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    Ist "Birds Of Prey" ein feministischer Film? Das sagt Regisseurin Cathy Yan
    Von Regina Singer — 19.02.2020 um 16:00
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    Nach „Wonder Woman“ ist das „Suicide Squad“-Spin-off „Birds Of Prey“ der zweite DC-Film, in dem Frauen (u.a. Margot Robbie als Harley Quinn) im Vordergrund stehen. Im Interview erklärt uns Cathy Yan, ob sie ihr Werk für feministisch hält.

    Warner

    Wie uns bereits Margot Robbie im Interview am Set von „Birds Of Prey“ verriet, qualifizierte sich Regisseurin Cathy Yan mit ihrem Spielfilmdebüt „Dead Pigs“ (der derzeit leider noch kein Startdatum in Deutschland hat) für das „Suicide Squad“-Spin-off: Der unabhängige Ensemblefilm sei in China unter schwierigen Bedingungen, mit wenig Geld und wenig Zeit entstanden, sei aber dennoch wundervoll geworden.

    Deswegen war sich Robbie auch sicher, dass Yan als Regisseurin des DC-Blockbusters unter besseren Umständen hervorragende Arbeit leisten würde. Bei unserem Set-Besuch in Los Angeles im März 2019 trafen wir Yan, die sich während des Drehs einer Kampfszene Zeit nahm, um über ihr neues Werk zu sprechen.

    FILMSTARTS: Was ist der Unterschied bei der Arbeit an einem asiatischen Indie-Film und einem DC-Film dieser Größenordnung?

    Cathy Yan: Zunächst einmal ging der Wechsel vom Indie- zum DC-Film sehr schnell bei mir. „Dead Pigs“ lief ja erst letztes Jahr auf dem Sundance Film Festival und drei Monate später bekam ich diesen Job, was großartig ist. Natürlich ist die Produktion von „Birds Of Prey“ viel größer und voller Action. Das macht den Vergleich schwierig.

    Aber andererseits ist die Arbeit als Regisseurin ähnlich. Du musst zwar mehr Menschen managen, aber die Personen, mit denen du im Endeffekt zu tun hast – also die Abteilungsleiter und der innere Kreis der Produktion – ist von der Anzahl her ungefähr gleich. Daher konnte ich die Erfahrung, die ich beim Indie-Film gemacht habe, auf die eine oder andere Weise auf „Birds Of Prey“ übertragen.

    FILMSTARTS: Würdest du sagen, „Birds Of Prey“ ist ein feministischer Film?

    Cathy Yan: Ich denke, das ist definitiv ein feministischer Film. Ein großer, feministischer Film.

    FILMSTARTS: Denkst du, dass das Genre Superheldenfilm nun auch Regisseurinnen offensteht?

    Cathy Yan: Oh Gott, ich hoffe. Ich hoffe sehr, dass ich nicht die letzte Frau bin, die so einen Film machen darf. Es gibt keinen Grund, warum Frauen solche Filme nicht inszenieren können. Und ich denke, wir sollten „Birds Of Prey“ nicht in die Kategorie „feministischer Film“ verbannen – nicht, dass wir das tun.

    Wir sollten 'Birds Of Prey' nicht in die Kategorie 'feministischer Film' verbannen.

    Ich würde es lieben zu sehen, dass eine Frau sowas wie „Batman“ oder „Bond“ inszeniert. Jede und jeder sollte einfach die Möglichkeit haben, für einen Film, der nicht unbedingt nur über Frauen ist, infrage zu kommen.

    "Margot Robbie klatscht nicht einfach ihren Namen drauf"

    FILMSTARTS: Was hat dich an dem Projekt besonders gereizt?

