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    So versteckt die ARD heute die TV-Premiere eines großartigen Kino-Highlights
    Von Björn Becher — 21.01.2021 um 13:00
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    In gleich mehreren unserer Top-10-Bestenlisten des Kinojahres 2019 war „Mid90s“ platziert. Nun läuft der so sympathische wie sehenswerte Skateboard-Film das erste Mal im TV – versteckt auf kleinem Sender zu unmöglicher Uhrzeit...

    MFA

    Mit „Mid90s“ legte der anfangs vor allem für seine Komödien wie „Superbad“ bekannte, mittlerweile zweifach oscarnominierte („Moneyball“, „The Wolf Of Wall Street“) Schauspieler Jonah Hill sein Regie-Debüt vor. Und beeindruckte nicht nur uns.

    Die Geschichte um den 13 Jahre alten Stevie (Sunny Suljic), der sich in den 1990er-Jahren mit ein paar älteren Skater-Kids anfreundet, ist ein unglaublich sympathischer und gelungener Coming-Of-Age-Film. Hill, der dafür auch einige persönliche Erlebnisse verarbeitete, erzählt nicht nur authentisch, sondern auch berührend und gleichzeitig wunderbar unaufgeregt.

    Die FILMSTARTS-Kritik zu "Mid90s"

    Das ist exzellent inszeniert, im 4:3-Format gefilmt und mit tollem Soundtrack von Trent Reznor und Atticus Ross unterlegt. Kein Wunder, dass „Mid90s“ bei uns nicht nur positiv besprochen ist, sondern bei unseren traditionellen Jahres-Top-10-Listen gleich von mehreren Kolleginnen und Kollegen auf einem der vorderen Plätze gelistet wurde. Die Kollegin Nina Becker kürte „Mid90s“ sogar zu ihrem besten Film 2019.

    Es gibt daher eine eindeutige Empfehlung für „Mid90s“ – allerdings sind Ort und Termin der Free-TV-Premiere ein großes Problem: „Mid90s“ ist nämlich am heutigen 21. Januar 2021 erst um 23.45 Uhr im WDR zu sehen.

     

    TV-Tipp zu unmöglicher Uhrzeit

    +++ Meinung +++

    Auch wenn Jonah Hill sehr knackig und kurzweilig erzählt und „Mid90s“ so nicht einmal 90 Minuten geht, muss das TV-Publikum so unter der Woche bis um 01.05 Uhr aushalten, wenn es den Film im TV schauen will.

    Dazu sprechen wir hier nicht von der x-ten Wiederholung eines schon Hunderte Male gezeigten Films, sondern von der allerersten Free-TV-Ausstrahlung eines Films, der erst vor knapp zwei Jahren im Kino lief.

    Und dann ist es noch ein Film, der nicht nur für Menschen interessant ist, die allgemein auf gute Filme stehen und für jene, die vielleicht selbst in den 90ern aufgewachsen sind, sondern auch für Mädchen und Jungen, die in einem ähnlichen Alter wie Hauptfigur Stevie sind. Doch wer schaut mit 13, 14 oder 15 Jahren um Mitternacht TV? So kann man auch gleich der Jugend sagen: Vergesst TV endgültig, geht zum Streaming.

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    Da passt es auch rein, dass die TV-Premiere im WDR stattfindet. Nichts gegen die Dritten Programme und dortige Lokalsendungen und -nachrichten. Doch die Free-TV-Premiere eines solchen Spielfilm-Highlights dort so spät zu platzieren, wirkt in der Kombination schon ein wenig wie bewusstes Verstecken.

    Wenn im ARD-Hauptprogramm des Ersten kein Prime-Time-Slot drin ist, okay. Aber dann sollte doch zumindest im Dritten eine bessere Uhrzeit möglich sein.

    Ein allgemeines Problem für die Kinozeit

    Mir ist bewusst, dass es kein neues Problem ist. Ich finde es ganz allgemein sogar gut, dass das WDR-Format Kinozeit solche außergewöhnlichen Filme, die auch im Streaming durchrutschen und unter dem Radar laufen, überhaupt ins Fernsehen bringt. In der kommenden Woche wird so zum Beispiel mit „Cobain“ eine weitere sehenswerte Coming-Of-Age-Geschichte (28. Januar, 23.30 Uhr) gezeigt, die ich Filmfans ans Herz legen kann und von der viele womöglich sogar noch überhaupt nichts gehört haben.

    Die FILMSTARTS-Kritik zu "Cobain"

    Gerade „Mid90s“ als wirklich besonderes Filmjuwel, das auch nicht bei Netflix und Co. hoch und runter läuft, ist aber ein guter Anlass, um es noch mal zu erwähnen: Es ist teilweise ein Skandal, wie die öffentlich-rechtlichen Sender solche Filme im Programm platzieren.

    Und gerade Coming-Of-Age-Filme, die sich an jene Zielgruppe wenden, welche die TV-Sender nicht nur an die direkte Streamingkonkurrenz wie Netflix, sondern auch an YouTube, Twitch und Co. verlieren, dann auch noch besonders gut zu verstecken, ist der Gipfel des Ganzen.

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