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    Bekommt "Dark" einen würdigen Abschluss? So gut ist Staffel 3
    Von Markus Trutt — 27.06.2020 um 08:45
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    Nur zweieinhalb Jahre nach ihrem Beginn geht die gefeierte erste deutsche Netflix-Serie „Dark“ mit Season 3 nun schon zu Ende. Und das ist auch gut so – aus den allerpositivsten Gründen. Unsere Kritik zum großen Finale:

    Netflix

    Wir haben nie einen Hehl daraus gemacht, wie sehr uns „Dark“ begeistert hat. Die erste und bislang beste deutsche Netflix-Produktion sieht nicht nur verdammt gut aus, sondern bietet auch einen faszinierenden Mix aus Familien-Drama und smartem Zeitreise-Thriller. Völlig folgerichtig landeten die ersten zwei Staffeln dann auch in unseren Serien-Bestenlisten der Jahre 2017 und 2019 (und erfreuen sich gerade auch international riesiger Beliebtheit).

    Eine kleine Einschränkung gab es bei unseren Lobeshymnen aber doch: Ein wirklich finales Urteil wollten wir uns erst ganz am Ende erlauben, schließlich hängt die Gesamtqualität einer um verworrene Mysterien herum aufgebauten Geschichte stark davon ab, wie letztlich alles zusammengeführt und aufgelöst wird.

    Was bisher geschah: Recap zu den ersten beiden "Dark"-Staffeln

    Mit der dritten „Dark“-Staffel ist ebenjenes Ende nun gekommen. Und was sollen wir sagen: Autorin Jantje Friese und Regisseur Baran bo Odar („Who Am I“) demonstrieren in Season 3 (erneut) eindrucksvoll, dass sie von Anfang an einem durchdachten Plan gefolgt sind, und schaffen es tatsächlich, ihrem ambitionierten Ausnahmewerk einen runden Abschluss zu bescheren.

    So geht's in der 3. Staffel "Dark" weiter

    Die zweite „Dark“-Season endete im wahrsten Sinne des Wortes mit einem Knall: Nachdem sein älteres Ich (Dietrich Hollinderbäumer) Martha (Lisa Vicari) getötet hat, ist plötzlich eine andere Martha aufgetaucht und hat Jonas (Louis Hofmann) gerade noch rechtzeitig vor der anrollenden Apokalypse in eine Parallelwelt des Jahres 2019 verfrachtet.

    Hier erscheint Jonas zwar vieles vertraut, einige Dinge sind dann aber doch etwas anders, als er sie kennt. Der wohl größte Unterschied: Er selbst wurde in dieser Welt niemals geboren. Fieberhaft versucht er herauszufinden, warum die alternative Martha ihn ausgerechnet hierhin geschickt hat. Kann er den wahren Ursprung der Raum-Zeit-Phänomene in Winden ausfindig machen und die verheerenden Geschehnisse doch noch ungeschehen machen?

    Seltener deutscher Genre-Leuchtturm

    Dass sich eine Produktion aus dem noch immer ziemlich genre-scheuem Deutschland so ehrgeizig und versiert in einen vertrackten Mystery-Plot stürzt, war schon bei der ersten „Dark“-Staffel verblüffend erfrischend. Doch das war noch nichts im Vergleich dazu, was die folgenden zwei Seasons bringen sollten. Zeittunnel, eine Mutter, die zugleich die Tochter ihrer eigenen Tochter ist, Parallelwelten, die Apokalypse: Das einst zwischen Charakterdrama und Sci-Fi-Geschichte ausbalancierte Pendel schlägt in Staffel 3 nun voll und ganz in letztere Richtung aus.

    Netflix
    Nicht von dieser Welt: Die „andere“ Martha (Lisa Vicari)

    Die zwischenmenschlichen Beziehungen rücken im Zuge dessen bisweilen etwas in den Hintergrund. Die (meisten) Figuren sind etabliert, jetzt geht es darum, sie auf den verknoteten Pfaden durch die unterschiedlichen Zeiten hinweg dem Ende (oder doch dem Anfang?) entgegen zu bewegen. Hin und wieder tritt „Dark“ dabei etwas auf der Stelle. Ein ums andere Mal zu viel raunen Jonas’ älteres Ich Adam und Co. ihren Gesprächspartnern (oder sich selbst) die immer gleichen bedeutungsschwangeren Weisheiten über Schicksal, den Lauf der Dinge, seine (Nicht-)Veränderbarkeit und das Ende der Welt zu.

