Eilmeldung: Aliens attackieren nicht mehr nur die USA!
von Christoph Petersen ▪ Donnerstag, 29. Dezember 2011 - 00:00

Zum Kinostart von "Darkest Hour" werfen wir einen Blick auf die Entwicklung, dass Außerirdische in Kinofilmen nicht länger nur über US-amerikanische Großstädte herfallen.

 

Eilmeldung: Aliens attackieren nicht mehr nur die USA!

 

Von Christoph Petersen

 

Wenn früher jemand einen Alien-Invasions-Reißer in Hollywood gedreht hat, wurde dabei in der Regel entweder Los Angeles oder New York in Schutt und Asche gelegt. Die Phantasie der Filmemacher reichte offenbar einfach nicht so weit, sich auch mal einen Schauplatz in einem anderen Teil der Welt auszusuchen. Außerdem war den Produzenten natürlich daran gelegen, dass sich ein US-amerikanisches Publikum möglichst leicht mit den überrannten Erdenbürgern identifizieren kann. Die US-Seite WeirdWorm.com hat deshalb sogar schon eine Top Five der Gründe aufgestellt, warum Aliens immer zuerst in Amerika landen. Auch im an Invasionen reichen Kinojahr 2011 mussten wieder einige US-Metropolen dran glauben, wobei neben dem üblichen Verdächtigen Los Angeles („World Invasion: Battle Los Angeles“) zur Abwechslung immerhin auch mal Chicago („Transformers 3“) und der Wilde Westen („Cowboys & Aliens“) unter galaktischen Invasoren zu leiden hatten.

 

In Roland Emmerichs "Independence Day" muss das Empre State Building dran glauben.


Neben den üblichen Hollywood-Blockbustern gibt es seit einiger Zeit aber auch immer mehr Alien-Filme, die nicht in den USA spielen. Den Machern deshalb jetzt gleich ganz allgemein mehr Mut zum kreativen Risiko zuzusprechen, wäre aber zuviel des Guten. Immerhin hat die Auslagerung oft auch damit zu tun, dass Filme sich anderswo einfach für viel weniger Geld realisieren lassen. So hat Neill Blomkamps in Johannesburg gedrehte, von „Herr der Ringe“-Mastermind Peter Jackson produzierte Alien-im-Ghetto-Zukunftsvision „District 9“ gerade einmal 25 Millionen Dollar gekostet, während ein Film mit solch ausgefeilten Effekten in Hollywood locker doppelt so viel verschlungen hätte. Zum anderen ermöglichen neue Produktionstechniken Filmemachern rund um den Globus, auch Science-Fiction-Filme notfalls mit einem niedrigen Budget weit unterhalb der üblichen Blockbuster-Kosten zu stemmen, weshalb sich nun auch Independent-Filmer wie Gareth Edwards (mit „Monsters“; Budget: 500.000 Dollar) oder Joe Cornish (mit „Attack The Block“; Budget: 13 Millionen Dollar) an das früher noch unerschwingliche Genre wagen.

 

Aliens im Ghetto: In "Monsters" in Mexiko (links) und in "District 9" (rechts) in Südafrika.


Aber was auch immer die genauen Gründe für die neue Reiselust sein mögen, für den Zuschauer zahlt sich diese Entwicklung ebenfalls aus. Immerhin werden dem Genre mit jedem unverbrauchten Schauplatz immer auch frische Aspekte abgerungen: So ist der mit einer Oscar-Nominierung als Bester Film geadelte „District 9“ nicht nur ein im Dokumentarstil gefilmter Alien-Actioner, sondern zugleich auch ein bissiger Kommentar zu den südafrikanischen Apartheidsgesetzen. Der Low-Budget-Hit „Monsters“ entpuppt sich nicht nur als romantischer Road-Trip durch ein alienverseuchtes Reservat in Mexiko, sondern funktioniert zugleich auch als Kritik an den US-amerikanischen Anti-Immigrations-Bemühungen. Und der Instant-Kultfilm „Attack the Block“ ist nicht einfach nur der neben „Four Lions“ stärkste britische Film des Jahres, sondern Regisseur Joe Cornish rekrutiert seine Helden (nämlich unterprivilegierte Kids aus dem Londoner Ghetto) auch noch aus einer Schicht, die im Mainstream-Kino ansonsten kaum vorkommt.

 

 

Auch bei „Darkest Hour“ lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, ob Produzent Timur Bekmambetov (der Regisseur von „Wächter des Tages“ & „Wanted“) die Handlung nun aus finanziellen Überlegungen oder aus alter Verbundenheit in seine russische Heimat verlegt hat. Aber eigentlich ist das auch vollkommen egal, es zählt nur, was am Ende über die Leinwand flimmert. Und da lässt sich eindeutig feststellen, dass der Film durch sein Setting im fast menschenleeren Moskau nur dazugewinnt. Nicht nur bietet der leergefegte Rote Platz eine angenehme Abwechslung zu den längst verbrauchten Schauplätzen in Los Angeles oder New York, auch die russische Mentalität steigert den Unterhaltungswert ungemein: Wer ein echter Moskauer ist, der lässt sich von so ein paar Aliens eben nicht unterkriegen, sondern reitet mit Kettenhemd und Panzerfaust Patrouille. Moskau mag eine Millionenmetropole sein, aber statt verweichlichter Städter findet man hier noch echte Männer, die pathostriefende Patriotismusreden schwingen, als gäbe es kein Morgen. Solche Charaktere sind zwar auch in „Darkest Hour“ nur Nebenfiguren, während die Haupttruppe aus amerikanischen Touristen besteht, aber sie geben dem Film doch ein besonderes Flair, das mal ein wenig frische Luft ins ansonsten so miefige Invasions-Genre bringt.

 

"Darkest Hour" startet am 29. Dezember 2011 in den deutschen Kinos.

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Kommentare

  • SonnyC

    Ich behaupte mal, dass es irgendwie nach "Monsters vs. Aliens" Klick gemacht hat.

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