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    "The Walking Dead": 3 Gründe, warum die Whisperer in Staffel 10 enttäuschen
    Von Benjamin Hecht — 08.01.2021 um 19:35
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    Mit den Whisperers trat in der neunten Staffel von „The Walking Dead“ eine düstere Bedrohung auf den Plan. Doch spätestens in Staffel 10 sind die flüsternden Maskenträger nicht mehr ernst zu nehmen und auch nicht mehr gruselig.

    Jace Downs/AMC/Netflix

    +++ Meinung +++

    Könnt ihr euch noch daran erinnern, als die Whisperers eingeführt wurden? Was war das nur für ein fantastischer Auftakt für die neuen Antagonisten im „The Walking Dead“-Universum! Als wir sie das erste Mal flüstern hörten und als wir, genauso wie die vor Schreck erstarrten Eugene (Josh McDermitt) und Rosita (Christian Serratos), unseren eigenen Ohren nicht glauben konnten. Waren das wirklich Untote, die hier miteinander kommunizieren? 

    Schleichend kam die Gefahr immer näher und im Mid-Season-Finale der neunten Staffel folgte die Auflösung in einer der besten Folgen der jüngeren „The Walking Dead“-Geschichte. Ein vernebelter Friedhof als Kulisse sorgte für eine „Nacht der lebenden Toten“-Atmosphäre, in der Fanliebling Jesus (Tom Payne) sein bitteres Ende fand – durch die Hand eines vermeintlichen Walkers, der jedoch blitzschnell zur Seite wich und dem langhaarigen Kampfsportler sein Messer in den Torso rammte. Das war genial!

    AMC
    Das Midseason-Finale von Staffel 9 endete mit dem ersten und zugleich besten Kampf gegen die Whisperer.

    Nur leider konnte „The Walking Dead“ dieses Niveau nicht aufrechterhalten. Gerade in Staffel 10 offenbaren sich immer mehr Schwächen, die aus den einst gefürchteten Unmenschen eine rückgratlose Bande von Lemmingen macht. Das liegt vor allem an drei Gründen:

    Grund 1: In Staffel 10 sind die Whisperer nicht mehr gruselig

    Ich habe es bereits deutlich gemacht, wie sehr mich die Einführung der Whisperer beeindruckt hat. Jesus war eine meiner Lieblingsfiguren und der wohl beste Nahkämpfer Hilltops. Ihn so sterben zu sehen war ein Schock, aber dennoch war ich nicht enttäuscht. Im Gegenteil: „The Walking Dead“ hatte seinen Gruselfaktor zurück und zugleich einen neuen mysteriösen Feind.

    Doch je mehr wir über die Whisperer erfuhren, je mehr deren Geheimnisse gelüftet wurden, desto weniger blieb vom Horror übrig. Wir bekamen viele Einblicke in deren Alltag und lernten sie bei grellem Tageslicht kennen. Nach und nach stellte sich heraus, dass bis auf Alpha (Samantha Morton) und Beta (Ryan Hurst), die meisten Whisperer ängstliche, armselige Würstchen sind. Das waren nicht die wahnsinnigen Schreckgestalten, die den nebligen Friedhof infiltrierten.

    Das waren einfache Leute, die sich unerklärlicherweise für einen seltsamen Lebensstil entschieden hatten, was mich gleich zum nächsten Kritikpunkt bringt.

    Grund 2: Die Ideologie der Whisperer ist nicht nachvollziehbar

    Jetzt mal ehrlich: Welcher Mensch mit einem Hauch von Vernunft, Selbstrespekt oder Moral, schließt sich den Whisperern an? Wer sich dem lächerlichen Gebahren Alphas nicht auf erniedrigende Weise unterordnet, wird hier gnadenlos hingerichtet. Dabei ist Alpha noch die menschlichere (!) der beiden Führungspersonen.

    Um Beta sollte nämlich jeder, der an seinem Leben hängt, besser einen großen Bogen machen, denn einmal falsch geblinzelt und du hast dessen Messer im Magen. Wenn auch die anderen Whisperer wahnsinnige oder gar animalische Wesenszüge hätten, wäre eine solche irrationale Unterwürfigkeit zu verzeihen. Doch fast jedes Mal, wenn sich einer der normalen Whisperer ohne Maske zeigt, macht die Serie deutlich, dass es sich um Ottonormalüberlebende handelt, die Alphas Philosophie kein Stück ernsthaft verinnerlicht haben. 

