Schnell-Bewerter
Mein FILMSTARTS
    CCM und Epstein-Barr-Virus in "Away": Was genau haben Matt und Ram in der Sci-Fi-Netflix-Serie?
    Von Annemarie Havran — 08.09.2020 um 19:15
    facebook Tweet

    In Staffel 1 der Sci-Fi-Drama-Serie „Away“ passiert ganz schön viel: Nicht nur fliegen fünf Menschen zum Mars, ständig ist auch noch jemand krank, egal ob auf der Erde oder im All. Was steckt hinter den medizinischen Begriffen in der Netflix-Serie?

    Netflix

    Wir von FILMSTARTS sind natürlich keine Mediziner*, aber wir sind Film- und Serien-Fans und so wollten wir natürlich wissen, was denn hinter den medizinischen Begriffen steckt, die in der neuen Netflix-Serie „Away“ ständig verwendet werden.

    Eigentlich ist es eine Sci-Fi-Serie und es geht um die erste bemannte Mission zum Mars. Doch neben spektakulären Weltraum-Spaziergängen gibt es auch ganz schön viel Drama, sowohl innerhalb des Raumschiffs Atlas als auch auf der Erde – und eben auch ziemlich viele Krankheiten, die immer wieder Öl ins dramaturgische Feuer gießen.

    Matts Erbkrankheit CCM

    Eine wichtige Rolle von der ersten bis zur letzten Episode der ersten Staffel von „Away“ spielt die Krankheit CCM, die Emma Greens (Hilary Swank) Ehemann Matt (Josh Charles) hat. Da es sich um eine Erbkrankheit handelt, befürchtet Tochter Lex (Talitha Bateman), das verantwortliche Gen in sich zu tragen – ob sie sich darauf testen lassen will oder nicht, ist eine der zentralen Fragen ihres Handlungsstrangs.

    CCM ist die Abkürzung für Cerebral Cavernous Malformations, also für zerebrale kavernöse Malformation. Bei CCM sind Blutgefäße im Gehirn fehlgebildet. Diese Verwachsungen können zu Schlaganfällen und Hirnblutungen führen.

    Einen Schlaganfall wegen seiner CCM erleidet in „Away“ auch Matt, als Folge davon wiederum bleiben Lähmungserscheinungen seiner Gliedmaßen zurück. Die Diagnose seiner Krankheit führte auch zu seinem Ausschluss als Pilot und Astronaut bei der NASA. Behandelt werden kann CCM bislang nur operativ, allerdings auch nur dann, wenn die Gefäßfehlbildungen an einer gut erreichbaren Stelle im Gehirn liegen.

    CCM ist selten und wird übrigens nicht nur vererbt – auch spontane Fehlbildungen von Gefäßen im Gehirn, die dann ebenfalls CCM genannt werden, sind möglich.

    Epstein-Barr-Virus: Das Pfeiffersche Drüsenfieber

    In Folge 4 leidet Ram (Ray Panthaki) plötzlich unter hohem Fieber und Halluzinationen. Ein Blick in seine Krankenakte ergibt: Er trägt das Epstein-Barr-Virus in sich und es scheint nun aktiviert worden zu sein, er hat infektiöse Mononukleose.

    Den meisten Zuschauern dürfte Mononukleose eher unter dem Begriff Pfeiffersches Drüsenfieber bekannt sein. In der deutschen Synchronfassung von „Away“ wird auch von Mononukleose gesprochen, interessanterweise wurde es in den deutschen Untertiteln dann aber mit Drüsenfieber übersetzt.

    Diyah Pera/Netflix
    Ram (links) und Kwesi vor dem Abflug: Auf dem Boden geht es Ram noch gut.

    Tatsächlich tragen die meisten Menschen das Virus in latenter Form in sich. Ein Ausbruch der Krankheit erfolgt oft in der Kindheit und verläuft dann meist auch harmlos, danach verfügt man über Antikörper. Wie genau das Virus aus seiner latenten Form (wieder) aktiviert werden und ob dies im All spontan geschehen kann (wie in der Serie behauptet), können wir natürlich nicht sagen.

    In einem Raumschiff ist fast alles gefährlich

    Aber der Krankheitsverlauf und die Ansteckungsgefahr, die in der Serie gezeigt werden, sind realistisch. Je älter man ist, wenn die infektiöse Mononukleose ausbricht, desto schwerer kann sie verlaufen – und wegen der Übertragungswege durch Tröpfchen- und Kontaktinfektion ist sie im beengten Serien-Setting des Raumschiffs auch schnell ansteckend.

    Teils sehr hohes Fieber, geschwollene Lymphknoten und Mandelentzündungen gehören zu den klassischen Symptomen. Weitere mögliche Symptome wie Milz- und Lebervergrößerung könnten gerade im Raumschiff dann natürlich zusätzlich problematisch werden – käme es zum Beispiel zu einem Milzriss, wäre eine Operation nötig.

    Blinde Astronauten: VIIP-Syndrom

    Und dann wäre da noch der Fall von Misha (Mark Ivanir), der im Weltraum plötzlich fast blind wird. Ist das denn etwas, das wirklich passieren kann?

    Tatsächlich ist es ein bekanntes Phänomen, dass Astronauten nach einer längeren Reise ins All schlechter sehen als vorher. Genannt wird es VIIP-Syndrom, kurz für „Visual Impairment And Intracranial Pressure Syndrome“.

    Diyah Pera/Netflix
    Misha ist Astronaut und Hobby-Puppenspieler.

    Sehr laienhaft ausgedrückt passiert da Folgendes: Durch die Schwerelosigkeit im Weltraum verhalten sich unsere Körper nicht so wie auf der Erde – zum Beispiel kann sich die das Gehirn umgebende Flüssigkeit an Stellen ansammeln, an denen sie sich eigentlich nicht anzusammeln hat. Geschieht das in der Umgebung des Augapfels, kann der so entstandene Druck zu seiner Abflachung führen, was wiederum das schlechte Sehen verursacht.

    Deshalb soll Misha auch möglichst viel Zeit im Crew-Quartier mit seiner künstlich erzeugten Schwerkraft verbringen. Dort könnte sich die auf den Augapfel drückende Flüssigkeitsansammlung in seinem Gehirn am ehesten wieder „normal“ verteilen – so die Theorie.

    Die erste Staffel von „Away“ ist seit dem 4. September 2020 auf Netflix zu sehen.

    *Noch einmal der sehr wichtige Hinweis: Wir sind keine Mediziner und dies ist kein medizinischer Fachtext! Wir erklären die in der Serie „Away“ wichtigen medizinischen Phänomene basierend auf Infos aus medizinischen Online-Publikationen als Laien so, dass es Serien-Zuschauern zu einem besseren Verständnis der Handlung verhelfen kann.

    "Ratched": Der Trailer zur neuen Netflix-Serie in "American Horror Story"-Tradition

     

    facebook Tweet
    Ähnliche Nachrichten
    Das könnte dich auch interessieren
    Back to Top