Filmstarts trifft... McShane, Parrish und Follett ("Die Säulen der Erde")
von Emily Philips, Björn Becher & Roger Förster ▪ Sonntag, 14. November 2010 - 00:00

Ab dem 15. November strahlt Sat.1 die mehrteilige Romanverfilmung "Die Säulen der Erde" aus (bereits ab dem 14.11. auf ORF 1). Wir trafen Sarah Parish ("Regan"), Ian McShane ("Waleran") und Romanautor Ken Follett zum Interview.

Filmstarts: Ian und Sarah, ihr habt ja Rollen abbekommen, die nicht gerade Sympathien erwecken. Seid ihr so richtige fiese Bösewichte?

Ian McShane: Nein, sagen wir lieber, wie spielen komplizierte Charakter. So etwas wie den einen Bösewicht gibt es in der Geschichte nicht.

Sarah Parish: Wir werden missverstanden...

Filmstarts: Dann lasst uns dieses Missverständnis doch aus dem Weg räumen. Sarah, erzähl und doch, inwiefern du Regan als missverstandene Person betrachtest…

Sarah Parish: Ich liebe Regan als Charakter. Wenn man das Skript per Post erhält und all diese wundervollen Texte liest, die John Pielmeier geschrieben hat, da kann man einfach nicht "Nein" sagen. Ob sie aber irgendwelche Eigenschaften besitzt, die sie reinwaschen könnten, ist eine schwere Frage. Wenn ich ihre Hintergrundgeschichte durchforsten würde, um herauszufinden, wieso sie so böse geworden ist, dann gäbe es sicherlich Eigenschaften, die sie "erlösen" könnten. In den acht Folgen, die der Zuschauer zu sehen bekommt, gibt es diese Eigenschaften jedoch nicht: Hier ist sie einfach nur böse, und zwar auf eine brillante und wunderschöne Art. Man wartet geradezu auf die Szenen, in denen Ian und ich Pläne aushecken und Unruhe stiften. Es hat natürlich auch sehr viel Spaß gemacht, diese Szenen zu spielen.

Ich war schon ein wenig überrascht, dass ich genau diese Rolle bekam. Meine Agentin teilt mir mit, dass die Produzenten mich gerne dabei haben würden. Ich sagte also zu ihr: "Fantastisch, ich würde es toll finden, wenn es Ellen wird." Und sie: "Eigentlich ist es Regan, sie wollen, dass du Regan spielst." Ich erinnerte mich an das Buch und Regan wurde darin als die scheußlichste und fürchterlichste Kreatur beschrieben. Man konnte sie kaum anschauen, so hässlich war sie. Sie war voller Eiterbeulen, hatte keine Zähne, war dünn wie ein Stab: Sie sah aus, als würde sie zerbrechen. Sie hatte kaum ein Haar mehr auf dem Kopf. Offensichtlich muss ich die Produzenten an diesen Look erinnert haben.  

Ian McShane in "Die Säulen der Erde".

 

Filmstarts: Was ist mit dir, Ian. Lehre uns, Waleran zu lieben.

Ian McShane: Waaaaaleran!

Filmstarts: Oh, entschuldige. Ist die Aussprache denn so wichtig?

Ian McShane: Um den Charakter zu spielen schon.

Ken Follett: Nun ja, sie sendeten mir während der Dreharbeiten ständig dringende E-Mails, in denen gefragt wurde, wie man die Namen denn ausspricht. Natürlich sind das Namen aus dem Mittelalter, also weiß kein Mensch, wie man die ausspricht. Also habe ich mir einfach etwas ausgedacht.

Sarah Parish: Du hast was?

Ken Follett: Natürlich hab ich das, es war Waaaleran oder Waleran, es war Regan oder Reaagan. Die Macher wollten halt, dass jemand autoritär vorgibt, wo es lang geht, und dieser jemand war nun mal ich.

Ian McShane: Nun ja, du hast ja immerhin auch das Buch geschrieben....

Ken Follett: Ich wollte denen ja nicht schreiben, dass niemand weiß, wie man die Namen ausspricht. Also habe ich ihnen einfach irgendetwas gesagt.

Ian McShane: Es ist ein achtstündiges Epos, da sind eben auch Details sehr wichtig. Ich denke, dass Rola Bauer, die den Film produziert hat, fantastisch war. Sie ist raus gegangen und hat alle Verträge verhandelt. Die Produzenten haben das ohne einen amerikanischen oder britischen TV-Sender gemacht, es war also eine enorme Investition für sie. Erst im Nachhinein haben sie es verkauft. Es war ein gewaltiger Dreh und Budapest ein fantastische Stadt. Ein großartiger Sommer, das waren drei Monate Sonne ohne Unterbrechung. Und Sergio Mimica-Gezzan hat wirklich seine Hausaufgaben gemacht. Ich denke, dass es wichtig war, dass es nur einen Regisseur gab, wegen der Kontinuität.

