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    Netflix streamen statt Schule: Wie Emma Stone, Taylor Swift und eine Porno-Doku euren Horizont erweitern
    Von Sidney Schering — 04.04.2020 um 19:00
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    Unser Netflix-Stundenplan bringt euch munter durch die Woche. Egal, ob ihr auf unterhaltsame Weise euren Horizont erweitern wollt, oder ob ihr nur nach Streaming-Tipps abseits von Spielfilmen und Fiction-Serien sucht.

    Netflix

    Die Schulen sind aufgrund der Corona-Pandemie bereits seit einer Weile geschlossen, bevor nun ohnehin die Osterferien kommen. Und das mit den digitalen Lehrplänen haben noch immer nicht alle Schulen raus. Was also tun, wenn euch das Pflichtbewusstsein packt, ihr aber eigentlich nur Spaß haben wollt? Nun, vielleicht können wir Abhilfe schaffen – mit unserem (nicht ganz ernst gemeinten) Netflix-Lehrplan mit Streaming-Tipps abseits der allseits bekannten Spielfilme und Fiction-Serien.

    Folgende sieben Netflix-Programme sind ebenso lustig wie informativ – auch wenn wir ganz ehrlich anmerken müssen, dass sie wohl kaum klausurrelevant sein werden und gleich die Warnung aussprechen, dass das Gros nicht für jüngere Kinder geeignet sind. Dafür sind die Inhalte aber allesamt auch für Erwachsene sehr sehenswert!

    Geschichte (Doppelstunde)

    mit „Kevin Hart's Guide to Black History“ und „John Leguizamo's 'Latin History for Morons'“

    „Kiss the Cook“- und „John Wick“-Nebendarsteller John Leguizamo hat zwar in der berühmt-berüchtigten Videospieladaption „Super Mario Bros.“ einen Italo-Amerikaner gespielt – doch in Wahrheit stammt er aus Kolumbien. Seine Herkunft machte Leguizamos Sohn auf dem Schulhof zur Zielscheibe von Pöbeleien – ein weißer Rüpel befand nämlich, dass Leguizamo als Lateinamerikaner der Nachkomme eines Volkes sei, das nie etwas geleistet habe. Da der US-amerikanische Schulunterricht und auch die Hollywood-Maschinerie nichts dazu beitragen, diesen Irrtum aus der Welt zu schaffen, stürzte sich Leguizamo kurzerhand selbst in die Recherchearbeit.

    Im Stand-up-Special „John Leguizamo's 'Latin History for Morons'“ weiht er uns in seine Bemühungen ein, seinem Sohn mit geschichtlichen Fakten Selbstbewusstsein zu vermitteln. Ganz nebenbei räumt er auf denkbar pointierte Weise mit zahlreichen Wissensirrtümern über lateinamerikanische Geschichte auf.

    Und wenn wir schon beim Thema „Geschichtswissen, das im Schulunterricht oft vernachlässigt wird“ sind, reichen wir doch direkt als zweite Lektion „Kevin Hart's Guide to Black History“ nach. Der „Jumanji: The Next Level“-Mime wählt in seinem komödiantischen Geschichtsunterricht einen anderen Weg als Leguizamo in seinem Special: Kevin Hart hat zahlreiche Kollegen (darunter Weird Al Yankovic) um sich versammelt, um in einer Sitcom-Ästhetik wichtige Wendepunkte der afroamerikanischen Historie nachzustellen. Angereichert wird dies mit ausgewähltem Archivmaterial. Falls ihr je „Battlestar Galactica“-Darsteller James Callis als Lincoln sehen wolltet – hier habt ihr die Gelegenheit dazu!

    Musik

    mit „Fred Armisen: Standup For Drummers“

    Der Titel dieses Stand-up-Programms ist nicht ganz korrekt: Gewiss werden Drummer mit ihren Einblicken in das Thema ein ganz eigenes Vergnügen an diesem Special haben. Dessen ungeachtet ist das „Standup For Drummers“ von „Zoolander 2“-Darsteller Fred Armisen für alle geeignet, die sich für die Geschichte der Popmusik interessieren.

    Denn mit Selbstironie, Wortwitz und feschen Klängen führt Armisen sein Publikum durch die verschiedensten Strömungen in der Welt massentauglicher Musik – und erläutert die Wellen, in denen sich der Chartsound wandelt, anhand dessen, wie sich Drum-Sets veränderten. Bonuspunkt: Diese detailverliebten Beobachtungen erläutert Armisen in einem Saal voller Drummer – damit die Nicht-Drummer an den Mattscheiben auch wirklich zu spüren bekommen, wenn etwas ein waschechter Insidergag ist.

