von Christoph Petersen
Er hat sich in seiner Karriere vom „Doofen“ zum klugen Köpfchen gemausert. Nach seinen Anfängen bei der Kultcomedy „RTL Samstag Nacht“ und Charterfolgen als Teil des Blödelbarden-Duos „Die Doofen“ übernahm Wigald Boning 2003 die Moderation des Sat.1-Wissenschaftsquiz „Clever! – Die Show, die Wissen schafft“ an der Seite von Barbara Eligmann. In Disneys Nagetier-Blockbuster
G-Force leiht der erfolgreiche Synchronsprecher (Professor Tibaton aus
Urmel aus dem Eis und
Urmel voll in Fahrt) seine Stimme nun dem übergewichtigen Meerschweinchen Hurley, das seinen Käfig in einer Zoohandlung mit einem paranoiden Hamster und drei quasselnden Mäusen teilt.
Filmstarts: Wie ist es, ein Meerschweinchen zu synchronisieren?
Wigald Boning: Herrlich. Ich habe bereits als Kind ein Rosettenmeerschweinchen namens Friedolin besessen. Das ist dieselbe Rasse wie Hurley, den ich im Film spreche. Deshalb hatte ich sofort einen besonderen Zugang. Trotzdem hat mich die Rolle unerwartet stark gefordert, weil es eben doch eine ziemliche Bandbreite abzudecken galt: von sentimentalen Szenen über wildes Geschrei bis hin zu Gestöhne in allen Formen.
Filmstarts: Haben Sie sich denn dann von Ihrem eigenen Meerschweinchen inspirieren lassen oder haben Sie sich vorab die Originalsynchronisation von John Favreau angehört?
Wigald Boning: Die zugrunde liegende Synchronisation haben wir uns nicht nur angehört, sondern ganz genau analysiert, weil ein Teil des Films noch gar nicht fertig gezeichnet war. Der einzige Anhaltspunkt für uns war daher die originale Tonspur. Und dann spricht man nach Möglichkeit so, dass es ziemlich genau dem Verlauf und der Silbenaufteilung entspricht, weil darauf dann erst die Figuren animiert werden.
Filmstarts: Am Ende sind es aufgemotzte Kühlschränke, die die Weltherrschaft an sich reißen wollen. Wie gut können Sie denn persönlich mit modernen Küchengerätschaften umgehen?
Wigald Boning: Erst Gestern habe ich auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin Neuigkeiten im Bereich Weißwaren vorgestellt. Da ging es auch um den technischen Fortschritt von intelligenten Kaffeemaschinen. Nachmittags saß ich dann im Kino und habe mir zum ersten Mal den fertigen Film angesehen – um es dann auf der Leinwand erneut mit klugen Küchenmaschinen zu tun zu kriegen. Das war der klar Haushaltsgeräte-lastigste Tag meines Lebens.
Filmstarts: Auf Ihrer Platte „Jet Set Jazz“ klingen Sie ganz anders, als man es von Wigald Boning vielleicht erwartet hätte. Wollten Sie da bewusst mal eine andere Richtung einschlagen?
Wigald Boning: Ich bin da aus Konsumentensicht vorgegangen. Ich wollte also ein Album machen, das ich mir selber gerne anhöre. Das kam dann dabei raus. Ich spiele die CD jetzt mittlerweile nicht mehr soviel, aber ich habe sie mir bestimmt 600 Mal im Autoradio angehört. Immer auf der Strecke Allgäu – Münchner Flughafen und zurück. Und ich muss sagen, es hat seinen Zweck absolut erfüllt.
Filmstarts: Was dürfen wir denn demnächst noch so von Wigald Boning erwarten?
Wigald Boning: Den Rest dieses Jahres steht erst mal Erholung auf dem Plan. Anfang nächsten Jahres kommt dann ein Buch mit Reiseberichten von mir heraus. Es wird „In Rio steht ein Hofbräuhaus“ heißen und von Experimentalreisen handeln. Am Ende war das doch ziemlich viel Arbeit. Einen Teil der Reisen – nach Afghanistan, Thailand oder Rio – hatte ich zwar beruflich schon erledigt, aber es fehlten eben noch eine ganze Reihe von Touren, die nun extra für das Buch gemacht werden mussten. Das war dann immer die Kofferpackerei, hin und wieder zurück – also ich bin es jetzt leid und bleibe dieses Jahr tunlichst zu Hause.
Filmstarts: Nebel solchen Allerwelts-Auszeichnungen wie dem Adolf-Grimme-Preis oder dem Deutschen Fernsehpreis wurden Sie auch zum Brillenträger des Jahres gekürt. Welche dieser Ehrungen bedeutet Ihnen persönlich am meisten?
Wigald Boning: Der Vor- und Nachteil beim Brillenträger des Jahres ist ja, dass man effektiv nichts dafür getan hat. Mit elf bekam ich meine Brille und habe darunter nicht so sehr gelitten wie andere Kinder, die eine Außenspange tragen mussten. Aber es war jetzt auch nicht so doll, schwachsichtig zu sein. Deshalb ist es schon so etwas wie späte Genugtuung, plötzlich einen solchen Preis in den Händen zu halten.