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    Für RTL statt ProSieben: So stellt Stefan Raab das Talkshow-Format einmal komplett auf den Kopf (Anzeige)
    Von Björn Becher — 28.11.2020 um 07:05
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    Der Late-Night-Talk ist die Königsdisziplin der Unterhaltung – aber viele der Sendungen sind sich sehr ähnlich. Mit „Täglich frisch geröstet“ auf TVNOW stellt Stefan Raab das Format auf den Kopf – mit Hilfe überraschender Moderatoren wie Ralf Möller.

    © Willi Weber/TVNOW

    Als Stefan Raab zum Jahresende 2015 seine Karriere vor der Kamera beendete, verlor das deutsche Fernsehen seinen vielleicht verrücktesten Kreativkopf - nämlich jenen Mann, der selbst die absurdesten Ideen immer wieder in erfolgreiche Shows verwandelte und dabei etwa solche Kult-Events wie die Wok-WM schuf.

    Doch im Hintergrund ist Stefan Raab weiter tätig. Mit seiner Produktionsfirma Raab TV entwickelt er noch immer neue Formate – diesmal allerdings nicht für seinen alten Arbeitgeber ProSieben, sondern für RTL und dessen Streamingdienst TVNOW: „Täglich frisch geröstet“ ist eine Late-Night-Talk-Show, die ganz anders ist alle anderen Late-Night-Talk-Shows zuvor.

    Kampfansage an die Besten der Besten

    Schon Raabs Erfolgssendung „TV Total“ war eine Late-Night-Show, die sich mit ihrer klaren Ausrichtung auf ein junges Publikum deutlich von früheren Vertretern abhob. Mit „Täglich frisch geröstet“ dreht Raab die Neuerfindung des etablierten Formats nun noch einmal weiter. Im Vorspann der Sendung selbst wird die Late-Night-Show als „Königsdisziplin der Unterhaltung“ bezeichnet“, die nur „von den Besten der Besten moderiert“ wird. Letzteres ist hier aber ganz bewusst nicht der Fall …

    … stattdessen geht es gerade darum, Stars als Moderatoren vor die Kamera zu stellen, die man eher nicht als souveräne, gewitzt mit Worten jonglierende Gastgeber*innen – quasi als deutsche Wiedergänger von US-Legenden wie David Letterman oder Conan O'Brien – vermuten würde: In den ersten Folgen versuchen sich so „Gladiator“-Star und Bodybuilder Ralf Möller, Mode-Ikone und „Let's Dance“-Juror Jorge González sowie „Dschungelcamp“-It-Girl Evelyn Burdecki an der sicherlich nicht einfachen Aufgabe.

    © TVNOW / Frank W. Hempel
    Jorge González wird hier kurz von seinem Zwillingsbruder Jochen vertreten.

    Zusätzlich sind Komiker wie Olaf Schubert oder Torsten Sträter mit im Studio, deren explizite Aufgabe es ist, die oft verzweifelten Versuche von Ralf Möller & Co., witzig sein zu wollen, möglichst spöttisch zu kommentieren. Dieses aus den USA bekannte „Rösten“, also das witzige Beleidigen, ist in „Täglich frisch geröstet“ ein dominierendes Element: Das Scheitern und die spöttischen Reaktionen spiegeln sich auch sonst in der ganzen Aufmachung des Programms wider.

    So wird etwa jede Ausgabe von der aus mehr als 15 Jahren „TV Total“ bestens bekannten, den Spott perfekt transportierenden Stimme von Manfred Winkens eingeleitet. Der weist auch noch einmal darauf hin, dass sein Boss selbst da ist und „in der Regie sitzt und Chips frisst“. Gemeinsam mit einigen aus Stefan Raabs Kultformat bekannten Sounds kochen dabei gerade zu Beginn die „TV Total“-Erinnerungen wieder hoch.

    Bissige Kommentare aus dem Off & Stoff für Filmliebhaber

    Für den größten Spott ist aber ein anderer Off-Sprecher zuständig. Denn fester Bestandteil ist auch Peter Rütten, den gerade Filmliebhaber als „SchleFaZ“-Moderator kennen dürften – der aber auch als Sprecher in zahlreichen anderen Formaten bewiesen hat, wie wunderbar ironisch er Bilder untermalen und Personen durch den Kakao ziehen kann. Rütten stellt nicht nur den jeweiligen Host mit vielen bissigen Seitenhieben vor, sondern begleitet auch die kleinen Einspielfilme, die genauso zu einer Late-Night-Show gehören wie der Stand-Up, die Gäste und die Band.

    Rütten ist ein bekennender Filmliebhaber – und von denen scheinen einige im Team von „Täglich frisch geröstet“ zu sitzen, was die Sendung für uns gleich mal interessanter macht: Natürlich dreht sich bei Ralf Möller viel um seine Hollywood-Schauspielkarriere mit Megahits wie „Gladiator“. Aber es geht daneben auch um den RTL-Trash-Kult „Hai-Alarm auf Mallorca“, den es ebenfalls auf TVNOW zu sehen gibt und für den in der Show sogar ein fiktives Sequel gedreht wird. Doch auch bei den anderen Stars gibt es immer wieder Filmeinspieler. Da synchronisiert zum Beispiel Jorge González „Shining“ neu und die Queen wird zu Darth Vader. „Röster“ Torsten Sträter streut zudem subtil einen „The Mandalorian“-Verweis ein...

    » "Hai-Alarm auf Mallorca" bei TVNOW

    © TVNOW / Willi Weber
    Ralf Möller als „Gladiator“-Star ist nur eine von vielen regelmäßigen Filmanspielungen in „Täglich frisch geröstet“

    Dass es bei „Täglich frisch geröstet“ nicht darum geht, die Besten der Besten zu übertreffen, sondern eher das Scheitern zelebriert wird, zeigt sich auch bei den musikalischen Einlagen. Dass es musikalisch nicht besonders wertvoll ausfallen wird, wenn Jorge González Helene Fischers Gassenhauer „Atemlos“ ohne Textkenntnis schmettert, sollte jedem klar sein. Doch selbst bei einem Vollblut-Musiker wie Reggae-Künstler Gentleman findet man einen Dreh, um seine Gesangseinlage auf ein Niveau zu senken, bei dem man ihn anschließend mit dem gebührenden Spott bedenken kann:

    Der als Sidekick – etwa zur Moderation von Spielen – zur Sendung gehörende Komiker und Moderator Lutz van der Horst castet die Begleitband für Gentleman nämlich vorab in einem Musikgeschäft bewusst wahllos zusammen. Nach kurzer Probezeit stehen dann die Männer und Frauen unterschiedlichen Alters mit dem Musiker auf der Bühne und geben mit vollem Engagement ihr Bestes … was dann natürlich trotzdem immer noch angemessen schief klingt.

    Da muss dann sogar Gentleman mitten im Song kurz innehalten und lachen, feiert am Ende aber trotzdem die vergeblichen Versuche seiner Blind-Date-Band. Und das fasst das „Rösten“ ja auch perfekt zusammen: Man lacht über sich, spottet auch, aber zeigt trotzdem Sympathie.

    Von „Täglich frisch geröstet“ erscheint jeden Montag und Mittwoch um 20.15 Uhr eine neue Ausgabe auf dem Streamingdienst TVNNOW. Die bislang vorhandenen vier Episoden können dort bereits abgerufen werden. Falls ihr noch kein Kunde seid, könnt ihr den Streamingdienst erst einmal 30 Tage lang kostenlos testen.

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