Oscars 2012: Wer gewinnt, wer wird nominiert und wer geht leer aus?
von Andreas Staben ▪ Sonntag, 8. Januar 2012 - 00:00

Die Oscar-Saison steckt mitten in ihrer heißen Phase. Während die Wahlberechtigten über ihren Stimmzetteln brüten, schauen wir auf den Stand der Dinge und nehmen die einzelnen Kategorien genauer unter die Lupe. Wir nennen euch die zehn Favoriten und bringen sie in eine Reihenfolge.

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Bester Film

 

  1. The Artist
  2.  

  3. The Descendants
  4.  

  5. Hugo Cabret
  6.  

  7. Gefährten
  8.  

  9. The Help
  10.  

  11. Midnight in Paris
  12.  

  13. Die Kunst zu gewinnen - Moneyball
  14.  

  15. The Tree Of Life
  16.  

  17. The Ides Of March
  18.  

  19. Extrem laut und unglaublich nah

 

Am 26. Februar 2012 findet die 84. Oscar-Verleihung statt. Ihr geht wie immer ein monatelanges Spektakel voraus, das fast mit einem politischen Wahlkampf zu vergleichen ist. Da wird taktiert, polemisiert, spekuliert und jeder, der irgendeine Auszeichnung zu vergeben hat, wird hofiert. Wir schauen für euch hinter die Kulissen der sogenannten Awards Season, die nach dem Versand der Stimmzettel für die Oscar-Nominierungen im Januar in die ganz heiße Phase geht. Wir verraten, wer im Rennen um den wichtigsten Filmpreis der Welt momentan vorne liegt und warum.

 

5, 6, 7, 8, 9 oder 10? Das ist die spannende Frage, wenn am 24. Januar die diesjährigen Oscar-Nominierungen in der wichtigsten Kategorie Bester Film bekanntgegeben werden. Erst mit dem Verlesen der Kandidaten wird die Welt erfahren, wieviele Filme genau in der Königskategorie zur Auswahl stehen, denn durch eine Regeländerung gibt es nun nicht mehr wie in den beiden vergangenen Jahren sichere zehn Nominierungen, sondern eine variable Anzahl. Dadurch soll zum einen für zusätzliche Spannung gesorgt werden, zum anderen möchte man aber vor allem erreichen, dass die Filme mit einer starken Anhängerschaft unter den Wählern in den Vordergrund rücken. Wer sich für das recht komplizierte Verfahren genauer interessiert, kann unten auf dieser Seite die Einzelheiten nachlesen.*

 

Über die Anzahl der Nominierungen lässt sich ohne Erfahrungswerte nur spekulieren, aber die meisten Beobachter gehen momentan von sieben oder acht Kandidaten aus. Wenn man die diversen Bestenlisten, die Kritikerpreise, die Wettquoten und die Oscar-Kampagnen betrachtet, dann muss zum jetzigen Zeitpunkt das französische Stummfilmdrama „The Artist“ nicht nur wegen seiner sechs Golden-Globe-Nominierungen als Favorit gelten. Zwar hat Michel Hazanavicius‘ nostalgisch-spielerische Verbeugung vor dem alten Hollywood die Kritiker nicht ganz so einhellig begeistert wie „The Social Network“ im vergangenen Jahr, aber das warmherzige Drama trifft weitaus genauer den eher traditionellen Geschmack vieler Mitglieder der Academy of Motion Picture Arts and Sciences (AMPAS), die den Oscar vergibt, als David Finchers kühle Facebook-Fabel.

 

Einer der Hauptkonkurrenten von „The Artist“ um den großen Preis (und um den psychologischen Vorteil der meisten Nominierungen) ist eine andere filmische Reise in die Kino-Vergangenheit: „Hugo Cabret“, Martin Scorseses opulente Liebeserklärung an das eigene Medium in 3D. Neben dem „Departed: Unter Feinden“-Regisseur beschwören noch zwei weitere Oscar-Gewinner der Vergangenheit die Geister der alten Meister und Vorbilder. Steven Spielberg zeigt mit „Gefährten“, dass das Kino der großen Bilder und der ganz großen Gefühle keineswegs tot ist, und Woody Allen hat mit seiner originellen Zeitreise „Midnight in Paris" die höchsten Kasseneinnahmen seiner langen Karriere erreicht. Ein klassischer Kritiker-Liebling ist Alexander Paynes Lebenskrisen-Drama „The Descendants“, der zugleich ein typischer „Schauspieler-Film“ ist, was ihm bei den Darstellern in der Academy, die bei weitem das größte Segment unter den Mitgliedern ausmachen, Pluspunkte bringt. Ähnliches gilt für den Überraschungshit „The Help“, in dem eine herzerwärmende Geschichte mit einer sanften aufklärerischen Botschaft vereint wird.

