Filmstarts trifft... Christian Ulmen und Lars Jessen ("Hochzeitspolka")
von Robin Eichelsheimer ▪ Mittwoch, 29. September 2010 - 00:00

In der Culture-Clash-Komödie "Hochzeitspolka" gerät eine Trauung in der polnischen Provinz auf amüsante Art aus dem Ruder. Filmstarts-Redakteur Robin Eichelsheimer traf Hauptdarsteller Christian Ulmen und Regisseur Lars Jessen ("Dorfpunks") zum Gespräch in Berlin.

Zurück Nächste
1 / 2

Filmstarts: Frieder lernt seine Ehegelöbnis per Hörspiel auswendig – wie hast du dir deine polnischen Sätze eingeprägt?

 

Christian Ulmen: Polnisch zu lernen ist so ziemlich das Schwierigste, was man sich vorstellen kann. Eine wirklich sehr schwere Sprache… die Phonetik ist ungewohnt, die Grammatik kompliziert. Ich habe lange überlegt, wie ich am besten damit umgehe. Irgendwann bin ich dann zu dem Entschluss gekommen, dass die Sprache einfach gar nicht lerne. Stattdessen habe ich mir meine ganzen Sätze in Fantasielautschrift aufgeschrieben und sie dann stumpf wie die Formeln aus dem Chemieunterricht auswendig gelernt. Meistens habe ich auch gar nicht gewusst, was ich da sage, also sinngemäß natürlich schon, aber ich wusste nicht, was jedes einzelne Wort bedeutet.

 

Frieder (Christian Ulmen) kämpft an seinem Hochzeitstag mit unerwarteten Problemen.

 

Filmstarts: Der Film verarbeitet viele Klischees – wurde dir in Polen etwas geklaut?

 

Christian Ulmen: Nein, aber ich habe meine Wertsachen auch alle extra zuhause gelassen. In Italien, beim Dreh von „Maria, ihm schmeckt's nicht“, wurde auf jeden Fall mehr geklaut. Da wurde sogar einmal einer unser Mietwagen gestohlen.

 

Filmstarts: Es gibt eine ganze Reihe von Parallelen zwischen den Hauptfiguren in „Maria ihm schmeckt‘s“ nicht und nun in „Hochzeitspolka“ – warum hast du die Rolle trotzdem angenommen?

 

Christian Ulmen: Ich sehe da gar nicht so viele Parallelen. Bei „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ erlebt meine Figur den Culture-Clash am eigenen Leib, in „Hochzeitspolka“ hat sich meine Figur hingegen bereits vollkommen akklimatisiert. Frieder gefällt es da in der polnischen Provinz mit seiner Karriere, seiner Verlobten und seinem Haus. In meinen Augen geht es viel mehr darum, erwachsen zu werden. Seine ehemaligen Band-Kollegen aus der Anarcho-Punk-Zeit, die plötzlich auf der Matte stehen, verstehen nicht, was mit ihm los ist. Eigentlich ist „Hochzeitspolka“ also eher eine Coming-of-Age- als eine Culture-Clash-Komödie.

 

Filmstarts: Konntest du im Rahmen der Dreharbeiten auch ein bisschen was vom Land sehen?

 

Christian Ulmen: Es war schon viel Arbeit … man steht früh morgens auf, geht in die Maske, dreht bis spät abends und fährt dann wieder ins Hotel. Ich habe mir also nichts extra angucken können, außerdem haben wir so weit auswärts am Arsch der Welt gedreht, da gibt es nicht viel zu gucken, außer Bäumen und vereinzelten Villen. Polen bauen ja gerne Villen, verputzen die dann aber oft nur zur Hälfte. Ich weiß nicht, woran das liegt… vielleicht ist ihnen das Geld ausgegangen? Oder sie hatten keine Lust mehr? Wer weiß das schon! Hauptsache es stehen ein paar Säulen vor der Tür. Und egal wie öde so ein Ort ist, eine vergoldete, prunkvolle Kirche steht fast überall. Das Dorf kann so runtergekommen sein wie noch was, aber die Kirche steht wie ‘ne eins.

 

Filmstarts: Frieder lässt seine Rock’n’Roll-Vergangenheit für ein spießbürgerliches Leben samt Ehefrau hinter sich. Würdest du für eine Frau deine Schauspielkarriere hinter dir lassen, wenn sie denkt, das sei zu sehr Rock’n’Roll?