    Gelegenheit, sich wirklich darüber zu ärgern, bekommt man allerdings zum Glück nicht, kommen Baran bo Odar und Jantje Friese doch stets rechtzeitig mit den nächsten schockierenden Enthüllungen oder umstürzlerischen Wendungen um die Ecke. Trotz so mancher Redundanz verstehen sie es weiterhin meisterlich, ihr verschachteltes Mysterien-Geflecht so zu füttern, dass man sich dem Binge-Sog trotz überlanger Folgen nur schwer entziehen kann.

    Schlüssiger Masterplan

    Immer wenn man denkt, dass so langsam doch alle Zeitreise-Karten auf dem Tisch liegen müssten, zaubert das eingespielte Duo hinter „Dark“ ein weiteres Ass aus dem Ärmel und fügt der Geschichte organisch noch einen neuen Aspekt hinzu. Und dennoch – und das ist die große Kunst – hat man nie das Gefühl, dass ihnen ihre Erzählung aus den Fingern gleitet. Wer am Ende von Staffel 2 befürchtet hat, dass die Serie mit der Einführung einer Parallelwelt zusätzlich zum Zeitebenen-Wirrwarr zu sehr zerfasert, den können wir beruhigen. Die „Dark“-Macher demonstrieren immer wieder, dass sie die Story-Zügel fest in der Hand haben.

    Wer ist wer in der 3. Staffel "Dark"? Die Familien-Stammbäume der Netflix-Serie

    Staffel 3 ist somit der endgültige Beweis, dass der Serie von Anfang an ein ausgefeiltes Gesamtkonzept zu Grunde lag, dem man (in einer optimalen Anzahl von Staffeln) stringent gefolgt ist. So sehr, wie die vielen kleinen Zahnräder ineinandergreifen und wie gerade in der letzten Season noch einmal der Bogen zu früheren/späteren Ereignissen geschlagen wird, wäre alles andere auch Wahnsinn gewesen und hätte das Story-Gerüst schnell zum Einsturz gebracht.

    Tränenreicher Abschied

    Bei der vertrackten Zeitreise-/Parallelwelt-Thematik lässt es sich natürlich nicht komplett vermeiden, dass es in Sachen Logik hin und wieder etwas knirscht. Nichtsdestotrotz dürfte es bis dato kaum eine Zeitreise-Geschichte gegeben haben, die so clever mit den damit verbundenen Paradoxa umgeht und sie zu so einem integralen Bestandteil der Handlung macht.

    Da ist es genau genommen eigentlich gar keine Überraschung mehr, dass das endgültige Ende der faszinierenden (Zeit-)Reise dann auch nicht enttäuscht. Es gibt Antworten auf die großen Fragen der Serie, ohne aber dass restlos alles ermüdend ausbuchstabiert wird. Im Finale entfaltet „Dark“ mit viel Gefühl inmitten der oftmals unterkühlten Sci-Fi-Welt(en) noch einmal seine ganze intensive Wucht, bei dem kaum ein Fan-Auge trocken bleiben dürfte.

    Fazit

    Die Köpfer hinter „Dark“ vollbringen das Kunststück, ihr gekonnt verknotetes Mystery-Konstrukt hochemotional und (fast immer) logisch aufzulösen, lassen dabei aber immer noch Lücken an genau den richtigen Stellen. So ist die erste deutsche Netflix-Produktion auch nach ihrem Abschluss ein absolutes Serien-Highlight mit hohem Wiederschauwert:

    „Dark“ wird die Zeiten überdauern!

    Alle acht Folgen der finalen dritten „Dark“-Staffel können ab dem heutigen 27. Juni 2020 bei Netflix abgerufen werden.

     

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