FILMSTARTS trifft... Oliver Schmitz & Lerato Mvelase ("Geliebtes Leben")
von Daniela Leistikow ▪ Dienstag, 10. Mai 2011 - 00:00

Wir sprechen mit dem Regisseur und der Hauptdarstellerin des gefeierten Aids-Dramas über die Dreharbeiten in Südafrika, die Stille der Hamburger Innenstadt und die erhobenen Daumen von Kritikerpabst Roger Ebert.

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FILMSTARTS: Geliebtes Leben“ ist ihre erste Kinorolle. Wie haben sie sich auf diese Herausforderung vorbereitet?

 

Lerato Mvelase: Es war sehr schwer, weil ich viel abnehmen musste und die ganze Zeit Hunger hatte. Ich komme aus einem Land, wo wir normalerweise viel Essen. Viel Fleisch, viele Gewürze, also sehr gehaltvolles Essen. Um mich auf die Rolle vorzubereiten, musste ich auf Karotten und Salate umsteigen. Das war schon eine emotionale Belastung. Hinzu kam dann die schauspielerische Vorbereitung auf den Film. Weil ich selbst Mutter bin, war es sehr belastend für mich, mir vorzustellen, mein Kind verlassen zu müssen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie mein Leben ohne Kind aussähe.

 

FILMSTARTS: Neben der Schauspielerei arbeiten sie auch als TV-Moderatorin. Was für eine Art von Show moderieren sie denn?

 

Lerato Mvelase: Ich mache Musiksendungen und Bildungsprogramme für Studenten. Außerdem spiele ich auch in Fernsehserien mit.

 

FILMSTARTS: Wo sehen sie persönlich die größten Unterschiede zwischen der Arbeit an Serien und Filmen?

 

Lerato Mvelase (lacht): Zunächst einmal sind die technischen Möglichkeiten sehr verschieden, weil es beim Film fortschrittlichere Kameras gibt, auf die man sich als Schauspieler einstellen muss. Zudem hat man bei Filmen sehr viel mehr Zeit, sich auf eine Szene zu konzentrieren und diese notfalls auch mehrfach zu drehen, weil man einfach ein höheres Budget zur Verfügung hat. Bei TV-Produktionen müssen sehr viele Szenen in kurzer Zeit fertiggestellt werden.

 

FILMSTARTS: Die Dreharbeiten zu „Geliebtes Leben“ dauerten allerdings nur 36 Tage, was für einen Film eher wenig ist. Da muss doch schon ein gewisser Zeitdruck am Set geherrscht haben?

 

Lerato Mvelase: Ja, natürlich. Aber das lag sicher auch daran, dass der Film von Deutschen gemacht wurde, die für „Geliebtes Leben“ extra nach Südafrika reisen mussten. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie teuer das gewesen sein muss. Aber am Ende hat alles sehr gut geklappt.

 

FILMSTARTS: Haben sie den Dreh als typisch deutsch empfunden?

 

Lerato Mvelase: Nein, eigentlich nicht. Man hat ja auch versucht, das South African Filmboard mit an Bord zu holen. Aber die hatten leider kein Interesse, was ich sehr schade finde. Die deutschen Produzenten wollten den Stoff mit südafrikanischen Schauspielern umzusetzen, während die Südafrikaner den Film mit amerikanischen Schauspielern machen wollten.

 

Lerato Mvelase (links) mit dem Team von "Geliebtes Leben" bei der Premiere in Cannes.

 

FILMSTARTS: Sie wirken sehr viel jünger als ihre 28 Jahre – und sehr viel jünger als die Mutter, die sie in „Geliebtes Leben“ verkörpern. Warum glauben sie, haben sie die Rolle dennoch bekommen?

