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    Kino in Zeiten des Coronavirus: Das ist die Lage in Deutschland
    Von Björn Becher — 13.03.2020 um 15:55
    Aktualisiert am 16.03.2020 um 16:56
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    In vielen europäischen Ländern sind die Kinos aufgrund der Coronavirus-Pandemie schon geschlossen, auch in Deutschland gibt es erste entsprechende Maßnahmen. Wie ist die Lage? Wir versuchen sie für euch im folgenden Artikel zusammenzufassen.

    StudioCanal / CDC/ Alissa Eckert, MS; Dan Higgins, MAM

    Hinweis: Dieser Artikel wird nicht mehr aktualisiert! Da aufgrund eines nun beschlossenen Maßnahmenpakets alle Kinos in Deutschland schließen werden, braucht es diese Übersicht nicht mehr.

    Nachfolgend noch die zuletzt vorhandene Fassung!

    Um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen, werden weltweit die unterschiedlichsten Maßnahmen beschlossen. Großveranstaltungen werden zum Beispiel schon lange immer weiter abgesagt. Dass sich zwischen tausende schwitzende Menschen in ein Fußballstadion zu stellen, keine gute Idee ist, dürfte auch den meisten einleuchten. Auch immer mehr Clubs und Bars werden geschlossen, gibt es doch auch hier oft engere Kontakte. Doch was ist mit dem Kino? Das fragen sich auch viele unserer Leser.

    Wir wollen euch im nachfolgenden Artikel die aktuelle Lage darstellen, möchten aber darauf hinweisen: Wir sind keine medizinischen Experten, wir können euch nicht raten, wie ihr euch verhalten sollt! Unser Ziel ist eine Information über die aktuelle Lage rund um den Kinobesuch sowie das Erklären einiger Hintergründe.

    Kinos werden geschlossen

    Erst einmal ist festzuhalten, dass bereits mehrere andere Länder entschieden haben, die Kinos komplett zu schließen – und wir reden nicht nur von China und Italien, wo die Corona-Pandemie bereits besonders heftig tobt. Unter anderem auch Griechenland, Norwegen und Dänemark haben die Schließung aller Kinos verfügt.

    Im föderalen Deutschland gibt es keinen solchen flächendeckenden Beschluss. Hier liegt es in der Zuständigkeit der jeweils lokalen Behörde, die Entscheidungen zu treffen. Die Bundesregierung hat alle Bundesländer aber aufgefordert, Anordnungen zu erlassen, um Kinos deutschlandweit zu schließen.

    Neben Berlin sind auch in den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern (ab Dienstag), Nordrhein-Westfalen (ab Montag), Schleswig-Holstein und Hamburg bereits alle Kinos geschlossen. In unserem Nachbarland Österreich sollen alle Kinos spätestens ab Montag alle schließen.

    Daneben sind auch in einzelnen Städten in anderen Bundesländern die Kinos komplett geschlossen oder müssen nun schließen.

    Weiteres Update: Ein Hinweis, damit keine Missverständnisse aufkommen: Die meisten Anordnungen von Schließungen sind nicht nur kurzfristig für wenige Tage, sondern oft bis weit in den April hinein. In Berlin zum Beispiel bis einschließlich 19. April!

    Die Kinos, die in Deutschland noch geöffnet sind, sind dies allerdings teilweise mit Einschränkungen.

    Abstand und weniger Besucher

    Viele Kinos setzen nämlich bislang noch auf Maßnahmen, die wohl einer Verbreitung des Virus entgegenwirken sollen. So werden von den meisten Kinos nur noch begrenzt Tickets verkauft, womit volle Säle vermieden werden sollen. Diese dürften aber aktuell ohnehin die Ausnahme sein, weil viele Menschen das Kino meiden und nun in den nächsten Wochen durch die vielen, aktuell nacheinander eintrudelnden Absagen (allein in den 24 Stunden vor Erscheinen des Artikels wurden rund ein Dutzend deutscher Kinostart abgesagt) auch immer weniger Filme anlaufen.

    In eine ähnliche Richtung geht eine Entzerrung des Spielplans, um größere Menschenansammlungen im Foyer zwischen einzelnen Vorführungen zu vermeiden.

    Daneben werden auch Abstände eingebaut, Kinos lassen Sitze frei bzw. das von vielen Lichtspielhäusern eingesetzte Ticketsystem Compeso lässt nun automatisch immer eine Lücke von einem Sitz zwischen jeder Buchung. Die Idee dahinter ist, zu engen Kontakt zwischen Menschen zu vermeiden. Viele Kinos empfehlen zudem, Tickets nur noch online zu kaufen, um auch hier Kontakte zu vermeiden bzw. zu reduzieren.

