Filmstarts trifft... "Piranha 3D"-Regisseur Alexandre Aja
von Christoph Petersen; Mitarbeit: Jan-Thilo Caesar ▪ Dienstag, 12. Oktober 2010 - 00:00

Ein Interview über Blut, Brüste und Bier mit dem Regisseur solcher Horror-Kultwerke wie "High Tension" oder "The Hills Have Eyes".

Filmstarts: Ich habe heute Nachmittag noch ein Interview mit Eli Roth und würde deshalb gerne wissen, wie es zu seinem Cameo in „Piranha 3D“ kam?

 

Alexandre Aja: Wir sind seit etwa zwei Jahren eng befreundet und als ich mit „Piranha 3D“ begonnen habe, hat er mir sehr geholfen. Nicht beim Drehbuchschreiben selbst, aber er hat mich ermutigt, statt eines gewöhnlichen Horrorfilms einen Popcorn-Fun-Splatter zu wagen. Deshalb war Eli sehr wichtig für die Entwicklung des Films und ich war froh, dass er für den Cameo zugesagt hat. Es war eine gute Entschuldigung, Zeit miteinander zu verbringen.

 

Filmstarts: War seine Rolle als Wet-T-Shirt-Instructor von vornherein im Skript vorgesehen oder wurde sie extra für ihn geschrieben?

 

Alexandre Aja: Es gab den Part von Anfang an, aber als Eli zugesagt hat, haben wir uns zusammengesetzt und die Rolle mit der verrückten Ansprache über die verschiedenen Beschreibungen für Brüste ausgebaut.

 

Alexandre Aja mit Gips-Piranha am Set von "Piranha 3D".

 

Filmstarts: In der Eröffnungssequenz wird Richard Dreyfuss, seines Zeichens Star aus „Der weiße Hai“, auf ziemlich brutale Art zerfleischt. Ist das als Hommage oder als Kampfansage zu verstehen?

 

Alexandre Aja: Es ist schon eine Hommage, quasi meine Art, das Jubiläum von „Der weiße Hai“ zu feiern. Richard spielt ja denselben Charakter, genau denselben! Ich hoffe, dass sich andere Regisseure davon inspirieren lassen und auch in ihren Filmen Protagonisten aus anderen Werken auftreten lassen. Das ist eine ganz neue Art von Cameo.

 

Filmstarts: Welche Idee kam zuerst: Einen 3D-Horrorfilm zu machen oder ein Remake von „Piranhas“ zu drehen?

 

Alexandre Aja: Zunächst wollte ich ein „Piranhas“-Remake drehen. Aber als ich dann mit dem Ausarbeiten angefangen habe, hörte ich von James CameronsAvatar - Aufbruch nach Pandora“ und fand die neue 3D-Technik sehr aufregend. Es war für mich offensichtlich, dass „Piranha“ der perfekte Horrorfilm für eine 3D-Umsetzung ist, weil er sich selbst nicht ernst nimmt und nicht auf eine tiefgründige Story oder ausgefeilte Charaktere baut. Es geht nur um gute Unterhaltung.

 

Filmstarts: Was macht mehr Spaß: An einem Fun-Splatter wie diesem zu arbeiten oder ernste Horrorfilme wie „High Tension“ oder „The Hills Have Eyes“ zu drehen?

 

Alexandre Aja: Die Arbeit an Filmen wie „Piranha 3D“ macht auf jeden Fall mehr Spaß, keine Frage. Dieser Film war wohl der schwierigste, an dem ich bisher gearbeitet habe, wir mussten auf dem Wasser filmen und das in Arizona bei etwa 45 bis 50 Grad Celsius. Mit Tausenden Statisten und Gallonen von Blut… es war die Hölle. Aber weil wir einen Fun-Splatter gemacht haben und viele Freiheiten hatten, konnten wir diesen wirklich anstrengenden Dreh gut überstehen.

 

Filmstarts: Eine alte Hollywood-Regel besagt, dass man niemals mit Kindern oder Tieren arbeiten sollte. Bei „Piranha 3D“ gibt es beides, Kinder und Tiere. Bereust du dieses Wagnis im Nachhinein?

 

Alexandre Aja: Beim Filmen dachte ich mir schon: „Wie dumm von mir, das alles ins Skript zu packen.“ Aber wenn dann alle Herausforderungen gemeistert sind und man das Ergebnis sieht, dann ist man zufrieden. Es ist wie bei einer Geburt, zuerst ist es schrecklich, aber dann vergisst man die Schmerzen und freut sich aufs nächste Kind.

 

Filmstarts: Du hast mal gesagt, dass Europäer ein Problem mit Gewalt in Filmen haben, während Amerikaner allergisch auf Freizügigkeit reagieren. In deinem Film ist jede Menge nackte Haut zu sehen, hast du deshalb Probleme mit der Zensur bekommen?

 

Alexandre Aja: Ich habe mit großen Problemen gerechnet. Für mich ist das nicht immer ganz leicht zu verstehen, weil wir Europäer und speziell wir Franzosen eben eine ganz andere Beziehung zur Freizügigkeit haben. Wir sind da viel offener. Bei der Darstellung von Gewalt ist es genau andersherum. Das wird besonders beim Vergleich der neuen Filme von Eli Roth und mir deutlich:  „Der letzte Exorzismus“  ist in den USA ab 13 und in Frankreich ab 16. Mein Film ist in Frankreich ab 13 und in den USA ab 17. Das zeigt die unterschiedlichen Haltungen gegenüber Zensur. Trotzdem war ich überrascht, dass ich nichts rausschneiden musste und die Behörden alles haben durchgehen lassen. Das lag sicher auch daran, dass der Film eher lustig ist.

