Das Filmfest Oldenburg genießt mittlerweile den verdienten Ruf, das deutsche Pendant zum amerikanischen Sundance Filmfestival zu sein. Zwischen dem 16. und 20. September 2009 werden in der niedersächsischen Stadt Independent-Filme aus aller Welt vorgeführt. Auch wenn die aktuelle Finanzkrise gerade im Bereich der unabhängigen Produktion direkt auf die Finanzierungsmöglichkeiten der Branche durchschlägt, tut dies der kreativen Vielfalt keinesfalls einen Abbruch. Im Gegenteil, besagt eine alte Kin
Von Christoph Petersen
Das Filmfest Oldenburg genießt mittlerweile den verdienten Ruf, das deutsche Pendant zum amerikanischen Sundance Filmfestival zu sein. Zwischen dem 16. und 20. September 2009 werden in der niedersächsischen Stadt Independent-Filme aus aller Welt vorgeführt. Auch wenn die aktuelle Finanzkrise gerade im Bereich der unabhängigen Produktion direkt auf die Finanzierungsmöglichkeiten der Branche durchschlägt, tut dies der kreativen Vielfalt keinesfalls einen Abbruch. Im Gegenteil, besagt eine alte Kinoweisheit doch, dass in schwierigen Zeiten die aufregendsten Filme entstehen. Eröffnet wird das Festival am Mittwoch, den 16. September, um 19.30 Uhr im Oldenburgischen Staatstheater. Gezeigt wird Sherry Hormans Verfilmung von „
Wüstenblume“, dem biographischen Roman des afrikanischen Topmodels und Beschneidungsopfers Waris Dirie. Die Regisseurin sowie die britische Schauspielerin Sally Hawkins, die im vergangene Jahr für ihre Rolle in „
Happy-Go-Lucky“ den Silbernen Bären in Berlin in Empfang nehmen durfte, werden zur Eröffnung am roten Teppich erwartet.
Liya Kebete als Waris Dirie in „Wüstenblume“ von Sherry Horman.
Das Hauptprogramm nennt sich in Oldenburg „Internationale Reihe“ und ist in diesem Jahr gleich mit einer ganzen Reihe Highlights vollgestopft. Am vielversprechendsten erscheint Johnnie Tos Cannes-Wettbewerbsbeitrag „
Vengeance“ (Fr, 20.00 Uhr, Cinemaxx 3; Sa, 22.30 Uhr, Cinemaxx 3), in dem Johnny Hallyday ein ungewöhnliches Killerkommando zusammenstellt, um die Ermordung seiner Tochter zu rächen. In dem Doppelgänger-Horrorthriller „Don’t Look Back“ (Sa, 20.00 Uhr, Exerzierhalle; So, 19.45 Uhr, Cinemaxx 8) treffen die Stars Sophie Marceau und Monica Bellucci aufeinander - ein Ereignis, das man sich keinesfalls entgehen lassen sollte. „Leningrad“ (Sa, 19.45 Uhr, Cinemaxx 8; So. 15.00 Uhr, Cinemaxx 8) ist ein rumänisch-ukrainisches Kriegsdrama mit namhafter Besetzung: Während Oscarpreisträgerin Mira Sorvino eine junge Journalistin verkörpert, brilliert Armin Mueller-Stahl als gefühlskalter Feldmarschall. Die Brüder Mark und Michael Polish („
Astronaut Farmer“) sind Dauergäste in Oldenburg. In diesem Jahr läuft ihre John-Hughes-Reminiszenz „Stay Cool“ (Sa, 20.15 Uhr, Cinemaxx 7; So, 15.00 Uhr, Cinemaxx 7), in der diesmal Winona Ryder und Hilary Duff das Lieblingsthema des „
Breakfast Club“-Regisseurs durchkauen: Teen Angst.
Johnny Hallyday in „Vengeance“ von Johnnie To.
In der „Independent Reihe“ laufen Perlen des unabhängig produzierten Kinos aus aller Welt. Das Highlight ist James DeMonacos prominent besetzter Gangsterfilm „Staten Island“, in dem Ethan Hawke („
Tödliche Entscheidung - Before The Devil Knows You’re Dead“) als geistig zurückgebliebener Sully einem Mafiaboss 50.000 Dollar abluchsen will. Noah Buschels Noir-Thriller „The Missing Person“ (Fr, 20.00 Uhr, Cine k; Sa, 17.30 Uhr, Cine k) handelt von einem Privatdetektiv (Michael Shannon aus „
Zeiten des Aufruhrs“), der sich desillusioniert harten Drinks und zynischen Sprüchen hingibt, seitdem seine Frau bei den Anschlägen vom 11. September 2001 ums Leben gekommen ist. Das Episodendrama „Life Is Hot In Cracktown“ (Fr, 22.30 Uhr, Exerzierhalle; Sa, 00.00 Uhr, Cinemaxx 4) von Buddy Giovinazzo, dessen Tatort „Platt gemacht“ (Do, 22.00 Uhr, OLB Kino; Fr, 16.00 Uhr, JVA) ebenfalls in Oldenburg gezeigt wird, verwebt vier Geschichten rund um den „Krieg gegen die Drogen“, in dem es auf allen Seiten nur Verlierer zu geben scheint.
„Life Is Hot In Cracktown“ von Buddy Giovinazzo.
In der Sektion „Midnight Express“ laufen - wie der Name schon sagt - Filme, die früher in den Mitternachtsschienen der Kinos gezeigt worden wären. Gleich zwei Filme des diesjährigen Fantasy Filmfest sind vertreten: der gelungene Zombiestreifen „
Pontypool“ von Bruce McDonald und „
I Sell The Dead“ mit Ron Perlman, der auf liebevolle Weise den Stil der klassischen Hammer-Produktionen imitiert. Doch das wahre Muss für alle Freunde der härteren Horrorgangart ist und bleibt Andrew van den Houtens „Offspring“ nach einem Roman des aktuell extrem gehypten Horrorautors Jack Ketchum („
Jack Ketchum’s Evil“, „
Red“), in dem eine verwilderte, inzestuöse Sippe der sogenannten Zivilisation das fürchten lernt - mit abgerissenen Gliedmaßen und neu geschaffenen Körperöffnungen, über die sich wirklich niemand freut.
„I Sell The Dead“ von Glenn McQuaid.