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    "Unorthodox": Die brisante wahre Geschichte hinter der neuen Netflix-Serie
    Von Markus Trutt — 26.03.2020 um 19:13
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    Mit „Unorthodox“ hat Netflix seit dem heutigen 26. März 2020 eine besonders brisante Serie neu im Programm, die auf dem gleichnamigen autobiographischen Roman von Deborah Feldman basiert – aber auch in einigen Punkten bewusst von ihm abweicht.

    Netflix

    Im Vorspann von „Unorthodox“ ist zu lesen, dass die neue Netflix-Miniserie von den Bestseller-Memoiren der US-amerikanisch-deutschen Autorin Deborah Feldman inspiriert ist. Das Wörtchen „inspiriert“ hat man hierbei (im Gegensatz etwa zum mehr Vorlagentreue versprechenden „basiert“) sicher ganz bewusst gewählt, nimmt sich die Serie doch viele Freiheiten in der Darstellung von Feldmans Leben, deren Serien-Alter-Ego wohl auch nicht ohne Grund einen neuen Namen verpasst bekommen hat und so nicht Deborah, sondern Esther heißt.

    Dennoch sind die Hintergründe der Hauptfigur, die thematisierte Problematik und die Figurenkonstellationen in „Unorthodox“ aber sehr nah an der Realität.

    Flucht vor religiösen Extremisten

    Protagonistin von „Unorthodox“ ist die junge Esther (Shira Haas), die inmitten der Satmar-Gemeinschaft im New Yorker Stadtteil Williamsburg bei ihren Großeltern aufwächst, da ihre Mutter die Glaubensgemeinschaft verlassen hat und ihr von mentalen und Alkoholproblemen geplagter Vater nicht im Stande ist, sie großzuziehen.

    Esthers Dasein in der ultra-orthodoxen jüdischen Gruppierung ist geprägt von strengsten Lebensgesetzen, Unterdrückung und Angst vor Bestrafungen. Im Alter von 17 Jahren wird sie mit dem ihr kaum bekannten Yakov (Amit Rahav) zwangsverheiratet. Schon bald aber reift in ihr mehr und mehr der Entschluss, die Satmarer hinter sich zu lassen und ein Leben in Freiheit zu führen. Eines Tages tritt sie dann tatsächlich die Flucht nach Berlin an, wo sie aber bald von ihrer Vergangenheit eingeholt wird.

    Deborah Feldmans Leben

    Bis zu Esthers Entscheidung, aus ihrer jüdischen Gemeinschaft auszubrechen, deckt sich die Serien-Handlung sehr stark mit Deborah Feldmans wahren Erlebnissen – von ihrer schweren Kindheit und Jugend bei den Satmarern über ihre Familienverhältnisse bis hin zu ihrer Zwangsehe.

    Hinzu kommt, dass es den „Unorthodox“-Machern – wie schon Feldman in ihrem Buch – trotz aller Kritik an religiösem Extremismus auch wichtig war, ein bis in kleinste Details authentisches und respektvolles Bild einer komplexen religiösen Kultur zu zeichnen. Dazu arbeitete man nicht nur eng mit Feldman selbst, sondern auch mit anderen (ehemaligen) Mitgliedern ihrer oder vergleichbarer Gemeinschaften zusammen.

    Ganz in diesem Sinne wurde die deutsche Produktion „Unorthodox“ auch zu großen Teilen auf Jiddisch gedreht, ist das doch die Muttersprache für viele Satmarer, da andere Sprachen wie Englisch von der Gruppe als zu weltlich betrachtet werden.

    Die Unterschiede

    Im Hinblick auf den Aufbau von Esthers neuem Leben gehen Serie und Wirklichkeit dann allerdings stark auseinander – auch wenn sowohl Esther als auch Deborah am Ende in Berlin gelandet sind (wo Feldman auch heute noch lebt – ohne Kontakt zu ihrer alten Familie und Gemeinschaft, für die sie als Verräterin gilt).

    Die Unterschiede fangen schon damit an, dass Esther vor ihrer direkten Flucht nach Berlin nur etwa ein Jahr mit ihrem Mann zusammengelebt hat. Deborah hingegen nahm erst nach rund fünf Jahren Ehe Reißaus und hatte zu jenem Zeitpunkt bereits einen dreijährigen Sohn, den sie mit sich nahm. Erst weitere fünf Jahre später sind die beiden dann nach Berlin gezogen.

    Während Esther in Berlin dann eine Karriere als Konzertpianistin anstrebt, verfolgte Feldman nach dem Kappen ihrer Verbindung zu den Satmarern direkt Bestrebungen, ihre Erfahrungen mit der Welt zu teilen – erst in einem anonymen Blog, dann in ihrer Autobiographie „Unorthodox“, die 2012 erschien, und schließlich in der 2015 veröffentlichten Quasi-Fortsetzung „Exodus“, in der sie ihr weiteres Leben als alleinerziehende Mutter in einer ihr anfangs noch so fremden Umgebung beschreibt.

    Zur Hälfte wirklich passiert

    In der Serie selbst werden die Gegenwart von Esthers Berlin-Flucht und ihr altes Dasein in Williamsburg im Wechsel parallel erzählt. Zur Einordnung der Realitätsnähe dieser beiden Ebenen erklärte Serien-Co-Schöpferin Anna Winger („Deutschland 83“) im Vorfeld auch bereits recht eindeutig: „Die Rückblicke basieren auf dem Buch, während die Gegenwarts-Geschichte frei erfunden ist.“

    Man kann also festhalten, dass sich eine Hälfte von „Unorthodox“ eng am echten Leben von Deborah Feldman orientiert, während die andere Hälfte komplett aus der Feder der Serien-Autoren stammt.

    Alle vier Folgen von „Unorthodox“ können ab dem heutigen 26. März 2020 bei Netflix abgerufen werden. Parallel dazu ist auch die Kurz-Dokumentation „Making Of Unorthodox“ erschienen, die etwas tiefere Einblicke in die Hintergründe und die Entstehung der Serie liefert.

     

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