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    "Viele Männer in 'Birds Of Prey' sind Arschlöcher": Victor-Zsasz-Darsteller Chris Messina im Interview
    Von Regina Singer — 25.02.2020 um 15:45
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    Viele männliche Figuren in „Birds Of Prey“ sind Arschlöcher und wenn Frauen den Laden schmeißen, funktioniert alles reibungslos. Das und vieles mehr verriet uns Victor-Zsasz-Darsteller Chris Messina bei unserem Interview am Set in Los Angeles.

    2020 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved.

    Bei unserem Set-Besuch von „Birds Of Prey“ im März 2019 sitzt Chris Messina („Argo“) mit platinblonden Haaren vor uns und hat offenbar schon alle Szenen, in denen seine Figur Victor Zsasz vorkommt, abgedreht.

    In Plauderlaune erzählt er uns unter anderem, wie es ist, den psychopatischen DC-Schurken zu verkörpern, der zuvor noch keinen größeren Auftritt im Kino hatte. Außerdem verrät er uns, warum wir uns in Ewan McGregors Bösewicht Roman verlieben werden und er so angetan von Margot Robbie ist.

    FILMSTARTS: Musst du heute noch was drehen?

    Chris Messina: Fürs Erste bin ich jetzt eigentlich fertig. Es war eine wahnsinnige Erfahrung. Das ist einfach eine tolle Truppe, ich werde alle vermissen. Von den Produzenten, zur Regisseurin, der Drehbuchautorin – alle Frauen, vor allem Margot. Alles lief so reibungslos. Aber so ist es immer, wenn Frauen den Laden schmeißen. Sie sind einfach so offen und alle haben Ideen und Vorschläge, niemand stellt sein Ego in den Vordergrund. Sie wollen einfach nur Dinge versuchen.

    Wir sind die Sachen so angegangen, wie man sie häufig in Independent-Filmen angeht. Ich dachte irgendwie, dass ein DC-Film dieser Größenordnung von einem großen Komitee kontrolliert wird. Aber so war das überhaupt nicht. Cathy macht den Film so, wie sie ihn gern machen möchte.

    Alles lief so reibungslos. Aber so ist es immer, wenn Frauen den Laden schmeißen.

    Jeden Tag am Set gibt es so viel Kreativität. Sie ist eine fantastische Regisseurin. Und Margot ist eine unglaubliche Führungskraft. Es macht Spaß, ihr dabei zuzusehen, wie sie alles handhabt, was als Produzentin so ansteht, und dann in die Rolle von Harley Quinn schlüpft. Sie macht das mit einer solchen Eleganz.

    Ich habe noch nie einen Schauspieler so hart arbeiten sehen. Sie ist so eifrig und so engagiert. Sie ist unermüdlich. Sie sagt niemals „keine weiteren Takes“ oder „wie lange noch“ – sie kann einfach alles machen und ich bin sehr beeindruckt von ihr.

    FILMSTARTS: Was meinst du damit, dass sich „Birds Of Prey“ wie ein Independent-Film angefühlt hat?

    Chris Messina: Er fühlt sich an wie Cathy Yans Film. Es fühlt sich nicht an, als würden 20 Leute zu ihr gehen und sagen „Ich denke nicht, dass wir das so machen sollten“ und sie kommt dann zu den Schauspielern und sagt „Vergesst die Idee“. Sie vertrauen ihr. Ich weiß nicht, ob ihr „Dead Pigs“ gesehen habt. Das ist ihr erster Film und er ist exzellent. Daher sollten sie ihr auch vertrauen.

    Aber ich war in den vergangenen Jahren bei so vielen Filmen, in denen sie dem Regisseur nicht vertraut haben. Und die Produzenten und das Studio konnten sich nicht ausstehen. Aber nichts davon passiert hier.

