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    Amazon Prime Video: … und plötzlich habe ich alle Filme mit Thomas Gottschalk geguckt!
    Von Christoph Petersen — 25.04.2020 um 11:00
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    Nur noch Homeoffice. Social Distancing. Essen vom Pizzaboten. Das schreit zumindest bei der Filmauswahl nach eskapistischer Ablenkung. Aber womöglich bin ich damit dann doch ein wenig über das Ziel hinausgeschossen. Ein Erfahrungsbericht.

    MCP

    Inzwischen habe ich mich wieder ein wenig gefangen – und in den vergangenen Tagen zwei klaffende Lücken bei meinen Favoriten Jean-Luc Godard („Elf Uhr Nachts“) und Corneliu Porumboiu („Infinite Football“) geschlossen. Den Intellektuellen-Ausweis muss ich also vielleicht doch nicht sofort abgeben?

    Aber die Abende in den zwei Wochen zuvor habe ich hauptsächlich damit verbracht, eine filmhistorische Bildungslücke zu schließen, von der ich gar nicht wusste, dass sie überhaupt existiert – und zwar habe ich bei Amazon Prime Video nahezu die komplette Filmographie von Thomas Gottschalk am Stück durchgeschaut. Die brennendste Frage: Warum sind die eigentlich alle im Programm? Wenn ich mal nach einem speziellen Film suche, habe ich doch schließlich nur sehr selten Erfolg …

    Ohne Krimi, aber mit Himbeereis

    Aber weg von der Gottschalk-Verschwörung erst mal zurück ganz an den Anfang, nämlich zu meiner Einstiegsdroge: Weil die Münchner Lisa Film wegen Corona damit begonnen hat, einige Filme aus ihrem Archiv kostenlos auf YouTube zu stellen, habe ich dort doch tatsächlich mal „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“ nachgeholt. Die Heinz-Erhardt-Kalauer sind zwar null lustig, aber dennoch hat der deutsche Schlagerfilm (noch eine weitere Lücke bei mir) eine Art von Alles-egal-und-völlig-gaga-Energie, die ich noch in keinem anderen Genre erlebt habe.

    Gut ist das nicht, aber faszinierend – also habe ich am nächsten Abend direkt weitergeschaut, und zwar noch viel härteren Stoff: „Wenn die tollen Tanten kommen“ und die Fortsetzung „Tante Trude aus Buxtehude“ mit Rudi Carrell und „Disco“-Moderator Ilja Richter – ich kann mir gar nicht vorstellen, wie man als Macher an solche Nonsens-Produktionen überhaupt herangeht. Aber Anfang der Siebziger sind da Millionen von Zuschauern reingerannt.

    Was soll's, ich hatte Blut geleckt. Und dann die große Überraschung: „Keiner hat das Pferd geküsst“ mit dem späteren „Ein Bayer auf Rügen“-Star Wolfgang Fierek als Handlanger auf einem Bauernhof, der ein Pferd an einen Stripclub in München ausliefern muss, fand ich sogar ziemlich gut – ist ja auch von Martin Müller, einem Schüler des von mir hochgeschätzten Anarcho-Kultregisseurs Klaus Lemke („Rocker“). Viel wichtiger aber: Beim Schauen habe ich mich in Dolly Dollar verguckt …

    Ja, das ist ein echtes Postermotiv: "Popcorn und Himbeereis"!

    … und mit ihr ging es dann auf Amazon Prime Video weiter, nämlich mit der Softerotik-Klamotte „Popcorn und Himbeereis*, die nach dem Megaerfolg von „Eis am Stiel“ mit Kult-Dickerchen Zachi Noy gedreht wurde. Damit war die Büchse der Pandora für mich endgültig geöffnet …

    Der Teufel liegt im Algorithmus

    … denn plötzlich schlug mir mein Amazon-Feed nur noch die abstrusesten Filme aus der deutschen Populärkinogeschichte vor: Ich entschied mich für „Piratensender Powerplay“ mit Thomas Gottschalk und Mike Krüger, fand den aber nicht so lustig wie erhofft (man hatte ja durchaus Gutes gehört, aber wenn man das für Kult hält, schwingt da wohl doch auch ein wenig nostalgische Verklärung mit). Stattdessen zog mich aber das zugleich vollkommen natürliche und völlig hölzerne Spiel von Thomas Gottschalk in seinen Bann …

