Auch im 35. Jahr des Internationalen Filmwochenendes Würzburg ist es den Veranstaltern gelungen, ein ebenso umfang- wie abwechslungsreiches Programm zusammenzustellen. Wie üblich gibt es weder Genre- noch geografische Grenzen, sodass die Besucher ein spannender Einblick in die internationale Filmszene erwartet – selbstverständlich abseits ausgetretener Mainstream-Pfade.
Auch im 35. Jahr des Internationalen Filmwochenendes Würzburg ist es den Veranstaltern gelungen, ein ebenso umfang- wie abwechslungsreiches Programm zusammenzustellen. Wie üblich gibt es weder Genre- noch geografische Grenzen, sodass die Besucher ein spannender Einblick in die internationale Filmszene erwartet – selbstverständlich abseits ausgetretener Mainstream-Pfade.
Einen der Schwerpunkte im Spielfilmprogramm bilden in diesem Jahr Werke aus Kanada – und zwar aus dem französischsprachigen Teil des Landes. Schon vor 20 Jahren hat sich das Internationale Filmwochenende Würzburg um das frankophone Kino Kanadas gekümmert. Damals war es einem Regisseur gelungen, in die Phalanx des englischsprachigen Kinos einzubrechen und auch auf europäischen Festivals präsent zu sein: Denys Arcand. Er kam 1990 mit seinen beiden erfolgreichen Filmen „Jésus von Montréal“ und „Der Untergang des amerikanischen Imperiums“ nach Würzburg. Damals haben vor allem die beiden Festivals in Montreal für den Ruhm des kanadischen Kinos gesorgt, die sich neben Toronto einen ganz eigenen Platz erobert hatten. Im letzten Jahrzehnt hat französischsprachiges Kino in Québec einen mächtigen Aufschwung genommen und vermag sogar an den heimischen Kinokassen mit einem Anteil von über 20 Prozent zu bestehen.
Inzwischen haben Bayern und Québec entdeckt, dass sie Gemeinsamkeiten hinsichtlich ihrer sprachlichen Sonderstellung haben, und es gibt eine verstärkte Zusammenarbeit dieser beiden „Länder“, die sich im Filmbereich 2006 in einer Werkschau im Münchener Filmfest niedergeschlagen hat. An diese Bemühungen knüpft das Filmwochenende an und hat mit Hilfe des Attachés bei der Regierung von Québec, Manuel Feifel, einige Filme ausgesucht, die davon Zeugnis ablegen. In „Tout est parfait“ von Yves-Christian Fournier geht es um einen Jugendlichen, dessen beste Freunde Selbstmord begehen und der nicht nur mit seiner Trauer leben muss, sondern auch mit der Bürde, der einzige Überlebende zu sein. Auch Louise Archambault beschäftigt sich in „Familia“ mit den Nöten Heranwachsender. Zwei 14-jährige Mädchen freunden sich miteinander an, obwohl ihre Herkunft nicht unterschiedlicher sein könnte: Die Mutter der einen ist eine spielsüchtige, haltlose Aerobictrainerin, während das andere Mädchen zwar in einer scheinbaren Musterfamilie heranwächst, aber unter dem Regiment ihrer Mutter zu ersticken droht.
Der Episodenfilm „Continental“ von Stéphane Lafleur und die Dokumentation „Le dernier Continent“ von Jean Lemire, die eine Segelschiffsreise in die Antarktis begleitet, runden das frankokanadische Filmprogramm ab. Am Filmwochenende werden Chloé Bourgeois und Maxime Dumontier, Darsteller aus dem Film „Tout est parfait“, zu Gast sein.
Ein wichtiger Programmpunkt, der gleich zwei Kunstformen vereint, sind die Filme von Fotografen und über Fotografen. Die enge Verwandtschaft von Fotografie und Film ist offensichtlich. Kameraleute sprechen häufig davon, wie sie einen Film „fotografiert“ haben. Und nicht wenige Künstler arbeiten parallel als Filmemacher und Fotografen. Das Filmwochenende Würzburg bietet in diesem Jahr die Möglichkeit, sich mit dem Werk von filmenden Fotografen zu beschäftigen und große Fotografen im Film näher kennen zu lernen. Dazu gehören etwa die Deutsch-Amerikanerin Ellen Auerbach, die im Alter von 86 Jahren der Filmemacherin Antonia Lerch Auskunft über ihr Leben und ihre Kunst gab („Ellen Auerbach – Fotografin, geboren 1906“), oder der kubanische Künstler Abelardo Morell, dessen Camera-Obscura-Aufnahmen unter anderem im Museum of Modern Art in New York hängen („Shadow of the house“). Was passiert, wenn sich ein berühmter Fotograf wie Robert Frank den bewegten Bildern zuwendet, zeigen die Filme „The Present“ und „O.K. End Here“. Gäste beim Filmwochenende sind Roman Buxbaum, Regisseur von „Tarzan Retired“ und Allie Humenuk, Regisseurin von „Shadow of the House“, sowie die Fotografin Bettina Flitner.