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    Margot Robbie, Rosie Perez und Cathy Yan am Set von "Birds Of Prey"

    Cathy mag Abwechslung. Wir versuchen so viele verschiedene Dinge. Und manche sind echt ausgefallen. Ich weiß nicht, ob das dann alles im Film so bleibt. Aber das meine ich damit, dass sich der Film „independent“ anfühlt. Du fühlst keine Angst vom Studio oder von den Produzenten. Sie sagen nicht „Mach das nicht“, „Wir können das nicht machen“. Es ist eher so: „Lass uns alles machen und beim Schnitt merken wir dann, was letztendlich funktioniert.“

    Margot Robbie ist nicht übermächtig

    FILMSTARTS: Wie erlebst du Margot als Produzentin?

    Chris Messina: Ich bin begeistert von ihr. Sie sorgt sich so sehr um jeden und trotzdem stellt sie sich nicht über die Regisseurin. Sie ist nicht übermächtig. Sie arbeitet sehr hart und will das Beste aus jedem herausholen. Das ist ein wichtiger Film für sie und für die Figur. Und sie hat sichergestellt, dass sie von den Besten umgeben ist. Die Crew und der Cast sind 1A! Ich kann gar nicht genug gute Dinge über Margot sagen.

    Das wenige, das ich von ihr weiß, ist, dass sie es wirklich zu schätzen weiß, wo sie gerade steht und wie ihre Karriere gerade läuft. Die harte Arbeit, die sie geleistet hat, um so weit zu kommen – sie hält das nicht für selbstverständlich. Das ist wirklich toll an ihr und ich hoffe, dass das so bleibt. Es ist wirklich wundervoll in einem Film zu sein, in dem es nicht heißt „Es ist, was es ist“.

    Ich kann gar nicht genug gute Dinge über Margot sagen.

    Denn sie ist eher eine die sagt: „Lass uns arbeiten, wir können uns glücklich schätzen, hier zu sein, wir machen einen Film! Es werden kaum noch Filme fürs Kino gemacht, alles dreht sich nur noch um Serien. Doch wir dürfen diesen Film drehen, wir dürfen uns glücklich schätzen.“ Und du fühlst das wirklich von ihr. Das ist wie ein Beruhigungsmittel. Davon bekommt jeder am Set etwas ab.

    So hat man Ewan McGregor noch nie gesehen

    FILMSTARTS: Deine Figur Victor Zsasz arbeitet für Roman Sionis alias Black Mask, der von Ewan McGregor gespielt wird. Hast du also viel mit ihm zusammengearbeitet?

    Chris Messina: Er ist ein toller Szenenpartner. Wir haben viele Szenen zusammen. Das Gute an dem Film ist, dass es zwei Schurken gibt. Du hast zwei Kerle. Auf eine gewisse Weise stachelt Victor Roman an. Er hat da ein gewisses Eigeninteresse und eigene Ansichten dazu, was passieren soll.

    Ewan ist ein toller Schauspieler. Ich glaube, niemand hat ihn bisher sowas tun sehen. Ich glaube, ihr werdet positiv überrascht sein, weil er super angsteinflößend ist – aber auch charmant und sympathisch. Und das wird leider dazu führen, dass ihr euch in diesen sehr bösen Mann verlieben werdet.

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    Ewan McGregor als Roman Sionis alias Black Mask

    Victor und Roman hassen Frauen

    FILMSTARTS: „Birds Of Prey“ hat fünf weibliche Hauptfiguren. Haben deine und Ewan McGregors Figur eine misogyne Seite?

    Chris Messina: [Überlegt lange] Ja. Ich meine, so viel an diesem Film ermutigt Frauen und gibt ihnen Kraft. Er ist offensichtlich sehr zeitgemäß. Nicht alle Männer im Film, aber sehr viele von ihnen sind Arschlöcher. Und einige von ihnen verdienen, dass man ihnen in den Hintern tritt.

    Nicht alle Männer im Film, aber sehr viele von ihnen sind Arschlöcher.

