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    Cannes 2013: Kontroverse um "Blue Is The Warmest Colour" geht weiter – Autorin der Vorlage kritisiert Film als pornografisch
    Von Björn Becher — 28.05.2013 um 20:40

    Am vergangenen Sonntag (26.5.2013) wurde Abdellatif Kechiches Film "Blue Is The Warmest Colour" bei den Filmfestspielen von Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet. Allerdings wurde der Film aufgrund seiner grafischen Darstellung von Sex zwischen zwei Frauen auch sehr kontrovers diskutiert. In die Schar der Kritiker reiht sich nun auch die Autorin der Comic-Vorlage Julie Maroh ein und kritisiert: Der Film sei ein Porno, der Lesben-Sex nicht authentisch.

    Die meisten Kritiker waren begeistert von "Blue Is The Warmest Colour", so dass das Drama in Cannes als bester Film mit dem Preis des Kritikerverbandes ausgezeichnet wurde. Auch die Jury um Präsident Steven Spielberg und Oscarpreisträger Christoph Waltz war augenscheinlich sehr angetan: "Blue Is The Warmest Colour" gewann die Goldene Palme als Bester Film, die – historisch einmalig – an Regisseur Abdellatif Kechiche und die Hauptdarstellerinnen Adèle Exarchopoulos und Léa Seydoux zusammen verliehen wurde. Allerdings gab es nicht nur Lob für "Blue Is The Warmest Colour". Einige Kritiker fanden harsche Worte wegen expliziter Sexszenen zwischen den Hauptdarstellerinnen. Während der Vorführungen sollen auch mehrere Zuschauer das Kino verlassen haben. Nun reiht sich Julie Maroh, die Autorin der Comic-Vorlage in den Chor der Kritiker ein.

    Julie Maroh veröffentlichte auf ihrem Blog einen längeren Text mit ihrer Meinung zu dem Film. Dabei stellte sie klar, dass sie und Regisseur Kechiche eine sehr unterschiedliche ästhetische Herangehensweise haben. Sie kritisiert zudem, dass am Set des Films eine Lesbe gefehlt habe. Sie sei lesbisch und frage sich, woher das Team seine Informationen bei der Darstellung der expliziten und ausführlichen Sexszenen gehabt habe. Ihres Wissens seien der Regisseur und die Hauptdarstellerin schließlich heterosexuell und sie selbst habe man nie um Rat gefragt. Vielleicht sei ja jemand am Set gewesen, der die Sexpositionen mit seinen Händen imitiert habe oder man habe ihnen Lesben-Pornofilme gezeigt, so die Autorin nicht ohne Spott. Genau daran habe sie der Film nämlich erinnert. Es sei eine brutale und chirurgische Darstellung, üppig und kalt, von dem, was Leute für Lesben-Sex halten und werde so pornografisch.

    Als Argument führt Maroh an, dass viele Zuschauer gelacht haben. Das heterosexuelle Publikum habe gelacht, weil sie die Szenen nicht verstanden hätten und lächerlich fanden. Homosexuelle Zuschauer haben gelacht, weil die Szenen nicht überzeugend waren. Nicht gelacht hätten nur die Typen, die zu beschäftigt damit gewesen seien, ihre Fantasien von dem Geschehen auf der Leinwand anheizen zu lassen.

    Sie könne als Feministin und lesbische Zuschauerin nicht willkommen heißen, welche Richtung Regisseur Kechiche mit diesen Szenen eingeschlagen habe. Sie stellte aber zudem klar, dass dies ihre persönliche Meinung sei und sie sei interessiert, wie andere Frauen darüber denken.

    Julie Marohs Comic-Vorlage zu "Blue Is The Warmest Colour" erschien 2010 in Frankreich und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

    Die FILMSTARTS-Kritik zu "Blue Is The Warmest Colour" erscheint voraussichtlich am Mittwoch, den 29. Mai 2013.

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