Serienpiloten unter der Lupe: "The Cape"

von Björn Becher ▪ Donnerstag, 13. Januar 2011 - 00:00

Mit "The Cape" startete am 9. Januar in den USA auf NBC die heiß erwartete neue Superhelden-Serie. Wir haben sie uns angeschaut und verraten euch, ob der Auftakt etwas taugt.

 

Nach kultigen TV-Serien wie "Batman" und "The Green Hornet" schien es in den letzten Dekaden so, als sei für Superhelden und maskierte Rächer kein Platz mehr im Fernsehen. Mit höheren Budgets und gewaltigeren Effekten hat sich das Kino zunehmend die Vorherrschaft im Genre gesichert. Doch das Fernsehen hat in den vergangenen Jahren wieder zugelegt und will nun auch seinen Teil vom Kuchen abhaben. "Smallville" als "Superman"-Vorgeschichte war ein erster Anlauf, auch wenn hier Capes und Strumpfhosen erst in späteren Staffeln von Gastcharakteren wie dem "Green Arrow"eingeführt wurden. Mit "Heroes" sowie dem wunderbar schrägen britischen Pendant "Misfits" gab es aufwändige Superheldengeschichten für die Mattscheibe. Und nun kommt mit "The Cape" auch der maskierte Kämpfer für Recht und Ordnung wieder zu seinem Recht. Nach der als Doppelfolge auf NBC ausgestrahlten Auftaktepisode hat die Serie aber - freundlich ausgedrückt - noch einiges an Luft nach oben.

 

David Lyons als "The Cape"

 

Die Kriminalität beherrscht Palm City. Vor allem ein mysteriöser Killer, der sich Chess nennt, terrorisiert die Großstadt. Der neue Polizeichef will aufräumen… und bezahlt dies mit seinem Leben. Nur wenige Minuten nach seiner Amtseinführungsrede wird er von Chess getötet. Vince Faraday (David Lyons), einer der wenigen aufrechten Polizisten der Stadt, quittiert daraufhin frustriert seinen Dienst. Für den Multimilliardär Peter Fleming (James Frain) kommt der Tod des Polizeichefs dagegen genau zum richtigen Zeitpunkt. Nun hat der Mann, der mit Waffenentwicklung und Ausbildung von Polizisten im Afghanistan und im Irak sein Vermögen gemacht hat, die richtigen Argumente, um die Polizei von Palm City zu privatisieren und unter seine Kontrolle zu bringen. Auch Vince wird von seinem besten Freund Marty Voyt (Dorian Missick) überredet, bei Fleming einzusteigen. Doch der Ex-Bulle findet gerade noch rechtzeitig heraus, dass es sich bei Fleming in Wahrheit um den irren Killer Chess handelt. Von seinem Freund hereingelegt, wird Vince fälschlich als Chess geoutet, bevor er bei einer Verfolgungsjagd vermeintlich ums Leben kommt. Schwer verletzt wird er von dem Carnival Of Crime, einer Bande Banken überfallender Zirkusartisten unter Führung des charismatischen Max Malini (Keith David), gesund gepflegt und trainiert, um als maskierter Held The Cape fortan Chess und dessen Killerbande den Kampf anzusagen. Überraschende Unterstützung erhält er zudem von der mysteriösen Bloggerin Orwell (Summer Glau), die ihre Augen und Ohren überall hat und immer weiß, was in Palm City wirklich vor sich geht…

 

Warum schon so lange kein maskierter Kämpfer für Recht und Ordnung mehr über die Fernsehschirme flimmerte, macht die Auftaktepisode von "The Cape" noch einmal deutlich. Wer sich heute noch an "The Green Hornet" oder "Batman" mit Adam West ergötzt, macht dies weniger, um spannende Geschichten zu sehen, sondern um seiner Lust am Trash zu frönen. Wo diese alten Serien mit ihren durch technische Unzulänglichkeiten und abgefahrene Sprüche begründeten Charme punkten, geht "The Cape" dieser vollkommen ab. Auch wenn es heute noch Serien gibt, die vornehmlich trotz ihrer Unzulänglichkeiten als Guilty Pleasure funktionieren (etwa die erste Staffel von "Human Target"), gelingt dies "The Cape" allein deshalb schon nicht, weil die Serie sich selbst viel zu ernst nimmt.

 

 

Summer Glau als mysteriöse Orwell

 

Die am Reißbrett entworfene Geschichte des letzten aufrechten Cops, der verraten wird und in den Untergrund gehen muss, wird lieblos abgespult. Der blasse Bösewicht ist exzentrischer Milliardär und irrer Killer zugleich. Die zelebrierte Enthüllung dieser Doppelidentität ist arg peinlich geraten, weiß der Zuschauer doch ohnehin schon längst Bescheid. Die Nebenfiguren bleiben – ob die skurrilen Charaktere im Zirkus oder die Handlanger des Bösewichts (auch mit dabei: Vinnie Jones) – weitestgehend blass, nur Summer Glau als Orwell weckt ein wenig Interesse für ihre angedeutete Backgroundstory. Die Action ist alles andere als weltbewegend. Das zum Entwaffnen und in einer Rauchwolke Verschwinden eingesetzte Cape des Helden nutzt sich als Idee schnell ab. Und die melodramatischen Momente funktionieren auch überhaupt nicht. Dass der Held seine Familie im Glauben lassen muss, er sei gestorben und zu Lebzeiten zudem ein irrer Verbrecher gewesen, berührt kein bisschen, was auch an dem wenig charismatischen Hauptdarsteller David Lyons liegt.

 

Nur hin und wieder lockern humorvolle Zwischentöne das Geschehen auf. Wenigstens in diesen Momenten kann "The Cape" punkten: Einige locker-flockige Sprüche, ein paar Trainingseinheiten des Helden mit dem Karnevalsvolk, ein Gastauftritt von "Borat"-Secundus Ken Davitian



David Lyons und Summer Glau in "The Cape"

 

Fazit: Es ist eine gut gemeinte Idee, nach den so unterschiedlichen Kinoauftritten von Batman, Iron Man, Green Hornet und Co. auch mal wieder einen maskierten Verbrechensbekämpfer ins TV zu bringen. Aufgegangen ist der Plan im Eröffnungsdoppel jedoch noch nicht. "The Cape" müsste in den kommenden Episoden noch ganz schön drauf packen, um das Ruder noch herumzureißen. Ein Gelingen ist eher zweifelhaft, stattdessen ist zu befürchten, dass es Woche für Woche schwerer wird, den Showdown zwischen The Cape und Chess noch weiter herauszuschieben und stattdessen Bösewichte zweiten Ranges einzuführen, die The Cape im Episodenfinale standesgemäß verkloppen kann.

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Kommentare

  • Da HouseCat

    die glau tut mir richtig leid. die hat nur pech mit den serien und im film.

  • StevenSeagal

    Habe mir den zweiten Teil des Piloten aufgrund von Müllalarm gleich gespart... Trailer sah natürlich mal wieder vielversprechend aus...

  • Solecism

    Die Idee finde ich selbst ja ganz gut, aber die Umsetzung ist so lieblos hingeklatscht, dass es mir echt weh tun anzusehen. Einzig der Liliput-Helfer, der Vinni Jones "zusammenfaltet" und die Hypnoselehrgang mit dem Inder waren nen Lacher wert...
    Mehr als ne Season geb ich der Serie nicht.

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