Setbesuch: "Zimmer 205"
von Carsten Baumgardt, Tobias Mayer ▪ Mittwoch, 3. März 2010 - 11:03

Mystery-Horror aus deutschen Landen? Bisher eher Mangelware. Doch Rainer Matsutani will dies ändern. Derzeit dreht der Regisseur in Erfurt und Berlin "Zimmer 205" mit "Die Welle"-Star Jennifer Ulrich in der Hauptrolle. Filmstarts war am Set in Berlin und berichtet euch...

Von Carsten Baumgardt und Tobias Mayer

Der Schnee hat sich mittlerweile verzogen, doch angenehmer wird das Wetter Anfang März bei einsetzendem Regen auch nicht. Ein trister Tag in Berlin-Buch im Ost-Stadtteil Pankow. Noch finsterer wird es mit dem ersten Schritt auf das Gelände der alten Helios-Kliniken, die mittlerweile leer stehen. Ein Klingeln am Pförtnerhäuschen. Keine Reaktion. Alles verlassen, kein letzter Außenposten. An dieser Ansammlung von rund 20 Gebäuden und einem Wasserturm nagt der Verfall. Früher beherbergten sie neben zwei Lungensanatorien, Alters- und Pflegeheimen auch zwei Irrenanstalten. Eine perfektere Kulisse für einen Horrorfilm ist kaum vorstellbar. Allerdings dreht Genre-Regisseur Rainer Matsutani („Gangs“, „666“, „Das Inferno – Flammen über Berlin“) für seinen Geister-Thriller „Zimmer 205“ vorwiegend innerhalb der verwaisten Gebäude. Der Horrorfilm ist eines von zwei gleichzeitig angegangenen Remakes des dänischen Thriller „Kollegiet“, das andere nennt sich „The Dorm“ und wird aktuell in den USA produziert.

Überraschung: Drinnen ist von der Berliner Endzeitstimmung plötzlich nichts mehr zu spüren. Ein Filmteam wuselt emsig umher. 50 studentische Komparsen sind am Set, das eine Universität doubelt. Während der Aufnahmeleiter laut Kommandos ruft und die Menge dirigiert, tritt Regisseur Matsutani leise auf und erläutert seinen Darstellern, was er von ihnen erwartet. Da stehen Marleen Lohse, Inez Björg David und Florian Jahr zwischen Stellwänden und warten gut gelaunt und scherzend auf ihren Auftritt. Die Hauptfigur Katrin (Jennifer UIrich) soll das Trio belauschen. Die drei tuscheln aufgeregt über ihre neue Kommilitonin. Sanne (Marleen Lohse) hat Angst: „Mein Freund ist vielleicht umgebracht worden. Habt ihr nicht gesehen, wie sie in der Vorlesung ausgetickt ist? Die Neue muss weg!“ Auf der anderen Seite der Trennwand schleicht sich Jennifer Ulrich heran, lauscht, die Kamera direkt vor ihrer Nase. Großaufnahme. Als sie einen Tesaroller fallen lässt, stürmt Niko (Florian Jahr) um die Ecke, die Ertappte kann sich gerade noch unbemerkt davon schleichen. Zwei Proben, Komparsen-O-Töne, vier Aufnahmen, dann ist Szene 43 im Kasten.



Florian Jahr und Inez Björg David.

51 Tage dreht Matsutani, vorwiegend in Berlin und Erfurt. Lupenreines Genrekino peilt der gebürtige Hockenheimer an. Das ist schließlich Mangelware hierzulande. „Anatomie“ hatte zwar Erfolg, aber der war ein Slasher und kein Geisterfilm. Vielleicht Sebastian Niemanns „Seven Days To Live“ (2000)… aber das Projekt ist eine Dekade alt und war auch nicht sonderlich erfolgreich. Deshalb ist der Ansatz, einen deutschen Geisterfilm ins Kino zu bringen, so grundsympathisch. Die Besetzung kann sich sehen lassen und die Vorlage hat immerhin „Spider-Man“-Regisseur Sam Raimi dazu veranlasst, ein US-Remake zu produzieren. Auf das Ergebnis müssen Genrefans jedoch noch ein paar Monate warten. Der deutsche Kinostart von „Zimmer 205“ ist für Ende 2010/Anfang 2011 anvisiert. Gedreht wird noch bis Mitte März.

Inzwischen betritt Tino Mewes („Die Nacht der lebenden Loser“) die Szene. Nach zwei Proben diskutiert er mit Regisseur Matsutani und Jennifer Ulrich. Zwei Stunden sind ins Land gezogen. Drehen ist akribische Arbeit. Zeit zu gehen. Es hagelt mittlerweile draußen. Ungemütlich ist’s. Aber Spaß hat’s gemacht…


Regisseur Rainer Matsutani (links) bespricht sich mit Tino Mewes und Jennifer Ulrich.


Set-Interview mit Regisseur Rainer Matsutani:


Filmstarts: Was erwartet die Zuschauer bei „Zimmer 205“? Worum geht es?

Rainer Matsutani: „Zimmer 205“ ist ein klassischer Geisterfilm. Es geht um eine junge Studentin, die in ein Wohnheim zieht, das titelgebende Zimmer 205, und feststellt, dass ihre Vorgängerin spurlos verschwunden ist. Offenbar wurde sie vergewaltigt und ermordet – unter Beteiligung einer studentischen Clique. Die Heldin der Geschichte nimmt Verbindung zu der Seele der Toten auf und dieser Geist taucht dann wieder auf und bringt einen ihrer Peiniger nach dem anderen um. Doch bald kommen Zweifel auf, ob es diesen Geist wirklich gibt. Vielleicht ist die Heldin auch nur schizophren wie schon ihre Mutter…

Filmstarts: „Zimmer 205“ basiert auf dem dänischen Film „Kollegiet“ aus dem Jahr 2007. Im wie weit schauen Sie auf die Vorlage?