 

Das führende Feld ist mit diesen Kandidaten relativ klar umrissen, hochgehandelte frühe Favoriten wie „J. Edgar“ und „Extrem laut und unglaublich nah“ sind nach lauwarmen Reaktionen von Presse und Publikum dagegen höchstens noch Wackelkandidaten. Schwierig ist es auch für Genrefilme wie „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 2“, „Verblendung“ und „Brautalarm“ trotz Kassenerfolgs und größtenteils hervorragender Kritiken, denn Fantasy-Filme, harte Thriller und deftige Komödien können, wenn es um den Oscar geht, erfahrungsgemäß kaum mit ernsten Dramen, Historienfilmen und Filmbiografien mithalten. „Harry Potter“ ist dann doch nicht „Herr der Ringe“, der als einmaliges Phänomen zum Abschluss der Reihe mit elf Oscars verabschiedet wurde. „Verblendung“ und „Brautalarm“ finden sich immerhin in der Top 10 der Produzentengilde (PGA) wieder und könnten spätestens wieder ins Spiel kommen, wenn es mehr als acht Nominierungen geben sollte.

 

 

*Das funktioniert vereinfacht so: Alle Mitglieder der Academy of Motion Picture Arts and Sciences (etwa 6000) geben auf ihren Stimmzetteln ihre fünf Favoriten in wertender Reihenfolge an. Bei der Auswertung wird zuerst nur auf die ersten Plätze geschaut. Wer hier bereits die erforderliche Anzahl der Stimmen auf sich vereint, ist nominiert. Bei genau 6000 gültigen Stimmen sind das 546: Diese Zahl kann nämlich rechnerisch nicht von mehr als 10 Filmen übertroffen werden.

Nun wird bei diesen Kandidaten (für das Beispiel: „The Artist“) zusätzlich geprüft, ob sie die benötigte Stimmenzahl um mindestens 20% übertroffen haben (im Beispiel also ab 656). Sollte das der Fall sein, tritt die sogenannte Überschuss-Regel (Surplus) in Kraft. Je nachdem, wie hoch dieser Überschuss ist, wird ein Anteil jeder Stimme für den betroffenen Film auf den jeweiligen Zweitplazierten übertragen: Wenn der Film beispielsweise doppelt so viele Stimmen bekommt wie nötig (1092), dann werden jeweils 50% (der Anteil des Überschusses) der Stimme dem zweitgenannten Titel gutgeschrieben. Wenn jemand in unserem Beispiel also auf 1 „The Artist“ hat und auf 2 „Gefährten“, dann wird seine Stimme mit 0,5 für „The Artist“ und mit 0,5 für „Gefährten“ gezählt.

Sind die nötigen Umverteilungen abgeschlossen (und nun kann es Filme mit „krummen“ Stimmenzahlen geben), dann wird geprüft, welche Filme auf mindestens 1% aller Nummer-1-Stimmen kommen (also 60) und welche nicht. Die Kandidaten mit weniger als 1% scheiden aus. Die Stimmzettel für diese Filme werden beiseite genommen und nun werden die Stimmen nach Präferenz auf die verbleibenden Kandidaten umverteilt: Ist der Zweitplatzierte noch im Rennen (gehört also zu denen mit mindestens 1% und nicht zu den vielleicht schon Nominierten), bekommt er die (volle) Stimme. Sollte der Zweitplatzierte nicht mehr wählbar sein, dann geht es nach dem gleichen System weiter zum Dritten, dann zum Vierten oder (unwahrscheinlich) zum Fünften.

Sind alle Stimmzettel verteilt oder ausgeschlossen, dann wird erneut nachgezählt. Jetzt gilt es, auf mehr als 5% aller Stimmen zu kommen (also 301). Wer das schafft, ist nominiert. Ausnahmen gibt es nur beim extrem unwahrscheinlichen Fall, dass mehr als zehn Filme die Bedingungen erfüllen, denn diese Obergrenze wird in jedem Fall eingehalten. Beim anderen Extrem – weniger als fünf Filme erfüllen die Bedingungen - , werden die Stimmen des oder der nun hintenliegenden Kandidaten nach dem oben beschriebenen System umverteilt. Das wird solange wiederholt, bis ein fünfter Kandidat die Fünf-Prozent-Hürde überspringt.

