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    TV-Tipp: Heute Abend läuft einer der besten und intensivsten Filme der letzten Jahre – 130 Minuten ohne Schnitt
    Von Markus Trutt — 18.01.2021 um 15:01
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    Das öffentlich-rechtliche Fernsehen zeigt heute zur besten Sendezeit „Victoria“ – allerdings versteckt auf dem Spartensender One. Grund genug für uns, das absolut beeindruckende Tour-de-Force-Ausnahmewerk noch einmal zu empfehlen.

    Senator Film

    --- Die TV-Ausstrahlung von „Victoria“ am 18. Januar ist schon vorbei, der Film wird allerdings noch einmal am 22. Januar um 22.30 Uhr auf One gezeigt. Und natürlich gibt es auch andere Möglichkeiten, das Meisterwerk anzuschauen – zum Beispiel als Stream im Amazon-Prime-Abo oder bei Netflix:

    ›› "Victoria" bei Amazon Prime Video*

    ›› "Victoria" auf Netflix

    Warum sich das Anschauen lohnt, erfahrt ihr in unserem ursprünglichen Text zur TV-Ausstrahlung: ---

    +++ Meinung +++

    Ich gebe zu: Als ich 2015 ein Ticket für „Victoria“ löste, hatte mich vor allem das schon in den Trailern zum Film prominent herausgestellte One-Take-Verkaufsargument ins Kino gelockt. Seit eh und je habe ich eine große Schwäche dafür, wenn Regisseur*innen ihr Inszenierungstalent mit aufwendigen, überlangen Einstellungen demonstrieren. Dass nun jemand im großen Stil einen funktionierenden 130-Minuten-Film gänzlich ohne Schnitt auf die Beine gestellt hat, konnte ich trotz des im selben Jahr erschienenen „Birdman“ kaum glauben.

    Aber tatsächlich: „Victoria“ ist allein schon für Plansequenz-Fetischisten wie mich die absolute Krönung. Nach mehrmonatigen Proben mit Cast und Crew hat der deutsche Filmemacher Sebastian Schipper sein schier wahnwitziges Vorhaben dreimal komplett durchspielen lassen und aus dem letzten Durchlauf schließlich seinen fertigen Film gemacht. Und das tatsächlich als fortlaufenden Bilderfluss und nicht etwa mit Tricks oder verschleierten Schnitten wie im erwähnten „Birdman“ oder dem ebenfalls beeindruckenden „1917“ aus dem vergangenen Jahr.

    Allerdings ist „Victoria“ auch noch so viel mehr als „bloß“ eine meisterliche One-Take-Übung...

    Symbiose von Form und Inhalt

    In der Tat habe ich selten einen Film gesehen (oder vielmehr er- und durchlebt), bei dem Form und Inhalt so sehr Hand in Hand gehen wie bei „Victoria“. Der außergewöhnliche inszenatorische Ansatz ist kein reines Gimmick, sondern dient Regisseur Schipper als ideales Mittel, um mich als Zuschauer in Echtzeit in eine hypnotische Berliner Nacht und ein Wechselbad der Emotionen zu entführen.

    Da ist zunächst die (gerade in der heutigen Lage noch einmal verstärkte) Sehnsucht danach, sich einfach unbeschwert in die nächtliche Großstadt mit all ihren Möglichkeiten und spannenden Begegnungen fallen zu lassen. Wenn die Titelfigur (glänzt mit einnehmender Präsenz: Laia Costa) nach ausgelassener Feierei mit vier Jungs (u. a. die perfekt besetzten Frederick Lau und Franz Rogowski) durch die Straßen streift, möchte ich mich am liebsten einfach mit ihnen treiben lassen – und kann das dank des erzeugten Mittendringefühls auch vor der Leinwand oder dem Bildschirm sehr gut tun.

    Dass das unbeschwerte Driften nicht von Dauer ist, schwelt dabei jedoch schon bald als unheilvolle Möglichkeit im Hintergrund. Wenn die kriminellen Verwicklungen von Victorias neuen Bekanntschaften die Situation letztlich zum Eskalieren bringen, bin ich jedes Mal schon so vom unbändig energetischen Sog des Films erfasst, dass mich der endgültige Stimmungswechsel dann auch mit voller Wucht trifft.

    Ein Trip, von dem man sich erstmal erholen muss

    Diese intensive Gefühlsachterbahn, dieser filmgewordene Rausch macht „Victoria“ zu einem dieser ganz besonderen Werke, die jeder gesehen haben sollte, die ich selbst aber nur mit einigem Abstand ein weiteres Mal schauen kann – so sehr nimmt mich die poetisch-schwelgerische und zugleich aber auch so kräftezehrend-dramatische Reise mit.

    Und das ging offenbar nicht nur mir so, wie sich schon bei meiner ersten Sichtung an den hunderten gebannten und verstummten Menschen um mich herum abzeichnete, die sich in einem sonst oftmals auch vor ausgelassener Stimmung strotzenden Berliner Freiluftkino versammelt hatten.

    „Victoria“ läuft am heutigen 18. Januar 2021 um 20.15 Uhr (ohne Werbung) bei One.

    Webedia GmbH

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