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    Vikings
    User-Kritiken
    Pressekritiken
    Durchschnitts-Wertung
    3,9
    32 Wertungen - 5 Kritiken
    Verteilung von 5 Kritiken per note
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    Michael S.
    Michael S.

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    4,5
    Veröffentlicht am 16. August 2016
    Wo die Überlieferung endet, müssen Lücken sinnvoll aufgefüllt werden. Showrunner Michael Hirst geht noch einen Schritt weiter und stellt die Sagengestalt Ragnar Lothbrok und die sie umgebenden Charaktere in ein historisches Umfeld. Das funktioniert auch in dieser Staffel immer wieder erstaunlich gut und schlägt sogar die Brücke zur tatsächlich nachgewiesenen Eroberung von Paris durch "Nordmänner", die hier knapp hundert Jahre vorverlegt wird. Rollo (Clive Standen) bekommt im Frankenreich eine neue Rolle, die auf einem historischen Charakter seiner Zeit basiert, Ragnar seine bisher beste Frisur. Auf dem fränkischen Thron sitzt zunächst ein Enkel von Karl dem Großen (Lothaire Bluteau), der ähnlich wie die anderen Könige in der Serie ebenfalls von Speichelleckern, Intriganten, machthungrigen Grafen und dem einen oder anderen Idealisten umgeben ist. Der neue Schauplatz gibt der Handlung gerade in der zweiten Hälfte dieser dritten Staffel neuen Schwung und bereichert sie um allerhand Konflikte, interessante Schauplätze, eine weitere ausgewachsene Schlacht und neue Charaktere. Optisch knüpft man an den erdigen Look der ersten beiden Staffeln an, insgesamt fühlt sich die Welt der Wikinger allerdings noch größer an als bisher. Die Kamerafahrt über ein Hochgebirge und eine gewisse Schlacht in der ersten Folge stehen schon fast symbolisch für die bildgestalterische Annäherung an das Historienkino unserer Zeit. Bisher kam die Serie dank komplexer Figuren und einer packenden Handlung meist mit historisch ohnehin korrekteren kleinen Scharmützeln und überschaubaren Sets aus, die Schauwerte übertreiben es dennoch nicht mehr als nötig. Das CGI von Paris wirkt mal künstlich und mal annähernd fotorealistisch, die Stadtmauern sehen leider allzu oft nach Pappmaché aus. Dafür beeindruckt die reiche Gestaltung der fränkischen Burgen und Kirchen, die in deutlichem Kontrast zu den kleineren englischen Anlagen steht. Inhaltlich müssen sich Fans des Formats keine Sorgen machen, es bleibt spannend bis zum Ende und auch bekannte Figuren halten so manche Überraschung bereit. Mindestens drei beliebte Charaktere sterben, während andere überleben, von denen man es nicht erwartet hätte. Ragnars argwöhnisch beäugte Beziehung zu dem christlichen Ex-Mönch Athelstan (George Blagden) sorgt weiterhin für Zündstoff, Ragnars Ehe mit Prinzessin Aslaug (Alyssa Sutherland) wird unversehens komplizierter als er es sich erhofft hatte. Die spannungsgeladene Konfrontation von Christentum und dem Götterglauben der Wikinger erweist sich wieder einmal als wohlüberlegt eingebundener Aspekt, die Beteiligten zeigen alle Arten von Verhaltensmustern, von bewusster Abgrenzung bis hin zu vorsichtiger Neugier. "Vikings" muss sich spätestens jetzt nicht mehr mit anderen ähnlich aufwändigen Serien vergleichen lassen, sondern ist selbst stilbildend geworden. TV-Unterhaltung, Erzählkunst, sinnvolle Adaption und filmische Kunstfertigkeit machen die dritte Staffel zu einem Genuss, der nach den zehn Folgen viel zu schnell vorbei ist.
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