Filmstarts trifft... Cassandra Steen, Roger Cicero und Bill Ramsey ("Küss den Frosch")
Donnerstag, 10. Dezember 2009 - 14:12
Von Christoph Petersen

Walt Disney ist mit dem jazzigen New-Orleans-Musical „Küss den Frosch“ eine famose Rückkehr zur klassischen 2D-Animation gelungen. Dazu haben auch die deutschen Stimmen ihren Teil beigetragen. Filmstarts traf die Synchronsprecher Cassandra Steen, Roger Cicero und Bill Ramsey im Rahmen der Deutschlandpremiere in Hamburg.

Cassandra Steen:

Filmstarts: Wie wird man Synchronsprecherin bei einem Disney-Film?

Cassandra Steen: Das kam über meine Schreiberin Heike Kospach. Sie hat Kontakte und mich gar nicht speziell für diesen Film, sondern ganz generell vorgeschlagen. Und dann ging mit „Küss den Frosch“ alles plötzlich ganz schnell. Disney hatte bereits für „Atlantis“ schon mal angefragt, aber damals hatte ich kläglich versagt. Diesmal habe ich mich besser vorbereitet, weil ich ja nun wusste, worauf ich mich einlasse.

Filmstarts: Wie genau hast Du Dich denn auf das Casting vorbereitet?

Cassandra Steen: Ich hatte eine Schauspiellehrerin in Stuttgart, die mit mir an „Romeo und Julia“ geübt hat. Wir hatten nämlich keine genauen Informationen, wovon der Film eigentlich handelt. Es wurden uns vorab nur kleine Details verraten: Es geht um ein Mädchen, das viel arbeitet, sehr selbstbewusst, aber trotzdem sehr lieblich ist. Da haben wir Julia als Anhaltspunkt genommen, um an ihr diese Emotionen zu üben. Es ist sehr schwer, die Gefühle einer Zeichentrickfigur glaubhaft rüberzubringen, es gibt ja nicht wie beim Singen eine Begleitmusik, die einem da etwas abnimmt.

Filmstarts: Gibt es einen Unterschied, ob man gerade eine Prinzessin oder einen Frosch spricht?

Cassandra Steen: Es ist ein Unterschied. Ich musste als Frosch immer in die Knie gehen, um mir klar zu machen, wie die Aussicht von da unten ist. Ich habe dann versucht, die Welt aus der Perspektive meines Hundes zu sehen.

Filmstarts: Würdest Du eine solche Synchronrolle noch einmal annehmen?

Cassandra Steen: Auf jeden Fall, es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht. Aber auch wenn man mir ständig sagt, dass meine Stimme zu lieb sei, würde ich darauf hinarbeiten, einen Bösewicht zu spielen. Eartha Kitt als böse Hexe Yzma in der englischen Fassung von „Ein Königreich für ein Lama“ finde ich zum Beispiel einfach unglaublich.


Erst Frosch, dann Prinzessin: Cassandra Steen.

Roger Cicero:

Filmstarts: Im vergangenen Jahr hast Du an der Seite von Heike Makatsch eine kleine Rolle in „Hilde“ gespielt. Nun der Job als Synchronsprecher. Welche Arbeit macht Dir persönlich mehr Spaß – die vor oder die hinter der Kamera?

Roger Cicero: Weil ich es gewohnt bin, mit meiner Stimme zu arbeiten und auch im Studio nur auf meine Stimme zu achten, ist das Synchronisieren natürlich etwas, das mir nahe liegt. Auch bei „Hilde“ gab es zwei, drei Sätze, die ich später nachsynchronisieren musste. Da habe ich dann schon gemerkt, dass ich mit dieser Arbeit viel mehr anfangen kann, während ich vor der Kamera logischerweise noch nicht so routiniert bin.

Filmstarts: Spricht man einen Frosch anders als einen Prinzen?

Roger Cicero: Eigentlich nicht. Der Frosch hat dieselbe Stimme wie der Prinz, daher hat sich also nicht wahnsinnig viel verändert. Der Prinz ist ziemlich von sich selbst überzeugt und daran ändert sich lustigerweise auch nichts, wenn er sich in einen Frosch verwandelt. Das hat sich so rübergerettet, zumindest erst mal. Er bekommt von Tiana dann nämlich andauernd auf den Deckel, bis er irgendwann mal die Kurve kriegt und mit beiden Froschschenkeln auf dem Boden ankommt. Erst dann ändert sich auch seine Art zu sprechen.

Filmstarts: Hast Du den fertigen Film schon gesehen?

Roger Cicero: Nein, ich lasse mich heute komplett überraschen. Ich freue mich wirklich sehr darauf. Man hatte mir zwar angeboten, ihn mir vorher anzusehen, aber ich wollte das nicht.


Für Roger Cicero steht ab dem 15. Januar der zweite Block seiner aktuellen Deutschland-Tournee auf dem Programm.

Bill Ramsey:

Filmstarts: Wie kam es dazu, dass Sie Ihre Stimme einem Krokodil geliehen haben?

Bill Ramsey: Disney hat mich gefragt und ich habe mich sehr darüber gefreut. Ich habe früher sehr viel Filmarbeit gemacht, fast 30 Filme. Da mussten wir die Außenaufnahmen auch immer synchronisieren. Außerdem habe ich Nat “King“ Cole in „Cat Ballou“ meine Stimme geliehen. Deshalb war mir die Arbeit bereits sehr vertraut. Ich wurde dann zu einem Casting nach Berlin eingeladen und habe mich sehr gewundert, warum ich noch ein Casting machen soll, wo ich doch schon so lange im Geschäft bin. Aber mir wurde dann gesagt, dass das für Los Angeles ist, weil auch die deutschen Sprecher erst von Disney genehmigt werden müssen.

Filmstarts: Ist es denn schwieriger, eine Zeichentrickfigur als sich selbst zu synchronisieren?

Bill Ramsey: Ich fand es sogar etwas leichter. Zumindest bei meiner Figur. Louis hat als Alligator nämlich ein riesengroßes Maul und deshalb gibt es nicht so präzise Mundbewegungen wie bei den anderen Figuren. Aber so groß war der Unterschied dann auch gar nicht. Das Timing muss hier wie da eben ganz genau stimmen.

Filmstarts: „Küss den Frosch“ spielt ja in New Orleans. Waren Sie denn selbst schon einmal dort?

Bill Ramsey: Ich muss zugeben, dass ich noch nie dort war. Ich stamme aus Ohio und habe meine Kindheit an der Ostküste verbracht. Zum Militärdienst ging es dann ab nach Europa. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es zwar zunächst keinen allgemeinen Wehrdienst mehr, aber als es dann in Korea losging, musste ich auch ran. Statt nach Korea haben sie mich aber – Gott sei Dank – nach Frankfurt geschickt. Dort gab es zwar nichts als Ruinen, aber keinen Krieg.

Filmstarts: Wie viele Tage haben Sie im Synchronstudio verbracht?

Bill Ramsey: Anderthalb. Am zweiten Tag ging es aber nur noch darum „Oh“, „Uh“, und „Aua“ zu machen. Es gibt im Film nämlich eine Stelle, an der Louis in einen Dornenbusch fällt, weshalb ihm dann ganz viele Stacheln im Hintern stecken. Das Glühwürmchen Ray zieht diese dann einen nach dem anderen heraus. Disney konnte aber auch bei diesen Tönen nicht das englische Original benutzen, weil sie dem amerikanischen Sprecher sonst ein Wiederholungshonorar hätten zahlen müssen.


Bill Ramsey jammt mit seiner Filmfigur Louis, dem jazzliebenden Alligator.

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