Cowboys, Indianer und Aliens: Wie der Western immer wieder neu erfunden wird
von Robert Cherkowski ▪ Donnerstag, 25. August 2011 - 10:00

Wenn Daniel Craig und Harrison Ford in diesen Tagen in "Cowboys & Aliens" gegen Außerirdische antreten, treibt der altehrwürdige Western wieder einmal frische und unerwartete Blüten. Wir werfen einen Blick in die Geschichte des oft totgesagten Genres und entdecken eine erstaunliche Wandlungsfähigkeit.

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Zeit des Abgesangs: Sam Peckinpah und der Spätwestern

 

Western aus Europa? Mit dieser Entwicklung wollte sich ein damals 43-jähriger Amerikaner namens Sam Peckinpah nicht abfinden und drehte mit dem Gewalt-Schocker „The Wild Bunch“ (Bild) den einen Western, der das Genre ein für alle Mal und mit brutaler Bestimmtheit zu Grabe tragen sollte. Nach dem blutrünstigen Finale von „The Wild Bunch“, dessen damals schockierende Wirkung man heute nur noch erahnen kann, konnte es eigentlich nicht mehr weiter gehen. Jedes Ammenmärchen vom schönen, edlen Westen war spätestens jetzt endgültig in Stücke geschossen, Ende und aus. So schien es, aber längst gehörte der Western ebenso zu Amerika wie der Dollar und es zeigte sich, dass er so lange nicht vollständig aus der Mode kommen wird, wie die Nation sich mit ihren widersprüchlichen Gründermythen, mit all ihren Legenden und ihrer oft gewalttätigen Geschichte auseinandersetzen will.

 

 

Der Western lebte – trotz schwerer Wunden – also weiter. Die jungen und alten Filmemacher, die sich seiner nun annahmen, wollten neue Wege beschreiten. Es war die Zeit der sogenannten Spätwestern, die nicht nur von den späten Jahren des Westens selbst erzählten, sondern auch von ihren Schöpfern als Epilog des scheinbar sterbenden Genres betrachtet wurden. Die Helden mussten sich – natürlich im übertragenen Sinne - mit dem Wandel, den Chancen und Gefahren der neuen Zeit – sprich: der 68er Bewegung und dem Vietnamkrieg - auseinandersetzen. Langsam aber sicher wurde auch im amerikanischen Western die Gegenkultur entdeckt. Die Produktionen der frühen 70er waren die düstersten und unbequemsten Filme, die man bis dahin gesehen hatte. Sowohl mit „Das Wiegenlied vom Totschlag“ als auch mit Peckinpahs „Pat Garrett jagt Billy The Kid“ brachen unverhofft harte, anklagende Zeiten an, in denen das Establishment aggressiv auf die Hörner genommen wurden Meist handelten die Produktionen jener Zeit von alten Schlachtrössern, die tragisch an ihrem ehernen Wertekodex zerbrechen, der in der neuen Zeit nichts mehr gilt. Egal ob Jason Robards in „Abgerechnet wird zum Schluß“ oder John Wayne in „Der letzte Scharfschütze“: Es war kein Land für alte Männer mehr. Die Helden des Spätwesterns mussten wie der Outlaw Josey Wales in Clint Eastwoods „Der Texaner“ (Bild) oder Robert Redford als Einsiedler Jeremiah Johnson lernen, sich von ihren alten Feindbildern loszusagen und dem Frieden eine Chance zu geben.

 

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Kommentare

  • Schnafffan

    Ein kompaktes und gut strukturiertes Special.Das Western-Genre ist wirklich unglaublich interessant,da es wie kaum ein anderes DAS Amerikanische schlechthin beinhaltet...und es ist äußerst spannend,zeitgeschichtliche und kulturhistorische Verschiebungen und Wandel in und an ihm festzustellen...oder man lässt sich einfach wunderbar unterhalten :)

  • digital-bath

    Tolles Special, da ich Western liebe und vorallem Sergio Leone vergöttere.

  • Saeglopur

    Ich finde hier hätte man auch Firefly/Serenity erwähnen sollen. Eine der besten Serien EVAR und eine der ersten die Sci Fi mit Western verbunden hat. (Und das passt doch irgendwie zum Thema, nicht? ^^ )

  • Jimmy V.

    Ich bin auch Western-Fan, weiß allerdings nicht recht wie ich das beurteilen soll. Ja, in den letzten paar Jahren gab es Western, und sie alle waren, von The Proposition über Die Ermordung des Jesse James... bishin zu True Grit gut. Allerdings halte ich nicht viel davon jetzt von einem Revival zu sprechen, gerade dieses Jahr, wo es ja nun True Grit und Cowboys und Aliens, letzterer ja nun wirklich auch mehr Popcorn und, der Kritik glaubend, nicht wirklich gut, erschienen sind. Kommt der Western damit zurück? War er nie weg, weil er sowieso ein Nischendasein fristet? Ich meine, seht euch all diese Filme mal an: In gewisser Hinsicht waren das ja noch mehr Dramen denn je, wie es ja auch das Special zeigt.

  • MaG666

    Gutes Special, aber als Fan der "modernen" Western fehlt der Hinweis auf 2 Filme, die meiner Meinung nach dazu gehören: Silverado und Young Guns. Silverado war meines Wissens nach einer der wenigen 80er-Jahre-Western überhaupt und darüber hinaus auch einfach ein guter Film. Und Young Guns hätte allein wegen seiner modernen Machart (Stichwort: MTV-Videoclip-Stil) eine Erwähnung verdient.

  • niceguy79

    Nettes Special, wobei ich denke, dass bei "Cowboys & Aliens" bei weitem nicht um die Rückkehr des Western-Genre's handelt, sondern nur um ein weiteres Name-Franchisig-Filmchen, weil Hollywood außer trickreichen Comic-, Videospiel-, Spielzeug-Verfilungen und Remakes von bekannten Namen wieder mal auf Nummer sicher geht. "Cowboy vs. Aliens" erhebt - auch wenn es gut gemacht ist - keinerlei ernsthaften Anspruch darauf, sich in die hier dargestellten, guten und selbstständig erdachten Filme des Western-Genres einzureihen.
    In dem Special fehlen meines Erachtens auch Filme wie "Inglorious Basterds" die mit ihrem Stil ganz bewusst eine Hommage an den Western sind, ohne unbedingt Cowboy-Hüte zu tragen. Und vergessen wird hier auch, dass diverse Actionfilme der 80er und 90er sich ganz bewusst aus der Westerndarstelllung ableiten lassen (z.B. "Rambo", "Stirb langsam", "Last Man Standing"). Der Western war also nie tod, oft nur anders dargestellt ;-)

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