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    Die wahre Geschichte hinter "The Prom" auf Netflix: Überraschend und erschreckend nah am Musical!
    Von Björn Becher — 12.12.2020 um 17:00
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    Das knallbunte und optimistische Musical „The Prom“ läuft nun auf Netflix. Vorlage für den starbesetzten Film mit Meryl Streep und Nicole Kidman ist ein Broadway-Musical. Doch die erzählte Geschichte hat einen wahren Hintergrund.

    Netflix

    Mit „The Prom“ adaptiert „American Horror Story“-Schöpfer Ryan Murphy ein gleichnamiges Musical, das 2016 seine Premiere in Atlanta feierte und es dann 2018 an den legendären Broadway, das Mekka für alle Musical-Fans, schaffte.

    Wer „The Prom“ auf Netflix geschaut hat, weiß, dass der Film gnadenlos positiv ist und gute Stimmung verbreitet – und sich auch nicht vor reichlich Zuckerguss scheut. Doch die erzählte Geschichte ist trotzdem kein Märchen, nicht völlig fiktiv. Die Grundlage ist viel mehr ein wahrer Fall und es gibt zahlreiche Parallelen – vom Verbot über den Geheim-Ball bis zur inklusiven, von Stars organisierten Party. Ein paar Unterschiede gibt es aber auch...

    Die FILMSTARTS-Kritik zu "The Prom"

    Im Jahr 2010 wollte die 18 Jahre alte, lesbische Schülerin Constance den traditionellen Abschlussball an einer High School in Fulton, Mississippi, im Smoking statt im Abendkleid und in Begleitung ihrer langjährigen Freundin besuchen. Doch die Schule verbat ihr das. Als die Schülerin dagegen vorging, wurde der Abschlussball komplett abgesagt – genauso wie im Film „The Prom“.

    Übersprungen wird im Netflix-Musical quasi, dass das echte Vorbild für Filmheldin Emma vor Gericht zog – und dort sogar im ersten Eilverfahren gewann, allerdings mit einem kleinen Haken: Das Gericht stellt zwar fest, dass die Rechte der Schülerin verletzt wurden und Teilnahmeverbot sowie Absage rechtswidrig seien, zwang die Schule aber nicht, den Abschlussball trotzdem auszurichten. Da Eltern bereits einen alternativen Ball organisieren, sei dieser nicht nötig...

    Der Haken allerdings: Ähnlich wie im Film „The Prom“ wurde dieser zweite Ball aber teilweise heimlich organisiert und Constance am Ende – im Gegensatz zum Gros ihrer Mitschüler*innen – nicht eingeladen.

    Sogar der im Film wirklich niederschmetternde Geheimball ist also keine pure Fiktion, sondern hat eine reale Grundlage! Und das ist schon ziemlich erschreckend...

    Auch echt: Stars eilen zur Rettung

    Wie im Musical bekam auch der echte Fall Aufmerksamkeit und lockte so Stars an. Constance war zu Gast in den Talk-Shows von Ellen DeGeneres und Wanda Sykes. Und auch Künstler wie die Band Green Day und der aus Mississippi stammende, offen homosexuelle NSYNC-Boyband-Star Lance Bass waren entsetzt über die Ungleichbehandlung.

    Kurzerhand organisierte ein Verbund aus Stars in Mississippi ein Event, das sie „Second Chance Prom” tauften. Zu dem war dann nicht nur Constance und ihre Freundin, sondern ausdrücklich alle, die den Schulabschluss feiern wollen, egal, welche Hautfarbe, Religion oder Sexualität sie haben, eingeladen. Es gab also ein inklusives Fest - wie im großen, bunten Gute-Laune-Finale von „The Prom“.

    So wurde die Geschichte schon vor "The Prom" erzählt

    Basierend auf dieser realen Geschichte entwickele Autor Chad Beguelin gemeinsam mit dem Kollegen Bob Martin und Musiker Matthew Sklar dann das Musical „The Prom”, aus welchem der Netflix-Film entstand. Sie waren aber nicht die ersten Schreiberlinge, die auf die Idee kamen, die Geschichte zu nutzen. In der Serie „Drop Dead Diva“ basierte bereits 2011 ein Gerichtsprozess auf dem wahren Fall – sogar mit einem Cameo der echten Constance. Zu sehen ist dies in der fünften Episode der dritten Staffel, Titel natürlich „Der Abschlussball“.

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    Übrigens ging der echte Fall noch ein wenig weiter. Constance verklagte wie gesagt ihren Schuldistrikt. Da sie das Verfahren auch nach dem vorläufigen, am Ende ja wenig bringenden Sieg in der ersten Eilentscheidung nicht beilegen wollte, gab man dort auf und bot ihr einen Vergleich für eine außergerichtliche Beilegung an: Constance wurden nicht nur Anwalts- und Gerichtskosten sowie ein Schmerzensgeld von 35.000 Dollar gezahlt, sondern der Schuldistrikt verpflichtete sich auch, neue Anti-Diskriminierungsrichtlinien zu verabschieden, die auch die sexuelle Orientierung einer Person beinhalteten.

    Da bleibt die Hoffnung, dass sich ein so erschreckender Vorgang nicht wiederholt...

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