    Jace Downs/AMC
    „Heute wieder für Beta arbeiten, gar kein Bock.“

    Mit Ausnahme ihrer Führungskräfte leben die Whisperer ein Leben in Angst. Sie sind Whisperer, weil sie Alpha fürchten und aus keinem anderen Grund. Nun habe ich ein stückweit Verständnis dafür, dass in einer Welt voller Zombies der Glaube an Normalität für viele Menschen schwer vorstellbar ist und man deshalb meinen könnte, dass Alphas Weg der einzige sei.

    Doch „The Walking Dead“ hat mittlerweile bewiesen, dass eben diese Normalität tatsächlich zu erreichen ist. Es ist möglich, eine zombiesichere Festung zu errichten, Ackerbau zu betreiben und sogar Feste zu feiern. In früheren Staffeln hätte ich den Whisperern ihre Motivation wohl noch abgekauft, aber in Staffel 9 ist eine blühende Gesellschaft entstanden, die sich vor Untoten nicht mehr fürchten musste. Jahrelang lebten die Bewohner von Alexandria, Hilltop und dem Königreich in Sicherheit. Das Einzige, was den Frieden gefährdete, waren schließlich die Whisperer selbst. Erst sie machten die Welt wieder lebensfeindlich.

    Gleichzeitig zeigen Alpha und ihre Anhängerschaft aber auch umso deutlicher, warum die Zombie-Apokalypse gar nicht so schlimm ist, wie zu Beginn der Serie impliziert wird.

    Grund 3: Die Whisperer lassen die Zombies schlecht dastehen

    „The Walking Dead“ hat sich im Laufe seiner bisher zehn Staffeln stark verändert. Was als Zombie-Serie begann, entwickelte sich immer mehr zum zwischenmenschlichen Drama und später zum Kriegsschauplatz. Diese Entwicklung ist nur natürlich, da sich Daryl (Norman Reedus), Carol (Melissa McBride) und Co. immer besser an die postapokalyptischen Umstände anpassten und Strategien entwickelten, um mit der ständigen Gefahr umzugehen.

    Die Whisperer führen diese Entwicklung aber ins Absurde, indem sie Seite an Seite mit den Zombies leben. Die Idee, sich die Masken von Leichen über den Kopf zu ziehen, um unter den Untoten zu wandeln, ist hervorragend, aber so wie sie in „The Walking Dead“ umgesetzt wird, einfach nicht glaubwürdig. In der ersten Staffel mussten sich Rick (Andrew Lincoln) und seine Gefährten noch mit eimerweise Gedärmen einreiben, um den Gestank der Toten anzunehmen und im verwesenden Getümmel nicht aufzufallen. Damals wurde uns noch beigebracht, dass es der Geruchssinn der Toten ist, den es zu überlisten gilt.

    Scott Garfield/AMC
    Zu Beginn von „The Walking Dead“ erkannten die Untoten potentielles Futter vor allem am Geruch.

    Es sollte also nicht reichen, sich einfach nur die Haut von Verstorbenen über das Gesicht zu ziehen, die Kleidung sollte auch nach totem Fleisch riechen. Ich erwarte von den Whisperern, dass sie sich regelmäßig in Eingeweiden suhlen, um wirklich in der Masse unterzutauchen.

    Doch stattdessen fallen die Zombies auf die billigste aller Maskeraden rein. Die Protagonisten von „The Walking Dead“ hätten die Untoten nach dieser Logik also nie wirklich fürchten müssen. Immer, wenn sie umzingelt gewesen wären, hätten ein bisschen Humpeln und billige Silikonmasken aus dem Halloween-Kostümshop gereicht, um der Gefahr zu entkommen.

    Mit den Whisperern hat „The Walking Dead“ seine eigene Logik missachtet und dadurch ein weiteres Mal an Glaubwürdigkeit verloren. Der initiale Schrecken der flüsternden Feinde hat sich im Verlauf von Staffel 10 in eine Farce verwandelt – und in ein weiteres Argument, die Serie langsam zu Grabe zu tragen.

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