Cowboys, Indianer und Aliens: Wie der Western immer wieder neu erfunden wird
von Robert Cherkowski ▪ Donnerstag, 25. August 2011 - 10:00

Wenn Daniel Craig und Harrison Ford in diesen Tagen in "Cowboys & Aliens" gegen Außerirdische antreten, treibt der altehrwürdige Western wieder einmal frische und unerwartete Blüten. Wir werfen einen Blick in die Geschichte des oft totgesagten Genres und entdecken eine erstaunliche Wandlungsfähigkeit.

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Mit Humor und Augenzwinkern in die Zukunft

 

Allein 2011 waren und sind zwei Big-Budget-Western zu sehen, wie sie bunter, origineller und unterschiedlicher kaum hätten ausfallen können. So griffen die Brüder Joel und Ethan Coen für ihren letzten Wurf „True Grit“ auf den John-Wayne-Klassiker „Der Marshal“ zurück. Anstelle des „Dukes“ hievte sich nun „der Dude“, Jeff Bridges (Bild), in den Sattel und nuschelte sich durch ein ebenso witzig-charmantes wie brutales Remake der legendären Western-Komödie von 1969. Die Coens, die noch vor vier Jahren den rabenschwarzen Neo-Western-Noir „No Country For Old Men“ auf die Menschheit losließen, verzichteten dabei bewusst auf die bleierne Schwere und den heiligen Ernst, mit denen sich so viele moderne Western schmücken und schenkten ihren Fans einen verhalten melancholischen, aber auch humorvollen Film, an dem man immer wieder seine Freude haben kann. Wenn Bridges als versoffener Scharfschütze Rooster Cogburn durch die Einöden des Westens torkelt, ist der Abgesang auf die klassischen Heldentypen ohnehin so offensichtlich, dass er gar nicht mehr betont werden muss.

 

 

In Jon Favreau Science-Fiction-Western-Mash-Up „Cowboys & Aliens“ wird auf Subtext und tiefere Bedeutung vorsorglich ganz verzichtet. Wer braucht schon eine Auseinandersetzung mit Genre-Mythen, wenn er stattdessen erleben kann, wie Daniel Craig und Harrison Ford (Bild) glibberigen Aliens mit ihren Six-Shootern die Hölle heiß machen? Auch wenn die Prämisse reichlich abwegig klingt, ist sie gar nicht so neu. Schon mit Michael CrichtonsWestworld“ aus dem Jahre 1973 hat es ein Sci-Fi-Reißer in den Kanon der Western-Klassiker geschafft. Wo damals noch Yul Brynner von den glorreichen Sieben als amoklaufender Cowboy-Roboter Angst und Schrecken verbreitete, versenken heute 007 und Indiana Jones ihre Stiefel in außerirdischen Gesäßen. Wer da zu verbissen nach Sinn und Verstand fragt, betrügt sich am Ende um ein schnelles und vergnügliches Stück Popcorn-Kino. Auch das ist der Western, bei aller Schwermut immer schon gewesen. Ende und aus? Noch lange nicht!

 

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Kommentare

  • Schnafffan

    Ein kompaktes und gut strukturiertes Special.Das Western-Genre ist wirklich unglaublich interessant,da es wie kaum ein anderes DAS Amerikanische schlechthin beinhaltet...und es ist äußerst spannend,zeitgeschichtliche und kulturhistorische Verschiebungen und Wandel in und an ihm festzustellen...oder man lässt sich einfach wunderbar unterhalten :)

  • digital-bath

    Tolles Special, da ich Western liebe und vorallem Sergio Leone vergöttere.

  • Saeglopur

    Ich finde hier hätte man auch Firefly/Serenity erwähnen sollen. Eine der besten Serien EVAR und eine der ersten die Sci Fi mit Western verbunden hat. (Und das passt doch irgendwie zum Thema, nicht? ^^ )

  • Jimmy V.

    Ich bin auch Western-Fan, weiß allerdings nicht recht wie ich das beurteilen soll. Ja, in den letzten paar Jahren gab es Western, und sie alle waren, von The Proposition über Die Ermordung des Jesse James... bishin zu True Grit gut. Allerdings halte ich nicht viel davon jetzt von einem Revival zu sprechen, gerade dieses Jahr, wo es ja nun True Grit und Cowboys und Aliens, letzterer ja nun wirklich auch mehr Popcorn und, der Kritik glaubend, nicht wirklich gut, erschienen sind. Kommt der Western damit zurück? War er nie weg, weil er sowieso ein Nischendasein fristet? Ich meine, seht euch all diese Filme mal an: In gewisser Hinsicht waren das ja noch mehr Dramen denn je, wie es ja auch das Special zeigt.

  • MaG666

    Gutes Special, aber als Fan der "modernen" Western fehlt der Hinweis auf 2 Filme, die meiner Meinung nach dazu gehören: Silverado und Young Guns. Silverado war meines Wissens nach einer der wenigen 80er-Jahre-Western überhaupt und darüber hinaus auch einfach ein guter Film. Und Young Guns hätte allein wegen seiner modernen Machart (Stichwort: MTV-Videoclip-Stil) eine Erwähnung verdient.

  • niceguy79

    Nettes Special, wobei ich denke, dass bei "Cowboys & Aliens" bei weitem nicht um die Rückkehr des Western-Genre's handelt, sondern nur um ein weiteres Name-Franchisig-Filmchen, weil Hollywood außer trickreichen Comic-, Videospiel-, Spielzeug-Verfilungen und Remakes von bekannten Namen wieder mal auf Nummer sicher geht. "Cowboy vs. Aliens" erhebt - auch wenn es gut gemacht ist - keinerlei ernsthaften Anspruch darauf, sich in die hier dargestellten, guten und selbstständig erdachten Filme des Western-Genres einzureihen.
    In dem Special fehlen meines Erachtens auch Filme wie "Inglorious Basterds" die mit ihrem Stil ganz bewusst eine Hommage an den Western sind, ohne unbedingt Cowboy-Hüte zu tragen. Und vergessen wird hier auch, dass diverse Actionfilme der 80er und 90er sich ganz bewusst aus der Westerndarstelllung ableiten lassen (z.B. "Rambo", "Stirb langsam", "Last Man Standing"). Der Western war also nie tod, oft nur anders dargestellt ;-)

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