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    "The Kissing Booth 2" ist der Beweis: Netflix hat endgültig jedes Maß verloren!
    Von Christoph Petersen — 24.07.2020 um 20:30
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    Die Kritiken sind zwar nicht berauschend – aber der Netflix-Hit „The Kissing Booth“ hat solche Wellen geschlagen, dass ich ihn mir zum Start der Fortsetzung trotzdem mal anschauen wollte. Aber dann bin ich vor Schreck erst mal hintenüber gefallen...

    Marcos Cruz/Netflix

    +++ Meinung +++

    Wenn ich eine Kritik zu einem Netflix-Original schreibe, dann gibt es einen Satz, den ich inzwischen fast schon hinschreiben kann, bevor ich überhaupt reingeschaut habe: „Der Film ist leider eine halbe Stunde zu lang.“ Das ist längst ein strukturelles Problem in der Produktionsabteilung des Streaming-Riesen:

    Klar ist es prinzipiell super, dass die Regisseure bei Netflix mehr Freiheiten bekommen als anderswo – aber mittlerweile führt diese Freiheit immer häufiger zu einem Exzess, der sich vor allem in der Spieldauer niederschlägt. Und das ist leider nicht die gute Art von Exzess, der Filme aufregend macht – sondern die schlechte Art von Exzess, der Filme wie Kaugummi in die Länge zieht.

    Eine Teenie-RomCom mit epischen Ausmaßen

    The Kissing Booth 2“ schießt dabei nun den Vogel ab: Das romantische Teenie-Sequel hat eine Spielzeit von zwei Stunden und zehn Minuten! Der erste Teil war mit 105 Minuten schon an der oberen Grenze in diesem Genre – aber 130 Minuten sind der pure Wahnsinn.

    Bei der Länge erwartet man im Kino ein gewaltiges Schlachtenepos, ein generationenumspannendes Melodram oder einen MCU-Blockbuster mit Dutzenden Helden – aber doch keinen Teenie-Film über eine selbstgebastelte Knutschkabine.

    Die Regel und nicht die Ausnahme

    Mal passieren solche Ausreißer auch im Kino. Etwa bei den Komödien von Judd Apatow („The King Of Staten Island“), die in der Regel ebenfalls 20 bis 30 Minuten länger sind, als man es in dem Genre eigentlich erwarten würde. Aber bei Netflix-Filmen sind 30 Minuten zu viel inzwischen längst die Regel und nicht länger die Ausnahme.

    Filme wie „Eurovision Song Contest: The Story Of Fire Saga“, „Tyler Rake: Extraction“ oder „The Old Guard“ haben uns zwar allesamt gefallen – aber sie alle wären trotzdem noch besser gewesen, wenn jemand 20 Minuten Füllmaterial herausgeschnitten hätte. Und dann gibt es da noch Totalausfälle wie „The Last Days Of American Crime“, bei dem die Laufzeit von zweieinhalb Stunden für einen ideenarmen Sci-Fi-Wegwerf-Thriller schlicht eine Frechheit ist!

    Die FILMSTARTS-Kritik zu "The Last Days Of American Crime"

    Der Fehler liegt im System

    Netflix lockt auch deshalb namhafte Regisseure weg vom Kino, weil das Streaming-Portal ihnen nicht nur viel Geld, sondern in vielen Fällen auch ein höheres Maß an kreativer Freiheit zur Verfügung stellt. Aber selbst wenn sich das zunächst super anhört, muss sich das künstlerisch nicht unbedingt auszahlen – schließlich entstehen kreative Ideen oft aus einer gewissen Limitation (ob nun finanziell, technisch oder auch die Laufzeit betreffend) heraus.

    Bei Netflix fehlen diese Limitationen aber oft – und so erscheinen auf dem Portal regelmäßig Filme, die bei Hollywoodstudios noch den Status einer „ersten Schnittfassung“ hätten. Natürlich ist es in der Geschichte schon oft genug vorgekommen, dass die Studios so eine erste Fassung anschließend mit ihren Schnitten zerstört haben. Aber den Filmemachern alles durchgehen zu lassen, ist auch keine Lösung – grundlose Mammutwerke wie „The Last Days Of American Crime“ oder jetzt „The Kissing Booth 2“ sind der Beweis dafür.

    Neu bei Netflix im August 2020: Alle Filme und Serien in der Übersicht!

