Mit dem Mittelalter-Horror „Black Death“ hat der Brite Christopher Smith erstmals einen Film in Deutschland (vorwiegend in Brandenburg und Sachen-Anhalt) gedreht. Filmstarts-Redakteur Christoph Petersen traf den Genre-Spezialisten („Creep“, „Severance“, „Triangle“) auf dem Fantasy Filmfest in Hamburg, um mit ihm über das Nach-Mauerfall-Deutschland und die Parallelen zwischen Terroristen und Hexen zu diskutieren.
Filmstarts: Wie schwer war es, all die mittelalterlichen Kulissen ausfindig zu machen?
Christopher Smith: Gerade habe ich dem Publikum beim Vorstellen des Films berichtet, wie leicht es uns gefallen ist, in Sachsen-Anhalt die passenden Orte zu finden, weil sich dort seit dem Mittelalter offenbar nicht allzu viel getan hat. Das sorgte für viel Gelächter im Saal, dabei habe ich das wirklich nicht ironisch gemeint. Für mich ist es etwas sehr Positives, dass die Geschichte dort eben nicht wie anderswo einfach zerstört wurde.
Filmstarts: Gibt es etwas, das dich bei den Dreharbeiten in Deutschland überrascht hat?
Christopher Smith: Ich habe vorher immer geglaubt, dass die ganze Ost-West-Geschichte längst vorüber sei. Ich bin 40 und habe damals miterlebt, wie die Mauer gefallen ist und welche Bedeutung das für Europa hatte. In England nimmt man an, dass seitdem im Osten und Westen plötzlich alles gleich sei. Aber das stimmt nicht, es gibt immer noch große Unterschiede. Das hat aber auch zur Folge, dass es in Ostdeutschland noch all diese authentischen alten Orte gibt, die für die Filmindustrie großartige Möglichkeiten eröffnen.
Filmstarts: Hat dir an der deutschen Art des Filmemachens etwas besonders gefallen?
Christopher Smith: Ich schätze an deutschen Teams sehr, dass hierzulande jeder ein Filmemacher ist. Der Caterer ist ein Filmemacher, kein Koch. Die Elektriker sind Filmemacher, keine Handwerker. In England ist das anders. Da dürfte ein Beleuchter das Skript gar nicht anschauen. In Deutschland liest hingegen fast jeder das Skript und kann so in seinem Bereich dann auch eigene Ideen mit einbringen.

Regisseur Christopher Smith mit Hauptdarsteller Sean Bean am Set von "Black Death".
Filmstarts: Wie schwer war es für eine englischsprachige Produktion mit überwiegend englischsprachigen Schauspielern und einem britischen Regisseur, deutsche Fördergelder zu bekommen?
Christopher Smith: Dafür hatten wir ja eine fast nur aus Deutschen bestehende Crew. Ich habe nur meinen Produktionsdesigner mitgebracht, das war’s. Es gehörte zum Deal, so viele ostdeutsche Mitarbeiter wie möglich zu beschäftigen. Es ist schließlich der Zweck der Förderung, Jobs in Deutschland zu schaffen und nicht einfach eine ausländische Crew zu bezahlen.
Filmstarts: Mich hat der Film stark an das Genre des Film Noir erinnert. Am Ende hat jeder, egal wie sehr er sich auch bemüht, seine Unschuld verloren…
Christopher Smith: Es freut mich, dass du das sagst. In der Universität war der Film Noir für zwei Jahre meine Obsession, da habe ich einen nach dem anderen geschaut. Für mich ähnelt „Black Death“ insofern einem Film Noir, als er einen genuinen Pessimismus innehat. Von Anfang an ist sich der Zuschauer darüber bewusst, dass der Film kein glückliches Ende nehmen kann.
Filmstarts: Es lassen sich eine ganze Reihe von Parallelen zum heutigen Weltgeschehen ziehen. Hast du „Black Death“ bewusst auch als Kommentar zur aktuellen Situation konzipiert?
Christopher Smith: Ja, auf jeden Fall. Für mich ist der Film wie ein Spiegel in die Vergangenheit. Wenn heutzutage jemand zum Terroristen wird, sind wir schnell dabei, ihn als bösen Menschen abzutun. Das ist eine Dämonisierung, wie sie damals auch bei den Hexenverbrennungen stattgefunden hat. „Black Death“ spielt zwar vor 400 Jahren, aber eigentlich hat sich seit damals gar nicht soviel verändert.

Christopher Smith zeigt seinen Darstellern Eddie Redmayne und Kimberley Nixon die letzten Aufnahmen.
Filmstarts: Du hast jetzt vier Filme gedreht, die zwar alle im Genrebereich angesiedelt sind, sich aber dennoch extrem voneinander unterscheiden. Ist das Zufall oder geplant?
Christopher Smith: Natürlich tauchen Projekte auch einfach Mal so auf, aber ich habe schon immer darauf geachtet, nicht zwei Mal denselben Film zu drehen. Ich hätte aus „Black Death“ sicherlich auch einen typischen Hollywood-Horrorfilm machen können, aber diesmal wollte ich eben eher in die Richtung von Werner Herzogs „Aguirre, der Zorn Gottes“. Ich wollte zeigen, wie es damals wirklich war, denn das Mittelalter ist für sich schon erschreckend genug.
Filmstarts: Gibt es denn Bestrebungen, auch mal einen Nicht-Genrefilm zu inszenieren?
Christopher Smith: Ich hatte ja nie vor, nur Genrefilme zu machen, das ist einfach so gekommen. Aktuell schreibe ich an einem Road Movie, das an den klassischen Film Noir „Detour“ von Edgar G. Ulmer erinnert. Außerdem arbeite ich an einem Weihnachtsfilm für alleinerziehende Eltern und zerbrochene Familien, der zwar ein wenig düstern, aber wirklich kein bisschen zynisch sein wird.

"Black Death" startet am 9. September 2010 in den deutschen Kinos.