 

Lerato Mvelase: Als Schauspieler ist es immer toll, wenn man Rollen bekommt, die eine Herausforderung darstellen, die einem Leute eben nicht notwendigerweise zutrauen. Weil ich so viel jünger aussehe als ich tatsächlich bin, werde ich oft für kindliche Rollen besetzt. Immer soll ich 18-Jährige spielen, obwohl ich doch längst alt genug bin, um auch Erwachsene zu spielen. Die Leute sehen mich einfach nicht in der Rolle einer 30-jährigen Frau – obwohl ich doch schon fast so alt bin. Genau diese Herausforderung habe ich gemocht. Kostüme und Make-up haben aber natürlich auch einiges dazu beigetragen, mich älter erscheinen zu lassen.

 

FILMSTARTS: Wenn sie sich irgendeinen Schauspieler als Co-Star aussuchen könnten – wer wäre das?

 

Lerato Mvelase (stößt einen Freudenschrei aus und lacht):  Ohhhh, Denzel Washington! Der wäre auf jeden Fall ganz oben auf meiner Liste. Matt Damon wäre auch toll! Der müsst im Film natürlich meinen Freund spielen.

 

FILMSTARTS: Vielleicht im fünften Teil von „Die Bourne Identität“?

 

Lerato Mvelase: Ja, genau (lacht). Matt Damon trifft ein schwarzes Mädchen in Deutschland und sie kämpfen gegeneinander und so! Es gibt wirklich viele Schauspieler, mit denen ich gerne mal arbeiten würde. Aber Denzel Washington bewundere ich am meisten – er wirkt immer so authentisch.

 

FILMSTARTS: Ihr Film hatte bei den Filmfestspielen in Cannes seine Premiere. Wie war es da für sie?

 

Lerato Mvelase: Das war eine ganz besondere Erfahrung. Als wir gelandet sind und zu unserem Hotel gefahren wurden, war der Fahrer die ganze Zeit total begeistert, weil wir Richtung Croisette unterwegs waren. Und modisch sind die Franzosen einfach auf einem ganz anderen Level. Die Frauen waren einfach total schön angezogen. In Frankreich scheint sich jeder Mühe zu geben, so gut wie möglich auszusehen. Es beeindruckt mich total, dass sie sich die Zeit zu nehmen scheinen, jeden morgen ein tolles Outfit auszusuchen. Vielleicht wachen einige von ihnen aber ja auch schon in High Heels auf (lacht). Außerdem waren die Interviews eine sehr prägende Erfahrung. Viele haben mich gefragt, ob ich glaube, dass für mich nach Cannes eine Karriere in Hollywood ansteht. Und ich habe immer gesagt, so wie ich mich hier fühle, kann ich nur darauf hoffen. Aber wenn es nicht klappt, bin ich trotzdem sehr glücklich, da zu stehen, wo ich heute bin. Und eines Tages kann ich dann meinen Kindern oder Enkeln von Cannes erzählen. Obwohl es sehr schwierig ist, dass alles zu beschreiben, wenn jemand nicht selbst schon mal dort gewesen ist. Alle sind so begeistert von Filmen. Es war einfach wunderschön.

 

FILMSTARTS: Sind sie zum ersten Mal in Deutschland? Wie gefällt es ihnen hier?

 

Lerato Mvelase: Ich fühle mich sehr wohl hier. So wohl sogar, dass ich mir überlege, hier vielleicht meinen Master-Abschluss zu machen. Ich mache grad noch einen zweiten Abschluss in Kommunikationswissenschaften. Das einzige Problem ist die Sprache. Aber sollte ich es schaffen, in zwei Jahren Deutsch zu lernen – dann mache ich hier meinen Master. Am liebsten in Hamburg oder in Berlin. Alle hier in Europa scheinen so entspannt zu sein, jedenfalls im Vergleich zu meiner Heimat Johannesburg. Da sind alle einfach nur busy, busy, busy. Die Straßen sind total überfüllt mit Leuten und Taxen, die andauernd hupen! Und jetzt bin ich gerade in der Stadtmitte von Hamburg – und alles ist still und friedlich.

 

"Geliebtes Leben" startat am 12. Mai 2011 in den deutschen Kinos.

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