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Kommentare

  • Bjoerg

    eine gelungene Zusammenfassung der momentanen Oscarfavoriten, mit guten Beschreibungen der teilweise komischen Kriterien der Academy für eine Nominierung... dieses Jahr wird besonders in den Schauspielkategorien spannender als letztes Jahr (Team Fassbender;-) ), bin außerdem gespannt, ob Andy Serkis endlich mal nominiert wird, sieht aber momentan leider schlecht aus... Außerdem finde ich persönlich Hugo einen Tick besser als The Artist, sind zwar beides gelungene Liebesbriefe ans Kino selbst, aber bei Hugo war man meiner Meinung nach noch etwas innovativer, besonders wegen der Einbeziehung der 3D-Effekte. Interessant wird es auch zu sehen, ob das Phänomen Harry Potter mit einem Oscar belohnt wird (fänd ich ja mal angebracht). Der beste Song war meiner Meinung nach 'Man or Muppet', ganz toll, wirklich. Und Soundtrackmäßig unterstütze ich Howard Shore, der mal wieder ein kleines Meisterwerk geschaffen hat (bitte nicht den Pathos von War Horse!). Hans Zimmer ist wahrscheinlich noch immer sauer darüber, dass sein Inception-Soundtrack nicht ausgezeichnet wurde (was ich absolut nachvollziehen kann).

  • Bachelerie Pascal

    Vielen Dank für die gute vorstellung der Antwärtern für die Oscars 2012 !!! Mein Favorit : The Artist ! Und das hat nicht damit zu tun, dass ich Franzose bin... Ehrenwort !! Und der Beweis : der Film kommt nach Deutschland...am 26.01 !!! Stern sagt : bester Film des Jahres !!! In einer Zeit wo 3D die Kinowelt regiert, wo alles so modernisiert ist... so einen Film rauszubringen klingt verrückt... aber lassen Sie sich verzaubern !!! Es war einmal ... !!! Schauspieler sind grandios, Filmmusik rührend und ansteckend... der Film ist auch gut fürs Herz !!! Also wenn das Wetter schon schlecht ist.... lassen Sie die Sonne im Kino scheinen !!! Viel Spaß dabei !

  • VisitorQ

    "(...) so wie es in diesem Jahr beispielsweise bei Clint Mansells „Drive“-Score geschehen ist (...)"
    der score stammt von cliff martinez, nicht von clint mansell

  • Darthmonkey

    ich hoffe einfach mal, dass "melancholia" doch von der academy nominiert wird. dafür können sie ruhig "the ides of march" weglassen.

  • Lasse

    "Captain America" hat Chancen auf eine Nominierung für den Besten Song? What the Fuck? Das darf doch wohl nicht wahr sein. Da kann man sehen, dass mit unserer Welt nicht alles in Ordnung ist. Und es ist nach wie vor echt schade, dass die Academy immer noch nicht auf Harry Gregson-Williams aufmerksam geworden ist, der mit "Arthur Weihnachtsmann" meiner Meinung nach einen der schönsten Scores dieses Jahres hervorgebracht hat. Drücke aber John Williams die Daumen, auch wenn ich gerne Harry Gregson-Williams auf der Nominierten-Liste sähe.

  • Lasse

    Bei den Animations-Filmen drücke ich ebenfalls "Arthur Weihnachtsmann" die Daumen, selbst unter den Voraussetzungen, dass die Motion Capture-Filme "Rango" und "Tim und Struppi" nominiert werden. Denn "Arthur" hatte einfach viel mehr Charme.

  • Lasse

    Visuelle Effekte... da ist ganz klar "Planet der Affen" mein Favorit, aber ich lass mich überraschen. "Real Steel" wäre auch denkbar. Es gab viele gute Kandidaten dieses Jahr.

  • Charles Smith

    Visuelle Effekte... hmmm... dieses Jahr gab es einen Michael Bay film... schwierige sache

  • niman7

    Was ist mit Mel Gibson aus Der Biber? Er war in dem Film grandios.

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