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    Geheimtipp: Netflix hat schon jetzt eine der besten Serien 2021 rausgehauen – und kaum jemand hat's bemerkt!
    Von Daniel Fabian — 20.02.2021 um 14:00
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    Es ist schon wieder passiert: Netflix hat ein Highlight exklusiv ins Programm genommen, das die meisten Abonnent*innen gar nicht wahrgenommen haben dürften. Für FILMSTARTS-Redakteur Daniel ist die Sache klar: Diese Serie verdient mehr Aufmerksamkeit!

    OCN/Netflix

    +++ Meinung +++

    Dank Netflix bekommen wir regelmäßig Film- und Serien-Highlights aus aller Welt auf dem Silbertablett serviert – aus Mexiko („I’m No Longer Here“), Taiwan („A Sun“), Spanien („Der Schacht“) oder aus irgendeinem anderen Land, von dessen Filmlandschaft wir im Kino nur selten Kenntnis nehmen. Nur gehen solch internationale Highlights in der Flut aus Hollywood-Produktionen schnell mal unter. Schade, denn genau sie sind es oft, die frische Ideen originell verpacken. Jüngstes Beispiel: Der koreanische Serien-Hit „Unheimliche Gegner“.

    Das übernatürliche Drama wurde in Südkorea zu einem absoluten Hit – kein Wunder, dass sich Netflix also um die internationalen Streamingrechte bemühte. Und wer den Dienst abonniert hat, wird besonders reich beschenkt. Denn während Netflix-Eigenproduktionen meist nach acht oder höchstens zehn Folgen ihr Staffelfinale feiern, besteht die erste Staffel „Unheimliche Gegner“ aus 16 Episoden – die jeweils eine Stunde oder sogar länger gehen.

    Und das soll's noch lange nicht gewesen sein... aber eins nach dem anderen.

    Darum geht's in "Unheimliche Gegner"

    Tagsüber arbeiten Mo-tak (Yoo Joon-sang), Ha-na (Kim Se-jeong) und Mae-ok (Yeom Hye-ran) in einem Nudelrestaurant, das allerdings immer nur für wenige Stunden geöffnet hat. Denn auch wenn ihre Nudeln sogar so gut sind, dass ihre Gäste bis auf die Straße Schlange stehen, ist die Berufung des Trios eine andere. Sie sind Dämonenjäger, sogenannte „Counter“, deren Mission es ist, dunkle Geister einzufangen und Verstorbenen einen friedlichen Übergang ins Jenseits zu bescheren.

    Nachdem die Truppe bei einem ihrer Einsätze ein Mitglied verloren hat, bleibt dem Trio allerdings keine Zeit, um allzu groß zu trauern – denn die bösen Geister nehmen ja auch keine Auszeit und treiben weiterhin ihr Unwesen in der Welt. Um den Kampf gegen das Böse wieder mit voller Kraft antreten zu können, wird So Mun (Jo Byeong-gyu) zum großen Auserwählten. Er soll der nächster Counter werden!

    Der zurückhaltende Teenager hat das Herz am rechten Fleck, ist gleichzeitig aber auch impulsiv – und humpelt seit dem tragischen Autounfall seiner Eltern, den er als Einziger überlebte. Jahre später bekommt er nun die Möglichkeit, seinen Eltern doch noch Lebewohl zu sagen – vorausgesetzt, er nimmt den Job als Counter an...

     

    Ein wilder, unterhaltsamer Genre-Mix

    Immer, wenn ich einen Film nennen soll, der sich nicht in eine Schublade stecken lässt, fällt mir als allererstes „The Host“ von „Parasite“-Macher Bong Joon-ho ein. Dabei ist es Jahre her, dass ich ihn gesehen habe – und ich kann mich auch nur noch bruchstückhaft an Einzelheiten daraus erinnern. Eines weiß ich aber noch ganz genau: „The Host“ ist gleichzeitig Creature Feature und Komödie, übernatürlicher Action-Horror und Drama – und spannend war er obendrein. Und mit „Unheimliche Gegner“ ist es ganz ähnlich.