Und  Waleran ist eine großartige Figur. In Kens Buch heißt es einmal: "Er sah aus wie ein Rabe." Und das wollte ich an ihm herausarbeiten, dieses Dunkle, wie er sich bewegt wie ein Vogel, wie er plötzlich verschwindet und wieder auftaucht. Waleran steht für die Kirche als Institution, während Philip den guten Priester repräsentiert. Waleran ist ein interessanter Charakter, er ist ohnmächtig wie Judas Escariat. Er kann sich auf seinen Kopf verlassen, aber nicht auf sein Herz hören.

"Die Säulen der Erde"

 

Filmstarts: Ken, wie nah kommt der Film dem wahren Mittelalter?

Ken Follett: Nun ja, wir mussten alle schmutzig aussehen. Ich habe selbst eine sehr, sehr kleine Rolle gespielt. Ich musste dafür aufhören mich zu rasieren, niemand hat sich rasiert. Außerdem wurde mir Schmutz unter die Fingernägel gemacht, meine Hände mit Schlamm eingekleistert. Die haben sich wirklich Mühe gegeben, es mittelalterlich aussehen zu lassen. Natürlich gibt es da auch Grenzen: Man erkennt, dass jeder perfekte Hollywood-Zähne hat, obwohl wir zu Zeiten des Mittelalters verrottete Zähne gehabt hätten. Und die Produzenten haben mir erklärt, dass sie Sarah für die Rolle nehmen, denn wenn man jemanden wirklich Hässliches besetzt hätte, würden die Zuschauer ihre Fernseher ausschalten. Zum Großteil halte ich das alles aber doch für realistisch. Als ich einmal über das Set gelaufen bin, hatte jemand einen Webstuhl. Selbst dieser war authentisch. Ich weiß zufällig, wie Webstühle aussahen und dies war ein akkurater, realistischer Webstuhl aus dem 12. Jahrhundert. Ich war überwältigt. Ich bin wohl einer von nur sechs Menschen auf der Welt, die den Unterschied erkennen würden, deshalb war ich sehr zufrieden mit der Detailliebe der Ausstatter.

Filmstarts: Sarah, wie fandest du die Kostüme des Zwölften Jahrhunderts?

Sarah Parish: Diese Kostüme waren wunderschön, der Designer Mario Davignon hat diese tollen Kleider für uns handgeschneidert. Meine Kostüme haben ihre Größe während des Drehs ziemlich dramatisch verändert, da ich schwanger war. Also kam Mario fast jede Woche in meinen Umkleideraum mit genau dem gleichen Kleid, bloß ein wenig größer, damit ich meinen Bauch hineinbekomme. Obwohl die Kostüme so schön waren, waren sie aber auch ziemlich unkomfortabel: Die Hitze in Budapest war erdrückend und wir hatten viele Außendrehs. Das Studio war ebenfalls unglaublich heiß, weshalb die Kleider schwer und unbequem waren. Sie saßen dennoch perfekt und es gelang, in ihnen meine Schwangerschaft zu verbergen. Ich habe tatsächlich 48 Stunden nach Beendigung des Drehs mein Kind bekommen und trotzdem erkennt man nie, dass ich schwanger war. Keine Ahnung, wie die das hinbekommen haben, viel Stoff schätze ich.

Filmstarts: Ken, sprechen dein Buch oder nun die Adaption auch gegenwärtigen Themen an?

Ken Follett: Ich denke, eine moderne Parallele zum Bau einer Kathedrale wäre eine Mondrakete: Sie bedeutet führende Technologie, ist sehr teuer und es gibt viele Motive dafür, sie zu bauen. Am Ende machen es die Menschen aber doch nur aus einem irrationalem Grund: Nämlich einfach nur, weil sie eine Rakete haben wollen.

Filmstarts: Wie verhält es sich mit Intrigen, dem Ziehen von Strippen hinter den Kulissen?

Ken Follett: Nun, ich denke, das Leben ist nicht so. Das Drama in " Die Säulen der Erde" resultiert aus den Konflikten zwischen verschiedenen Gruppen in der mittelalterlichen Gesellschaft, die Bösen sind im Konflikt mit der Kirche, die Kirche ist im Konflikt mit der klösterlichen Bewegung und dann gibt es Gruppen von Geschäftsmännern, die ihre eigenen Interessen verfolgen.

Ian McShane: Hat sich nicht viel verändert!

"Die Säulen der Erde"

 

Filmstarts: " Die Säulen der Erde" kommt zu einer Zeit, in der Dramen wie "Die Tudors" und "Die Borgias" sehr in Mode sind. Warum sind historische Dramen aktuell so angesagt und warum hat es 21 Jahre gedauert, bis dieser Stoff verfilmt wurde?