    … deshalb war es von dort aus auch nur logisch, direkt mit „Die Supernasen“ und „Zwei Nasen tanken super“ weiterzumachen. Beide gerade so noch okay, aber so langsam ließ der Skurrilitäts-Faktor dann doch auch merklich nach (deshalb habe ich auch „Ach du lieber Harry“ mit Dieter Hallervorden und „Geld oder Leber“ nur mit Mike Krüger dazwischengeschoben).

    Winnetou und seine drei Deppen

    Zum Glück stieß ich dann aber auf die „Zärtliche Chaoten“-Filme, in denen neben Thomas Gottschalk und dem bayerischen Volksschauspieler Helmut Fischer mit Michael Winslow auch noch der Geräusche-Komiker aus den „Police Academy“-Klamotten mit von der Partie ist – und da gab es dann auch direkt mehr Skurriles, als man es sich in seinen kühnsten Träumen vorstellen kann:

    Der erste Teil (mehr als 1,9 Kinobesucher allein in Deutschland) beginnt am Set eines „Winnetou“-Films mit Pierre Brice (spielt sich selbst), an dem Gottschalk als Shatterhand-Darsteller, Fischer als Catering-Beauftragter und Winslow als Spezialeffekt-Maestro alle zur selben Zeit gefeuert werden. Kurze Zeit später verlieben sie sich auch noch alle in dieselbe Frau – und müssen dann neun Monate lang für sie sorgen, weil keiner weiß, wer sie denn nun geschwängert hat.

    Drei zärtliche Chaoten - und sie alle wollen was von derselben Frau...

    In der Fortsetzung „Zärtliche Chaoten 2“ geht es dann – wie könnte es auch anders sein – um die Angestellten eines Patentamts im Jahr 2043, die mit einer von Jochen Busse erfundenen Zeitmaschine in das Gran Canaria des Jahres 1988 zurückreisen, um dort zu verhindern, dass die Flugbegleiter-Mutter ihres verhassten Chefs Sex hat… wäre sicherlich auch meine erste Idee, wenn ich eine Zeitmaschine in die Finger bekommen würde.

    Endspurt!

    Nach „Zärtliche Chaoten 2“ ging's zunächst bergab: In „Die Einsteiger“ beamen sich Gottschalk und Krüger in Filme aus ihrer Videokassettensammlung – was absurd klingt, aber erstaunlich öde ist. In „Eine Frau namens Harry“ spielt Gottschalk eine Frau, die der Teufel zum Mann gemacht hat – seine mit Abstand schlechteste Rolle, wobei es in der Handlung zumindest um die Programmierung eines Cutting-Edge-Computerspiels geht, was in der Rückschau natürlich einfach nur noch absurd wirkt.

    Aber dann kam zum Glück „Mama Mia – Nur keine Panik“: Gottschalk spielt einen Lehrer (seine beste Rolle) und bändelt mit Uschi Glas an – das war zum Abschluss doch noch mal erstaunlich sympathisch.

    Thomas Gottschalk gibt in "Mamma Mia" den supercoolen Pauker - und macht Uschi Glas den Hof.

    Und so wird es weitergehen: Ich gehe noch mal zurück zu „Popcorn und Himbeereis“, mit dem auf Amazon alles angefangen hat – biege dann aber diesmal in die Richtung von Zachi Noy ab und schließe eine echte Bildungslücke mit „Eis am Stiel“ Teil 1 bis 8. Die gibt es auch alle auf Amazon Prime Video* – und wahrscheinlich werden das die ersten Filme seit neun (!) Jahren, die ich mir sogar ganz bewusst in der deutschen Synchro ansehe. Corona treibt eben merkwürdige Blüten.

    #StayHome #StaySave … aber passt auch ein bisschen auf eure Filmauswahl auf!

    Webedia GmbH

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