    In Hollywood ist es schon die Ausnahme, wenn es Filmemacher*innen gelingt, Horror-Komödien zu drehen, in denen sich Comedy und Schauer nicht auf Kosten des jeweiligen Gegenpols ausstechen, wenn sie szenenweise gruselig und trotzdem auch zum Lachen sind. Und gar meisterhaft ist es, wenn beides sogar in ein und derselben Szene durchkommt. Und trotzdem ist das kein Vergleich zu Regisseur*innen aus Südkorea, die gerade zu spielerisch drei, vier oder noch mehr Genres zu einem stimmigen Ganzen vermengen – sodass man am Ende gar nicht weiß, wie das überhaupt funktionieren kann. Aber das tut es.

    Streaming-Tipp: Der beste Superheldenfilm, von dem ihr noch nie gehört habt!

    „Unheimliche Gegner“ hat Action und Witz, Drama und Horror – und noch viel, viel mehr. Natürlich, bei der Jagd nach dunklen Geistern geht's regelmäßig rund. Gleich zu Beginn der ersten Folge etwa, wenn eine Verfolgungsjagd durch Straßen und über Häuserdächer geht, bis es dann schließlich zum großen Kampf kommt. Da werden sowohl Parkour- als auch Martial-Arts-Fans bedient. Und ja, das sieht alles gut aus und macht Laune – das Herz der Serie ist am Ende aber doch... nun ja, ihr Herz.

    Typisch Südkorea

    Im Kern ist „Unheimliche Gegner“ eine Geschichte über Familie, darüber, was sie ausmacht und was es bedeutet, sie zu verlieren oder zu finden. Während einen der Jenseits-Transfer fast an den kürzlich auf Disney+ gestarteten „Soul“ erinnern könnte, ist der Held der Geschichte eher vom „Kick-Ass“-Schlag. Ein Teenager, der – nur bewaffnet mit einer Extraportion Gerechtigkeitssinn und Zivilcourage – die Welt zu einem besseren Ort machen und Schwächere beschützen will. Auch wenn das am Ende vielleicht bedeutet, dass es ihn stattdessen trifft.

    Netflix
    Auch So Mun schlüpft in die Trainingsanzug-Uniform – und wird zum Counter.

    Die große Gemeinsamkeit mit koreanischen Meisterwerken wie „Parasite“ oder auch „Burning“ ist die im Land vorherrschende soziale Ungerechtigkeit, die mal offensichtlich und mal subtil angeschnitten wird, das Geschehen aber als alles überschattende, unsichtbare Macht nicht nur begleitet, sondern eben auch maßgeblich mitbestimmt. 

    So Mun und Co. kämpfen nämlich nicht bloß gegen fiese Geister, sondern vor allem gegen die Unterdrückung der Armen und Schwachen. „Unheimliche Gegner“ ist damit quasi ein Superhelden-Abenteuer, in dem übernatürliche Fähigkeiten zwar eine Rolle spielen, am Ende aber immer der Menschlichkeit untergeben sind. Und die hat in den knapp 16 Stunden, die Staffel 1 alles in allem läuft, alle Zeit der Welt, um sich von ihrer guten, ihrer bösen und allen Seiten dazwischen zu zeigen – die einen am Ende auch ein wenig über sich selbst reflektieren lassen.

    Staffel 2 ist auf dem Weg!

    Die Serie feierte kurz vor ihrem internationalen Netflix-Start Ende Januar ihr erstes Staffelfinale im südkoreanischen Fernsehen – und brachte dem Muttersender OCN die besten Quoten in seiner bisherigen Geschichte ein. Daher überrascht auch nicht wirklich: „Unheimliche Gegner“ hat bereits grünes Licht für eine zweite Staffel erhalten.

    Aber nicht nur die Quoten sind für die Macher*innen Grund zur Freude, auch die Bewertungen von „Unheimliche Gegner“ auf diversen Plattformen versprechen tolle Unterhaltung. Neben 8.1/10 bei IMDb und 8.8/10 auf MyDramaList steht die Serie derzeit auch bei einem Zuschauer-Score von 98 Prozent bei Rotten Tomatoes. Für mich steht jedenfalls schon im Februar fest, dass „Unheimliche Gegner“ zu meinen Serien-Highlights 2021 zählen wird. Vielleicht ja auch zu euren.

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