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    Hammerharter Serien-Tipp: "Gangs Of London" ist der perfekte "The Raid 3"-Ersatz
    Von Daniel Fabian — 01.08.2020 um 15:00
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    „The Raid 3“ war lange weit oben auf meiner Liste der Filme, die ich mir wünschen würde – doch das ist nun Geschichte. Mit „Gangs Of London“ liefert Regisseur Gareth Evans nämlich ziemlich genau das, was ich mir von einem dritten Teil erhofft hätte.

    Sky UK Limited
    +++ Meinung +++

    The Raid“ war ein geradliniges Baller-Feuerwerk, „The Raid 2“ ein Martial-Arts-Epos in Anlehnung an die Undercover-Cop-Filme aus Hong Kong – für „The Raid 3“ hatte ich mir schon immer einen Abschluss der Reihe gewünscht, der noch einmal eine Schippe drauf legt, noch epischer ist, noch verrücktere Action bietet und in dem von mir aus auch noch mehr Blut vergossen wird. Doch daraus wird wohl nichts mehr.

    "The Raid 3": So steht es um eine weitere Fortsetzung

    Regisseur Gareth Evans hat die Hoffnungen auf „The Raid 3“ längst zerschlagen. Der 40-jährige Waliser will die Reihe nicht ausschlachten und sich stattdessen mal etwas anderen Projekten widmen – lobenswert. Und doch freue ich mich, dass Evans nach seinem Netflix-Horrorfilm „Apostle“ mit „Gangs Of London“ nun wieder in actionreichere Gefilde zurückkehrt. Denn im Grunde ist die seit 23. Juli auf Sky bzw. Sky Ticket* laufende Serie nichts anderes als ein weiteres, extragroßes „The Raid“-Kapitel.

     

    Von Gangster-Söhnen und Undercover-Cops

    Im Zentrum der Geschichte steht der impulsive Sean Wallace (Joe Cole), dem nach dem Tod seines Vaters keine Zeit zu trauern bleibt – denn er soll das kriminelle Imperium an seiner Stelle weiterführen. Wie gut, dass ihm ausgerechnet am Tag der Beerdigung der geheimnisvolle Elliot (Sope Dirisu) über den Weg läuft, der Seans Vertrauen im Handumdrehen gewinnt und es direkt zu dessen Handlanger bringt. Was Sean allerdings nicht weiß: Elliot ist ein Undercover-Polizist, der die Wallace-Familie samt ihrer mächtigen Partner ein für alle Mal drankriegen will!

    Aus dieser Grundpärmisse resultiert die exakt gleiche Grundspannung wie in „The Raid 2“: Dort ist es Polizist Rama (Iko Uwais), der sich das Vertrauen von Gangsterboss-Sohn Uco (Arifin Putra) erschleichen soll, um das Syndikat dessen Vaters zu Fall zu bringen. Während es die indonesischen Verbrecher unter anderem mit einem japanischen Klan zu tun kriegen, streiten sich in der englischen Metropole neben der Wallace-Familie etwa Albaner und Pakistani um die Vorherrschaft in der Unterwelt.

    Genau wie in „The Raid 2“ sieht sich auch unser Held in „Gangs Of London“ stets der Gefahr ausgeliefert, jeden Moment aufzufliegen – und das wär's dann gewesen. Gleichzeitig wird er zunehmend zu Gräueltaten gedrängt, um seine Loyalität unter Beweis zu stellen, was am Ende genauso gut dafür sorgen könnte, dass Elliot die Seiten wechselt.

    Sky UK Limited
    Elliott (Sope Dirisu) muss sich das Vertrauen von Gangster Sean Wallace (Joe Cole) erst verdienen

    Gareth Evans nutzt den Umfang der Serienstaffel vor allem, um mehrere Parteien ins Spiel zu bringen, die den Rahmen eines Spielfilms schlicht sprengen würden. „Gangs Of London“ ermöglicht das umso komplexere Verstrickungen. Eine Meisterleistung: Einzelne Figuren lösen mit ihrem Handeln oft regelrechte Kettenreaktionen tragischer Ereignisse aus, die stets nachvollziehbar bleiben – und derart packend inszeniert sind, dass die neun Folgen wie im Flug vergehen.

    Die Serie funktioniert als stark geschriebenes und überzeugend gespieltes Gangster-Drama ganz wunderbar, weil Gareth Evans nie die Übersicht verliert – weder inhaltlich noch bei der Action. Und ja, actiontechnisch geht es in „Gangs Of London“ Gareth-Evans-typisch wieder so richtig zur Sache.