Ian McShane: Serien waren damals außer Mode, insbesondere in Amerika. Wir hatten in Großbritannien zusätzlich noch die Thatcher-Regierung und es ging eigentlich immer nur darum, sich zu verstecken und unterzutauchen. Und was das amerikanische Fernsehen angeht: Die Kabelsender sagen immer, sie halten nach etwas Besonderem Ausschau, aber tatsächlich machen sie das nicht. Andererseits war dies ein populäres Buch und Mittelalter kommt niemals aus der Mode.

Filmstarts: Sarah, erzähl uns von Regans interessanter Beziehung zu ihrem Sohn.

Sarah Parish
: Diese inzestuöse Beziehung ist im Buch nicht aufgetaucht. John hat sie in seine Adaption integriert und wir waren ein wenig beunruhigt, dass wir es zu weit getrieben hätten. Am Ende haben wir es drin behalten, weil es erklärt, wieso William so ein entsetzlicher Mensch ist. Es gibt nun mal eine tieferliegende Beziehung zu seiner Mutter, die ihn schließlich an den Rand des Wahnsinns treibt. Hierdurch wird erklärt, wieso er so böse geworden ist. Es fängt mit kleinen Dingen an und steigert sich schließlich bis zum wilden Rumgeknutsche.

Ian McShane: Das Schlimmste ist ja, dass dein Ehemann so allerliebst, naiv und stümperhaft ist.

Sarah Parish: Genau, er ist ein Depp, und man kann sehen, wieso sie so besessen von ihrem eigenen Antlitz in Gestalt ihres Sohnes ist.

Filmstarts: Wie waren die Szenen, in denen du deinen Sohn geküsst hast? Es ist ja immer noch ein Tabubruch, so etwas im Fernsehen zu zeigen.

Sarah Parish: Wenn man solche Szenen dreht, muss man sie für einen selbst real werden lassen. Man muss sich erklären, wieso man etwas tut, das tabu ist. David und ich haben viel darüber gesprochen, wieso die Dinge so laufen. Wir haben uns dann entschieden, es auf subtile Weise anzugehen, es sollte auf jeden Fall nicht vulgär wirken. Man fängt einfach an und tut es. Da auf beiden Seiten viel Vertrauen vorhanden war, hat es uns auch nicht gestört, diese Szenen zu spielen.


"Die Säulen der Erde" läuft ab dem 15.11.2010 auf Sat.1 und bereits ab dem 14.11.2010 im ORF. DVD und Blu-ray erscheinen am 7.12.2010 im Verleih von Universum.

Das könnte Dich interessieren

Kommentare einblenden

Kommentare

Die beliebtesten Trailer
7.289 Views
Gesponsert
Alle Trailer ansehen
Kino-Nachrichten
Mit Robert Patrick als Psycho: "Tone-Deaf" und "The Furies" auf dem Fantasy Filmfest 2019
Mit Robert Patrick als Psycho: "Tone-Deaf" und "The Furies" auf dem Fantasy Filmfest 2019
Tweet  
 
"Terminator 6: Dark Fate": Neue actionreiche Vorschau zum Sequel mit Arnold Schwarzenegger!
"Terminator 6: Dark Fate": Neue actionreiche Vorschau zum Sequel mit Arnold Schwarzenegger!
Tweet  
 
Trailer zu "Cats": Idris Elba, Taylor Swift und Ian McKellen als singende Katzen
Trailer zu "Cats": Idris Elba, Taylor Swift und Ian McKellen als singende Katzen
Tweet  
 
"Top Gun 2: Maverick": Erster Trailer zur Kultfilm-Fortsetzung mit Tom Cruise
"Top Gun 2: Maverick": Erster Trailer zur Kultfilm-Fortsetzung mit Tom Cruise
Tweet  
 
Batman, Thor, Supergirl: Der erste Trailer zu Kevin Smiths "Jay And Silent Bob Reboot" hat sie alle
Batman, Thor, Supergirl: Der erste Trailer zu Kevin Smiths "Jay And Silent Bob Reboot" hat sie alle
Tweet  
 
Harry Styles in "Arielle": Diese Stars wollt ihr lieber als Prinz Erik sehen!
Harry Styles in "Arielle": Diese Stars wollt ihr lieber als Prinz Erik sehen!
Tweet  
 
Alle Kino-Nachrichten
Die meisterwarteten Filme
  1. Leberkäsjunkie

    Von Ed Herzog

    Trailer
  2. Once Upon A Time In... Hollywood
  3. Fast & Furious: Hobbs & Shaw
  4. Benjamin Blümchen
  5. The King's Man: The Beginning
  6. Maleficent 2: Mächte der Finsternis
  7. Abikalypse
  8. I Am Mother
  9. Ich war noch niemals in New York
  10. Die Drei !!!
Weitere kommende Top-Filme