Nach ihrer Zusammenarbeit an „Der Schuh des Manitu“, „TRaumschiff Surprise - Periode 1“ und „Lissi und der wilde Kaiser“ sind Michael „Bully“ Herbig (als hilfsbereiter Cowboy Woody), Rick Kavanian (als Dino Rex) und Michael Tramitz (als Anziehpuppe Ken) in „Toy Story 3“ erstmals seit drei Jahren wieder vereint. Filmstarts traf das Trio aus der „Bullyparade“ in Berlin, um mit ihm über ganz spezielle Modegeschmäcker und zukünftige Bully-Projekte zu sprechen.
Filmstarts: Bully, wie schwer fällt es einem Regisseur wie dir, bei einem Film wie „Toy Story 3“ lediglich die Befehle eines anderen auszuführen?
Michael Bully Herbig: Überhaupt nicht schwer, das mache ich Zuhause jeden Tag. Ich höre immer auf die Anweisungen meiner Frau. Das ist überhaupt kein Problem, ganz im Gegenteil: Wenn man selber Filme macht, weiß man, wie schön es ist, wenn ein Schauspieler das spielt, was man sich vorgestellt hat.
Filmstarts: Ist es eine besondere Herausforderung für dich, in die Fußstapfen von Peer Augustinski zu treten, der Woody ja in den ersten beiden Filmen seine Stimme geliehen hat?
Michael Bully Herbig: Ehrlich gesagt bestand für mich die Aufgabe vielmehr darin, dem Original gerecht zu werden. Da hat ein Regisseur vier Jahre lang hart für diesen Film gearbeitet. Alles entstand nach seinen Vorstellungen - Timing, Betonung, Dramaturgie. Dieser Vorlage muss man sich unterordnen. Insofern ist die Synchronisation eines Animationsfilms verhältnismäßig einfach, weil man sehr genau vorgelegt bekommt, was man zu tun hat.

Die Sprecher Rick Kavanian, Christian Tramitz und Michael "Bully" Herbig im trauten Kreis der "Toy Story 3"-Charaktere.
Filmstarts: Wie läuft denn so ein Synchroncasting ab - müsst ihr euch da noch richtig reinhängen oder werdet ihr das inzwischen einfach durchgewunken?
Rick Kavanian: Ich würde gerne grundsätzlich etwas zum Thema „Casting“ sagen. Auch wenn ich jetzt kein Produzent oder Regisseur bin, halte ich Castings doch für ungemein wichtig. Selbst wenn die Leute vorher noch so viel gemacht haben, muss man doch jedes Mal schauen, ob der Ton wirklich zum Bild passt. Klar kann der jetzt dieses oder jenes, aber kann er auch genau das, was ich mir als Regisseur in meinem Kopf vorstelle? Das ist eine bedeutende Frage und daher finde ich es völlig normal, zum Casting zu gehen, egal wie vermeintlich bekannt oder erfolgreich man nun ist.
Michael Bully Herbig: ... und durchgewunken wird man schon mal gar nicht. Man kann ja auch nicht davon ausgehen, dass die Amerikaner einen kennen. Es werden hier in Deutschland Sprachaufnahmen gemacht und die Verantwortlichen bei Pixar schauen sich dann an, ob die Stimme zur Figur passt. Erst dann sagen sie entweder „Ja“ oder „Nein“.
Filmstarts: Wann habt ihr euch denn von eurem Spielzeug getrennt - gab es da einen speziellen Moment oder war das eher ein schleichender Prozess?
Christian Tramitz: Bei mir ist alles immer relativ schnell kaputtgegangen, da hat sich das Problem dann von selbst gelöst. Ich bin also nie sonderlich sorgsam mit meinen Spielsachen umgegangen. Man macht dann ja auch immer so Experimente, wie lange man mit diesem Stofftier jetzt auch unter Wasser spielen kann zum Bespiel.
Filmstarts: Gibt es außer der Stimme noch etwas, das euch mit euren Charakteren verbindet?
Christian Tramitz: Ken und ich haben denselben Geschmack für Mode. Ich trage meine kurzen, engen Shorts zwar heute gerade nicht, aber sonst...
Rick Kavanian: Dino Rex, ein Überbleibsel vergangener Zeit mit viel zu kurzen Armen - wir haben nichts gemeinsam! Ich mag ihn aber, weil er so hysterisch ist. Wenn er euphorisch ist, dann wirklich euphorisch. Und wenn er traurig ist, dann tieftraurig.

Das Sprecher-Trio vor einer aus Legosteinen erbauten "Toy Story"-Wand in Berlin.
Filmstarts: Hättet ihr denn Lust, auch selbst noch einmal einen Animationsfilm auf die Beine zu stellen?
Michael Bully Herbig: Im Moment hält sich die Lust in Grenzen! Ich wollte das immer mal machen und habe es mit „Lissi und der wilde Kaiser“ dann ja auch getan. Bei einem Realfilm braucht man natürlich auch seine Zeit, aber da hat man verschiedene Phasen - man schreibt das Buch, man dreht, man kümmert sich um die Postproduktion. Beim Animationsfilm verbringst du zwei bis drei Jahre vor dem Computer. Man braucht sehr viel Geduld, weil der Prozess einfach so unglaublich zäh ist. Und es kostet natürlich auch ein Menge Geld. Das Budget für einen Pixar-Film liegt nicht unter 100 Millionen Dollar. Zum Vergleich hatten wir bei „Lissi“ ein bisschen mehr als zehn Millionen Euro. Natürlich versucht man, das Beste rauszuholen, aber man macht halt doch andauernd Kompromisse und mogelt sich mit geschickten Schnitten irgendwie durch.
Rick Kavanian: Mit dem Budget von „Lissi“ hätte Pixar gerade einmal zehn Minuten von „Toy Story 3“ hinbekommen.
Michael Bully Herbig: Solche Summen gehen da allein in die Entwicklung Für ein Projekt mit einem deutschen Budget ist es unheimlich schwer, da mitzuhalten.
Filmstarts: Weißt du schon, wann du das nächste Mal hinter der Kamera stehen wirst?
Michael Bully Herbig: Nein, noch gar nicht. Ich bin jetzt erst mal froh, dass „Wickie und die starken Männer“ so toll gelaufen ist. Den zweiten Teil habe ich komplett abgegeben, damit hab‘ ich also nichts mehr zu tun. Wenn Rick, Christian und ich uns treffen, sagen wir immer, wir müssten eigentlich mal wieder etwas gemeinsam machen. Meistens gehen wir dann zusammen grillen.

"Toy Story 3" startet am 29. Juli 2010 in den deutschen Kinos.