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    Dieser Marvel-Fanliebling hätte schon in "The Avengers" dabei sein können
    Von Tobias Mayer — 11.08.2020 um 18:13
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    Marvel soll seiner Co-Produktionsfirma DMG angeboten haben, den Helden Shang-Chi oder den legendären, beliebten Bösewicht Mandarin schon am Ende von „The Avengers“ zu zeigen – und zwar aus finanziellen Gründen, die mit China zu tun haben.

    The Walt Disney Company

    Gegenüber den Kinozuschauern tun Hollywood-Vertreter in Interviews gerne so, als gehe es in Blockbustern stets ausschließlich darum, großartige Geschichten zu erzählen. Natürlich aber geht es auch viel ums Geld, weil die teuren Filme (riskante) Wetten sind – bei denen seit ein paar Jahren das Geld eine große, wachsende Rolle spielt, das auf dem chinesischen Kinomarkt verdient wird.

    Chris Fenton war Chef der DMG Entertainment Motion Picture Group, die mit ihrem Geld u. a. „Iron Man 3“ mitproduziert und so dabei geholfen hat, dass sich Hollywood den chinesischen Markt erschloss – wo ausländische Filme allerdings Regeln unterworfen sind, die politisch gesteuert werden.

    Vereinfacht gesagt hat Hollywood ein Interesse daran, dass die Filme sowohl bei den chinesischen Behörden ankommen (durch die es also eine inhaltliche Einflussnahme gibt) und natürlich beim chinesischen Publikum.

    Fenton beschreibt Hollywoods Erwägungen hinsichtlich China in seinem Buch „Feeding The Dragon“* auch am Beispiel Marvel, wo überlegt worden sein soll, entweder den chinesischen Martial-Arts-Helden Shang-Chi oder den beliebten chinesischen Superbösewicht Mandarin am Ende von „The Avengers“ kurz auftreten zu lassen.

    Shang-Chi oder Mandarin?

    Der Darstellung von Fenton nach habe die Marvel-Filmsparte, vertreten durch den ehemaligen Chief Operating Officer Tim Connors, folgendes Angebot gegenüber DMG gemacht:

    Wenn DMG mehr Geld für „The Avengers“ hätte aufbringen können, hätte die Möglichkeit bestanden, am Ende des Films einen Teaser für den chinesischen Markt unterzubringen (also mutmaßlich eine Post- oder Mid-Credit-Szene). „Damit hätte die Möglichkeit bestanden, entweder den Mandarin oder Shang-Chi einzubauen. Es war unsere Entscheidung, welchen davon“, so Chris Fenton in seinem Buch (via bleedingcool.com), in dem er darstellt, wie u. a. Hollywood immer abhängiger wird von China und damit auch vom dort herrschenden, autoritären Regime.

    Vorauseilender Gehorsam

    Bei der Entscheidung, ob man nun den Helden Shang-Chi wolle oder den Bösewicht Mandarin, habe das DMG-Entwicklungs-Team in Peking zu Shang-Chi tendiert – schlicht deswegen, weil es der für Propaganda zuständigen Behörde in China besser zu verkaufen gewesen wäre, einen chinesischen Helden im Film zu haben anstelle eines Fieslings. Das habe direkt mit dem Image zu tun gehabt, das China von sich in der Welt verbreitet haben will.

    Und in einem Seitenhieb gegen Hollywood heißt es dann bei Chris Fenton weiter, dass chinesische Schauspieler dort häufig die Rollen von Gegenspielern bekämen, auch damit man „den Helden-Part nicht für einen chinesischen Schauspieler verschwendet“.

    Und was sprach dafür, den Mandarin zu wählen?

    Alan Chu, der Vizepräsident des Pekinger Entwicklungs-Teams von DMG, habe den Mandarin im Vergleich zu Shang-Chi als die interessantere, weil komplexere Figur gesehen. Doch das Risiko, sich für den Bösewicht Mandarin in „The Avengers“ zu entscheiden, sei DMG zu groß gewesen.

    Man habe Angst gehabt, dass der Film in China gar nicht werde starten dürfen (was dann später bei „Iron Man 3“, wo DMG an Bord war und der „Mandarin“ übrigens entgegen der Comics keine chinesische Figur sein soll, geklappt hat).

    Nachdem eine staatliche chinesische Stelle signalisiert habe, dass der Mandarin nicht gemocht wird, sei die Sache endgültig entschieden gewesen: Weder sollte Shang-Chi ans Ende von „The Avengers“, noch der eigentlich angeblich interessantere Mandarin. DMG bließ den Deal mit dem Teaser ab. „Zu aufwändig und nicht genug Zeit", wird Alan Chu im Buch zitiert.

    Chris Fenton begründete die Absage dann gegenüber seinem Marvel-Ansprechpartner Tim Connors auch damit, dass Mandarin zu sehr dem Stereotyp eines bösen chinesischen Mannes entspreche.

    Aus dem kurzen Auftritt von Shang-Chi oder dem Mandarin am Ende von „The Avengers“ (der vielleicht eh nur in der chinesischen Version zu sehen gewesen wäre) wurde also nichts, allerdings plant Marvel inzwischen einen eigenen „Shang-Chi“-Film, der am 29. April 2021 in die Kinos kommen soll – übrigens mit dem Mandarin als Bösewicht (nachdem er in „Iron Man 3“ ja nur ein Hochstapler war, der bei vielen Fans überhaupt nicht gut ankam).

    Leinwandliebe-Podcast zu "Avengers 1+2"

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    Kommentare
    • GamePrince
      Sommerloch wäre schön, dass hier ist ein Coronaloch - also noch schlimmer!
    • WhiteNightFalcon
      Hätte hätte Fahrradkette.
    • Sentenza93
      Im MCU hätte viel sein und passieren können. Manchmal Schlechtes, manchmal Gutes, was man liegen ließ. Wobei Letzteres leider etwas überwiegt. Und hier halt eben hat was nicht geklappt. Ende.
    • Klaus S aus S
      Sommerloch, dasDas Sommerloch ist eine Bezeichnung in Bezug auf die Massenmedien, besonders der Tagespresse und der Nachrichtenagenturen, für eine nachrichtenarme Zeit, die vor allem durch die Sommerpause der politischen Institutionen und Sport-Ligen, ferner auch der kulturellen Einrichtungen bedingt ist.
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