Von Christoph Petersen
Aktuell ist tourt das Comedy-Duo Mundstuhl mit dem Programm „Sonderschüler“ durch Deutschland. Zwischen zwei Auftritten haben sich Ande Werner und Lars Niedereichholz Zeit genommen, um zwei liebenswürdig-cholerischen Trollen in dem Disney-Animationsabenteuer „
Tinker Bell – Die Suche nach dem verlorenen Schatz“ ihre Stimmen zu leihen.
Filmstarts sprach mit den beiden über Streitrezepte, Dialektnoten und Tanzen bei Kai Pflaume.
Filmstarts: In „Tinker Bell – Die Suche nach dem verlorenen Schatz“ sprecht Ihr zwei Brückentrolle, die ständig streiten und sich gegenseitig Schimpfwörter an den Kopf werfen. Nun steht Ihr fast jeden Abend gemeinsam auf der Bühne. Gibt es da eine spezielle Technik, um Streitigkeiten rechtzeitig vor einem Auftritt aus dem Weg zu räumen?
Ande Werner: In den fast 15 Jahren, die es Mundstuhl nun schon gibt, haben wir tatsächlich eine hervorragende Streitkultur entwickelt. Wenn mal was ist, und bei uns steht ja auch nicht wie bei einem Ehepaar der Sex dazwischen, dann sagen wir uns das einfach. Wir sind gute Freunde, wissen worauf es ankommt und streiten immer nur um die Sache. Das ist unser Rezept, möglichst konfliktfrei miteinander umzugehen.
Ande Werner und Lars Niedereichholz im Synchronstudio.
Filmstarts: Es kursieren Gerüchte, dass Ihr Euch bei der Rollenverteilung nur schwer einig geworden seid, wer dem kleinen und wer dem großen Troll seine Stimme leihen soll…
Ande Werner: Wir haben uns im Vorfeld nicht um die Verteilung gekümmert, weil wir nicht wussten, ob Disney bereits einen Plan hat. Als der 1. FC Nürnberg in die Zweite Liga abgestiegen ist, obwohl die Nichtabstiegsfeier bereits geplant war, hat der Präsident ein wahres Wort gesprochen: „Wer zu früh plant, muss zwei Mal planen.“ Als wir dann ins Studio kamen, wollte Lars unbedingt den großen Troll sprechen, weil er ja auch in der Realität ungefähr fünf Millimeter größer ist als ich.
Filmstarts: Für synchronisierende Komiker gibt es zwei Möglichkeiten, sich einer Rolle zu nähern. Entweder bleibt man möglichst nah am amerikanischen Original oder man interpretiert die Rolle komplett neu und reichert sie mit eigenen Gags an. Wie seid ihr vorgegangen?
Ande Werner: Die Dialoge waren schon geschrieben, so dass wir relativ wenig Eigenes reinbringen konnten. Eigentlich nur unsere persönliche Dialektnote und einige Kleinigkeiten. „Whaz Up?“ war zum Beispiel mit „Was ist denn los?“ übersetzt. Daraus hat Lars dann „Was’n?“ gemacht, weil das besser zu Mundstuhl passt.
Filmstarts: Neben Eurem Hauptberuf Comedy habt Ihr auch schon Kino gemacht, ein Buch geschrieben und nun einen Film synchronisiert. Was kommt denn als nächstes? Wo sieht sich Mundstuhl in fünf Jahren?
Zwei streitsüchtige Brückentrolle versperren Tinker Bell den Weg.
Lars Niedereichholz: Das ist eine beliebte Frage und ich kann sie auch nachvollziehen, aber wir haben diese Lebensphilosophie entwickelt, nie länger als ein Jahr im Voraus zu planen. Aber Mundstuhl ist der geilste Job der Welt und ich gehe ehrlich davon aus, dass wir mit 70 noch immer wie heute auf der Bühne sitzen und uns gegenseitig beschimpfen.
Filmstarts: Es gibt immer mehr Fernsehsendungen wie zum Beispiel Chart-Shows, in denen Comedians auftauchen, obwohl man sie dort im ersten Moment gar nicht erwarten würde. Was waren die absurdesten TV-Formate, die Euch angeboten wurden?
Lars Niedereichholz: Wir bekommen viele Angebote, die wir nicht machen, weil wir sie einfach nicht toll finden. Dazu gehört im Grunde alles, wo „Das Promi-“ davorsteht – egal ob nun „Das Promi-Dinner“ oder „Der Promi-Trödeltrupp“. Wenn „Promi-“ schon davorsteht, kann man sich eigentlich sicher sein, dass kein Promi drinnen ist.
Filmstarts: Erst kürzlich seid Ihr in Kai Pflaumes „Yes We Can Dance“ als „Dirty Dancing“-Traumpaar aufgetreten. Hattet Ihr dort wirklich „The Time Of Your Life“ oder waren die Proben dann doch eher anstrengend?
Lars Niedereichholz: Das war sogar sehr anstrengend. Wir hatten aber in sofern Glück, dass uns Sat. 1 sehr kurzfristig angefragt hat und wir deshalb nur drei Tage trainieren konnten. Ansonsten hätten wir uns wohl drei Monate lang abgerackert und es wäre trotzdem nicht besser geworden.
Auch nach dem Streit um die Rollenverteilung noch glücklich vereint: Ande Werner und Lars Niedereichholz.