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    Heute im TV: 2 Marvel-Stars in einem wunderschönen Sci-Fi-Blockbuster, der zu Unrecht furchtbare Kritiken bekommen hat
    Von Benjamin Hecht — 15.04.2021 um 14:10

    Es gibt wohl nicht viele große Science-Fiction-Filme, die in den letzten Jahren so sehr auf den Deckel bekommen haben wie „Passengers“ mit Chris Pratt und Jennifer Lawrence. Zu Unrecht, meint FILMSTARTS-Redakteur Benjamin Hecht.

    Sony Pictures

    Am heutigen Donnerstag, dem 15. April 2021 läuft „Passengers“ um 20.15 Uhr bei VOX im Free-TV. Eine Wiederholung folgt am Freitag, dem 16. April um 22.15 Uhr. Wer beide Ausstrahlungen verpasst, kann sich den Film auch via Netflix oder Sky Ticket* ansehen.

    +++ Meinung +++

    Passengers mit den Superstars Chris Pratt („Guardians Of The Galaxy“, „Jurassic World“) und Jennifer Lawrence („X-Men: Erste Entscheidung“, „Tribute von Panem“) hat bei seinem Kinostart 2016 (bzw. 2017 in Deutschland) Unmengen an heftiger Kritik einstecken müssen.

    Der Sci-Fi-Blockbuster kommt bei Metacritic auf eine schwache Durchschnittswertung von gerade mal 41 Prozent und laut Rotten Tomatoes haben über zwei Drittel der Kritiker eine negative Meinung zum Film. Ein absolutes Armutszeugnis für eine so ambitionierte und mit einem Budget von 110 Millionen Dollar auch teure Produktion.

    Doch ich finde, dass „Passengers“ das viele schlechte Feedback nicht verdient hat. Klar, die fragwürdige Sci-Fi-Romanze von Morten Tyldum („The Imitation Game“) ist kein Meisterwerk des Sci-Fi-Genres. Trotzdem möchte ich hier eine klare Sehempfehlung aussprechen und erklären, warum ich „Passengers“ trotz seiner Schwächen (oder vielleicht gerade deshalb) für einen tollen Science-Fiction-Film halte.

    Darum solltet ihr "Passengers" schauen

    „Passengers“ kann man leicht spoilern und deshalb hier zunächst in aller Kürze die Qualitäten des Films, die ohne Handlungsbeschreibungen auskommen:

    In erster Linie besticht das Sci-Fi-Drama durch seine krassen Widersprüche, die eine einzigartige Atmosphäre erzeugen. Denn Morten Tyldum erzählt mit den Mitteln eines Blockbusters eine sehr intime, fast kammerspielartige Geschichte. Wie schon Carsten Baumgardt in der FILMSTARTS-Kritik feststellte, trifft hier „Intimität [...] auf epische Größe, Liebesdrama auf Space-Spektakel“ und kühne Ideen auf Hochglanz-Hollywood-Kino.

    Die FILMSTARTS-Kritik zu "Passengers"

    Was mich persönlich aber noch mehr begeistert, ist die krasse Diskrepanz zwischen der oberflächlich wunderschönen Fassade und dem düsteren Subtext, der nicht nur die Romanze von Chris Pratt und Jennifer Lawrence, sondern jeden Winkel des Setdesigns und jede virtuelle CGI-Faser miteinbezieht, sei es wenn Chris Pratt und Jennifer Lawrence die unendlichen (und unendlich schönen) Weiten des Weltalls bestaunen oder letztere ein spektakuläres Bad in der Schwerelosigkeit nimmt. „Passengers“ sieht einfach verdammt gut aus, ist aber innerlich verdorben.

    Das Raumschiff ist im Grunde ein Kreuzfahrtschiff im Weltall. Alles ist auf Hochglanz poliert, es gibt einen wunderschönen Garten, sensationelle Unterhaltungsmöglichkeiten, einen Androiden-Butler und vieles mehr. Doch für die Protagonisten des Films ist diese fliegende Spielwiese nichts anderes als ein verchromtes Luxusgefängnis, aus dem sie nie entkommen werden, womit wir auch schon bei der Prämisse des Films wären.

    Darum geht es in "Passengers"

    Auf einem jahrzehntelangen Flug zu einem weit entfernten Planeten erwachen der Mechaniker Jim (Chris Pratt) und die Journalistin Aurora (Jennifer Lawrence) 90 Jahre zu früh aus ihrem Kälteschlaf. Da es keine Möglichkeit gibt, wieder in diesen Zustand zurückzukehren, gleicht das einem Todesurteil. Die beiden werden an Bord des Raumschiffs sterben, ehe die sichere Kolonie erreicht ist. So viel steht fest.