 

Fischfutter der besonders knackigen Sorte.

 

Filmstarts: Normalerweise werden Filme dieses Genres von den Kritikern zerrissen, „Piranha 3D“ wurde aber größtenteils positiv aufgenommen. Warst du überrascht, dass so viele Kritiker deinen Film mögen?

 

Alexandre Aja: Wir wollten vor allem einen unterhaltsamen Film für Jugendliche machen. Aber selbst in Frankreich, wo die spießigsten aller Kritiker sitzen, kam der Film gut an. Ich denke, das liegt zum einem an dem Spaß, der Sonne und der Hommage an die 80er. Zum anderen aber auch an der Metaphorik bezüglich der amerikanischen Gesellschaft und dem Springbreak. Die Kritiker haben den Ton des Films verstanden.

 

Filmstarts: Das Sequel zu "Piranha 3D" bekam von den Studios in Rekordzeit grünes Licht. War das auch ein wenig Trotz, weil viele Journalisten nach dem Startwochenende bereits von einem Flop sprachen?

 

Alexandre Aja: In den USA lief der Film zunächst nicht so gut, aber in England, Russland, Frankreich oder Korea kletterte er gleich auf Platz 1 der Kinocharts. Der Film kam beim Publikum überall gut an. Der Unterschied zwischen diesen Ländern und den USA ist, dass der Film dort als das aufgenommen wurde, was er ist: eine überdrehte Horror-Comedy. In den Staaten wurde der Film vom Verleiher hingegen als eher ernster, gruseliger Horrorfilm vermarktet und das ist so ziemlich das Dämlichste, was man mit dem Film machen konnte. Sie haben versucht, das Publikum zu belügen und einen anderen Film zu verkaufen als ich gemacht habe.

 

Filmstarts: Gerüchten zufolge soll der zweite Teil an einem thailändischen Strand spielen. Ist da was dran?

 

Alexandre Aja: Ja, das ist eine der Ideen, die ich dem Studio vorgeschlagen habe. Während des Springbreaks habe ich nach ähnlichen Phänomenen gesucht und die Vollmondparty in Thailand fand ich sehr interessant. Das wäre ein großartiger Hintergrund für einen neuen „Piranha 3D“-Film. Da treffen sich fast eine Million junger Leute von überall aus der Welt, um zusammen zu feiern und Pilze zu essen.

 

Filmstarts: Pilze? Heißt das, dass im nächsten Film auch Drogen ein Thema sein werden?

 

Alexandre Aja: Ja. Das Problem ist nur, dass Thailand ein relativ teurer Drehort ist und ich nicht weiß, ob wir uns das leisten können.

 

Filmstarts: Werden die Überlebenden aus dem ersten Teil wieder vorkommen oder will du einen komplett neuen Cast anheuern?

 

Alexandre Aja: Wir werden bei Null anfangen. Vielleicht wird es ein paar Cameos geben, aber es wird keine typische Fortsetzung. Für mich geht es bei dem Film vor allem um die Piranhas und weniger um die Charaktere.

 

Filmstarts: Wird also der große Piranha aus dem Finale des ersten Teils zurückkehren?

 

Alexandre Aja: Viele fragen mich das, aber ich glaube, dass es eher nicht passieren wird. Das wäre dann zu sehr wie ein Hai-Horrorfilm. An den Piranhas mag ich ja vor allem, dass sie klein sind und zu Tausenden angreifen, was für die Opfer natürlich deutlich schmerzhafter ist.

 

Blutiger Spring Break am Set von "Piranha 3D".

 

Filmstarts: Die Auseinandersetzung zwischen James Cameron, der „Piranha 3D“ vorgeworfen hat, er würde die 3D-Technik in den Dreck ziehen, und Mark Canton, dem Produzenten von „Piranha 3D“, sorgte für eine hitzige Diskussion im Internet. Auf wessen Seite stehst du bei dem Thema?

 

Alexandre Aja: Ich war etwas überrascht von Camerons Kommentar und stimme Mark zu. Ich finde es toll, wie er die 3D-Technik bei „Avatar“ eingesetzt hat. Aber die Leute wollen auch Piranhas sehen, die auf das Publikum zuspringen. Wenn ich könnte, würde ich dem Publikum auch Wasser ins Gesicht spritzen. Ich versuche, alles in meine Filme zu bringen, was möglich ist, ich würde auch einen Film in zehn Dimensionen machen.

 

Filmstarts: Hast du noch genug Ideen für weitere kreative 3D-Tode für den nächsten Film?

 

Alexandre Aja: Ja, es gab so viele Todesszenen, die ich im ersten Teil nicht mehr unterbringen konnte. Es gibt da definitiv genug Material für mehr als nur einen weiteren Film…

 

Filmstarts: Wann hast du Jerry O'Connell verraten, dass im Film sein Penis abgetrennt wird? War das vor oder nach dem Casting?

 

Alexandre Aja: Lange vorher, das war eine der ersten Szenen, die mir in den Kopf gekommen ist. Ich wollte, dass sein Ableben wirklich lustig wird.

 

Filmstarts: In deinem Film dreht sich alles um Blut, Brüste und Bier – sollte er da statt „Piranha 3D“ nicht besser „Piranha 3B“ heißen?


Alexandre Aja (lacht): Ja, daran dachte ich auch schon… ein weiterer möglicher Titel wäre „Piranha Doppel D“.

 

"Piranha 3D" startet am 14. Oktober 2010 in den deutschen Kinos.

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Kommentare

  • Devlin

    klasse interview!

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