    Aber ich glaube, da gibt es sehr viele verschiedene Facetten, Level und Schichten. Es ist nicht nur schwarz und weiß. Das Herz des Films ist definitiv Freiheit. Frauen haben darin eine Stimme. Und es ist wundervoll ein Teil davon zu sein.

    FILMSTARTS: Wie fühlt es sich an, der Böse zu sein?

    Chris Messina: Es ist toll. Ich weiß nicht, was ihr von mir gesehen habt. Aber in Hollywood ist es so: Wenn du etwas halbwegs Anständiges machst, dann möchte jeder, dass du das wieder und wieder machst. Ich kam nach LA und habe „Six Feet Under“ gedreht. Ich war ein republikanischer Anwalt und war dieser „Nette Typ“-Trottel. Und ich wurde für die meiste Zeit meiner Karriere als solcher gecastet. Und jetzt bin ich ein „Böser Typ“-Trottel.

    Aber ein böser Kerl zu sein, fühlt sich sehr befreiend an. Cathy hat mir beim Spielen viel Freiheit gelassen. Ich weiß nicht, was im Endeffekt im Film sein wird, aber es hat sehr viel Spaß gemacht verrückt zu sein.

    "Ich habe viel über Serienmörder und Religionen gelesen"

    FILMSTARTS: Die Figur, die du spielst, hat außerhalb der Comics nur wenige Auftritte gehabt. Woher hast du die Inspirationen für deinen Victor Zsasz genommen? Auf welche Comics hast du dich bezogen?

    Chris Messina: Ich bin kein großer Comicleser. Daher wusste ich nicht viel über ihm. Aber ich habe zur Vorbereitung alle seine Comics und Origin-Storys gelesen. Daher meine Haarfarbe. Er war ursprünglich platinblond. In vielen Comics bekommt er dann aber eine Glatze. Wie man offensichtlich sehen kann, wird er bei uns aber platinblond sein.

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    Victor Zsasz auf dem offiziellen Charakterposter zu "Birds Of Prey"

    Die Comics waren sehr hilfreich. Er ist ein Schlitzer, er hat Narben über seinen ganzen Körper verteilt, für jeden, den er jemals getötet hat – er führt Strichlisten. Er hat das Gefühl, jeder um ihn herum sei ein Zombie, und glaubt, er befreie alle aus dem elenden Zombie-Dasein.

    Ich habe also definitiv die Comics genutzt. Und das Drehbuch war fantastisch. Da konnte man so Einiges für sich rausnehmen. Er war übrigens mal einen kurzen Moment in einem der Nolan-„Batman“-Filme (in „Batman Begins“, Anm. d. Red.). Ich weiß nicht, ob sie da im Gefängnis sind oder so. Aber man sieht ihn da. Doch er spielt da keine große Rolle.

    FILMSTARTS: Victor benutzt Messer als Hauptwaffe. Wie hast du dich darauf vorbereitet, mit den Messern zu hantieren?

    Chris Messina: Ein Freund von mir kennt sich mit Messern aus und hat ein bisschen versucht, mir was über sie beizubringen. Ich habe einige Tricks mit den Messern versucht, aber ich war nie wirklich gut in sowas. Also wird es sowas nicht im Film geben.

    Ich habe Victor immer als Prophet gesehen. Einer, der beinahe die Welt rettet. Ich habe viel über Serienmörder und Religionen gelesen, die diese verrückte, fanatische Idee haben, dass entweder Gott oder eine andere höhere Macht will, dass ich bestimmte Dinge mache. Und so habe ich mit der Idee im Hinterkopf gespielt, dass Victor die Menschen auf eine Weise rettet, indem er sie tötet.

    FILMSTARTS: Victor sieht außerdem ziemlich modisch aus…

    Chris Messina: Die Welt, die Cathy kreiert und das Kostümdesign sind fantastisch. Romans „Universum“ kann man am ehesten beschreiben mit Qualität trifft auf Punk trifft auf die Welt von „Uhrwerk Orange“. Sowas habe noch nicht in Superhelden- oder DC-Filmen gesehen. Es ist sehr originell und cool.

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