    Das gemeinsame Schicksal schweißt die beiden aber zusammen und sie verbringen eine romatische Zeit miteinander, bis ein technisches Problem droht, das Raumschiff so zu beschädigen, dass auch die anderen rund 5.000 Passagiere ihr Ziel nie erreichen werden. Die große Romanze der beiden wird also durch eine existenzielle Bedrohung erschüttert. Zumindest wird uns das im Trailer als zentraler Konflikt des Films verkauft, doch das ist noch lange nicht die ganze Wahrheit...

    Wer sich den Trailer zu „Passengers“ ansieht, bekommt einen völlig falschen Eindruck vermittelt. Der Grund, weshalb die beiden wach sind, ist der wahre Konflikt von „Passengers“ und der erreicht bitterböse Dimensionen, die den Film für mich unvergesslich machen.

    Ironischerweise ist dieser Twist aber auch der Auslöser für die vielen vernichtenden Kritiken. Um darauf einzugehen, muss ich allerdings ein bisschen spoilern...

    Die Kritik an "Passengers" ist berechtigt, aber übertrieben

    Achtung, Spoiler zu „Passengers“!

    Wie sich herausstellt, erwacht ursprünglich nur Jim aus dem Kälteschlaf. In seiner Einsamkeit verliebt er sich jedoch in Aurora und entschließt sich dazu, die Mitpassagierin aufzuwecken und so ihr Todesurteil zu fällen, nur um seine eigene Reise erträglicher zu machen. Diese höchst egoistische Entscheidung brachte „Passengers“ viel Kritik ein.

    Der Film verkauft uns Jim als tragischen Helden, der zugleich aber auch etwas so unermesslich Schlimmes tut, das wir ihm über die gesamte Laufzeit unmöglich verzeihen können.

    Gerade die Art und Weise, wie dieser Konflikt letzten Endes aufgelöst wird, halte ich ebenfalls für fragwürdig, das macht mir aber noch lange nicht den ganzen Film kaputt.

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    Was Jim tut, ist moralisch falsch, aber das macht ihn noch lange nicht zu einem Unmenschen. Wenn ich den FIlm sehe, ist mir stets bewusst, dass er einen furchtbaren Fehler begangen hat, aber ich kann seine Tat auch nachvollziehen. Jim war gefangen in einer der schlimmsten Situationen, die man sich als Mensch überhaupt vorstellen kann: Sein ganzes Leben in absoluter Einsamkeit zu verbringen, ohne je einer anderen Seele zu begegnen.

    Wir sprechen hier nicht von einem gefrusteten Psycho, der seine Ex-Freundin stalkt, weil er kein Nein akzeptieren kann, sondern von einem Menschen ohne jegliche Aussicht darauf, jemals wieder mit einem anderen Lebewesen zu kommunzieren. Soziale Beziehungen gehören zu den Grundbedürfnissen unserer Spezies. Jims Entscheidung, Aurora aufzuwecken, ist furchtbar, aber zutiefst menschlich.

    Der große Kritikpunkt macht "Passengers" erst sehenswert

    Ich habe oft den Vorschlag gehört bzw. gelesen, dass „Passengers“ als düsterer Psychothriller viel besser gewesen wäre als als weichgespülte Blockbuster-Romanze. Aber gerade die Tatsache, dass hier zwei makellose Hollywood-Schönheiten in einer hochkünstlichen, luxuriösen Umgebung eine fast schon lächerlich geile Zeit haben, die aber von einer moralisch so verwerflichen Tat unterwandert wird, verleiht dem Film einen individuellen Touch, den ein stringenter Thriller oder gar Horrorfilm wohl nie gehabt hätte.

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    Auch wenn die letztendliche Auflösung des Konflikts am Ende auch für mich unbefriedigend und unglaubwürdig war, so hat mir „Passengers“ doch genau das gegeben, was ich mir von einem Science-Fiction-Film erwarte: Atemberaubende Schauwerte und Stoff zum Nachdenken über das Wesen des Menschseins.

    Dass mir „Passengers“ auch vier Jahre nach seinem Erscheinen noch so lebhaft im Kopf geblieben ist und ich mich immer noch frage, wie ich an Jims Stelle gehandelt hätte, ist für mich ein klares Zeichen, dass der Film eben auch einiges richtig macht.

    *Bei diesem Link zu Sky handelt es sich um einen Affiliate-Link. Mit dem Abschluss eines Abos über diesen Link unterstützt ihr FILMSTARTS. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.

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