    Ein Splatter-Fest für Action-Fans

    Eines gleich vorweg: Ein Martial-Arts-Feuerwerk bekommt ihr hier nicht zu sehen. Denn auch wenn vor allem zu Beginn einige stark gefilmte, brachiale Nahkampfeinlagen mit dabei sind (die aber weniger tänzerisch choreografiert sind, sondern eher als hammerharte Bar-Schlägereien in Erinnerung bleiben), darf man eben nicht vergessen, dass sich hier die größten Verbrecherbanden Londons bekriegen – und die hauen sich eben nicht auf die Mütze, bis eh keiner mehr von ihnen stehen kann, sondern ballern alles und jeden über den Haufen, der ihnen im Weg steht.

    Zugegeben, ich habe nach einer mehrjährigen Pause erst vor kurzem wieder begonnen, Serien zu gucken. Zumindest episodenweise kenne ich trotzdem so einiges, vor allem wenn’s mal was „Extremes“ ist – das bringt der Job als FILMSTARTS-Redakteur auch einfach mit sich. Und als solcher kann ich wohl ohne allzu große Bedenken behaupten: „Gangs Of London“ ist eine der härtesten Serien, die es je gab.

    Da werden schon mal ganze Häuser völlig zerschossen, nur um die paar Leute, die sich gerade darin verstecken, auch auf jeden Fall zu erwischen. Scherben, Späne und weiß der Kuckuck was fliegen in bester John-Woo-Manier durch die Bude, während die Gegner scharenweise niedergemäht werden. Jedes Mal, wenn man denkt, krasser geht’s nun wirklich nicht mehr, legt Evans doch noch einmal nach – und die Kamera hält voll drauf. „Raid“-typische Kamerafahrten sorgen dabei für eine unglaubliche Dynamik und einige spektakuläre Bilder, wenn sich letztlich aber wohl vor allem der Härtegrad ins Gedächtnis brennt.

    Nur um ein paar Beispiele zu nennen, die veranschaulichen, wie brutal es in „Gangs Of London“ zur Sache geht (Achtung, Spoiler!): Neben klassischen Schießereien, denen mehr Leute zum Opfer fallen als man während dem Gucken zählen könnte, werden Knochen mit Hämmern zertrümmert, offene Wunden zugetackert, Fingernägel rausgerissen, Zungen rausgeschnitten und Augen eingedrückt – und wer Pech hat, wird binnen eines Augenblicks nicht nur abgeknallt, sondern auch noch abgestochen und verbrannt. Sicher ist sicher. Andere wiederum explodieren einfach nur.

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    Wenn der Killertrupp in "Gangs Of London" anrückt, bleibt kein Stein auf dem anderen

    Fazit: Eines der Serien-Highlights 2020

    „Gangs Of London“ ist modernes Gangster-Kino par excellence: absolut kompromisslos, packend vom Anfang bis zum Schluss – und ein Must-See für alle Fans von „The Raid“ & Co.

    Allzu viele und vor allem nicht aufwändig choreographierte Nahkampfduelle wie in den „Raid“-Filmen gibt’s hier zwar nicht zu sehen, die wären aber ohnehin etwas Fehl am Platz. Sowohl in Sachen Action als auch inhaltlich ist die Handschrift von Regisseur Gareth Evans aber auch in „Gangs Of London“ mehr als deutlich erkennbar – teilweise sogar so sehr, dass sich die Serie tatsächlich wie eine Erweiterung des „Raid“-Universums anfühlt.

    Hätte ich „The Raid 3“ insgeheim immer noch gerne? Klar! Aber während sich Iko Uwais („Mile 22“) mittlerweile durch halb Hollywood prügelt, kann ich sehr gut damit leben, wenn Gareth Edwards Teil drei tatsächlich sein lässt – solange er „Gangs Of London“ noch ein paar Jahre fortführt oder mit einem neuen Actionkracher um die Ecke kommt. Jetzt freue ich mich aber erst einmal auf die bereits bestätigte zweite Staffel.

    *Bei diesem Link zu Sky handelt es sich um einen Affiliate-Link. Mit dem Abschluss eines Abos über diesen Link unterstützt ihr FILMSTARTS. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.