An hartgesottene Filmfans mit speziellem Geschmack und guten Nerven richtet sich das Angebot der „Nachtschiene“, in der oft asiatische Thriller oder Horrorfilme laufen. In diesem Jahr bietet dieser Programmpunkt das Forum für einen außergewöhnlichen amerikanischen Film, der mit dem Gewinn des Goldenen Löwen bei den Filmfestspielen von Venedig im vergangenen Jahr Aufsehen erregte. „
The Wrestler“ von
Darren Aronofsky ist das Porträt eines alternden Profiwrestlers, der nach einem Herzanfall die Grenzen seiner Existenz erkennt. In der Titelrolle brilliert der ebenfalls vom Leben gezeichnete
Mickey Rourke, der zeigt, dass er immer noch zu tief bewegenden darstellerischen Leistungen fähig ist. Weiter laufen in der Nachtschiene „Home Movie“ von Christopher Denham, wie „
Blair Witch Project“ oder „
Cloverfield“ ein Vertreter des Genres „Found Footage“ (etwa „aufgefundene Aufzeichnungen“). In Ausschnitten aus Familienvideos erzählt der Film vom Untergang der Familie Poe. Für die Freunde des japanischen Kinos bietet die Nachtschiene zudem den Samuraifilm „Aragami“ von
Ryuhei Kitamura und „
Sukiyaki Western Django“ von
Takashi Miike, der mit Western-Versatzstücken spielt.
Ein ganz besonderes Event erwartet die Zuschauer zudem: Der amerikanische Schauspieler
Crispin Hellion Glover, bekannt als profilierter Nebendarsteller in großen Hollywoodproduktionen wie „
Zurück in die Zukunft“, "
Drei Engel für Charlie" oder "
Beowulf", kommt nach Würzburg.
Glover zeigt auf dem Filmwochenende erstmals in Deutschland seine beiden Filme "What is it?" und "It is fine! Everything is fine." Und noch mehr: Er verwandelt den Kinoabend in eine Performance, in der der Film nur einen Teil darstellt. „Crispin Hellion Glovers Big Slide Show" ist ein Abend im Kopf des vielseitigen Künstlers. Glover eröffnet den Abend, indem er aus verschiedenen Büchern liest und parallel Bilder und Illustrationen daraus projiziert. Doch der Begriff Lesung wird der Performance des Abends nicht annähernd gerecht. Das Publikum darf sich auf vollen Stimm- und Körpereinsatz des Moderators gefasst machen. Im Anschluss daran läuft jeweils einer der beiden „It“-Filme. Die beiden Veranstaltungen finden am Freitag, den 23., und Samstag, den 24. Januar statt. Sie sind zwar im Ablauf gleich, aber vom Inhalt verschieden: Nicht nur Film, sondern auch die Performance wird jeweils eine andere sein.
Weitere Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme kommen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien, Frankreich, Schweden, Finnland, Norwegen, Großbritannien, Irland, Rumänien, Russland, der Türkei, Nigeria, Tunesien, Mali, den USA und Brasilien. Insgesamt sind in Würzburg rund 45 Spielfilme, 15 Dokumentarfilme und 30 Kurzfilme zu sehen.
