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    Das Ende von "Dark" erklärt: Das hat es mit dem dramatischen Finale auf sich
    Von Markus Trutt — 29.06.2020 um 16:10
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    Der Mystery-Hit „Dark“ hat auf Netflix seinen Abschluss gefunden. Da Staffel 3 aber nicht minder verwirrend ist als die Seasons davor, wollen wir die Geschehnisse im großen Finale noch einmal entknoten.

    Netflix

    Achtung, es folgen natürlich Spoiler zum Ende von „Dark“!

    Es ist vollbracht: Nach insgesamt 26 Folgen ist die erste deutsche Netflix-Serie „Dark“ vor wenigen Tagen zu Ende gegangen. Und tatsächlich ist es den Machern gelungen, ihr verworrenes und dennoch wohlkonstruiertes Zeitreise-Rätsel schlüssig aufzulösen und zu einem runden Abschluss zu führen, auch wenn so manchem Zuschauer nun einmal mehr der Kopf brummen dürfte.

    Im Verlauf der Serie stellte sich bei all den Zeit- und Weltenreisen stets die Frage, ob die Dinge doch noch verändert und zum Besseren gewendet werden können. Dabei schein es ja so, als würde alles, was die Figuren tun, überhaupt erst zu dem führen, was in den sich wiederholenden Zyklen immer schon passiert ist.

    Am Ende schaffen es Jonas (Louis Hofmann) und (die Parallelwelt-)Martha (Lisa Vicari) dann aber doch, den verschlungenen Kreislauf zu durchbrechen. Doch wie ist es überhaupt dazu gekommen?

    Der wahre Ursprung

    Jonas älteres Ich Adam (Dietrich Hollinderbäumer) setzt alles daran, den Ursprung für das Zeitreise-Chaos in „Dark“ zu zerstören, um seine und die Parallelwelt auszulöschen und so auf sehr drastische Weise alles Leid zu beenden, sein „Paradies“ zu erschaffen. Diesen Ursprung vermutet er im Kind von Jonas und der alternativen Martha, das beide Welten miteinander verbindet und die verqueren Wucherungen der Familien-Stammbäume von Winden überhaupt erst bedingt.

    Mit der kanalisierten Energie der Apokalypsen aus beiden Parallelwelten glaubt Adam den Zyklus umgehen und Marthas ungeborenes Kind vernichten zu können – jedoch hat er damit nicht den gewünschten Erfolg. Wie eine alte Claudia (Lisa Kreuzer) ihm offenbart, lag er in Bezug auf den eigentlichen Ursprung nämlich falsch.

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    Obwohl Jonas‘ und Marthas namenloser Sohn im Auftrag von Marthas älterem Ich Eva (Barbara Nüsse) tatsächlich für vieles verantwortlich war, das den Kreislauf aufrechterhalten hat (etwa die Errichtung des Atomkraftwerks in Winden und den dortigen Zwischenfall, der letztlich zur Apokalypse führt), liegt der wahre Ursprung aber nicht in den etablierten zwei Parallelwelten, sondern in einer dritten Welt.

    Bei dieser handelt es sich gar um die eigentliche Ursprungswelt, von der sich die anderen beiden Welten abgespalten haben, als der Uhrmacher H.G. Tannhaus (Arnd Klawitter / Christian Steyer) eine Zeitmaschine entworfen hat, um den Unfalltod seiner Familie ungeschehen zu machen.

    Die zur Entstehung von parallelen Realitäten führende Inbetriebnahme von Tannhaus‘ Zeitmaschine in der Ursprungswelt ist also der wahre Ausgangspunkt für die Apokalypse und die vielen anderen tragischen Geschehnisse in „Dark“.

    Zeitreise-Schlupfloch

    Um ihre „falschen“ Welten auszuradieren und so deren ewig währendem Zeitschleifen-/Weltuntergangs-Labyrinth ein Ende zu bereiten, sollen Jonas und Martha daher dafür sorgen, dass es nie dazu kommt, dass Tannhaus seine Zeitmaschine konstruiert. Aber wie können sie das überhaupt bewerkstelligen, wenn die Dinge doch so unveränderbar erscheinen? Und wie gelangen sie überhaupt in die Ursprungswelt?

    Hier kommt ein Schlupfloch ins Spiel, das ebenfalls von Claudia enthüllt wird: Im Moment der Apokalypse(n) steht die Zeit für einen Moment still. Wenn man in genau diesem Moment reist, kann man den bestehenden Zeitfluss beeinflussen, die Dinge können verändert werden.

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    Das nutzt Jonas schließlich, um mit Martha ins Jahr 1987 zu reisen, wo sie sich in den berüchtigten Zeitreise-Tunnel in den Windener Höhlen begeben. Dort tut sich im Moment der Aktivierung von Tannhaus‘ Zeitmaschine in der Ursprungswelt nämlich eine Brücke außerhalb der Zeit zwischen den drei Welten auf, über die Jonas und Martha schließlich in die Ursprungswelt gelangen, wo sie den Unfall von Tannhaus‘ Familie und somit dessen Motivation für den Bau einer Zeitmaschine verhindern können.

    Gleichzeitig bedeutet das aber natürlich auch, dass sie damit die Existenz ihrer Welten und so auch ihre eigene auslöschen. Zusammen mit allen anderen Figuren aus diesen Welten lösen sie sich ins Nichts auf. Damit hat der Tannhaus der Ursprungswelt über Umwege sein Ziel noch erreicht. Zwar ist er nicht selbst durch die Zeit zurückgereist, jedoch haben die Ereignisse in den von ihm geschaffenen Parallelwelten letzlich dazu geführt, dass seine Familie gerettet wurde.