    Das sagt der Experte

    Im sehr informativen „Corona Virus Update“-Podcast von NDR Info nimmt Experte Prof. Dr. Christian Drosten, Leiter der Virologie an der Berliner Charité, in der Ausgabe vom Freitag, den 13. März 2020, zwar nicht auf Kinos Bezug, trifft aber einige Aussagen, die im Zusammenhang sehr interessant sein dürften und sich übertragen lassen. So stellt er klar, dass man in der aktuellen Situation nicht alle sozialen Kontakte abbrechen kann. Man könne sich weiter mit Freunden treffen, aber müsse vielleicht nicht unbedingt in eine Kneipe gehen, wo es den ganzen Abend über Publikumsverkehr gibt, durch nicht richtig gespülte Gläser etc. die Ansteckungsgefahr ohnehin erhöht ist.

    Aber ins Kino? Drosten setzt in seinen Aussagen ganz unabhängig von einzelnen Bereichen auf die Verantwortung des Einzelnen. Es gehe gerade nicht darum, abzuwarten, bis Politik oder Behörden bestimmte Veranstaltungen (also für uns: Kinobesuch) verbieten, sondern man müsse sich vielleicht auch als Teilnehmer dann sagen: „Lieber nicht!“.

    Detailliert führt der Corona-Experte so aus: „Muss man heute Abend, morgen Abend noch große Kulturveranstaltungen besuchen, wenn es diese noch gibt? […] Da kann man als Privatperson darauf achten und das hinterfragen. Ich will da jetzt auch nicht sagen, es muss da absolute Panik herrschen und wenn man Theaterkarten für 50 € hat, dann soll man die jetzt nicht mehr nutzen. Das ist natürlich Quatsch. Aber man sollte vielleicht jetzt vom Prinzip her diese Überlegung schon einmal machen. Aber wir haben jetzt im Moment in Deutschland noch nicht eine solche Infektionsdichte, dass man hinter jeder Ecke den nächsten Infizierten vermuten muss, der eigentlich schon Fieber hat, sich aber noch in die Öffentlichkeit schleppt.“

    Hintergrund erklärt: Flatten The Curve

    Hinter vielen Maßnahmen, wie zum Beispiel der Schließung von Kinos oder der zumindest beschränkten Besucherzahl, oder den vielen Aufrufen, soziale Kontakte zu reduzieren, steckt das Modell „Flatten The Curve“.

    Immer wieder wird argumentiert, dass das sich seit Ende Dezember 2019 rasant verbreitende und im Januar 2020 dann auch identifizierte, neuartige Coronavirus, welches den offiziellen Namen SARS-CoV-2 trägt, eine niedrigere Sterblichkeitsrate habe als andere Viren und Krankheiten. Doch die aktuelle Pandemie ist nicht so gefährlich aufgrund der direkten Sterblichkeitsrate, sondern aufgrund der exponentiellen Verbreitung.

    Wenn die exponentielle und damit unglaublich rasante Verbreitung dieses neuartigen Coronavirus nicht eingedämmt wird, dürften Krankenhäuser sehr schnell die Belastungsgrenze überschreiten. Es wären nach Einschätzung von Experten schon in wenigen Wochen nicht mehr genug Beatmungsgeräte und selbst Krankenbetten verfügbar, um alle bedürftigen Menschen zu behandeln – und dabei sind noch gar nicht andere Notfälle – von Herzinfarkten über Verkehrsunfälle und was sonst so denkbar ist – eingerechnet. Ärzte müssten auch Nicht-Corona-Patienten sterben lassen, obwohl sie ihnen theoretisch helfen könnten, weil sie aufgrund der Corona-Überlastung nicht genug Zeit und Mittel haben.

    Deswegen ist das Ziel der Eindämmung nicht zu verhindern, dass sich Menschen mit dem Coronavirus anstecken (laut Einschätzung des Robert-Koch-Instituts werden das ohnehin 2/3 aller Deutschen tun), sondern die Ansteckung über einen möglichst langen Zeitraum zu strecken, sodass nie zu viele Menschen gleichzeitig Behandlung benötigen und das Gesundheitssystem (wie bereits in Italien geschehen) zusammenbricht. Dieses Modell, den gesamten Verlauf lieber in die Länge zu ziehen, dafür nicht so viele Ansteckungen gleichzeitig zu haben, nennt man Flatten The Curve.

    Johannes Kalliauer / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)
    Schaubild für Flatten The Curve

    Das Schaubild für Flatten The Curve wird von uns genutzt unter der Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license.

    Und um dieses zu erreichen, braucht es nach Einschätzung aller Experten die Reduzierung der sozialen Kontakte und zum Beispiel die Vermeidung von Massenveranstaltungen, weil dann eine Person weniger wahrscheinlich gleich 20 andere ansteckt, sondern vielleicht nur 2.

    Zum Abschluss dieser Übersicht der Lage möchten wir noch einmal auf den Podcast mit Prof. Dr. Drosten verweisen. Daneben helfen euch auch die sehr umfangreiche Übersicht mit häufigsten Fragen zum Coronavirus des Robert-Koch-Instituts sowie eine ähnliche FAQ-Seite der Berliner Charité weiter.