    Cathy Yan: Allem voran hat der Film einfach ein tolles Drehbuch und ein wirklich gutes Konzept. Ich liebe den Ton, der ist sehr speziell. Es ist lustig und gleichzeitig verraucht und düster. Sowas mag ich. Ich habe auch schon immer die Welt von Gotham geliebt. Ich bin mit „Batman“-Filmen aufgewachsen und daher ist es so eine wahnsinnige Möglichkeit für mich, eine Art neues Gotham zu kreieren – ein Gotham für Frauen.

    Und natürlich ist einfach die Figur Harley an sich Wahnsinn. In „Suicide Squad“ hat Margot so wundervolle Arbeit geleistet, Harley in die Welt einzuführen. Aber ich wusste, dass es noch so viele andere Schichten gibt, die wir in unserem Film aufdecken können. Alle Figuren sind toll, aber Harley im Besonderen. Sie ist so facettenreich.

    FILMSTARTS: Wie erlebst du Margot Robbie in ihrer Doppelrolle als Schauspielerin und Produzentin?

    Cathy Yan: Sie handhabt beides sehr gut. Sie ist eine sehr engagierte Schauspielerin – unglaublich pflichtbewusst und sehr, sehr sorgfältig. Außerdem ist sie bereit, auch mal was zu riskieren, macht immer ihre Hausaufgaben, recherchiert viel. Tatsächlich ist sie so auch als Produzentin. Sie ist da. Sie klatscht nicht einfach nur ihren Namen drauf oder was auch immer. Sie kümmert sich so sehr um dieses Projekt.

    Es ist einfach etwas, das sie vor drei Jahren gepitched hat und seitdem nun daran arbeitet. Sie ist sehr auf Details bedacht und schreibt immer alles in ihr Notizbuch, kennt alle Namen am Set – es ist wundervoll mit ihr zusammenzuarbeiten.

    Warner Bros.
    Margot Robbie am Set von "Birds Of Prey"

    Inspiration: Stanley Kubrick und Martin Scorsese

    FILMSTARTS: War der Untertitel „And the Fantabulous Emancipation of One Harley Quinn” Margots Idee?

    Cathy Yan: Ich denke, es war Christina Hodsons Idee [die Drehbuchautorin, Anm. d. Red.]. Sie hat ihn einfach als vorläufigen Untertitel ins Drehbuch geschrieben und wir dachten dann: Warum behalten wir ihn nicht? Der funktioniert vollkommen.

    FILMSTARTS: Ist das eine Anspielung auf „Birdman“?

    Cathy Yan: Ein bisschen. Es ist ein bisschen „Birdman“, ein bisschen Kubricks „Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“. Unser Film hat einen Tonfall, der zu dieser Art von „wir treten euch in den Hintern“ passt. Also ist es eine Art Ode an diese Art von Filmen. Und natürlich sind sowohl Kubrick als auch „Birdman“ Einflüsse.

    FILMSTARTS: Welche Filme haben euch noch inspiriert?

    Cathy Yan: Kubrick, speziell „Uhrwerk Orange“, oder auch „Taxi Driver“ sind Einflüsse. Ästhetisch vermittelt der Film ein Gefühl von Vintage. Zur gleichen Zeit ist er aber auch ziemlich modern. Wir haben absichtlich versucht, die Ästhetik an sehr breitgefächerte Filme und Dekaden anzulehnen, damit es sich für die Zuschauer vertraut anfühlt, sie aber gleichzeitig eine komplett andere Parallelwelt sehen.

     

    "Birds Of Prey“ ist vintage, modern und futuristisch

    FILMSTARTS: Wie war deine Arbeit mit dem Produktions-Designer K.K. Barrett?

    Cathy Yan: Wir haben viel darüber gesprochen, welche Technik es im Film zu sehen gibt und welche nicht. Zum Beispiel benutzen wir nur einen Typ Smartphone – eine Art Flatscreen-Blackberry. Wir haben mit Absicht keine iPhones im Film, weil sich das zu vertraut und gegenwärtig anfühlte. Die meisten unserer Autos sind aus den 1990ern, obwohl Roman einen viel älteren Wagen hat. Sowas wie ein Vintage-Auto. Und Canary fährt einen Wagen, der eher aus den 1970ern ist. Wir haben die Technik ziemlich gemischt.