    Alles ist miteinander verbunden

    In der allerletzten Szene von „Dark“ wird dem Zuschauer so richtig bewusst gemacht, wie weitreichend die Auswirkungen der Welten-Spaltung waren und dass ein Großteil des bekannten Figuren-Ensembles überhaupt erst durch diese und die damit verbundene Zeitreise-Verknotung der Ereignisse und Familien auf „unnatürliche“ Weise entstanden ist.

    Ein Beispiel für die nun nicht mehr vorhandene familiäre Verkettung, in deren Zentrum Marthas und Jonas namenloser Sohn stand: Wie in einem Dialog mit dem jungen Tronte und durch Evas Stammbaum angedeutet wird, hat der Namenlose in den Parallelwelten nämlich mit Agnes Nielsen (Antje Traue) Tronte, den Vater von Ulrich, gezeugt. Der wiederum war bekanntlich der Vater von Martha und (als Vater von Mikkel bzw. Michael) auch der Großvater von Jonas, den Eltern des Namenlosen – einer der vielen unendlichen und unauflösbaren Kreisläufe in „Dark“, zu dem es in der Ursprungswelt aber nicht kommt.

    Netflix
    Spielt eine Schlüsselrolle in „Dark“: Jonas' und Marthas namenloser Sohn (v.l.n.r.: Claude Heinrich, Jakob Diehl, Hans Diehl)


    Die nicht aus den Zeitreise-Zyklen hervorgegangenen (und in der Gegenwart der Ursprungswelt noch lebendigen) Hauptfiguren sehen wir am „Dark“-Ende mitsamt ihrer Partner bei einem gemeinsamen Dinner: Katharina (Jördis Triebel), Regina (Deborah Kaufmann), Hannah (Maja Schöne), die hier mit Polizist Torben Wöller (Leopold Hornung) zusammen ist, sowie Peter (Stephan Kampwirth), der ohne die Existenz von Charlotte keine heimliche Affäre, sondern offen eine Beziehung mit Benni/Bernadette (Anton Rubtsov) hat.

    Warum auch Regina zu der Runde gehört, erklärt ein Foto, auf dem enthüllt wird, dass Bernd Doppler (Michael Mendl) ihr Vater ist und nicht – wie lange vermutet – Tronte, der mit Claudia einst eine Affäre hatte. Wäre letzteres der Fall, wäre sie ebenfalls Teil der Zeitreise-Auswüchse der Familien-Stammbäume, so allerdings nicht.

    Ist der Kreislauf wirklich durchbrochen?

    Obwohl am bittersüßen „Dark“-Ende die sich ständig wiederholenden Zyklen Vergangenheit zu sein scheinen, könnten in den letzten Momenten ein paar Zweifel daran aufkommen. Nachdem die schwangere Hannah von einem Déja-Vu bzw. Traum vom Ende der Welt spricht (und damit zumindest ein gewisses Bewusstsein für die verschwundenden Parallelwelten nahelegt), verrät sie, dass sie als Namen für ihren ungeborenen Sohn „Jonas“ schön fände.

    Wenn man pessimistisch ist, könnte man schlussfolgern, dass trotz aller Bemühungen dennoch Dinge und Menschen entstehen, die es in der Ursprungswelt eigentlich nicht geben dürfte (wie etwa Jonas), sodass der Kreislauf nur zeitweise durchbrochen worden wäre und als unabwendbares Schicksal in abgewandelter Form von Neuem beginnt.

    Allerdings vermuten wir hinter diesen Schlussworten eher das genaue Gegenteil: So dürfte dadurch vielmehr die Hoffnung Ausdruck finden, dass auch in dieser heilen Welt ohne Zeit- und Weltenreisen Platz für einen Jonas ist und er nicht dauerhaft aus der Existenz gelöscht wurde – obgleich es sich dabei natürlich um einen anderen Jonas handeln dürfte (allein schon weil sein Vater ein anderer ist).

     

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    Kommentare
    • tim2006
      Mir hat das Finale nicht gefallen. Irgendwie haben sie ihre eigenen Regeln gebrochen. Zunächst waren es die Zeitreisen, die immer im selben Punkt enden, da man sonst nie in die Situation käme zu reisen - da komme ich mit. Zwei Welten - da komme ich mit. Mehrere parallele Zeitstränge, die bei rechtzeitiger Zeitreise zur Duplizierung von Charakteren führen (beim Zeitpunkt der Apokalypse entstehen insgesamt 3 Jonas's, 3 Marthas und 2 Claudias) - da komme ich auch noch mit. ABER dann bricht das Ende all diese aufgebaute, interne Logik: Jonas und Martha verhindern den Unfall und lösen sich auf. Wenn sie den Unfall verhindern, müssten sie sich nicht nur auflösen, sondern sollten nie existiert haben. Dann hingegen können sie den Unfall nicht verhindern und die Zeitmaschine wird gebaut und die 2 neuen Welten entstehen. Leider verwerfen die Macher damit komplett ihren durchaus interessanten Ansatz zu Zeitreisen und servieren uns den typischen Hollywood-Käse.
    • RockYourThoughts
      Wer die Serie immer noch nicht gesehen hat, ich kann sie wirklich nur empfehlen!Viele geben nach der ersten, oder nach den ersten zwei Folgen auf... aber da wirdserst interessant! Vieles mag verwirrend erscheinen oder keinen Sinn ergeben, aberes löst sich am Ende alles genial auf!!
    • Aristides7877
      EIn wirklich richtig starkes Ende. Der Serie merkt man an, dass die Macher von Anfang an einen Plan hatten und den konsequent durchgezogen haben.
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