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    Netflix-Hit "Der Schacht": 4 Theorien zum mysteriösen Ende der Horror-Allegorie
    Von Jan Felix Wuttig — 30.03.2020 um 21:02
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    Das futuristische Gefängnis in „Der Schacht“ kann als reichhaltige gesellschaftliche Allegorie verstanden werden, deren Auflösung einige Rätsel aufgibt. Wir haben 4 Theorien zum Ausgang des Netflix-Schockers zusammengetragen.

    Netflix

    Achtung, Spoiler zu „Der Schacht“!

    Das Konzept des Netflix-Thrillers „Der Schacht“ ist eigentlich recht simpel: In einer Art Gefängnis sitzen je zwei Insassen auf einer Ebene und werden durch einen Schacht in der Mitte mit Essen beliefert, das zuvor jedoch durch die Hände aller höheren Plattformen ging. Dementsprechend opulent verköstigt man sich ganz oben, während unten Verzweiflung und Kannibalismus herrschen.

    Goreng (Ivan Massagué) will das System ändern – und macht es sich zur Aufgabe, das Essen auf dem Weg nach unten gerechter zu verteilen. Am Ende seines Weges trifft er ein kleines Mädchen, das mit der Plattform nach oben aufsteigt – während Goreng am Fuße des Schachts zurückbleibt. Das Ende von „Der Schacht“ kann auf unterschiedliche Arten interpretiert werden – wir haben die 4 stimmigsten Theorien zusammengetragen:

    Das Mädchen ist die Zukunft

    Als Goreng mit dem kleinen Mädchen den Boden des Schachtens erreicht, wird der Held von einer Vision seines Zellengenossen Trimagasi (Zorion Eguileor) überredet, die Plattform zu verlassen, sodass das Mädchen alleine wieder bis zur Ebene 0 emporsteigen kann. Viele dürften sich gefragt haben, warum Goreng darauf eingeht und sich mit Trimagasi eher der Dunkelheit des tiefen Schlundes zuwendet. 

    Eine mögliche Erklärung ist, dass das Mädchen die Verkörperung einer reinen Zukunft darstellt, die nur durch die Jugend herbeigeführt werden kann. Das Mädchen ist durch die Ungerechtigkeiten des Systems nicht befleckt und gehört einer neuen Generation an, während Goreng auf seinem Weg nach unten jegliche Unschuld verloren hat. Daher kann er sie nicht zurück nach oben begleiten, denn sie ist „Die Nachricht“ – ein Zeichen für die oberste Ebene, das eine neue Zeit einläuten soll und nicht durch das Grauen der Gegenwart verunreinigt sein darf. 

    Goreng hat das Rätsel des Schachts gelöst

    Wie sich herausstellt, hat der Protagonist sich freiwillig in seine Lage begeben. Er trifft eine Mitarbeiterin des Gefängnisses, oder wie sie es nennt, des „Vertikalen Zentrums für Selbstverwaltung“ wieder, die ihn zuvor in der Institution aufnahm und ihm nun erklärt, dass es dort darum ginge, eine „Spontane Solidarität“ zu entwickeln. Auf seine ungläubige Reaktion antwortet sie nur „Vielleicht sind Sie deswegen hier.“

    Und tatsächlich: Vielleicht hat Goreng am Ende seine Bestimmung erfüllt und entschwindet deswegen in die Schwärze der tiefsten Ebene – er hat mit seinen Handlungen eben jene „Spontane Solidarität“ kreiert, wegen welcher der gesamte Komplex überhaupt existiert. An diesem Punkt ist „seine Reise zu Ende“, wie ihm die Vision seines Mitgefangenen Trimagasi am Ende offenbart.

    Festival Films
    Imoguiri (Antonia San Juan) ist zunächst Mitarbeiterin des Schacht-Komplexes - und findet sich dann auf einer Plattform mit dem Protagonisten wieder.

    Das Mädchen ist dem System nicht bekannt

    Entgegen der Idee, dass der Plattformenkomplex gewissermaßen auf diese „Spontane Solidarität“ wartet, könnte es natürlich auch sein, dass sich die Verantwortlichen den schrecklichen Zuständen insbesondere auf den unteren Ebenen gar nicht bewusst sind. Denn gerade die Ex-Mitarbeiterin spricht gegenüber Goreng von 200 Ebenen, während es eigentlich 333 sind. Wie das Mädchen in den Komplex hineingerät, wird nicht erklärt, doch ihre Mutter könnte sie dort ohne Wissen der Gefängnisleitung versteckt haben.

    Insofern besteht die „Nachricht“ also nicht im Beweis der Solidarität, die durch das System erreicht werden sollte – sondern vielmehr darin, den Verantwortlichen zu zeigen, dass auf den unteren Ebenen unvorstellbare Dinge geschehen, von denen sie bisher nichts wussten.

    Die göttliche Komödie und Goreng als Messias

    Aus „Der Schacht“ kann man einige Anleihen an Literatur und Religion herauslesen – eine davon ist die Anlehnung „Die göttliche Komödie“ des Schriftstellers Dante Alighieri, in der der Protagonist auf dem Weg in den Himmel zunächst durch alle Kreise der Hölle mit ihren Sündern und Dämonen geführt wird. So könnte auch Gorengs als Abstieg in die Hölle gelten, doch schlussendlich muss er aufgrund seiner Sünden dort verbleiben.

    Die dazu entgegengesetzte Theorie sieht den Protagonisten als Messias, der sich am Ende für das Wohl der Gemeinschaft opfert. Somit stellt die unterste Ebene womöglich auch nicht die Verdammung in die Hölle dar, sondern nur Gorengs Endpunkt der düsteren menschlichen Existenz.

    Erklärungen zu „Der Schacht“ - über die offensichtliche kapitalismuskritische, hin zu einer religiösen und sogar einer symbolischen Auseinandersetzung mit Umweltzerstörung haben wir euch in einem separaten Artikel zusammengetragen.

    Netflix-Hit "Der Schacht" erklärt: "Saw" trifft "Cube" trifft "Parasite"

    "Der Schacht" im Podcast Leinwandliebe

    Auch in der aktuellen Folge unseres Podcasts Leinwandliebe sprechen wir über den gerade so umfangreich im Netz diskutierten Netflix-Film.

    Leinwandliebe findet ihr dort, wo es Podcasts gibt – von Spotify über Apple Podcasts bis hin zu Deezer und vielen weiteren Apps.

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    Und wenn ihr nach „Der Schacht“ noch Lust auf ähnliche Filme habt, haben wir euch ein paar Empfehlungen zusammengetragen.

    "Der Schacht": 5 Filmtipps für alle Fans des Netflix-Hits

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    Kommentare
    • SonnyC
      Egal wie, das Ende hinkt....
    • RD23
      Aha! Bist ein ganz toller Regisseur... Kennt man dich im Filmgeschäft etwa ?
    • Defence
      Der Film fängt stark an, hat eine interessante, wenn auch wenig subtil dargestellte Prämisse und verliert sich am Ende viel zu viel in irgendwelches esoterisches Geschwurbel.Keine der hier genannten (+ weitere von mir zusammen interpretierte) Theorien ändern was daran, das es am Ende z.T.schlicht unlogisch, sinnbefreit und widersprüchlich wird. Zuviel gewollt und verkrampft konstruiert.Das haben Cube und Co schlüssiger hinbekommen und selbst die Tatsache, eine Menge Hintergründe unbeantwortet zu lassen und den Zuschauer mit offenen Fragen zurück gelassen, wirkte da irgendwie eleganter als bei Der Schacht.
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