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    Kommentare
    • Michael Klementschek
      Ich muss sagen das der Artikel doch leider sehr stark Birne n und Äpfel vergleicht.Ein Netflixfilm kann ruhig länger sein, da man der Vorteil hat diesen jederzeit pausieren zu können. Im Kino hingegen gebe ich ihm recht, Überlänge ist dort problematisch.Schlecht finde ich da auch noch das Urteil das dieses Gerne nicht so lang sein darf, bzw man bei dieser Länge dieses oder jenes erwartet. In meinen Augen geht diese Aussage komplett an der Realität vorbei. Jeder erwartet etwas anderes. Ich zb hasse es das viele Filme die Handlung soweit reduzieren das es schon recht plump ankommt. Gerade Überlänge gewährt die Möglichkeit dieses Problem besser zu umgehen.Gehöre aber auch zu denen die ein Buch einer Filmversion vorziehen. Kann aber auch verstehen das es Leute gibt die dies nicht schätzen.Trotzdem finde ich es nicht gut Netflix für die Freiheiten die sie gewähren zu kritisieren. Und unterm Strich ist ein Film immer ein Unterhaltungsmedium. Wenn ich also nicht die Zeit habe, oder mir nicht nehmen will, dann sehe ich denn Film eben nicht.
    • Bond, James Bond
      Artikel nicht verstanden. Es geht primär nicht alleine um Kissing Booth 2. Also, durchatmen und die Intention beim zweiten Lesen zu begreifen.
    • Diana Krüger
      Zum Kommentar von Christoph Petersen in Bezug auf Kissing Booth 2. Zunächst einmal-es ist ja auch eine Netflixversion und keine Kino- oder TV-Verfilmung. Außerdem lässt er sich in vielen Sätzen über die Länge des Films aus, scheint ihn aber nicht gesehen zu haben. Über Kissing Booth 2 gibt es nicht eine Aussage von ihm. Eine objektive Kritik ist also nicht zu erwarten. Und es ist doch wie mit allen Dingen im Leben, nicht allen gefällt das Gleiche und das ist auch gut so! Jeder sollte sich eine eigene Meinung bilden und nicht von den Aussagen irgendwelcher Kritiker leiten lassen. Schlussendlich sollte man hier auch nicht vergessen, worum es geht und was es ist: eine Teenieromanze zur Unterhaltung. Man muss nicht immer einen Oskar verleihen ;). Ein großer Vorteil ist: hier kann ich die Pausentaste drücken....im Kino nicht. Sollte man nicht unterschätzen.
    • Bond, James Bond
      Ich fand die Folge eigentlich ok, aber im Gesamtkontext war die Folge echt bedeutungslos. Filler-Episoden haben leider viele Serien, selbst de hochgelobten. Und Punisher, die einzige Marvel/DC Serie, die ich wirklich mochte, ja auch da gab es Sachen wo ich sagte: das kann man straffen.Deshalb breche ich mittlerweile fast alle Serien nach der vierten, spätestens fünften Folge ab, weil ich da merke, dass sich alles nur zieht. Keine Struktur, kein Pacing etc. Be Daredevil habe ich es bis zur siebten oder achten Episode durchgehalten. Zuviel Filler.Dann kann mir auch niemand kommen mit du musst die ganze Staffel gucken, was für ein Schmarrn. Dann haben einige Menschen wohl zuviel Zeit.Dieses Ganze in Serienform kann man Geschichten ausführlich erzählen hat sich bei vieles totgeritten.
    • Rockatansky
      Bei den Netflix Serien ist es ja schon seit Jahren so. Selbst gute Serien, wie Daredevil etc. Hatten immer wieder Filler-Episoden drin. Ich erinnere mal an diese schrecklich überflüssige Stranger Things Episode in der Elf auf Ihr Schwester trifft...
    • Bond, James Bond
      Ich kann mich nur Falcons Kommentar anschließen. Es ist leider üblich, dass viele Studios überhaupt kein Maß mehr haben. Sie haben einfach kein Talent mehr die Filme richtig zu schneiden und Struktur reinzubringen. Das bemängele ich mittlerweile schon seit Jahren. Selbst einige Actionfilme sind zu lang. Die letzten beiden Bondfilme hätte man um 10-15 Minuten straffen können. Die Transformers Filme, das ist ja schon ungeheuerlich, sind viel zu lang. Lange CGI Schlachten ermüden nur noch.Gibt nur noch wenige, die diese Zeit auch ausfüllen können, wie etwa ein Nolan. Auch McQuarrie und Tom Cruise haben mich mit M:I - Fallout sehr überrascht.Und da jeder weiß, dass ich die letzten Star Wars Filme mag, sage sogart ich, dass The Last Jedi auch um den ganzen Finn/Rose Handlungsstrang zu lang geraten ist.Selbst Tarantinos letzten beiden Filme empfinde ich als viel zu lang. Bis Django Unchained verspürte ich immer Kurzweil, das ließ danach nach.Bei manchen habe ich das Gefühl, dass man sich mit der Länge zu wichtig machen will.Ps.: Tyler Rake - Extraction ist gar nicht mal so lang. Ich war sehr überrascht, dass der Abspann satte 12 Minuten läuft! Also Nettolaufzeit nur noch 104 Minuten.Aber ja, wenn ich lese, dass so Komödien Rotz so eine Spieldauer hat...au weia.
    • WhiteNightFalcon
      Das Filme zu lang sind, ist eher eine generelle Erscheinung inzwischen, obwohl nur wenige Regisseure solche Laufzeiten sinnvoll nutzen. Früher konnte man fast immer davon ausgehen, wenn Regisseure wie David Lean, Francis Coppola, Sergio Leone mit langen Filmen um die Ecke kamen, dass da nen Epos bei rum kam. Auch später Braveheart von Mel Gibson oder Costners Der mit dem Wolf tanzt fallen in diese Kategorie. Glaube der erste lange Film, der mir sauer aufstieß, war Costners Postman. Der Streifen hat bei mir zwar im Laufe der Zeit Boden gut gemacht, trotzdem finde ich ihn für das was er an Story hat in der ersten Hälfte noch immer zu lang. Es fehlt momentan definitiv an Autoren, die sich kürzer fassen können, Regisseuren, die nur das wirklich nötige Material filmen und Cuttern, die Ahnung von Filmstruktur haben, bzw sich auch mal gegen Regisseure durchsetzen können.
    • Sentenza93
      Der erste Teil war eher creepy. Die Länge war das kleinere Problem.
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