Rainer Matsutani: Wir haben einige Grundelemente übernommen, aber die Story sehr stark verändert. Die Psychologie und der Hintergrund der Hauptfigur, ihre Schizophrenie, werden ausgebaut, dazu die Horrorszenen umgestaltet. Ich weiß nicht, wie die Amerikaner in ihrer Version arbeiten. Sam Raimi produziert ja das US-Remake „The Dorm“. Aber es wird später interessant, im Vergleich zu sehen, wer welche Akzente gesetzt hat.

Filmstarts: Wie sind Sie auf den Stoff gekommen?

Rainer Matsutani: Ein Produzent von ProSieben kam auf mich zu. Von vornherein war die Absicht da, ein Remake zu machen.


Jennifer Ulrich wird auf ihren nächsten Einsatz vorbereitet.

Filmstarts: Wie ist es um den Goregehalt bestellt? Wird der Film richtig hart, ist eine FSK-Freigabe ab 12 oder 16 Jahren angepeilt?

Rainer Matsutani: „Zimmer 205“ wird auf keinen Fall ab 12, wir versuchen eine Freigabe ab 16 zu bekommen, sind aber teilweise in Gefahr, ab 18 zu sein. Der Goreanteil ist definitiv da. Es gibt einige sehr heftige Szenen. Ich weiß gar nicht, wann es zuletzt einen wirklichen deutschen Horrorfilm gab. Eigentlich keinen. Vielleicht verschiedene Psycho-Thriller, Genrefilme wie „Anatomie“ zum Beispiel, aber keine Gruselfilme im klassischen Sinne mit übernatürlichen Elementen.

Filmstarts: Haben Sie sich für „Zimmer 205“ an Genrevorbildern orientiert?

Rainer Matsutani: Durch meinen japanischen Hintergrund - mein Vater ist Japaner, meine Mutter Deutsche - bin ich auch durch den J-Horror beeinflusst. Ich darf das also zitieren, ich bin dazu legitimiert. „Zimmer 205“ weist schon einige japanische Gruselelemente auf. Heißt: Wir setzen sehr viel auf Atmosphäre und Spannung. Es wird niemand Axt schwingend hinter den Mädchen herlaufen und ihnen langsam die Gliedmaßen zerhacken. Wir arbeiten subtiler, mit Musik, Geräuschen und einer wunderschönen Photographie.

Filmstarts: „Zimmer 205“ erhält Unterstützung der deutschen Filmförderung. War es schwierig, die Bewilligung zu erhalten?


Am Set von „Zimmer 205“.

Rainer Matsutani: Ja, das war richtig hart. Wir haben auch nicht alles bekommen. Bei eher konservativen Filmförderungen sind wir durchgefallen, aber das Medienboard Berlin-Brandenburg, das ist schließlich innovativ, hat uns gefördert – und auch das Medienboard der Mitteldeutschen Medienförderung.

Filmstarts: Wie sind Sie zu Ihren Darstellern gekommen? Wie lief die Auswahl ab?

Rainer Matsutani: Wir haben ein sehr, sehr langes Casting abgehalten, das ausführlichste, das ich je gemacht habe.

Filmstarts: Mit Jennifer Ulrich, zum Beispiel aus „Die Welle“, haben Sie einen prominenten Namen an der Spitze…

Rainer Matsutani: Ja, richtig, aber auch sie musste durch das Casting und hat sich dort durchgesetzt. Der Produzent und ich waren da sehr anspruchsvoll. Wir haben viele Jungdarsteller gecastet, nicht alle hatten Lust, überhaupt in einem Horrorfilm mitzuspielen. Einige sind gar nicht zum Vorsprechen erschienen. Es herrscht eine gewisse kulturbürgerliche Arroganz gegenüber richtigen Genrefilmen vor. Und da gibt es einige Schauspieler, die sagen, dass Horror nichts für sie sei.

Filmstarts: Sie haben in Großbritannien vor vier Jahren die Produktionsfirma Red Sun Films gegründet. Erzählen Sie uns davon…

Rainer Matsutani: Ich wollte einfach anfangen, Genrefilme zu produzieren, weil man die in Deutschland kaum realisiert bekommt. Deshalb muss man ins Ausland ausweichen. Also sammle ich Stoffe für neue Projekte.

Filmstarts: ...wie zum Beispiel „Replay“.

Rainer Matsutani: Ja, das machen wir in Co-Produktion mit einer deutschen Firma, der NFP, und einer kanadischen, Minds Eye. Den Weltvertrieb übernimmt Nicolas Chartier, der jetzt gerade mit „The Hurt Locker“ als Produzent für einen Oscar nominiert ist. Wir sind da gut aufgestellt, aber es hängt natürlich noch von deutschen und kanadischen Förderungen ab. Das ist ein langer Weg.


Jennifer Ulrich und Inez Björg Daivd.

Filmstarts: In welchem Status befindet sich „Replay“ jetzt?

Rainer Matsutani: Wir sind noch in der Finanzierungsphase, wollen aber im nächsten Winter drehen.

Filmstarts: Schauspieler sind aber noch nicht gecastet, oder?

Rainer Matsutani: Ich war jetzt zwischendurch in Los Angeles bei Agenturen, um über bestimmte Schauspieler zu verhandeln.

Filmstarts: Worum dreht sich die Geschichte von „Replay“?

Rainer Matsutani: Es geht um ein Mädchen in einer amerikanischen Kleinstadt, die von brutalen Gangstern gejagt wird und herausfindet, dass sie das Opfer eines sadistischen Spiels ist, das aus der Zukunft gesteuert wird.

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