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    Kommentare
    • Piet
      ich finde schon, dass man es vergleichen kann. hackebeil vs. matratze um ein beispiel zu nennen. da merkt man (deutlich), dass es vom selben typen inzeniert wird:D
    • Piet
      so, bin jetzt bei Folge 6, du hast recht und auch ich kann es nur empfehlen.wer hier 1-4/10 vergibt hat schlicht keine ahnung.
    • Tang Jen Chieh
      Staffel 2 von Warrior soll im Oktober starten. Bestimmt auch wieder von Cinemaxx. Staffel 2 von Gangs of London, wird dann über AMC laufen.
    • Dirk Diggler
      Abwarten, wenn die Serie es auf 3 Staffeln bringt, dann später gerne. Ich investiere nicht mehr so gerne Zeit in neue Serien, die zu nichts führen, bzw. abgesetzt werden. Der Trailer sah nice aus und Edwards hats in seinem Gebiet ziemlich derbe drauf, nur iwie ist London für mich nicht sooo der geeignetste Schauplatz für so ein Actionexsess. Zudem ist mir nicht wirklich ein Schauspieler sympathisch, alles so Bulldoggengesichter^^
    • greekfreak
      Wu Assasins war mal der absolute Fail schlechthin.Du hast Iko Uwais,Mark Dacascos,das Fight/Stunt Team von The Raid und The Night Comes For Us,plus Katheryn Winnick die eine gestandene Kampfsportlerin ist und anstatt eine knackige Martial Arts Action Serie zu machen,fabrizierst du so einen lahmen Avatar-Herr der Elemente aus dem Aldi Süd-Verschnitt. Vor allem,welcher Idiot hatte die glorreiche Idee,Iko Uwais eine grosse Sprechrolle in Englisch zu geben,wenn er sichtliche Probleme mit der Sprache hat?Ich hoffe Warrior wird von einem anderen Streamingdienst/Sender übernommen,nachdem Cinemaxx erklärt hat,das sie ab 2021 keine eigenen Serien mehr produzieren werden. Die Macher sind schon mit der Serie shoppen,wie´s so schön heisst. Ist schon schlimm genug das AMC Into the Badlands gecancelled hat,letztes Jahr,um mehr Zombie Sch**ss zu produzieren.
    • Piet
      Bei Warrior stimme ich zu.Wobei solche highlights an der darsteller front wie Antony Starr, Ivana Milicevic und Ulrich Thomsen nicht dabei sind, die ganze charakterzeichnung wie eine banshee kopie wirkt (extrem: Matthew Rauch burton vs. Langley Kirkwood buckley) , eine banshee kopie aber immer noch besser ist als 99% des rests und somit IMO ein 8/10 (und mit Dean Jagger immerhin eine darsteller perle gecasted wurde.)Wu Assasins...wobei die Martial Arts szenen ja ganz gut waren, aber alles andere (besonders die CGI) war wirklich eine komplette Katastrophe, haste recht.
    • Piet
      Ich bin verwirrt... nach dem review hier geh ich kurz auf IMDB...8.2 denk mir Oha, dass ist viel schau mir die user reviews an und... da wird die serie dann maximal auseinandergenommen:DMost overrated dross ever 2/10Am I watching the same show? 3/10Am I missing something? 4/10Breathtakingly terrible 1/10um mal die ersten 4 zu listen...
    • ObiWann
      Wir hatten’s ja schon mal von der Serie 😁 insbesondere die Folgen 3 und 4 absolut Top,aber das Niveau der Folgen wird halt nicht gehalten zum Ende hin fällt es ab ,was schade ist sonst wär das für mich ein 5 Sterne Ding geworden aber 4 is auch ok 😀 und ne 2te Season is ein Must See für mich .Wu Assasins musst ich irgendwann ausmachen das war nicht mehr wirklich zum aushalten ,da war ich echt schwer angenervt .Da wurde halt wieder mal echtes Potenzial in den Wind geschossen .Um es mal mit den Worten von Tobias Mayer zu sagen (darf man ja jetzt) das hätte ne verf...t 😁 geile Serie werden können .Warrior fand ich auch ganz cool ,das ne ganz gute Fun Serie zum kucken und geil finden ohne denken .
    • greekfreak
      Für Action-Liebhaber absolute Empfehlung.Gareth Evans ist immer noch den meisten Hollywood Regisseuren, Lichtjahre voraus in Sachen Action-Inszenierung und das obwohl er mit vergleichsweise lächerlich kleinen Budgets auskommt. Im Vergleich zu GoL ist z.B. das viel gehypte The Old Guard nur Kinderkacke um nicht zu sagen,es hat stellenweise peinliche Actionszenen (Stichwort: der Fight zwischen Charlize und der Marine Soldatin,im Flugzeug). Dazu überzeugt Evans auch in den Nicht-Action Bereichen,also so Sachen wie Story,Figuren etc. etwas was z.B. ein Zack Snyder überhaupt nicht kann. (*hüstel* Sucker Punch *hüstel*)Die Serie übernimmt im Grunde zwar nur das Konzept von The Raid 2,mit dem Undercover Cop und den konkurierenden Gangster-Organisationen,ABER es ist verdammt gut umgesetzt.Also,eins meiner Serien-Highlights 2020,vor allem nachdem Wu Assasins letztes Jahr so eine herbe Entäuschung war.P.S. Für Freunde der gepflegten Handkanten-Äkstchn,in Serienform, empfiehlt Onkel Greek auch sehr Warrior. Es ist quasi Gangs of New York bzw. San Francisco-Kung Fu Edition,basierend auf einem Konzept von Bruce Lee und produziert von den Machern von Banshee. 1ste Staffel war super unterhaltsam,2te Staffel kommt im Oktober.
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