    Die Kleidung sieht nach 70ern aus und hat gleichzeitig einen modernen Vibe. Wir wollten einfach alles mischen, so dass der Zuschauer auf der einen Seite eine Beziehung zu allem hat und auf der anderen Seite wollten wir auch etwas Außergewöhnliches, Neues. Einige Dinge fühlen sich sehr futuristisch an, andere vintage.

    Bösewicht Ewan McGregor singt und tanzt

    FILMSTARTS: Wie habt ihr die Darstellerinnen ausgewählt?

    Cathy Yan: Das ist ein Ensemblefilm, daher haben alle Figuren ihre eigene Hintergrundgeschichte. Ich wollte sicherstellen, dass wir Leute haben, die viel Tiefe in den Figuren finden und sie dann einbringen können. Und ich glaube, wir haben sie definitiv gefunden: Rosie Perez ist Renee Montoya und es ist der Wahnsinn, sie in dieser Rolle zu sehen. Ich liebe es mit Mary Elizabeth Winstead zu arbeiten – sie ist so ein Profi, so locker, elegant und anmutig. Sie verleiht Huntress so viel Grazie. Jurnee Smollett-Bell ist auch einfach fantastisch. Sie hat so viel Seele.

    Alle Darstellerinnen hauen einfach richtig auf die Kacke.

    Wir haben versucht einen Cast zusammenzustellen, der fähig ist, die Figuren als dreidimensionale Wesen zu sehen. Und zusätzlich hauen sie einfach auch richtig auf die Kacke. Alle haben so hart trainiert. Sie trainieren seit ungefähr drei oder vier Monaten. Und sie machen nahezu jeden Stunt selbst – Margot inklusive. Und auch die Männer sind der Wahnsinn. Ewan McGregorChris Messina – der Cast ist sehr aufregend. Er bringt den Figuren und dem Film einfach so viel Tiefe.

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    Bösewicht Black Mask (Ewan McGregor) bedroht Harley Quinn (Margot Robbie).

    FILMSTARTS: Kannst du was zu Ewan McGregor sagen?

    Cathy Yan: Er ist ein richtiger Profi. Ich glaube, das ist eine wirklich gute Rolle für ihn. Es ist spaßig zu sehen, wie er düster wird. Aber zur selben Zeit singt und tanzt er im Film. Am Set ist er eine sehr positive Person.

    FILMSTARTS: Hattest du bei dem Projekt die Freiheit, in die Richtungen zu gehen, in die du gehen wolltest?

    Cathy Yan: Ich denke schon, definitiv. Es fühlt sich so an.

    FILMSTARTS: Gab es Dinge, die du in anderen Comicbuch-Adaptionen gesehen hast und unbedingt vermeiden wolltest?

    Cathy Yan: Ich wollte alles anders machen, ehrlich gesagt. Allein das Drehbuch ist schon ganz anders. Ich hoffe, dass sich das im fertigen Film dann zeigen wird. Aber wir haben wirklich versucht, ihn anders aussehen zu lassen.

    FILMSTARTS: Planst du irgendwelche Sequels? Oder gar ein Franchise?

    Cathy Yan: Nein, ich möchte noch nicht an Franchises oder Fortsetzungen denken. Ich denke, „Birds Of Prey“ steht als Film sehr für sich selbst. Er muss erstmal für sich selbst funktionieren, bevor ich ein ganzes Universum anstoßen kann. Und „Birds Of Prey“ ist auch absolut kein Sequel zu „Suicide Squad“. Frauen sollten für „Batman“ Regie führen können

    „Birds Of Prey läuft seit dem 6. Februar 2020 in den deutschen Kinos.

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