Alle Filme in der Übersicht
Afrika
Ezra (Newton Aduaka, NGR/F/A 2007)
Faro, la reine des eaux (Salif Traoré, ML 2007)
Making of, le dernier film (Nouri bouzid, TN/F/D 2006)
Brasilien
Antônia (Tata Amaral, BR 2007)
Os 12 Trabalhos (Ricardo Elias, BR 2007)
Crispin Hellion Glovers Big Slide Show
It is Fine! Everything is Fine. (Crispin Hellion Glover, USA 2007)
What is it? (Crispin Hellion Glover, USA 2005)
Deutschland/Österreich/Schweiz
Der Freund (Micha Lewinsky, CH 2008)
Die Glücklichen (
Jan Georg Schütte, D 2008)
Helden aus der Nachbarschaft (Jovan Arsenic, D 2008)
Ljubavi i drugi zlocini (Stefan Arsenijevic, D/SRB 2008)
Revanche (
Götz Spielmann, A 2008)
Vom Atmen Unter Wasser (
Winfried Oelsner, D 2008)
Diagonale Special
Der Weg nach Mekka – Die Reise des Muhammad Asad (Georg Misch, A 2007)
Herzausreisser – Neues vom Wienerlied (Karin Berger, A 2008)
Revanche (
Götz Spielmann, A 2008)
Dokumentarfilme
9 to 5 – Days in Porn (Jens Hoffmann, USA 2008)
Casa Mia (Debora Scaperrotta, R 2007)
Dear Zachary: A Letter to a Son About his Father (Kurt Kuenne, USA 2008)
Devoção (Sergio Sanz, BR 2007)
Die Natur vor uns (
Niels Bolbrinker, D 2008)
Herzausreisser – Neues vom Wienerlied (Karin Berger, A 2008)
Electric Heart: Don Ellis (Joh Vizzusi, USA 2008)
Le dernier continent (Jean Lemire, CDN 2007)
My Name is Kelvin (Veena Holkar, GB 2007)
Quelques mètres carrés (Anja Hess, F 2008)
Englischsprachige Filme
August Rush (
Kirsten Sheridan, GB 2007)
It is fine. Everything is fine + Slideshow (Crispin Glover, USA 2007)
Kings (Tom Collins, IRL/GB 2007)
The Baker (Gareth Lewis, GB 2008)
What is it + Slideshow (Crispin Glover, USA 2005)
Filme über Fotografen - Filme von Fotografen
Bye (Ed van der Elsken, NL 1990)
Death in Port Jackson (Ed van der Elsken, NL 1972)
Ellen Aucherbach (Antonia Lerch, D 1992)
Fire in the East, a Portrait of Robert Frank (Amy + Philip Brookman, USA 1986)
Hiroshi Sugimoto: Visions in my Mind (Maria Anna Tappeiner, D 2006)
Ich (Bettina Flitner, D 1988)
Mein Feind (Bettina Flitner, D 1994)
O.K. End Here (Robert Frank, USA 1963)
Shadow of the House (Allie Humenuk, USA 2007)
Tarzan Retired (Roman Buxbaum, CZ 2006)
The Present (Robert Frank, USA 1996)
Frankreich
Des poupées et des anges (Nora Hamidi, F 20008)
La Tête de maman (Carine Tardieu, F 2007)
Le tueur (
Cédric Anger, F 2008)
Louise Michel (Gustave de Kervern/Benoît Delépine, F 2008)
Italien
Caos calmo (
Antonio Luigi grimaldi, I 2008)
Cover Boy: L’ultima rivoluzione (I 2008)
Il Divo (
Paolo Sorrentino, I 2008)
La Giusta distanza (Calrlo Mazzacurati, I 2008)
Pranzo di ferragosto (Gianni Di Gregorio, I 2008)
Kanada (Quebec)
Continental, un film sans fusil (Stéphane Lafleur, CDN 2007)
Familia (Louise Archambault, CDN 2005)
Le dernier continent (Jean Lemire, CDN 2007)
Tout est parfait (Yves Christian Fournier, CDN 2007)
Kinder- und Jugendfilme
32A (Marian Quinn, IRL/D 2007)
Der Sommer des Falken (Arend Agthe, D 1987)
Dornröschen (Arend Agthe, A 2008)
Linas Tagebuch – Bitter Sweetheart (Joof Hella, S 2007)
Phoebe im Wunderland (Daniel Barnz, USA 2007)
Puppentrickfilme
Die Jagd
Eine neue Art - Jauna suga (Evalds Lacis, LV 2007)
Kopf hoch!
Tomte Tummetott und der Fuchs (Sandra Schießl, D 2007)
Kurzfilmblock 1
Kurzfilmblock 2
Nachtschiene
Aragami (
Ryûhei Kitamura, J 2002)
Home Movie (Christopher Denham, USA 2008)
Sukiyaki Western Django (
Takashi Miike, J 2007)
The Wrestler (
Darren Aronofsky, USA 2008)
Naturvision
Mein Isental (Jan Haft, D 2007)
Muskusveise tagasitulek (Vasili Sarana, EST 2008)
Russland
Alexandra (
Aleksandr Sokurov, RUS/F 2007)
Yar (Marina Rasbezhkina, RUS 2007)
Skandinavien
Kautokeino-opprøret (Nils Gaup, N 2008)
Lønsj (Eva Sørhaug, N 2008)
Miehen työ (Aleksi Salmenperä, FIN 2007)
Ping-pongkingen (Jens Jonsson, S 2008)
Tummien perhosten koti (Dome Karukoski, FIN 2008)
Türkische/Kurdische Filme
Vinterland (Hisham Zaman, N 2007)
Mutluluk (Abdullah Oguz, TR)
Sonderveranstaltungen
Die Trashfilmnacht
Die Lange Nacht der Selbstgedrehten
Crispin Hellion Glovers Big Slide Show