"Larry Crowne": Gute Gangs & Böse Banker
von Christoph Petersen ▪ Dienstag, 28. Juni 2011 - 00:00

Hollywoods Weltsicht hat sich im Zuge der Finanzkrise gewaltig verschoben - und nirgendwo wird das deutlicher als in Tom Hanks' neuer romantischer Komödie mit Julia Roberts.

 

Von Christoph Petersen

 

Seit den 80ern galt stets Gordon Gekkos legendäres Motto „Gier ist gut!“. Das hatte Regisseur Oliver Stone in „Wall Street“ zwar ursprünglich als Anklage an die Finanzwirtschaft platziert, aber beim Publikum angekommen war es als Erfolgsrezept zum erfüllten Bankerdasein. Doch dann platzte die US-Immobilienblase und die Finanzkrise brach über die amerikanische Mittelschicht herein. Seither haben sich die Perspektiven gewaltig verschoben. Heute hat der Durchschnittsbürger weniger Angst vor dem Einbrecher aus dem Ghetto, der ihm den Fernseher klaut, als vor dem Banker im Nadelstreifenanzug, der ihm gleich das ganze Haus wegnimmt. Diese einfache Wahrheit ist nun endlich auch in Hollywood angekommen – und zwar am deutlichsten in einem Film, der sich eigentlich als luftig-leichte Unterhaltung präsentiert: Tom Hanks' Romantik-Komödie „Larry Crowne“, die trotz aller Lockerheit immer wieder auch satirische Spitzen setzt.

 

In den 80ern war Gier noch gut: Michael Douglas als Finanzhai Gordon Gekko in Oliver Stones "Wall Street".

 

Larry Crowne liebt seinen Job in der Walmart-ähnlichen Supermarktkette U-Mart. Eher geht die Welt unter, als dass Larry nicht die Plakette für den Mitarbeiter des Monats abstaubt. Trotzdem wird er ohne Vorwarnung gefeuert – angeblich weil er keinen College-Abschluss und so im Unternehmen auch keine Chance auf einen weiteren Aufstieg hat. Und wie sooft endet der Abstieg nicht mit dem Verlust des Arbeitsplatzes: Auch das Haus ist so gut wie weg, denn seine Bank hat Larry zu Zeiten der Blase einen völlig unverhältnismäßigen Kredit aufgeschwatzt, den er nun beim besten Willen nicht mehr bedienen kann. Wenn er einen Termin mit seiner Bankberaterin vereinbart, bekommt er zwar einen leckeren Kaffee, aber keine wirklich hilfreichen Ratschläge - schließlich will die Bank weiter an ihm verdienen und hat überhaupt kein Interesse daran, dass Larry in seinem Leben noch einmal auf einen grünen Zweig kommt.

 

Ein ungleiches Duell: Die Vespa-Gang aus "Larry Crowne" (links) und die Harley-Gang aus "Hell Ride" (rechts).

 

Aber wenn die Banker die Bösen sind, was macht man dann mit denen, die diesen Part früher einmal innehatten? In „Larry Crowne" fahren sie nun Scooters statt Harleys: Über seine Mitstudentin Talia (Gugu Mbatha-Raw) lernt Larry den Latino Dell Gordo (Wilmer Valderrama aus „Die wilden Siebziger“) und seine Vespa-Gang kennen. Eigentlich weiß spätestens seit den Jets und Riffs aus dem Musical-Klassiker „West Side Story“ jedes Kind, dass Gangs selten etwas Gutes im Schilde führen. Doch dieser Vespa-Club ist anders als die  harten Harley-Biker, die man in Genreware wie „Hell Ride“ vorgesetzt bekommt. Ihr Motto ist „Peace“ und anstatt Larrys Haus leerzuräumen, arrangieren sie es ihm lieber nach den Lehren des Feng Shui um. Das mag man als naiv empfinden, kann es aber genauso gut auch als radikale Umkehr der üblichen Hollywood-Klischees verstehen.

 

Das Schicksal von Larry Crowne klingt nach hartem Kinostoff, aber Tom Hanks nimmt die Probleme seiner Figuren ernst, ohne darüber gleich in Schwermut zu verfallen. Die großen Probleme dieser Welt müssen nicht zwingend in schweren Dramen abgehandelt werden, ganz im Gegenteil: Manchmal ist es viel wirkungsvoller, harte Realitäten in einem ansonsten beschwingten Film anzupacken, wie es nun auch das Beispiel „Larry Crown“ einmal mehr unter Beweis stellt.

 

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Kommentare

  • Alex A.

    Werbung mal anders - Es ist schon etwas eigenartig, dass filmstarts.de "Larry Crowne" erst als äußerst mittelmäßig bewertet, nachdem jetzt aber die große Werbeschalte für den Film auf der Website beginnt, einen sehr wohlgesonnen "redaktionellen" Artikel hinterherschiebt. Was die Überschrift verspricht, wird dabei überhaupt nicht gehalten, da es im Artikel einzig und allein um die "beschwingte" und gleichwohl "wirkungsvolle", "romantische Komödie" Larry Crowne geht. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt...

  • Laotse

    Anderer Autor, andere Schwerpunkte. Man muss ja nicht immer Schelm sein. ;)

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