    Moderner Aufklärungsunterricht

    mit „Hot Girls Wanted: Turned On

    Weg mit den peinlich-berührt präsentierten Skizzen im Bio-Unterricht, her mit unverblümten, ehrlichen Reportagen über das merkwürdige Paarungsverhalten geschlechtsreifer Digital Natives in Zeiten von Internet-Erotik und Dating-Apps: Die unter anderem von Rashida Jones („Die Muppets“) produzierte Netflix-Dokuserie befasst sich kritisch, doch niemals prüde oder voyeuristisch, mit Themen wie frauenfreundlicher Pornografie, Rassismus in der Erotikbranche und den positiven sowie negativen soziologischen Folgen des riesigen Erfolges der Dating-App Tinder.

    Die erste und bislang letzte Staffel der Netflix-Dokuserie umfasst sechs Episoden – eine Absetzung ist allerdings nie offiziell erfolgt. Vielleicht dürfen wir also eines Tages zum Nachsitzen ..?

    Psychologie

    mit „The Mind, Explained“

    In fünf Folgen zu jeweils maximal 21 Minuten erläutert dieses Spin-off des Netflix-Wissensmagazins „Explained“, wie der menschliche Verstand funktioniert und was mit ihm in unterschiedlichen Situationen geschieht. Was stellen psychedelische Drogen mit unserem Gehirn an? Welche Prozesse spielen sich bei Angstzuständen oder einer Depression ab? Und was tut sich in unserem Kopf, wenn wir träumen? Akustischer Bonuspunkt: Moderiert wird dieser kurze, knackige Crashkurs von Oscar-Gewinnerin Emma Stone.

    Mittagspause

    Wie wäre es zum Entspannen mit einer Episode „Élite“? Spielt schließlich an einer Schule. Oder mit der herausragenden Sitcom „Community“? Die gibt es nämlich seit wenigen Tagen auf Netflix und sie behandelt die Abenteuer einer Lerngruppe.

    Wirtschaftskunde

    mit „Spielzeuge – Das war unsere Kindheit“

    Die Netflix-Dokuserie behandelt in jeder ihrer bisher zwölf Episoden je eine beliebte und erfolgreiche Spielzeug-Reihe – von „Star Wars“- und „Star Trek“-Merchandise über Barbie bis hin zu My Little Pony, den „Transformers“ und Wrestling-Actionfiguren. Was das mit Wirtschaft zu tun hat?

    Ganz einfach: Die vergnügt aufbereiteten Mini-Dokus über den Entstehungs- und Vermarktungsprozess populärer Spielzeuge reißen praktisch zwangsweise immer wieder Wirtschaftsaspekte an. Seien es Streitigkeiten über Erfolgsanteile, Skandale rund um Steuerhinterziehung oder Fragen rund um die komplexe Wechselwirkung zwischen Angebot, Nachfrage und Preis: Während man sich in „Spielzeuge – Das war unsere Kindheit“ über farbenfrohes Plastik weiterbildet, lernt man unweigerlich auch etwas über die Gesetze des Marktes.

    Soziologie-Bonuskurs (Schwerpunkte: Gender-Studies und Kommunikationslehre)

    mit „Taylor Swift: Miss Americana

    Lana Wilsons Dokumentation „Taylor Swift: Miss Americana“ feierte ihre Premiere auf dem diesjährigen Sundance Filmfestival, wo sie auch von einem äußerst positiven Echo begrüßt wurde – eine Reaktion, die sich dieser Film redlich verdient hat: In nur 85 Minuten bietet „Taylor Swift: Miss Americana“ einen überraschend rauen Einblick in das Leben der glänzend-sauberen Popikone.

    Wilson ist hautnah dabei, als Swift erfährt, dass ihr emsig erstelltes Album „Reputation“ bei den Grammy-Nominierungen in allen großen Kategorien übergangen wurde. Daraufhin blickt die Dokumentation zurück und skizziert nach, weshalb dieses Album Swift so viel bedeutet hat. Die Dokumentation lässt uns retrospektiv daran teilhaben, wie aus einem Country-Sternchen ein Pop-Star wird und dieser objektifiziert und aufgrund seines Alters verlacht wird – bis ihm halt der Kragen platzt.

    „Taylor Swift: Miss Americana“ schneidet an, wie der Druck der Öffentlichkeit und die doppelzüngige Weise, wie Medien und das Publikum über erfolgreiche Frauen kommunizieren, Swift dazu brachte, ihre Version eines „Rache-Albums“ zu produzieren. Darüber hinaus bietet der Film Einblicke in den Entstehungsprozess des „Reputation“-Nachfolgealbums „Lover“. „Lover“ ist eine verspieltere, doch auch authentischere Selbstreaktion Swifts auf ihren Rache-Exkurs und symbolisiert ihren Lernprozess, wie sie ihre kommunikative Macht medial einsetzen kann – zum Ärgernis ihres Managements und des US-Präsidenten...

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