    Alternative zum Kinobesuch: Diese guten Filme gibt es aktuell auf Netflix

    Abgesagte Kinostarts wegen Coronavirus

    Als Epilog dieses Artikels noch eine Übersicht aller bereits in Deutschland wegen des Coronavirus abgesagten Kinostarts sowie – sofern bereits verkündet – die neuen Termine.

    In unserem Kinoprogramm findet ihr die aktuell noch terminierten Starts für März und für April, wobei wir noch weitere Änderungen erwarten.

    Streaming statt Kino am Wochenende: Meine ganz persönlichen Tipps für Netflix, Amazon und Co.

    Updates

    Dieser Artikel wird immer wieder um weitere Kinostart-Absagen und Informationen zum Thema Kino-Schließungen ergänzt. Wer also den ganzen Artikel bereits einmal gelesen hat, kann beim Zurückkehren hier am Ende immer die Updates checken.

    •  Ergänzt wurden gegenüber der ursprünglichen Fassungen die Kinostart-Absage von „Berlin, Berlin“ und Kino-Schließungen in Landshut, Halle/Saale, Bonn sowie in ganz Schleswig-Holstein; zudem die Information, dass in unserem Nachbarland Österreich spätestens ab Montag alle Kinos schließen werden.
    •  Wir haben den Artikel nun auch um den Hinweis ergänzt, dass die Kinoschließungen nicht nur eine kurzfristige Maßnahme sind, sondern meist für mehrere Wochen gelten. In Schleswig-Holstein sind die Kinos zum Beispiel vorerst (!) alle bis zum 19. April geschlossen.
    •  Auch in Karlsruhe und Weimar werden die Kinos spätestens ab Montag geschlossen sein.
    •  Auch die Hauptstadt Berlin hat per Verordnung verfügt, dass die Kinos geschlossen werden. Daneben machen unter anderem noch in Mannheim die Kinos zu. In Köln werden ab Sonntag die Lichtspielhäuser geschlossen sein.
    •  Da es unserer Meinung nach wichtig ist, auch die Idee hinter der Schließung von Einrichtungen wie Kinos zu erklären, haben wir den Artikel noch um eine Erklärung zum Flatten-The-Curve-Modell ergänzt.
    •  Auch Bayern schließt nun alle Kinos im gesamten Freistaat. (ab spätestens Dienstag)
    •  Hamburg folgt kurze Zeit später - alle Kinos müssen dort nun ebenfalls schließen.
    •  In Nordrhein-Westfalen sind ab Montag alle Kinos geschlossen.
    •  Die Filme „Wir drehen keinen Film“, „Jean Paul Gaultier: Freak & Chic“ und „Suzi Q“ sollten eigentlich am 19. März 2020 anlaufen und wurden nun alle verschoben.
    •  „Lionhearted - Aus der Deckung“ wurde vom 30. April 2020, „Das Haus der guten Geister“ von 2. April auf unbestimmte Zeit verschoben.
    •  Mit „Siberia“ mit Willem Dafoe, Clint Eastwoods „Der Fall Richard Jewell“ sowie „Chichinette - Wie ich zufällig Spionin wurde“ verschwinden die nächsten geplanten Veröffentlichungen aus der Startwoche am 19. März - vorerst ohne neuen Termin.
    •  Auch die bisherigen April-Starts „Die Rüden“, „Der Junge und die Wildgänse“ und „The Secret - Das Geheimnis“ wurden abgesagt.
    •  Während es in Baden-Württemberg noch keinen flächendeckenden Beschluss gibt, erreichen uns aus immer mehr Städten die Anordnungen, dass die Kinos geschlossen werden. Zuletzt aus Ulm.
    •  „Der wunderbare Mr. Rogers“ mit dem übrigens selbst mit dem Coronavirus infizierten Tom Hanks wurde von Sony nun auch auf unbestimmte Zeit verschoben.
    •  Die neuesten Kinostartabsagen sind „Schlingensief - In das Schweigen hineinschreien“, „The Great Green Wall“ und „Martin Eden“, obwohl letzterer eigentlich erst Ende Juni 2020 in die Kinos kommen sollte.
    •  Baden-Württemberg hat nun auch landesweit den Betrieb von Kinos untersagt. Die entsprechende Verordnung gilt sogar bis zum 15. Juni (!) 2020. Es ist damit die bisher längste Schließung in Deutschland, allerdings kann die Verordnung natürlich bei einer entsprechenden Änderung der Einschätzung auch vorzeitig wieder aufgehoben werden.
    •  Die Bundesregierung hat nun alle Bundesländer aufgefordert, Anordnungen zu erlassen, um bestimmte Einrichtungen, darunter Kinos, deutschlandweit zu schließen.
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