 

Christian Ulmen: Eine Frau, die glaubt, mein Job sei zu sehr Rock’n’Roll, müsste ich nur einmal mit ans Set nehmen, damit sie sieht, dass das dort alles andere als Rock’n’Roll ist. Ein Job bei der Versicherung ist manchmal noch viel mehr Rock’n’Roll als das, was ich mache. Man hängt bei so einem Dreh viel rum, wartet, meditiert. Ich glaube, solch eine Frau könnte ich sehr schnell vom Gegenteil überzeugen.

 

Frieder und seine Braut zelebrieren einen alten polnischen Hochzeitsbrauch.

 

Filmstarts: Könntest du dir vorstellen, von der Großstadt aufs Land zu ziehen?

 

Christian Ulmen: Ich hab lange in Potsdam gelebt, das ist aber auch das Maximum an Provinz, das ich über längere Zeit ertragen könnte.

 

Filmstarts: Frieder hat früher mit der Cover-Band „Heide Hurricane“ jeden Saal gerockt - welche Band würdest du denn gerne mal covern?

 

Christian Ulmen: Hmm, eigentlich finde ich Cover-Bands immer ziemlich langweilig, ich konnte die zumindest nie so richtig ernst nehmen. Auch nicht die, die einen witzigen Anstrich à la „Wir spielen mal Nirvana auf Beatles“ hatten. Ich fand das immer zu bemüht, deswegen würd ich wohl niemals in einer Cover-Band spielen.

 

Filmstarts: Hat man dir schon mal gesagt, dass du typisch deutsch bist? Und wenn ja: in welcher Situation?

 

Christian Ulmen: Nee, zu mir hat man immer gesagt, ich sei typisch polnisch, weil ich ganz gerne mal einen trinke und auch sonst ein recht lustiger Vogel bin.

 

Filmstarts: Dürfen ehemalige Schulfreunde an deiner Tür klingeln?

 

Christian Ulmen: Ich hab eine Klingel, an der theoretisch jeder klingeln könnte. Dazu müssten meine ehemaligen Schulfreunde allerdings erst einmal wissen, wo ich überhaupt wohne…

 

"Hochzeitspolka" startet am 30. September in den deutschen Kinos.

Zurück Nächste

Das könnte Dich interessieren

Kommentare einblenden

Kommentare

Kino-Nachrichten
Vom Horror-Mastermind hinter "Candyman" und "Hellraiser": Der Trailer zu "Books Of Blood" ist richtig fies und eklig
Vom Horror-Mastermind hinter "Candyman" und "Hellraiser": Der Trailer zu "Books Of Blood" ist richtig fies und eklig
Tweet  
 
Kult-Comeback neu bei Amazon Prime Video: Sylvester Stallone in seiner Paraderolle
Kult-Comeback neu bei Amazon Prime Video: Sylvester Stallone in seiner Paraderolle
Tweet  
 
"Furchterregende Kreaturen" in "Monster Hunter": Neue Details zur Handlung der Videospielverfilmung
"Furchterregende Kreaturen" in "Monster Hunter": Neue Details zur Handlung der Videospielverfilmung
Tweet  
 
Ist "Pelikanblut" der neue "Systemsprenger"?
Ist "Pelikanblut" der neue "Systemsprenger"?
Tweet  
 
Kontrovers diskutierter Oscar-Abräumer: Der beste Film 2018 läuft nur noch morgen bei Netflix
Kontrovers diskutierter Oscar-Abräumer: Der beste Film 2018 läuft nur noch morgen bei Netflix
Tweet  
 
Neue Bilder zu "Avatar 2" zeigen Bösewichte und Feuergefecht
Neue Bilder zu "Avatar 2" zeigen Bösewichte und Feuergefecht
Tweet  
 
Alle Kino-Nachrichten
Die meisterwarteten Filme
  1. On The Rocks

    Von Sofia Coppola

    Trailer
  2. Black Panther 2
  3. Jim Knopf und die Wilde 13
  4. Dune
  5. Gott, du kannst ein Arsch sein!
  6. Die Croods - Alles auf Anfang
  7. Wonder Woman 1984
  8. Black Widow
  9. James Bond 007 - Keine Zeit zu sterben
  10. Avatar 2
Weitere kommende Top-Filme