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    Kino-Krieg: Darum will die weltweit größte Kinokette "Fast & Furious 9" und "Jurassic World 3" nicht zeigen
    Von Jan Felix Wuttig — 29.04.2020 um 12:30
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    Nach dem VoD-Erfolg des zuvor fürs Kino geplanten „Trolls 2“ will Universal weiterhin Filme zeitgleich zum Kinostart auch ins Heimkino bringen. Als Reaktion hat die größte Kinokette der Welt angekündigt, künftig keine Universal-Filme mehr zu zeigen.

    Universal Pictures

    Was für ein Drama. Nach dem extrem erfolgreichen VoD-Start des eigentlich fürs Kino gedachten „Trolls 2 –Trolls World Tour“ feierte man sich beim Produzenten Universal selbst: Jeff Shell, Chef des Mutterkonzerns NBCUniversal, sagte dem Wall Street Journal: „Die ‚Trolls World Tour‘-Resultate haben unsere Erwartungen übertroffen und den Wert von Premium-VoD bewiesen. Sobald die Kinos wieder öffnen, wollen wir Filme in beiden Formaten veröffentlichen.“

    Als Reaktion auf die VoD-Ambitionen Universals für Kinofilme will nun die größte Kinokette der Welt, AMC Theatres, keine Filme des Studios mehr zeigen – das betrifft unter anderem zukünftige Veröffentlichungen wie „Fast & Furious 9“ und „Jurassic World: Dominion“. Zu AMC gehören knapp 1000 Kinos weltweit, unter anderem auch die UCI-Kinogruppe in Deutschland.

    Universals Ansage, bei manchen Filmen zukünftig das für Kinobetreiber überlebenswichtige Kinofenster, in dem Filme nur in Kinos gezeigt werden dürfen, schließen zu wollen, sorgt für Wut bei den Kinobetreibern. In einem offenen Brief an die Universal-Studios-Vorsitzende feuerte AMC-Chef Adam Aron quasi mit einer Kriegserklärung zurück:

    „Es ist enttäuschend, aber Jeffs Kommentare lassen uns keine Wahl. Ab sofort wird AMC keinem Universal-Film mehr in einem unserer weltweit 1000 Kinos eine Freigabe erteilen. Die radikalen Änderungen am Geschäftsmodell zwischen unseren beiden Firmen durch Universal sind für AMC nur nachteilig und völlig inakzeptabel.“

    Der Untergang des Kinos – auch in Deutschland?

    Die sowieso schon schwierige wirtschaftliche Situation hat sich durch die Corona-Krise aktuell dramatisch verschlechtert. Durch die wochenlangen Schließungen, deren Ende in den meisten Ländern noch nicht absehbar ist, entfallen den Kinos komplett die Einnahmen. Sollte selbst nach Öffnung der Kinos dann auch noch das Kinofenster gestrichen werden, in dem die Filmtheater Filme exklusiv zeigen, bevor sie über andere Medien ausgewertet werden, könnte dies für viele Häuse das endgültige Aus bedeuten.

    Denn nach dem Vorpreschen Universals befürchten viele Kinobetreiber, dass sich bei den aktuell zu verzeichnenden Heimkino-Erfolgen der VoD-statt-Kinostart-Plan auch bei anderen Studios durchsetzen könnte. Selbst wenn ein Film zeitgleich im Kino und auf VoD angeboten würde, dürften viele Zuschauer wohl aus reiner Bequemlichkeit oder aus Kostengründen (eine Familie mit Kindern würde beim Kinobesuch mehr bezahlen als bei einer VoD-Ausleihe) die Heimkino-Variante vorziehen.

    Das Resultat wäre ein Rückgang der Kino-Besucherzahlen und dadurch die weiter oben schon genannte Schließung vieler Kinos.

    Es ist allerdings nicht sicher, inwiefern sich große Studios in Zukunft dieses Geschäftsmodells bedienen würden. Wie wir bereits berichteten, wird in Deutschland zudem zumindest teilweise der exklusive Kinostart durch die Filmförderanstalt (FFA) garantiert. Darüber hinaus scheint bei dem angeblich so wegweisenden Erfolg von „Trolls 2“  auch ein wenig Zahlenschieberei im Spiel gewesen zu sein.

    Keine Universal-Filme mehr in deutschen UCI-Kinos?

    Die Worte sowohl des Universal- als auch des AMC-Chefs klingen allerdings sehr klar. Sollten sich AMC und Universal nicht wieder (in welcher Form auch immer) zusammenraufen, könnte der Kinostart von Universal-Filmen für die deutschen UCI-Kinos zukünftig ausfallen, was immerhin 24 Standorte in 19 Städten betrifft.

    Ob die Kino-Eiszeit anhält, ist allerdings diskutabel. Nach Monaten häuslicher Isolation könnte auf die Corona-Krise ein Kino-Boom folgen, für den ausgerechnet die größte Kinokette der Welt dann vielleicht doch nicht auf die womöglich milliardenschweren Blockbuster Universals verzichten möchte.

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