 in den deutschen Kinos.

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