Wim Wenders - Über sein Heimspiel in Cannes und "Palermo Shooting"
Cannes (dpa) - Kein anderer deutscher Regisseur hat soviel Erfahrungen beim Filmfestival in Cannes gesammelt wie Wim Wenders (62).
Mit Palermo Shooting ist er jetzt zum neunten Mal im Wettbewerb um die Goldene Palme dabei, die er vor 24 Jahren schon einmal für „Paris, Texas“ erhalten hat. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa redet Wenders über den Wandel des Festivals und die Provokation des Publikums durch sein Drama über einen Mann, der dem oberflächlichen Entertainmentgeschäft entflieht, dem Tod begegnet und das Leben findet.
Cannes ist Ihr Lieblingsfestival, Sie haben hier eigentlich immer ein „Heimspiel“. Was hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert?
Wenders: „Es hat sich viel verändert, die ganze Filmlandschaft hat sich gehörig verändert. Mit Paris, Texas bin ich mitten in der Nacht mit einer schweren Filmkopie hier angekommen und hab mich wahnsinnig abgeschleppt. Jetzt hatten wir alles auf einer Festplatte, die so groß ist wie ein kleiner Rekorder. Es ist auch alles schnelllebiger geworden. Filme haben eine andere Lebensdauer. Früher hatten Filme eine grundsätzliche längere Lebenserwartung als heute.“
Verdrängt der Hype um Stars den Blick auf die Kunst?
Wenders: „Der Hype hat zugenommen, in allen unserer Lebensbereichen. Hier in Cannes merkt man das am dollsten. Da gab es immer einen Riesenrummel um die Stars, heute ist das aggressiver. Die Zerrissenheit von Cannes zwischen dem Starauftrieb und den Inhalten gab es immer schon. Aber die Aufmerksamkeitsspanne sinkt.“
Verstehen Sie es da als Provokation, einen Film mit einem klaren Appell für mehr Ernsthaftigkeit und mehr Bewusstheit jenseits der Oberflächlichkeit zu zeigen?
Wenders: „Natürlich ist "Palermo Shooting" hier in Cannes eine Provokation, weil der Film eine wichtige Geschichte erzählen will und den Leuten in gewissem Sinne den Spiegel vorhält.“
Könnten Sie die Geschichte mit einem Kernsatz zusammenfassen?
Wenders: „Eigentlich mag ich das nicht. Aber die von Dennis Hopper gespielte Figur, der Tod persönlich, sagt einen Satz, der einem durch Mark und Bein gehen kann: "Der Tod ist ein Pfeil aus der Zukunft, der auf dich zugeflogen kommt." Das gilt für jeden von uns.“
Was erwarten Sie von der Preisvergabe am Sonntagabend?
Wenders: „Eines habe ich in den ganzen Jahren in Cannes gelernt: Man darf hoffen, aber nichts erwarten.“
Interview: Karin Zintz, dpa
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Gast - Samstag, 02. Juni um 14:07